12´18Pubertät

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Wie kann Pubertät und Schule zusammen gedacht und gebracht werden? Es geht um Erwachsenwerden, um Gemeinschaftserfahrungen und darum, gesehen, gehört und beteiligt zu werden – auch wenn sich junge Menschen noch so verstörend verhalten.

Pubertät als Phase der Selbstfindung und der radikalen Persönlichkeitsumstellung ist mit der herkömmlichen Schule nur schwer vereinbar. Wenn Lehrkräfte versuchen, Schule gegen Schülerinnen und Schüler durchzusetzen, kann das sehr anstrengend werden. Wenn Schule ihre Angebote aber so gestaltet, dass sie bei der Persönlichkeitsfindung helfen, dann können Kinder und Jugendliche Erstaunliches leisten. Und das Gefühl der Befriedigung überlagert die Anstrengung. Diese Erfahrung ist Grundlage der Beiträge dieses Heftes – auch wenn sich junge Menschen bei ihrer Befreiung noch so verstörend verhalten. Dazu werden die folgenden Fragen thematisiert:

  • Wie kann Schule bei der schwierigen Suche nach sich selbst helfen?
  • Wie kann Schule sich auf radikale Persönlichkeitsveränderungen einstellen?
  • Was kann einem weiblichen Rowdy beim Wiederentdecken des Lernens helfen?
  • Wer oder was unterstützt dich beim Erwachsenwerden? – Was sagen Schüler(innen)?
  • Wie können »Herausforderungen« zu Bewährungserfahrungen werden?
  • Wie kann Klassentheater helfen, sich als Gruppe neu zu finden?
  • Wie kann Theater stark machen gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit?
  • Was kann Classroom-Management zum Umgang mit herausforderndem Verhalten beitragen?

Allen Beiträgen gemeinsam ist, dass in dieser Entwicklungszeit Erfahrungen in der Gruppe besonders wichtig sind: Erfahrungen in einer Gemeinschaft, in der sie gesehen, gehört und beteiligt werden. Für alle diese Aktivitäten gilt deshalb auch, dass über den Inhalt hinaus die Stärkung des Einzelnen in der Gruppe eine hohe Bedeutung hat.

Johannes Bastian

Pubertät: Das schwierige Finden seiner selbst

… und wie Schule bei der Suche helfen kann

Susanne Thurn

Sie sind so an- und aufregend wie kaum je zuvor, unglücklich oder euphorisch in atemraubender Geschwindigkeit. Sie weisen Liebe zurück und sind doch so bedürftig nach Zuwendung. Sie testen Grenzen aus, erweitern und überschreiten sie, erproben ihre Macht. Sie wollen sich befreien, zugleich gehalten werden. Sie ziehen sich in sich zurück und preschen dann doch wieder nach vorn, leisten Erstaunliches!

»Wenn der Hummer den Panzer wechselt, verliert er zunächst seinen alten Panzer und ist dann so lange, bis ihm ein neuer gewachsen ist, ganz und gar schutzlos.« (Dolto 2005 zitiert nach Largo/Czernin S. 8)

Dieses Bild hilft (mir), Verständnis für eine der schwierigsten, eindrücklichsten und auch offensten Phasen des Erwachsenwerdens aufzubringen. Leicht ist es nicht, weder als Eltern noch als Pädagoginnen und Pädagogen, die unterschiedlichen Reaktionen zu ertragen, mit denen junge Menschen auf das antworten, was in ihnen und mit ihnen geschieht. Pubertät mag bisweilen schwer aushaltbar sein, gesellschaftlich gesehen ist sie jedoch ein »Jungbrunnen«: »Künstlerische Kreativität, Erneuerung von ethischen Vorstellungen wie auch technische und wissenschaftliche Innovationen würden ohne die Sturm-und-Drang-Periode weitgehend ausbleiben.« (Largo/Czernin S. 24).

Die pädagogische Suche nach Antworten auf die vielschichtigen Probleme und zukunftweisenden Herausforderungen begleitet die Zunft seit jeher. In diesem Jahrtausend ist dies das dritte Heft von PÄDAGOGIK, das von »Pubertät« handelt (H. 7 – 8/2001, 6/2011 und jetzt 12/2018). Auch andere Hefte beschäftigen sich mit dem Werden von jungen Menschen, ihren Nöten und denen ihrer Erwachsenen (»Schülerkrisen« H. 4/2013 oder »Verhaltensauffällige Schüler« H. 11/2016).

Wer werde ich gerade?

Sehr viele schulische Inhalte verlieren an Wichtigkeit während der Pubertät. Die Konzentration auf vorgegebene Sachen fällt schwer. Die Auseinandersetzung mit dem sich verändernden Körper und die Suche nach der Geschlechtsidentität, der sexuellen Orientierung fordern Zeit und Kraft, körperliche wie seelische. Selbstzweifel an sich und das Leiden mit sich nehmen zu, Zuversicht ab. »Die Hormone toben«, aber keineswegs zeitgleich für alle Schülerinnen und Schüler einer Klasse. Schon wenn Kinder die Schule beginnen, können zwischen ihrem chronologischen und ihrem Lern- und Entwicklungsalter bis zu vier Jahren liegen, ohne dass eine Behinderungsform vorliegt. In der Pubertät kommen Reifungsgeschwindigkeiten zeitlich und inhaltlich zu höchst unterschiedlichen Abschlüssen: Bis zu sechs Jahren können sie nun differieren. »Kinder«, die sich an entsprechenden Spielen erfreuen, sitzen neben jungen Frauen und jungen Männern, die mit ihren Häutungen zu kämpfen haben. Probleme verstärken sich, wenn man weit zurück liegt in der Entwicklung und sich quält, weil man die Gespräche, Heimlichkeiten, Andeutungen, auch sexuellen Erprobungen der anderen in der Gruppe nicht nachvollziehen kann und sich »falsch« fühlt, aber auch, wenn man meint verstecken zu müssen, was sich im eigenen Körper schon tut und nach außen für alle sichtbar wird. Propagierte Idealvorstellungen von schönen Frauen und sportlichen Männern verstärken die Selbstzweifel bis hin zur Selbstdistanzierung. Ich weiß noch nicht, wie ich werde, und auch nicht, ob ich das wirklich will, was auf mich zuzukommen scheint.

Die Entdeckung, vielleicht nicht so wie die anderen zu »ticken«, kann in tiefe Identitätskrisen stürzen, wenn nicht offen kommunizierbar ist, was es alles an sexuellen Orientierungen geben kann und dass es normal ist, verschieden, auch »anders« zu sein. Aber bieten Schulen diesen selbstverständlichen Umgang miteinander? Gibt es in ihnen vertrauensvolle Beziehungen, die solche Einstellungen ermöglichen jenseits eines oft doch immer noch verschämten »Aufklärungsunterrichts«? In diesem Alter wollen junge Menschen viel wissen über ihre Körper und die neuen Gefühle, sind aber sensibel gegenüber allen »Peinlichkeiten« und sprachlos durchgraust von dem, was sie sich neugierig an Pornographischem zugemutet haben. Gibt es geschützte Räume und verlässliche Zeiten, sich über das auszutauschen, was bewegt? Und Erwachsene, die sich auskennen? Mit ihren Unsicherheiten sollten Jugendliche nicht alleine fertig werden müssen und erst recht nicht mit verbalen Übergriffen, verstörenden Erlebnissen, körperlichen Zudringlichkeiten.

Für all das, was hier an Herausforderungen auf Pädagoginnen und Pädagogen zukommt, kann es keine Rezepte geben, hilft zunächst nur: genau hinsehen, sensibel beobachten, professionell beraten lassen, bedacht handeln. Eine Fülle von Literatur berät, wenn man sich um Nachvollziehen und Verstehen bemüht, u. a. Helmut Fend über Sozialpsychologie im Jugendalter; Karin Flaake zur sexuelle Entwicklung junger Mädchen; das Heft: »Sexualerziehung Sek I« des Landesinstituts Hamburg 2014; Gerd Eikenbusch und Ingo Spitczok von Brisinski zu Jugendkrisen und Krisenintervention; zuletzt das Heft: »Sexuelle Vielfalt in der Schule« von PÄDAGOGIK H. 2/2018.

Bewähren durch »echte« Herausforderungen, sich als wirksam, damit wichtig erleben durch Tun und Sein.

Auf die große Spanne zwischen biographischem und entwicklungsgemäßem Alter von bis zu sechs Jahren nimmt Schule mit überwiegender Jahrgangsnorm keine Rücksicht. Wann ist der richtige Zeitpunkt, Pubertät in den Blick zu nehmen, damit die einen nicht verständnislos bis abweisend reagieren, für die anderen der richtige Zeitpunkt längst verpasst ist, zumal dann, wenn es um deutlich mehr gehen muss als biologische Sachlichkeit?

Längst wissen wir auch, dass sich mit der Pubertät der Biorhythmus ändert und der frühe Schulbeginn morgens kontraproduktiv für sinnvolles Lernen ist. Was hindert Schulen daran, mit den Kleinen zu beginnen und den Größeren einen deutlich späteren Anfang zu gönnen? Die Einwände kennen wir alle – überzeugen tun sie nicht wirklich, wenn wir die Bedürfnisse der jungen Menschen ernst nehmen.

Nicht nur bei diesem letzten Thema ist mit Klaus Hurrelmann in diesem Heft zu fragen: Lassen sich Schule und Pubertät überhaupt versöhnen?

Wer oder was will ich sein?

Den Panzer der Kindheit abzuwerfen ist schmerzhaft, aber auch mit Befreiung verbunden. Diese Freiheit macht unter anderem offen für »letzte« Fragen. Wer oder was will ich sein und warum – Ich, unverwechselbar ICH! Themen gewinnen an Bedeutung, die dabei Orientierung geben können: Leben-Liebe-Hass-Glück-Schuld-Tod, das »richtige« Leben in Religionen, Umgang mit den anderen in der Gesellschaft, Gewaltlosigkeit als Antwort auf Gewalt, mit anderen in der Gruppe leiden und sich freuen können, Demokratie als nützlich gegen die Herrschaft der Wenigen oder auch Besten selbst erleben, Philosophieren über universelle Ethik … Sich darüber auszutauschen ist jungen Menschen in dieser Entwicklungszeit wichtiger als schulische Inhalte, die darauf nicht eingehen. Sie wollen »brennen« für etwas, nicht Fakten pauken oder Erkenntnisse anderer repetieren. Wenn sie »angerührt« werden, sind sie ganz bei der Sache und zugleich bei sich. Bei dem Theaterstück »Doch einen Schmetterling habe ich hier nicht gesehen«, das Rainer Devantié mit Acht- bis Zehntklässlerinnen und -klässlern inszenierte und in diesem Heft vorstellt, habe ich mit Erschütterung erlebt, wie junge Menschen sich eben noch spielerisch balgten, miteinander blödelten, sich ausschütteten vor Lachen über irgendwas Banales, fröhlich einander auf den Arm nahmen, also einfach fast noch kindlich herumtollten … und wenig später in ihre Rollen als Kinder im Ghetto und KZ schlüpften, sichtbar bewegt mehr als nur ihre Rollen auf die Bühne brachten, selbst in sich miterlebten, was sie spielten. Jugendliche suchen nach »Sinn« – Schulen sollten ihre Inhalte für diese Entwicklungsjahre daraufhin überprüfen, inwieweit sie »letzte Fragen« in den Mittelpunkt stellen oder wenigstens berühren können (»Werte« heißt das H. 12/2017 von PÄDAGOGIK).

Pubertät ist die Zeit, in der Gesellschaften Rituale des Übergangs in die Erwachsenenwelt schaffen. Oft sind sie mit einem mehr an Rechten und Verantwortung, anzuerkennende Werten und einschränkenden Verhaltensregeln verbunden. Das kann Jugendliche mit Stolz erfüllen und stärken, aber auch in Konflikte stürzen. Noch wissen wir zu wenig über Werte, Rituale, Regeln, Zwänge, denen Jugendliche aus anderen Kulturen ausgesetzt sind und unter denen sie in unserer Kultur leiden, wenn sie sie dort als nicht gültig und anerkannt erleben (Kleidervorschriften, Autoritätsvorstellungen, Verhaltenszuschreibungen, Geschlechterstereotypen, Sexualitätsnormen, …). Mit der abnehmenden Wichtigkeit von Religionsgemeinschaften in unserer Gesellschaft und dem Unbehagen gegenüber staatlich aufgetragenen Initiationsriten gibt es inzwischen immer seltener Rituale, die den Übergang feierlich markieren – vgl. auch hier Klaus Hurrelmann in diesem Heft – brauchen wir sie vielleicht nicht doch?

Wie werde ich sichtbar?

Der in der Pubertät angelegte »gesellschaftliche Jungbrunnen« wird von Erwachsenen oft nicht erkannt, da der jugendliche Wunsch nach Veränderung in störender Opposition zu Bestehendem und einem geordneten Alltag steht. Wie können wir die darin liegenden Chancen erkennen und den Erscheinungsformen (Jugendsprache – gesellschaftspolitische Utopien – Querdenken – Kreative Ausdrucksformen – überschießende Anklagen – herausragende Leistungen auf nicht-schulischen Feldern …) die nötige Aufmerksamkeit entgegenbringen? Gerade jetzt sollten Schulen viel mehr an Wahl- und Profilierungsmöglichkeiten für besondere musische-kreative-künstlerische-sprachliche-mathematische-naturaffine-technische-gesellschaftliche-sportliche Interessen und Fähigkeiten schaffen und die Ergebnisse durch Anerkennung – nicht zuletzt bei der Berechnung von Schulabschlüssen – würdigen.

Ulrich Hartmann und Thomas Makowski beschreiben, wie verschieden das ist, was junge Menschen in diesem Alter »reizt«, womit sie »sichtbar« werden wollen. Haben sie es gefunden, sind sie mit erstaunlicher Kraft und Ausdauer bei ihren je eigenen Vorhaben und wachsen an deren Verwirklichung.

Sichtbar werden junge Menschen bei Präsentationen ihres Könnens auf der Bühne: singend, musizierend, tanzend, auch vortragend, vor allem Theater spielend. Es ist kein Zufall, dass in jedem Heft zum Thema Pubertät mindestens ein Beitrag die Wirksamkeit von Theater beschreibt!

Andere aber bleiben unsichtbar und wehren sich dagegen. Gesellschaftliche und innerfamiliäre Widersprüche, soziales Ausgegrenztsein, fehlende Zukunftsperspektiven, mangelnde Akzeptanz, geringe Wahrnehmung von Selbstwirksamkeit werden von Jugendlichen in der Pubertät belastend erlebt und bisweilen radikal beantwortet durch ein Verhalten, das auf Aufmerksamkeit zielt und tolerierbare Grenzen überschreitet. Schulmüdigkeit bzw Schulabbruch, krankhafte Verhaltensweisen, Drogenmissbrauch, Gewalt gegen andere und sich selbst, wie Autoaggression, Anorexie, auch Suizidgefährdungen … nehmen zu (Eikenbusch/Spitczok von Brisinski) – oft sind sie auch ein Zeichen dafür, dass Jugendliche glauben, nur so auf sich aufmerksam machen zu können, nur so »sichtbar« zu werden. Pädagoginnen und Pädagogen haben die Verantwortung für ein gelingendes Leben der ihnen anvertrauten Jugendlichen, müssen sinnvollerweise dafür in multiprofessionellen Teams arbeiten, ohne die Verantwortung an andere abzugeben, brauchen bedeutend mehr Zeitressourcen, damit sie unter dieser Last nicht zerbrechen. Einige mögliche Hilfen für die Bewältigung von Alltagssituationen im Klassenraum zeigt Christoph Eichhorn in diesem Heft auf.

Wer braucht mich – wie bewähre ich mich?

In der Pubertät wollen junge Menschen mehr als zuvor sich bewähren durch »echte« Herausforderungen, sich als wirksam, damit wichtig erleben durch Tun und Sein. »Bewährung. Von der nützlichen Erfahrung, nützlich zu sein« heißt der aufschlussreiche Titel eines Buches von Hartmut von Hentig schon 2006. Inzwischen haben einige Schulen verstanden, dass in diesem Alter belehrender Unterricht und erzwungenes Pauken oft wirkungslos werden, nicht nur, weil der Widerstand wächst. Viel, wenngleich längst nicht genug, gibt es bereits an erfahrungsgesättigten Vorschlägen: »Herausforderungen« oder »Entschulung« über mehrere Wochen (Heft »Herausforderungen« 7 – 8/2014 der PÄDAGOGIK); gut geplante Praktika, auch Langzeitpraktika, bei denen das wichtige Thema Lebensplanung als Erwerbs-, Haus- und Familien- sowie Gemeinschaftsarbeit eingebunden ist; längere Auslandsaufenthalte, Austauschprogramme mit anderen Schulen und dergleichen mehr. Ebenfalls wirksam sind niedrigschwelligere Angebote wie die Ausbildung von Mentorinnen und Mentoren für Jüngere, Sport­helferinnen und Sporthelfer, »Buddy Scouts«, Projekte des »Lebenspraktischen Lernens« aller Art. (Anregungen u. a. in PÄDAGOGIK H. 6/2011, 6/2012 und 7 – 8/2018).

Sie wollen »unverwechselbar ICH«, zugleich »wie alle anderen« sein: ein aushaltbarer Widerspruch?

Solche Highlights im Schulleben wirken auf den »normalen« Unterricht zurück, nicht nur, weil die Schülerinnen und Schüler ihn danach wieder williger annehmen, sondern vor allem, weil die Erwachsenen die Jugendlichen neu wahrnehmen: vielfältiger befähigt, als sie sie bisher sahen, selbstbewusster, verantwortlicher für ihr Tun, erwachsener schon. Diese neue Sicht auf die Jugendlichen kann in den Schulalltag hinüber gerettet werden, wenn Schülerinnen und Schüler nun sowohl bei der Auswahl von Inhalten zu Problemfeldern als auch individueller Formen der Aneignung, Ausführung und Präsentation, schließlich der Bewertung ihrer Ergebnisse beteiligt werden, um zu fördern, was in der Pubertät besonders wichtig ist: Bezug zum eigenen Leben – Orientierung an der Zukunft – selbstbestimmtes Aneignen – eigenverantwortliches Handeln – erweiterte Verantwortung – Möglichkeiten für Eigeninitiative, Kreativität, Experimentierfreude, Gruppenarbeit, Forschungen außerhalb der Schule. Jugendliche wollen interessiert, möglichst fasziniert werden, ihre je eigene Sache finden, für die zu brennen sich lohnt: Was für eine Chance für Schule! Die Beiträge in diesem Heft spiegeln genau das – Pubertät und Schule könnten so versöhnt werden, wie auch Klaus Hurrelmann anregt!

Wer und was hält mich?

Wie immer junge Menschen sich während der Pubertät verhalten, wie elementar und verstörend für andere ihre Befreiung ausfällt, wir können einigermaßen sicher davon ausgehen, dass sie zugleich gehalten werden wollen … irgendwie von den Eltern »trotz alledem«, auch von der Schule, vor allem aber von Gleichaltrigen. Nach deren Anerkennung streben sie mehr als je zuvor, wollen von ihnen gesehen, gehört, beteiligt werden und in einer von ihnen gewählten Gruppe einen sie schützenden und stärkenden Platz finden. Gelingt das, schärfen sich Selbstwahrnehmungen und die wirksame Arbeit an sich selbst in dem Maße, wie die Gruppe zugewandt reagiert, sie annimmt, bei sich aufnimmt, auch anregt und weiter bringt. Sie wollen »unverwechselbar ICH« sein, zugleich unbedingt »wie alle anderen« und müssen mögliche Widersprüche dabei aushalten!

Der Übergang aus der engen Familienbindung hin zu neuen Bindungen ist ein schwerer Schritt, der mit Mut und Kraft geleistet werden muss. Gefährdet sind junge Menschen, wenn sie Ausgrenzung bis hin zu Mobbing erleben oder die gewählte Gruppe andere, bisher abgelehnte Werte vertritt, an die Anpassung durch Gruppendruck erzwungen wird, aus deren schädlichen Einflüssen man sich nur schwer befreien kann. Auch daraus können verstörende und sogar zerstörende Jugendkrisen entstehen.

Damit gerade in dieser wichtigen Entwicklungszeit Gruppenprozesse gelingen, muss für sie deutlich mehr Zeit, Raum, Augenmerk und Interesse aufgebracht werden. Hilfreich sind außerschulische Aktivitäten wie Klassenfahrten und Ausflüge, aber auch Unterrichtsprojekte, die nicht nur den Inhalt, sondern immer zugleich die Stärkung des Einzelnen in der Gruppe fördern. In dem Beitrag von Marina Palm beschreiben ihre Schülerinnen und Schüler, was sie als Individuen und als Gruppe stark macht – so stark, dass sie sich für andere einsetzen und der Gesellschaft etwas zurückgeben wollen. Marion Oswald hat mit zwei parallelen Gruppen auf gleicher Textgrundlage Theaterstücke erarbeitet und auf die Bühne gebracht. Die Prozesse und die Aufführungen zeigen, wie unterschiedlich Gruppen agieren, vor allem aber, wie schwierig und wichtig – oder auch selbstverständlich und leicht – es sein kann, aus Individuen Gruppen werden zu lassen. »Gehalten werden« – in der Gruppe und in der Schule … »Ich war ein Rowdy, ein weiblicher eben« sagt Danuta von sich selbst. Die Schule hat sie dennoch ausgehalten und dadurch gehalten. Sabine Geist beschreibt, wie mit Danutas Herausforderungen bis an die Grenzen der Duldsamkeit von Erwachsenen umgegangen wurde und was zum Erfolg führte. Nicht immer gelingt so etwas – aber wenn es gelingt, ist viel gewonnen, nicht nur für die Schülerin auf ihrer Suche nach sich selbst und ihrem Leben.

Es lohnt sich also unbedingt, die ganz und gar schutzlosen Hummer ohne Panzer zu begleiten, bis sie ihre neuen gefunden haben.

Literatur

Eikenbusch, Gerhard/Spitczok von Brisinski, Ingo (22010): Jugendkrisen und Krisenintervention in der Schule. Hamburg Fend, Helmut (2003): Entwicklungspsychologie des Jugendalters. Ein Lehrbuch für pädagogische und psychologische Berufe. Opladen, 3. Aufl.
Flaake, Karin (2001): Körper, Sexualität und Geschlecht. Studien zur Adoleszenz junger Frauen. Gießen
Hentig, Hartmut von (2006): Bewährung. Von der nützlichen Erfahrung, nützlich zu sein. München/Wien
Largo, Remo H./Czernin, Monika (2011): Jugendjahre. Kinder durch die Pubertät begleiten. München

Dr. Susanne Thurn war Lehrerin, Hochschullehrerin, Schulleiterin der Laborschule Bielefeld, arbeitet jetzt in der Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften und ist Mitglied der Redaktion von PÄDAGOGIK.
Adresse: Voltmannstr. 123e, 33619 Bielefeld
E-Mail: susanne.thurn(at)uni-bielefeld.de

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Begehrtes Smartphone

Was sich Kinder wünschen

Auf den Wunschlisten von Kindern steht ein neues Smartphone ganz oben. Das zeigt eine vor kurzem veröffentlichte repräsentative Umfrage zum Konsumverhalten von Heranwachsenden. Zwar freuen sich Kinder auch über Fahrräder, Plüschtiere oder Gesellschaftsspiele. Wenn es aber nach ihnen geht, würden 41 Prozent der 4- bis 13-Jährigen ein Smartphone oder Handy vorziehen. Knapp die Hälfte (48 Prozent) besitzt bereits ein solches Gerät. Fast so hoch im Kurs wie Smartphones stehen bei Kindern Tablets und Computer sowie Spiele für Konsolen. Grundsätzlich gilt, dass die Geräte wichtiger werden, je älter die Kinder sind. Für die Studie im Auftrag von sechs Zeitschriftenverlagen über Konsum- und Freizeitvorlieben von Kindern im Alter von 4 bis 13 Jahren waren rund 3 300 Interviews geführt worden.
Die Studie zeigt auch, dass die Kinder die laufenden Kosten für die Geräte nur selten aus eigener Tasche bezahlen müssen. Nur 3 Prozent von ihnen werden dafür von ihren Eltern herangezogen. Die Kinder und Jugendlichen verfügen im Durchschnitt über knapp 23 Euro im Monat, die sie vor allem für Süßigkeiten und Lesestoff ausgeben. Dabei hat sich die auffällige Lücke zwischen Jungen und Mädchen weiter geschlossen: Jungen erhalten im Schnitt 23,40 Euro im Monat, bei den Mädchen sind es 22,46 Euro.
Dieser Durchschnittswert lässt sich auch noch nach Altersgruppen differenzieren: Während die Sechs- bis Neunjährigen ein monatliches Taschengeld von durchschnittlich 18,76 Euro bekommen, steigt die Summe bei den 10- bis 13-Jährigen auf knapp 35 Euro.
Trotz Digitalisierung des Alltags sind den Kindern und Jugendlichen echte Begegnungen sehr wichtig: Als wichtigste Freizeitaktivitäten nannten die Befragten »mit Freunden zusammen sein« (89 Prozent) und »im Freien spielen« (81 Prozent). Auch lesen drei Viertel von ihnen Bücher oder Zeitschriften mindestens einmal pro Woche.

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Abrahams Kinder

In Gifhorn hat eine christlich-muslimische Kita eröffnet

Im niedersächsischen Gifhorn ist im Sommer eine »Zwei-Religionen-Kita« eröffnet worden. Ihr Angebot richtet sich an Kinder aus christlichen, muslimischen und konfessionslosen Familien. Die Initiatoren sprechen von einer bundesweit einmaligen Einrichtung. In Osnabrück gibt es bereits seit mehreren Jahren eine »Drei-Religionen-Schule« und eine jüdisch-christliche Kindertagesstätte. An den staatlichen Schulen in Hamburg wird derzeit ein interkonfessioneller Religionsunterricht eingeführt. Aber bisher gab es noch kein Angebot für die gemeinsame Kindertagesbetreuung von christlichen und muslimischen Kindern. Eine ähnliche Planung gibt es derzeit in Berlin-Moabit, wo im Jahr 2021 eine »Drei-Religionen-Kita« für Christen, Juden und Muslime eröffnet werden soll.
Nach Aussage der Kita-Leiterin Linda Minkus ist das besondere an dem neuen Konzept, dass Religion im Vordergrund steht. Dies soll für die Kinder bereits im Morgenkreis erfahrbar werden, wenn Lieder mit christlichem und muslimischem Hintergrund gesungen würden. Insgesamt besuchen derzeit 15 muslimische, christliche oder konfessionslose Kinder im Alter zwischen einem und fünf Jahren die Tagesstätte »Abrahams Kinder«. Sie werden sich unter anderem mit den religiösen Feiertagen beschäftigen und lernen, warum die einen Weihnachten und Ostern feiern und die anderen Ramadan. Das Essen folgt den Speisevorschriften des Islam. Und bei den vier Erzieherinnen sind die Religionen gleichmäßig vertreten.
Das Projekt geht auf eine Kooperationsvereinbarung der muslimischen Ditib-Moschee in Gifhorn, der katholischen St. Altfrid-Gemeinde und der evangelischen Dachstiftung Diakonie zurück. Gern hätten die Initiatoren auch eine jüdische Gemeinde mit einbezogen, doch in Gifhorn gibt es keine jüdische Gemeinde.

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Investitionsstau in deutschen Schulgebäuden

Das Problem ist bekannt und augenfällig: Viele Schulen in Deutschland sind baufällig, denn oft fehlt Städten und Gemeinden das Geld, um sie zu renovieren. In einer vor kurzem veröffentlichten Studie beziffert die Förderbank KfW den Investitionsbedarf an deutschen Schulen auf fast 48 Milliarden Euro. Dieser Stau habe sich vor allem in größeren Kommunen über die letzten Jahre hinweg aufgebaut. Gemessen am Vorjahr sei die Lücke vor allem in Nordrhein-Westfalen und in Süddeutschland größer geworden. Eine Ursache sei jedoch auch, dass überall die Ganztagsbetreuung ausgebaut wird. Und Mangel herrscht nicht nur an den Schulen. Auch für Kindertagesstätten fehlen den Kommunen bundesweit der Studie zufolge weitere 7,6 Milliarden Euro. Damit macht der Bildungsbereich nach Einschätzung der KfW mit zusammen gut 55 Milliarden Euro (Vorjahr: 37,4 Mrd Euro) inzwischen mit 35 Prozent den größten Teil des Investitionsrückstandes der Kommunen aus. Dieser kletterte nach KfW-Berechnungen insgesamt auf den Höchststand von 158,8 Milliarden Euro.
Die Studie erkennt durchaus an, dass Städte und Gemeinden seit einigen Jahren allmählich wieder mehr in Schulen und Kitas investieren. Allerdings werde ein Großteil der Ausgaben durch steigende Baupreise regelrecht »aufgefressen. Die KfW-Ökonomen ziehen ein ernüchterndes Fazit: Selbst in dem unmöglichen Fall, dass die Kommunen ihre gesamten Investitionsausgaben in Schulen und Kitas stecken könnten, würde der Abbau des gewaltigen Berges fast sieben Jahre dauern. Dabei ist nicht berücksichtigt, dass bestehende Gebäude unterhalten und neue Ganztagsangebote geschaffen werden müssen.

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Thüringen: Lehrer werden wieder verbeamtet

In Zeiten des zunehmenden Lehrermangels unternehmen die Bundesländer alles, um Nachwuchskräfte zu gewinnen. So hat Thüringen nach mehr als elf Jahren wieder damit begonnen, neue Lehrkräfte zu verbeamten. In einem ersten Schwung wurden rund 1300 Lehrkräfte zum Ende ihrer Probezeit zu Beamten auf Lebenszeit ernannt. »Mit der Wiedereinführung der Verbeamtung steigern wir die Attraktivität des Lehrerberufs«, erklärte Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) diese Kehrtwende in der Personalpolitik.

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Noch immer große Lohnunterschiede in Ost und West

Nach wie vor gibt es große regionale Unterschiede bei den Löhnen und Gehältern in Deutschland. In den östlichen Bundesländern verdienen die Arbeitnehmer deutlich weniger als im Westen. Am wenigsten bekamen Vollzeitbeschäftigte Ende 2017 im Landkreis Görlitz in Sachsen. Wer dort arbeitet, verdient durchschnittlich 2 183 Euro brutto im Monat. Zu diesen Zahlen kommt die Bundestagsfraktion der Partei »Die Linke«, die dafür die Statistiken der Bundesagentur für Arbeit ausgewertet hat. Bundesweit am besten verdient demnach ein Arbeitnehmer in der bayrischen Stadt Ingolstadt in Bayern mit 4 635 Euro.
Vergleicht man die Bundesländer, so sind die die mittleren Verdienste in Hamburg mit 3619 Euro am höchsten. Es folgen Baden-Württemberg mit 3 546 Euro und Hessen mit 3 494 Euro. Schlusslicht ist Mecklenburg-Vorpommern mit 2391 Euro, knapp davor liegen Thüringen (2 459 Euro) und Sachsen (2 479 Euro).
Der bundesweite Schnitt der mittleren Entgelte lag Ende 2017 bei 3209 Euro und damit etwas höher als ein Jahr zuvor mit 3 133 Euro. Vergleicht man die Gehälter von der östlichen und der westlichen Bundesländer miteinander, so liegen Vollzeitbeschäftigte im Westen mit nun 3 339 Euro im Schnitt deutlich vorn gegenüber den Kolleginnen und Kollegen im Osten mit 2 600 Euro.

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Kinderschutzbund: Hohe Dunkelziffer bei armen Kindern

Nach Einschätzung des Deutschen Kinderschutzbundes sind 1,4 Millionen mehr Kinder von Armut betroffen als bisher angenommen. Die Organisation geht von insgesamt etwa 4,4 Millionen Kindern in Deutschland aus, die in armen Verhältnissen leben. Der Hauptgrund für diese Differenz ist nach Ansicht von Kinderschutzbund-Präsident Heinz Hilgers darin zu suchen, dass viele Familien aus Scham oder Unwissenheit staatliche Leistungen nicht in Anspruch nehmen und deshalb in den Statistiken nicht erfasst würden.
Der Kinderschutzbund bezieht seine Zahlen u. a. aus Angaben der Bundesregierung. Demnach nehmen geschätzt nur etwa 50 Prozent der Berechtigten sogenannte aufstockende Leistungen nach Hartz IV  in Anspruch. Das allein betreffe rund 850 000 Kinder unter 18 Jahren. Unter Hinzunahme von weiteren Daten kommt der Kinderschutzbund auf die genannte Dunkelziffer von etwa 1,4 zusätzlichen Kindern in Armut. Der Kinderschutzbund sieht in diesen Zahlen ein »Armutszeugnis für ein reiches Land«. Hilgers forderte die Bundesregierung auf, entschlossener gegen Kinderarmut vorzugehen.

Die offiziellen Zahlen

Die offizielle Zahl der Kinder mit Hartz IV-Unterstützung hat in den letzten drei Jahren ausschließlich durch die Zuwanderung zugenommen. Dies zeigen die im April 2018 von der Bundesagentur für Arbeit veröffentlichten Zahlen (siehe Abb.). Sie zeigen, dass die Zahl der Hartz-IV-Empfänger bei Kindern ohne deutsche Staatsbürgerschaft gestiegen ist. Die meisten davon sind Geflüchtete oder aus dem EU-Ausland zugezogen. Im Dezember 2017 haben mit 621 357 fast 23 Prozent mehr Kinder Unterstützung erhalten als ein Jahr zuvor.
Insgesamt ist die Zahl der Kinder in der Grundsicherung im Jahresvergleich leicht um 1,7 Prozent auf 2,028 Millionen gestiegen. Die Zahl einheimischer Kinder in Hartz IV ist demgegenüber rückläufig. Im Dezember 2017 lebten der Statistik zufolge 1,406 Millionen Kinder mit deutscher Staatsbürgerschaft von der Grundsicherung, 81 576 weniger als ein Jahr zuvor. Das entspricht einem Rückgang um 5,5 Prozent.
Die BA-Statistik unterscheidet dabei ausschließlich nach der Staatsbürgerschaft. Einen möglichen Migrationshintergrund erfasst die Statistik nicht.

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Weniger Bafög-Empfänger

Die Zahl der Schüler und Studierenden, die für ihre Ausbildung Bafög-Leistungen beziehen, sinkt weiter. Im Jahr 2017 erhielten 782 000 Schüler und Studenten die staatliche Ausbildungsförderung, das waren etwa 41 000 oder fünf Prozent weniger als im Jahr zuvor. Diese Zahlen gab das Statistische Bundesamt (Wiesbaden) bekannt. Damit setzt sich eine langfristige Entwicklung fort, denn die Zahl der Geförderten sinkt bereits seit 2013. Das bedeutet jedoch nicht, dass auch die Ausgaben des Bundes für Bafög sinken, denn da zuletzt pro Kopf mehr ausgezahlt wurde, war im Jahr 2017 eine Steigerung um rund 70 Millionen Euro (2,4 Prozent) auf 2,9 Milliarden Euro zu verzeichnen.
Zum Hintergrund: Seit dem Jahr 2015 wird die Bafög-Unterstützung ausschließlich vom Bund finanziert. Das Bafög soll Kindern von Eltern mit niedrigeren Einkommen den Weg bis zum Abitur und ein Studium ermöglichen. Nach einem Ende 2017 veröffentlichten Bericht der Bundesregierung ging die Zahl der Empfängerinnen und Empfänger innerhalb von vier Jahren bis 2016 um 16,7 Prozent zurück. Im Zeitraum von 2010 bis 2016 waren Bedarfssätze und Freibeträge nicht erhöht worden. Die Quote der geförderten Studenten sank in diesem Zeitraum von 27,3 auf 22,1 Prozent der Anspruchsberechtigten. Ein 2017 geförderter Student bekam im Schnitt 499 Euro pro Monat und ein Schüler 456 Euro. Insgesamt floss 2017 Bafög an rund 225 000 Schüler und 557 000 Studenten.
Im Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD hatten die Parteien einen Ausbau des Bafög bis 2021 vereinbart. In diesem Zeitraum will die Bundesregierung eine Milliarde Euro zusätzlich für eine Bafög-Reform zur Verfügung stellen.

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Sachsen fördert Sprachbildung in Kitas

Die sächsische Landesregierung will die Sprachentwicklung der Kinder in den Kindertagesstätten des Landes stärker fördern als bisher. Um dies zu ermöglichen, hat das Landeskompetenzzentrum zur Sprachförderung im Sommer 16 Fachberater ausgebildet. Sie sollen Kindertagesstätten besuchen und vor Ort Erzieherinnen und Erzieher zu ihrem Dialogverhalten beraten. Auf diese Weise soll die sprachliche Entwicklung der Jungen und Mädchen in den Kitas unterstützt und verbessert werden. Laut einer Statistik des sächsischen Sozialministeriums kann im südöstlichen Bundesland etwa jeder dritte angehende Erstklässler nicht richtig sprechen.

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Immer mehr Länder stellen die Kitas beitragsfrei

Ein wichtiges Ziel im Koalitionsvertrag von Union und SPD ist die »Entlastung von Eltern bei den Gebühren bis hin zur Gebührenfreiheit«. Seit dem Sommer sind die Eltern in vielen Bundesländern tatsächlich entlastet worden. So ist die Bundeshauptstadt Berlin das erste Bundesland, das die Kita-Gebühren komplett abschafft. Hier müssen die Eltern für die Betreuung ihrer Kinder in Kitas oder bei Tagesmüttern seit dem Sommer generell keine Beiträge mehr zahlen. Den letzten Schritt in diese Richtung hat die Landesregierung damit getan, dass sie die Kinderbetreuung auch für Kinder unter einem Jahr abgeschafft hat; die anderen fünf Jahre vor Schulbeginn waren schon seit 2007 schrittweise beitragsfrei gestellt worden. Allerdings müssen die Eltern weiterhin das Essen in den Kitas finanzieren – in der Regel 23 Euro monatlich.
Andere Bundesländer haben sich auch schon längst auf den Weg gemacht: So gibt es in Rheinland-Pfalz die Beitragsfreiheit für Kinder ab zwei Jahren bereits seit 2010. In Niedersachsen und Hessen ist die Kinderbetreuung seit diesem Sommer für Kinder ab drei Jahren beitragsfrei. Und auch in Brandenburg müssen die Eltern seit dem 1. August für das letzte Kita-Jahr kein Geld mehr zahlen. Andere Bundesländer wie Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern haben noch keine konkreten Pläne für eine kostenfreie Kinderbetreuung.
Die Bundesregierung unterstützt die Länder bei der Umsetzung ihrer Pläne. In den kommenden Jahren sollen Milliarden für die Kitas fließen. Bis zum Jahr 2022 sollen es insgesamt 5,5 Milliarden Euro sein. Oberstes Ziel bei der Förderung durch den Bund ist aber nicht Gebührenfreiheit, sondern Verbesserungen der Betreuung. Davon sollen die Kitas ebenso profitieren wie die Kindertagespflege. So sollen zum Beispiel ein verbesserter Betreuungsschlüssel und eine bessere Qualifizierung der Erzieher finanziert werden.
Am Ziel, dass Kitas schrittweise beitragsfrei werden, hält Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) ausdrücklich fest. Ihrer Meinung nach können hohe Elternbeiträge Eltern davon abhalten, ihr Kind in eine Betreuungseinrichtung zu geben. Damit würden dann auch Bildungschancen nicht genutzt. Die Ministerin verwies auf eine Studie der Bertelsmann-Stiftung, der zufolge einkommensschwache Familien bei Kita-Beiträgen überproportional stark belastet werden. Zwar sind die Gebühren in den meisten Kommunen nach Einkommen gestaffelt. Die Forscher fanden jedoch heraus, dass Haushalte unterhalb der Armutsrisikogrenze einen nahezu doppelt so hohen Anteil ihres Einkommens für die Kita aufwenden müssen wie finanziell besser gestellte Familien. In Zahlen: Eltern, die über weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens verfügen und daher als armutsgefährdet gelten, geben monatlich demnach knapp zehn Prozent ihres gesamten Haushaltsnettoeinkommens für die Kita aus. Im Mittelwert sind das 118 Euro. Bei Familien oberhalb der Armutsgrenze sind es 178 Euro – dies sind jedoch nur rund fünf Prozent ihres Einkommens. Bundesweit wenden Eltern im Schnitt 5,6 Prozent ihres Nettoeinkommens – 173 Euro – monatlich für die Kita auf. Hinzu kommen Kosten etwa für Mittagessen, Hygieneartikel und Ausflüge von 45 Euro im Schnitt.

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Initiative fordert mehr Leseförderung

Eine Initiative von prominenten Vertretern aus Bildung, Kultur, Wissenschaft und Gesellschaft macht sich Sorgen um die Lesekompetenz von Kindern in Deutschland und fordert die Politik zu einem energischen Ausbau der Leseförderung in den Schulen auf. In einer vor kurzem veröffentlichten »Hamburger Erklärung« appellieren u. a. die Schriftstellerinnen Kirsten Boie und Ulla Hahn sowie der Fernsehjournalist Ulrich Wickert an die Bildungspolitik, dem Lesenlernen einen größeren Stellenwert einzuräumen. Sie beruft sich auf die Ergebnisse einer internationalen Grundschul-Leseuntersuchung (IGLU) aus dem Jahr 2016, derzufolge fast ein Fünftel der Zehnjährigen nicht so lesen kann, dass der gelesene Text auch verstanden wird. Dies hält die Kinder- und Jugendbuchautorin Kirsten Boie für »dramatisch«. Die 68-jährige frühere Lehrerin ist Initiatorin der »Hamburger Erklärung«.
Im internationalen Vergleich rutschte Deutschland in der regelmäßig durchgeführten IGLU-Studie seit 2001 von Platz 5 auf Platz 21 aller beteiligten Länder ab. Dies hält Boie für besonders alarmierend: »Dass uns 16 Länder überholt haben, zeigt doch, dass es möglich ist, etwas zu tun – auch in vergleichbaren Ländern«, sagte sie bei der Vorstellung ihrer Initiative.
Die Liste der Erstunterzeichner reicht von Elbphilharmonie-Intendant Christoph Lieben-Seutter und dem Generalmusikdirektor der Hamburgischen Staatsoper, Kent Nagano, über den ehemaligen Hamburger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi (SPD) und den Ärztlichen Direktor der Kinder- und Jugendpsychiatrie am UKE, Michael Schulte-Markwort, bis hin zu Fernsehmoderatorin Bettina Tietjen und Michel-Pastor Alexander Röder.
Die Unterzeichner fordern u. a. frühzeitige Fördermaßnahmen in Kleingruppen an den Grundschulen und mehr Studienplätze für die Lehrerausbildung, um ausreichend Grundschullehrer einstellen zu können. Außerdem müsse es Bibliotheken, Lesungen und Lektüreprogramme gerade auch an solchen Schulen geben, deren Schülerschaft eher bildungsfern ist.

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Niedersachsen: Viele Lehrer müssen an anderen Schulen aushelfen

In Niedersachsen müssen in diesem Schuljahr rund 2 000 Lehrerinnen und Lehrer auch an anderen Schulen als ihrer Stammschule unterrichten. Dies ist notwendig geworden, weil es durch den um sich greifenden Lehrermangel nicht möglich war, alle Schulen bedarfsgerecht auszustatten. Die Unterrichtsversorgung stelle ihn angesichts eines höheren Bedarfs nicht zufrieden, erklärte Niedersachsens Kultusminister am 8. August in Hannover. Einige Lehrer arbeiten nun zwar weiter an ihrer Schule, betreuen aber im neuen Schuljahr auch Kurse an einer anderen Schule.
Die abgeordneten Lehrkräfte geben in diesem Schuljahr nach Angaben von Schulminister Grant Hendrik Tonne (SPD) rund 18 500 Stunden. Von den rund 70 000 Lehrern an den allgemeinbildenden Schulen in Niedersachsen müssen knapp drei Prozent an anderen Schulen unterrichten. Vor allem in der Sekundarstufe I fehlen Lehrerinnen und Lehrer. Nach Angabe von Tonne liegt die Unterrichtsversorgung an Haupt-, Real-,und Oberschulen bei etwa 95 Prozent. Damit habe sich die Situation weiter verschärft, so Tonne. An den weiterführenden Schulen sei die Lage an Gymnasien am besten. Hier kann im Schnitt rund 100 Prozent des Unterrichts erteilt werden. Deshalb wurden unter anderem rund 400 Gymnasiallehrer mit rund 2 660 Stunden von der Schulaufsicht an Grundschulen abgeordnet. 4 700 Stunden wandern vom Gymnasium an Haupt-, Real- und Oberschulen, 2 300 vom Gymnasium an Integrierte und Kooperative Gesamtschulen im Land.
Im Nachbarland Bremen ist die Situation weniger angespannt als in Niedersachsen. Dort haben zum Schuljahresbeginn 308 neue Lehrkräfte ihren Dienst angetreten. 50 Stellen bleiben unbesetzt. Sie sollen zunächst durch Kooperationen und Vertretungen zwischen den einzelnen Schulen gedeckt werden, formale Abordnungen gibt es nach den Worten von Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) nicht.

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Bayern: Mehr kleine Kinder in den Kitas

Trotz bayrischer »Herdprämie« besuchen immer mehr Buben und Mädchen unter drei Jahren in Bayern eine Kindertagesstätte oder werden von einer Tagesmutter betreut – Im März 2018 lag die Zahl bei mehr als 103 000 und damit um mehr als 3 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Nach Angaben des Statistischen Landesamts vom 16. August war das ein Plus von gut drei Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Schon damals war die Zahl der unter Dreijährigen in Kinderbetreuung verglichen zu 2016 um fünf Prozent gestiegen. Insgesamt besuchten nach Angaben des Statistischen Landesamtes zum Stichtag Anfang März 2018 rund 570 000 Jungen und Mädchen öffentlich geförderte Kitas oder waren bei Tagesmüttern untergebracht – das waren 2,4 Prozent mehr als im Vorjahresmonat.

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Viele Studienanfänger in NRW

Im größten deutschen Bundesland ist die Zahl der Studienanfänger innerhalb von zehn Jahren um mehr als 60 Prozent gestiegen. Im Studienjahr 2016 schrieben sich an den nordrhein-westfälischen Hochschulen nach Angaben des Statistischen Landesamtes 124 481 junge Menschen erstmals ein. Das waren 66,7 Prozent mehr als im Jahr 2006. Damals hatte die Zahl bei 74 694 gelegen. Außerdem starteten 2016 zum ersten Mal mehr Frauen (62 794) als Männer (61 687) ins Studium. Der Frauenanteil ist den Statistikern zufolge im letzten Jahrzehnt kontinuierlich, vor allem aber in den Jahren 2013 bis 2016 gestiegen. Wenig überraschend angesichts der zwischenzeitlichen Einführung des achtjährigen Gymnasiums ist ein weiterer Trend: Die Studienanfänger werden jünger. Während 2006 nahezu jeder zweite Hochschul-Neuling im Alter von 20 oder 21 Jahren (Frauen 44,2, Männer 44,5 Prozent) sein Studium aufnahm, waren 2016 nur noch 28,1 Prozent der Frauen und 26,7 Prozent der Männer bei Studienbeginn 20 oder 21 Jahre alt.

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Kürzere Studienzeiten

Die Studienreform der vergangenen beiden Jahrzehnte hat ein wesentliches Ziel offenbar erreicht: Die durchschnittlichen Studienzeiten an den deutschen Hochschulen sind kürzer geworden. Insbesondere an den Universitäten hat sich nach Angaben des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) der Anteil der Abschlüsse in der Regelstudienzeit im Zeitraum 2015 bis 2017 gegenüber den Erhebungen in den Jahren 2003 bis 2005 in fast allen betrachteten Fächern erhöht. Am deutlichsten sei dieser Trend in den Fächern Mathematik und Erziehungswissenschaft sowie Bau- und Umweltingenieurwesen zu beobachten. In diesen Fächern schlossen mehr als 80 Prozent der Absolventinnen und Absolventen ihr Studium in der Regelstudienzeit plus 2 Semester ab. Im Fach Mathematik steigerte sich der Anteil der Studiengänge in der Spitzengruppe nach Angaben des CHE von 18 auf 75 Prozent und in Erziehungswissenschaft von 19 auf 53 Prozent. Im Fach Bau- und Umweltingenieurwesen stieg die Zahl der Studienabschlüsse in der Regelstudienzeit von ehemals 0 auf 29 Prozent. In den Fachhochschulen konnten die Studienzeiten nicht in gleicher Weise verkürzt werden. In Architektur stieg der Anteil der Spitzengruppenplatzierungen von 59 auf nun 64 Prozent. In der Schlussgruppe findet sich hier kein Fachbereich mehr. Und auch im Fach Soziale Arbeit konnte der bereits gute Wert von 77 Prozent in der Spitzengruppe noch auf 83 Prozent gesteigert werden.
Nach Einschätzung von CHE-Experten hängt die Einhaltung der vorgesehenen Zeit für ein Studium zwar auch von individuellen Voraussetzungen ab, aber ebenfalls von den Rahmenbedingungen im Studium, wie z. B. einer transparenten Organisation des Studiums und kleinen Gruppengrößen.

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Mehr Abschlüsse an Universitäten und Fachhochschulen

Im Prüfungsjahr 2017 haben 501 734 Menschen einen Hochschulabschluss an einer deutschen Universität oder Fachhochschule erworben. Im Vergleich zu 2016 stieg die Anzahl der Abschlüsse demnach um zwei Prozent. Insgesamt hat sich die Zahl nach Angaben des Statistischen Bundesamtes seit dem Jahr 2001 kontinuierlich erhöht. Dieses Wachstum betrifft nicht alle Fachbereiche in gleicher Weise. 40 Prozent der Examina wurden den Statistikern zufolge in der Fächergruppe Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften abgelegt. Gut jeder vierte Abschluss (26 Prozent) entfiel auf die Fächergruppe Ingenieurwissenschaften, und jeweils elf Prozent der Hochschulabschlüsse wurden in den Fächergruppen Mathematik und Naturwissenschaften beziehungsweise Geisteswissenschaften erworben. Nur sechs Prozent der Absolventen legten einen Hochschulabschluss in Humanmedizin bzw. Gesundheitswissenschaften ab. Sport, Agrar-, Forst- und Ernährungswissenschaften, Veterinärmedizin sowie Kunst, Kunstwissenschaft kamen zusammengefasst auf einen Anteil von sieben Prozent.
Wenn man die Lehramtsabsolventinnen und -absolventen nicht berücksichtigt, hatte rund die Hälfte aller Absolventen einen Bachelorabschluss in der Tasche. Diese Zahl lag nur um ein Prozent höher als im Jahr zuvor. Dagegen stieg die Zahl der Masterabschlüsse deutlich um zehn Prozent: auf 136 500. Die Zahl der erfolgreichen Abschlussprüfungen in den Lehramtsstudiengängen blieb mit 44 000 weitgehend konstant. Deutliche Rückgänge gab es hingegen bei den herkömmlichen Fachhochschulabschlüssen: Hier sank die Zahl um 17 Prozent auf 8 200.

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Bundeselternrat warnt vor Abbau des Schwimmunterrichts

Der Bundeselternrat warnt davor, den Schwimm­unterricht an Grundschulen einzuschränken. Angesichts von verschuldeten Städten, vielen Schwimmbadschließungen und einem grassierenden Lehrermangel sei die Gefahr groß, dass gerade am Schwimmunterricht gespart werde. Nach Aussage des Vorsitzenden Stephan Wassmuth gebe es bereits für über 25 Prozent der Grundschulkinder aus verschiedenen Gründen keinen Schwimmunterricht. Unter anderem würden nicht mehr ausreichend Lehrkräfte für diesen Bereich ausgebildet. Der Bundeselternrat fordert dagegen, dass Schwimm­unterricht ein fester und verpflichtender Bestandteil der Lehrpläne in der Grundschule sein müsse Deutschland.
Nach einer 2017 veröffentlichten Forsa-Umfrage im Auftrag der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) sind 59 Prozent der Zehnjährigen keine sicheren Schwimmer. Als sicherer Schwimmer gilt, wer das Jugendschwimmabzeichen in Bronze – auch bekannt als Freischwimmer – absolviert hat.

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Deutsche Schüler belegen dritten Platz beim »Physik-Weltcup«

Jeder kennt die Situation: Der Strohhalm steckt im Cola­glas, wird von den Gasblasen langsam angehoben und fällt womöglich gleich auf den Tisch. Dahinter steckt ein spannendes physikalisches Problem. Wie verhält sich nämlich ein Strohhalm, wenn er auf eine bestimmte Art in ein Glas mit Cola gesteckt wird? Springt er aus dem Glas heraus oder bleibt er in der Flüssigkeit? Dies ist eine der kniffligen Fragen, mit denen sich die Teilnehmer des »Physik-Weltcups« in China beschäftigt haben. Eine fünfköpfige Schülergruppe aus Deutschland war dabei und konnte sich über den dritten Platz freuen. Die sächsischen Schüler waren das einzige nicht-asiatische Team, das es auf das Siegerpodest schaffte. Lediglich die Teams aus Singapur und China waren stärker. Den vierten Platz belegte das Team aus Korea.
Nationaltrainer Michael Steck freute sich nach dem Finale über die Steigerung seiner Mannschaft. Bei der Weltmeisterschaft 2017 in Singapur hatte die deutsche Mannschaft noch den sechsten Platz belegt. In diesem Jahr waren vier Jungen und ein Mädchen im Alter von 16 bis 18 Jahren aus Sachsen, Bayern und Baden-Württemberg für Deutschland gestartet. Insgesamt hatten über 30 Nationen an dem Wettkampf teilgenommen. Die Teams hatten die Aufgabenstellungen bereits vor dem Abflug nach China in ihren Heimatländern erhalten. Beim International Young Physicists’ Tournament (IYPT) in Peking trugen die Teams in sogenannten Fights ihre Lösungsvorschläge vor. Ein gegnerisches Team hatte dann die Gelegenheit, Schwachstellen in der Argumentation aufzudecken. Ein drittes Team bewertete als sogenannter Reviewer sowohl den Vortragenden als auch den Gegner. Eine Jury aus Lehrern und Wissenschaftlern beurteilte anschließend die einzelnen Teams. Die auf der Weltmeisterschaft zu lösenden Probleme gehen weit über die Schulphysik hinaus.
Mit 16 Jahren war Saskia Drechsel vom Glückauf-Gymnasium im sächsischen Dippoldiswalde das jüngste Mitglied der deutschen Mannschaft in Peking. Sie gehörte bereits zum Gewinnerteam des nationalen GYPT-Wettbewerbs. Paul Linke vom Geschwister Scholl Gymnasium in Löbau (Sachsen) und Toni Beuthan vom Robert-Bosch-Gymnasium in Langenau (Baden-Württemberg) holten dort mit ihren Teams jeweils Silber, was sie ebenfalls für das Nationalteam qualifizierte. Aus Bayern stießen Frederik Gareis vom Frankenwald-Gymnasium in Kronach und Martin Link vom Gymnasium Kirchheim zum Team, die in Vorbereitungs-Workshops exzellent abgeschnitten hatten.

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Materialien

Interviews zur Schulpädagogik

In 19 spannenden und teilweise kontroversen Interviews mit erfahrenen Schulpädagoginnen und Schulpädagogen fangen Klaus Moegling und Catrin Siedenbiedel in ihrem Buch »Ich würde die Hausaufgaben abschaffen ebenso wie das Sitzenbleiben« zentrale Positionen der aktuellen Diskussion ein. In den per E-Mail geführten Gesprächen geht es um spannende Themen wie Binnendifferenzierung, Inklusion, Lernen und Geschlecht, Bewegung und Leiblichkeit, digitale Medien, soziale Beziehungen zwischen Lehrern und Schülern, Ganztagsschulen, außerschulische Lernorte und vieles mehr. Interview wurden u. a. Jürgen Oelkers, Hilbert Meyer, Dorit Bosse, Michael Schratz, Hans Peter Kuhn, Martina Moritz, Stefan Alsenz sowie Jürgen Mittelstraß. Das anregende Buch ist im Prolog Verlag erschienen und kann zum Preis von 22,80 Euro im Buchhandel bezogen werden (ISBN 978-3-934-575-92-9).

Stark durch Sport

In dem vor kurzem erschienenen Buch »Stark durch Sport« begleiten der starke Bär, der schlaue Fuchs und die kooperative Ameise die Kinder von der ersten bis zur vierten Klasse im Sportunterricht. Mit Hilfe dieser sympathischen Identifikationsfiguren erwerben die Kinder verschiedene Kompetenzen. Der Band ist – nach dem Vorbild der Tiere – entsprechend der Ziele der jeweiligen Sportstunden aufgebaut: Es geht um die Förderung der körperlichen, mentalen und sozialen Stärke. Die Kinder springen als Zirkusbären durch einen Reifen, gehen als listige Füchse auf Jagd oder lernen bei »Alarm im Ameisenwald« die Besonderheiten der fleißigen Tierchen kennen.
Alle Stundenentwürfe sind verschiedenen Lernbereichen des Sportunterrichts zugeordnet. Entsprechende Bilder zeigen, welches sportliche Handlungsfeld die Einheit in ihrem Schwerpunkt bedient – von Ballspielen über Geräteturnen, Leichtathletik und Gymnastik bis hin zur Bewegung auf Eis und Schnee sowie im Wasser. Die Herausgeber Alfred Bleicher, Stefanie Bierl und Farina Egamkul wollen mit diesem Buch die Kinder befähigen, ihre Emotionen bewusst wahrzunehmen und einzuordnen. Der Band enthält methodisch-didaktische Hinweise, Stunden und Bausteine zur Förderung von körperlicher, mentaler oder sozialer Stärke sowie übergreifende Stunden und Bausteine. Das Buch ist im Auer-Verlag erschienen und kann zum Preis von 20,40 Euro im Buchhandel erworben werden (ISBN: 978-3-403-07758-9).

Kostenlose Unterrichtsmaterialien im Internet

Auf der Seite www.unterrichtsmaterial-schule.de finden Lehrkräfte kostenlose Unterrichtsmaterialien für viele Fächer zum Downloaden und Ausdrucken. Die Arbeitsblätter für die Klassenstufen 1 bis 9 an Grundschulen und Sekundarstufenschulen werden als Word-Dateien zur Verfügung gestellt und können daher nach dem Herunterladen verändert und an den eigenen Bedarf angepasst werden. Die private Seite wird von Horst Hicke aus Gomaringen zur Verfügung gestellt und fortlaufend ergänzt.
Auf der Seite www.klassenarbeiten.de finden sich über 1 200 Klassenarbeiten aus verschiedenen Fächern zum kostenlosen Download. Sie können zum Üben eingesetzt werden, aber auch als Fundus für die Gestaltung von Aufgaben dienen.
Auf der Seite www.schlaukopf.de finden sich über 52 000 Übungsaufgaben für die verschiedenen Fächer und Schulformen. Sie können größtenteils als Online-Test direkt am Computer absolviert werden.

Kinderrechte und Globales Lernen in der Grundschule

In ihrem vor kurzem erschienenen Buch untersucht Rebekka Bendig Lernprozesse in der Grundschule, die sich um das Thema »Kinderrechte« herum entfalten. Die Autorin hat erforscht, welche Handlungskompetenzen die Kinder in der Auseinandersetzung mit diesem Thema erwerben. Sie weist nach, auf welche Weise und unter welchen Bedingungen kooperative Bildungsvorhaben eine positive Wirkung entfalten können und wie diese in einen nachhaltigen Kompetenzerwerb münden. Die Arbeit gewährt Einblicke in die aktuelle Lern- und Kompetenzforschung und das Zusammenspiel formeller und informeller Lernprozesse. Die abschließenden Handlungsempfehlungen der Autorin beziehen alle Ebenen des Lernens ein – von der Beziehung zwischen Lehr- und Lernpersonen über methodische Fragen, Aspekte einer demokratischen Schulkultur und Partizipation bis hin zu bildungspolitischen Schwerpunktsetzungen. Das Buch »Handlungskompetenzen entwickeln am Lerngegenstand Kinderrechte: Globales Lernen in Kooperation von Schule, Zivilgesellschaft und Jugendarbeit« ist im Springer Fachverlag erschienen und kann zum Preis von 54,99 Euro im Buchhandel bezogen werden (ISBN 978-3-658-22841-5).

Alles neu? Der Körper in der Pubertät

Zu diesem zentralen Thema in der Sekundarstufe I finden Lehrkräfte und Referendare umfangreiche Unterrichtsmaterialien und Online-Übungen in dem Internetportal https://pubertaet.lehrer-online.de/. Das Material geht u. a. auf folgende Themen ein:

  • Veränderung der äußeren primären Geschlechtsorgane
  • Menstruation und PMS, Entwicklung der Brust
  • Der erste Samenerguss, Stimmbruch
  • Hautunreinheiten, Körperbehaarung, Körpergeruch
  • Kreislaufschwäche, Stimmungsschwankungen
  • Monatshygieneprodukte und Toxisches Schocksyndrom (TSS)

Die herunterladbaren Materialien wurden von der Marke always zusammen mit dem Portal »lehrer-online« erstellt und bereits mehrfach mit dem Comenius-EduMedia-Siegel ausgezeichnet.

Digitale Schulentwicklung

Das Thema Digitalisierung treibt derzeit viele Bildungspolitiker und Schulpraktiker um. Vergleichsstudien deuten darauf hin, dass Deutschland hier inzwischen einen immensen Nachholbedarf gegenüber anderen Ländern hat. Daher wird überall dringend nach Wegen gesucht, den digitalen Umbruch auch in die Schulen zu tragen und die Schülerinnen und Schüler so zu befähigen, digitale Medien besser als bisher zum Lernen zu nutzen. In seinem vor kurzem erschienenen Buch »Digitale Schulentwicklung« verfolgt Johannes Zylka einen umfassenden Ansatz für die Digitalisierung von Schule. Seiner Auffassung nach greift die bloße Ausstattung mit Hardware viel zu kurz. Damit die Digitalisierung gelingt, muss sie seiner Ansicht nach systematisch mit Schulentwicklung, Unterrichtsentwicklung und Personalentwicklung verknüpft werden. Das Buch weist Schulleitungen und Steuergruppen einen gangbaren Weg zu einer Digitalisierung der Schule, bietet entsprechende konkrete Hilfen an und stellt einige Schulen vor, die sich bereits erfolgreich auf den Weg gemacht haben. Es ist im Beltz-Verlag erschienen und kann zum Preis von 24,95 Euro im Buchhandel bezogen werden (ISBN 978-3-407-63054-4).

Die Geschichte des Herschel Grynszpan

Paris, November 1938: Der siebzehnjährige Herschel Grynszpan erfährt, dass seine Familie aus Hannover an die polnische Grenze abgeschoben wurde. Er selbst ist zu der Zeit bei seinem Onkel Abraham in Paris. Verzweifelt plant er, den deutschen Botschafter aufzusuchen, um – notfalls mit Gewalt – seiner Familie zu helfen. In der Botschaft kommt es zu einer dramatischen Auseinandersetzung mit dem Legationsrat Ernst vom Rath, bei der der Beamte von Herschel schwer verletzt wird und wenig später seinen Verwundungen erliegt. Hitler missbraucht diese Verzweiflungstat dazu, zur »Rache für die Mordtat von Paris« aufzurufen: In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 kommt es beinah überall in Deutschland zu einem Pogrom: Juden werden geschlagen, verhaftet und auch ermordet, jüdische Geschäfte geplündert und Synagogen in Brand gesteckt. Wegen der vielen zerbrochenen Fensterscheiben sprechen die Nazis auch verharmlosend von der »Kristallnacht«. Sie wird zum Auftakt des Mordes an Millionen unschuldiger Menschen, die nicht mehr rechtzeitig aus Nazi-Deutschland fliehen können.
Die Geschichte von Herschel Grynszpan erzählt Lutz van Dijk, Mitglied des Beirats von PÄDAGOGIK, in seinem Roman »Der Attentäter«, der vor kurzem in einer Neuauflage erschienen ist. Ergänzt wurde ein Nachwort von Ruth Weiss (Jg. 1924), die als Kind gerade noch rechtzeitig aus Deutschland entkommen konnte. Die Geschichte von Herschel Grynszpan ist ein wichtiger Teil der deutschen Geschichte, der vor dem Hintergrund von fremdenfeindlichen Übergriffen in vielen Teilen Deutschlands leider eine neue Aktualität bekommt. Das Buch ist gut für den Unterricht in der Mittelstufe geeignet. Es ist im Verlag Neuer Weg erschienen und kann zum Preis von 14,– Euro im Buchhandel bezogen werden (978-3-88021-528-3).

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Johannes Bastian

70 Jahre Pädagogische Beiträge/PÄDAGOGIK

Biographie einer schulpädagogischen Fachzeitschrift – Teil II: 1990 bis 2018

Die Zeitschrift PÄDAGOGIK erscheint 1949 als Westermanns Pädagogische Beiträge – in diesem Jahr also im 70. Jahrgang. In ihrer Biographie von den Pädagogischen Beiträgen bis zur ­PÄDAGOGIK spiegelt sich die Schulpädagogik in besonderer Weise: Vom Widerspruch zwischen Reformanspruch und Restauration in den 50er und 60er Jahren über eine an Demokratisierung und Reformarbeit orientierte Schule in den 70er und 80er Jahren bis zu einer Schule im Zeichen von Schul- und Unterrichtsentwicklung, Standardisierung sowie Schulstrukturentwicklung von den 90er Jahren bis heute. Die Rekons­truktion der ersten 40 Jahre ist in Heft 11 nachzulesen; die Entwicklung von 1990 bis 2018 in diesem Heft.

Erziehen in er Schule – 4. Folge Ilona Esslinger-Hinz

Wissen, was man tut: Erziehen durch Unterricht

Die vierte und letzte Folge der Serie »Erziehen in der Schule« fragt nach dem Verhältnis von Erziehen und Unterricht. Wie wird dieser Zusammenhang begründet? Was sind die Aufgaben, was die Grenzen? Was sind Ziele von Erziehungsarbeit? Welche Forschungsbefunde können bei der Orientierung helfen? Überlegungen und Anregungen zu einer Frage, die in der aktuellen schulpädagogischen Diskussion ein Schattendasein führt.

Schüler anhören bei der Genehmigung von Klassenarbeiten?

Sollen Schülerinnen und Schüler bei der Genehmigung von Klassenarbeiten angehört werden, bei denen ein Drittel und mehr mit schlechter als ausreichend bewertet werden soll? Aber: Können Schülerinnen und Schüler ab der 3. Klasse dazu eine reflektierte und verantwortungsvolle Einschätzung abgeben? Oder aber: Warum sollten gerade diejenigen, die davon betroffen sind, nicht einmal angehört werden? Ein entsprechender Erlass in Schleswig-Holstein hat eine Kontroverse ausgelöst.

Regine Lehberger

Lehrer-Schüler-Beziehung

Nicht erst seit der Hattie-Studie wissen wir: Neben fachlichen und didaktischen Kompetenzen ist die Qualität der Beziehung zwischen Lehrenden und Lernenden bedeutsam für wirksames pädagogische Handeln. Bedeutsam ist sie darüber hinaus, weil sie die Wahrnehmung von Erfolg und beruflicher Zufriedenheit beeinflusst. Gute Beziehungen wirken sich also positiv auf das Wohlbefinden und den Erfolg aller Beteiligten aus. Sechs Bücher geben einen Überblick und stellen Konzepte vor, die bei der Verbesserung der Lehrer-Schüler-Beziehung helfen können.

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