3´18Mit kultureller Vielfalt umgehen

Titel PÄDAGOGIK Heft 3/2018
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Wie lassen sich Lernarrangements gestalten, in denen kulturelle Vielfalt erfahren und gestaltet werden kann – Unterschiede der ethnischen Herkunft, der Religionen, der Behinderungen, des Alters oder der sexuellen Orientierung.

Die Frage nach dem Umgang mit der Vielfalt ethnischer Herkunft steht derzeit im Zentrum der pädagogischen Aufmerksamkeit. Das kommende Heft nimmt diese Perspektive auf und weitet gleichzeitig den Blick für kulturelle Vielfalt und interkulturelle Kompetenz. Für Schule bedeutet das die Gestaltung von Lerngelegenheiten, in denen der Umgang mit kultureller Vielfalt erfahren werden kann – mit Unterschieden der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religionen, durch Behinderungen, des Alters oder der sexuellen Orientierung. Die Erfahrungsberichte dieses Heftes berichten und reflektieren, wie der Umgang mit kultureller Vielfalt gestaltet werden kann; dabei fragen wir:

  • Wie können Stereotype und Vorurteile nachhaltig bearbeitet werden?
  • Wie lassen sich kulturelle Unterschiede im interkulturellen Dialog überwinden?
  • Welche Haltungen und Wege helfen bei der Bearbeitung interkultureller Konflikte?
  • Wie können Kulturmittler sprachliche und kulturelle Differenzen überbrücken?
  • Wie kann Schule ihre Vielfalt bewusst feiern und daraus eine Tradition machen?
  • Wie können zwei Kulturen in einer Schule gezielt zusammengebracht werden?
  • Wie kann die Vielfalt der Geschlechter im Unterricht thematisiert werden?
  • Wie lernen Ältere von Jüngeren den Umgang mit dem Computer?

Den Beiträgen gemeinsam ist die systematische Arbeit an der Akzeptanz kultureller Vielfalt – also an der prinzipiellen Wertschätzung von Verschiedenheit und einer Verständigung auf ein Zusammenleben in einer offenen Gesellschaft.

Johannes Bastian

Vortext

Mit kultureller Vielfalt umgehen

Eine Einführung

Jochen Schnack

Heute wird »interkulturelle Kompetenz« eingefordert, um der gewachsenen Heterogenität in Gesellschaft und Schule gerecht werden zu können. Doch welcher Begriff von »Kultur« verbirgt sich dahinter? In der Einführung wird für einen erweiterten Kulturbegriff plädiert, der Pluralität und Differenzerfahrung in den Mittelpunkt stellt. Was bedeutet dies für die Gestaltung von Lerngelegenheiten?

Wenn von kultureller Vielfalt die Rede ist, denken die meisten Menschen vermutlich spontan an andere Länder und fremde ethnische Gruppen. Der eine erinnert sich womöglich der exotischen Eindrücke aus dem letzten Urlaub in Asien, die andere hat ein Bild von einer Straße in Berlin-Neukölln vor Augen, in der es viele türkische Restaurants und Geschäfte gibt. Und bezogen auf die Schule denken wir vielleicht in diesen Tagen vor allem an Kinder aus Flüchtlingsfamilien, die aus einem fernen Land kommen und zu Beginn Probleme haben, sich an unsere Gebräuche und Regeln zu gewöhnen.

Selbstverständlich werden diese ethnischen Aspekte in diesem Heft eine wichtige Rolle spielen, eben weil sie eine große Bedeutung im Alltag vieler Lehrkräfte haben, doch der diesem Schwerpunkt zugrunde gelegte Kulturbegriff ist weiter gefasst. Er orientiert sich an der UN-Konvention zum Schutz der kulturellen Vielfalt aus dem Jahr 2005, die auch in das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz aus dem Jahr 2006 eingeflossen ist. Dort heißt es in Paragraph 1, dass Menschen nicht »aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität« benachteiligt werden dürfen.

Wer einer bestimmten Kultur angehört, hat einen je besonderen Blick auf die Welt.

Damit gehen sowohl die UN-Konvention als auch das Gesetz von einem erweiterten Begriff von Kultur aus. Kultur bedeutet hier zunächst einmal Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe, die durch ein oder mehrere gemeinsame Merkmale bestimmt wird und sich dadurch auch von anderen Gruppen unterscheidet. Angehörige dieser Gruppe machen bestimmte, besondere Erfahrungen, die durch die Gruppenzugehörigkeit bedingt sind, und entwickeln dadurch bestimmte Verhaltensweisen und Deutungsperspektiven – eben das, was dann in dem Begriff »Kultur« zusammengefasst wird. Die ethnische Herkunft kann ein solches Set von Merkmalen sein, aber es gibt darüber hinaus andere Merkmale wie die oben genannten, die ebenso die Zugehörigkeit zu einer Kultur markieren. Zugleich bedeutet ein solcher, erweiterter Kulturbegriff auch, dass jeder Mensch nicht nur einer Kultur angehört, sondern mehreren. Schon im Roman »Steppenwolf« von Hermann Hesse heißt es: »In Wirklichkeit aber ist kein Ich, auch nicht das naivste, eine Einheit, sondern eine höchst vielfältige Welt, ein kleiner Sternenhimmel, ein Chaos von Formen, Stufen und Zuständen, von Erbschaften und Möglichkeiten.«

Ethnische Herkunft, Geschlecht, Alter, sexuelle Orientierung, Musikgeschmack usw.: Diese Merkmale für sich allein oder auch in unterschiedlichen Kombinationen können die Zugehörigkeit zu einer Kultur markieren. In diesem Sinne ist also jeder von uns selbst unweigerlich Teil von mehreren Kulturen. Und diese Zugehörigkeit ist von großer Bedeutung für die Selbstwahrnehmung; als altruistisches Gruppenwesen ist der Mensch grundsätzlich bestrebt, sich selbst einer bestimmten Gruppe – und damit einer bestimmten »Kultur« – zuzuordnen und die besonderen Werte und Normen dieser Gruppe gegenüber anderen zu vertreten. Die Zuordnung zu einer Kultur bedeutet somit notwendigerweise immer auch die Betonung von Differenzen, also der Unterschiede zu anderen Kulturen.

Wer einer bestimmten Kultur angehört, hat damit also einen je besonderen Blick auf die Welt. Als Deutsche nehmen wir die türkischen Mitbürger häufig als »irgendwie anders« wahr, meine Weltwahrnehmung als Mann unterscheidet sich in spezifischer Weise von derjenigen einer Frau, und junge Menschen wiederum haben einen anderen Blick auf die sie umgebende Wirklichkeit als die Alten. Vor allem am letzteren Beispiel wird auch deutlich, dass die Kulturzugehörigkeit dynamisch sein kann: Früher war ich einmal jung, aber jetzt bin ich älter, und damit hat sich auch mein Blick auf die Welt verändert, und die junge Generation tritt mir als nunmehr fremde Kultur – als »Jugendkultur« – entgegen.

»Kultur« ist ein relativer Begriff

Ein wesentliches Kennzeichen eines solchen Kulturbegriffes ist seine Relativität: Ich erlebe als »anders« und womöglich »fremd«, was sich von meiner eigenen Kultur unterscheidet. Derjenige, den ich als einer anderen Kultur zugehörig wahrnehme, nimmt mich ebenso als Vertreter einer fremden Kultur wahr. Und es gibt keine Möglichkeit zu entscheiden, welche Kultur »richtig« oder »falsch« ist. Der im politischen Raum häufig zu hörende Begriff der »Leitkultur« führt hier in die Irre, denn er suggeriert fälschlicherweise, dass eine Kultur »richtig« ist, nur weil sie weit verbreitet ist (was jedoch wiederum angesichts der Pluralität innerhalb der sog. »Leitkultur« auch mit guten Gründen bestritten werden kann). Hingegen sind Kulturen prinzipiell gleichwertig, und sie sind zahlreich.

Was bedeutet dies für die Gestaltung dieses Schwerpunktes? Wenn man einen solchen pluralen Kulturbegriff zugrundelegt und es darum geht, im pädagogischen Kontext bewusst mit kulturellen Unterschieden umzugehen, müssen dabei folgende Ziele im Mittelpunkt stehen:

  • Kinder und Jugendliche, aber auch Lehrkräfte sollen lernen, die Differenzen zwischen Kulturen wahrzunehmen, zu verstehen und letztlich anzuerkennen.
  • Sie sollen sich selbst als einer oder mehreren Kulturen zugehörig wahrnehmen und verstehen, in welcher Weise diese Zugehörigkeit ihren Blick auf die Dinge beeinflusst. Darüber hinaus sollen sie auch verstehen, dass sie selbst von anderen als einer Kultur zugehörig wahrgenommen werden.
  • Sie sollen schließlich die Relativität der Kulturzugehörigkeit und die prinzipielle Gleichberechtigung der Kulturen verstehen.

Interkulturelle Kompetenzen vermitteln

Es gibt keine Möglichkeit zu entscheiden, welche Kultur »richtig« oder »falsch« ist.

Vor diesem Hintergrund geht es bei der Vermittlung von sogenannten »interkulturellen Kompetenzen« letztlich darum, dass die Schülerinnen und Schüler lernen, mit Ambiguität (Mehrdeutigkeit) umzugehen und Unterschiedlichkeit prinzipiell positiv wahrzunehmen, ohne dabei die eigene Zugehörigkeit zu einer oder mehreren Kulturen in Frage zu stellen (s. auch Jugert u. a. 2014, Rademacher/Wilhelm 2009, Stiftung SPI 2011). Dazu gehört auch Empathie, also die Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinversetzen zu können und versuchsweise ihre Perspektive einzunehmen, gerade auch wenn diese aus einer anderen Kultur kommen. Von großer Bedeutung ist auch die Fähigkeit, in ungewohnten und fremdartigen Situationen – z. B. dann, wenn ich eine andere Kultur von innen heraus kennenlernen möchte – flexibel zu handeln und sein Verhalten darauf einzustellen, dass es in anderen Kulturen andere Werte und Normen, aber auch Gebräuche gibt. Letztlich geht es um die Entwicklung von kultureller Toleranz, also um die prinzipielle Anerkennung und Wertschätzung von Verschiedenheit. »Um den Gegensatz zwischen ›uns‹ und ›den Anderen‹ aufbrechen zu können, müssen Schüler(innen) erkennen, dass Vielfalt heute ›die Norm‹ darstellt und Migration ein alltäglicher Prozess ist. Unsere Gesellschaft ist keine homogene Gruppe, sondern jeder Einzelne von uns hat ›plurale Identitäten‹. Ein wichtiges Ziel ist es daher, die Vielschichtigkeit der eigenen Identität sowie die Auswirkungen von unterschiedlichen Identitätsmerkmalen innerhalb unserer Gesellschaft zu erkennen. Es geht darum, Ausgrenzungserfahrungen und -mechanismen zu reflektieren und Rollen zu überdenken. Die Thematisierung von gesellschaftlichen Gruppen und Rollen sowie deren Wahrnehmung und Bewertung in der Gesellschaft, nehmen daher einen wichtigen Stellenwert in der schulischen Auseinandersetzung mit Diversität ein. In diesem Zusammenhang ist eine Beschäftigung mit Vorurteilen, Zuschreibungen und Diskriminierungen von großer Bedeutung. Das Bewusstsein, dass sich jede/r Einzelne/r mehreren Gruppen zugehörig fühlen kann und in sich selbst vielfältig ist, ist wichtig.« (Bendl u. a. 2004, S. 56). Wie dies gelingen kann, zeigen u. a. Beispiele aus österreichischen Schulen, die systematisch und gezielt einen Schulentwicklungsprozess initiiert haben, um Vielfalt und Differenz als positive Werte in der Schulgemeinschaft zu verankern (siehe Interkulturelles Zentrum Wien 2012). Ein solcher Prozess beginnt in der Regel mit einer breiten Bestandsaufnahme, um über Fragebögen, Interviews mit Personen aus verschiedenen Gruppen, Hospitationen sowie einer Dokumentenanalyse den Umgang der Schule mit ihren Umgang mit Vielfalt zu erforschen sowie die Wünsche der Beteiligten kennenzulernen (ein Beispiel für einen umfassenden Fragebogen findet sich bei Stiftung SPI 2011). Das Ergebnis der Bestandsaufnahme sowie erste Ideen für Maßnahmen werden, wenn möglich, in einer ganz- oder halbtägigen Konferenz mit dem Kollegium erörtert, um über die gemeinsame Reflexion und Diskussion eine positive Stimmung für eine Weiterentwicklung der eigenen Praxis zu erzeugen. Im besten Fall werden am Ende der Konferenz konkrete Maßnahmen vereinbart, die in der Folge in der Schule umgesetzt werden. Beispiele für geeignete Maßnahmen sind u. a.

  • der gezielte Einsatz von Lehrern, Schülern oder Eltern, um die intern vorhandene Vielfalt zu nutzen und positiv zu konnotieren (so können z. B. Lehrkräfte, aber unter Umständen auch Eltern mit Migrationshintergrund gezielt für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen mit einem ähnlichen Hintergrund eingesetzt werden).
  • die Visualisierung von Vielfalt in den Schulräumen über Poster, Infomaterial, Bücher, Events usw.
  • die Kooperation mit externen Vereinen oder Trägern, z.B. bei der Durchführung von Praktika.

Die vereinbarten Maßnahmen werden im Anschluss umgesetzt und anschließend evaluiert, z. B. über eine weitere Befragung der Schulgemeinschaft. Maßgeblich ist dabei immer die Frage, ob und in welchem Umfang es der Schule gelungen ist, den positiven Umgang mit Vielfalt und Differenz quantitativ auszuweiten und qualitativ zu verbessern.

Die Gestaltung des Schwerpunktes

Dieser Leitlinie folgend ging es bei der Gestaltung dieses Themenschwerpunktes vor allem darum zu zeigen, wo und wie die Erfahrung von kultureller Andersartigkeit und Differenz in der Schule als Lerngelegenheit im Sinne der Vermittlung von interkultureller Kompetenz ermöglicht werden kann. Dabei steht die ethnische Differenz aufgrund ihrer besonderen und in den letzten Jahren nochmal gewachsenen Bedeutung im Schulalltag im Mittelpunkt, aber es werden beispielhaft auch andere kulturelle Differenzen gezeigt, die in Schule in einer konstruktiven, die Entwicklung von interkultureller Kompetenz fördernden Weise thematisiert werden.

Zu Beginn zeigt Panesar, wie sich Methoden und Verfahren einer vorurteilsbewussten Pädagogik einsetzen lassen, um der Herausbildung von unangemessenen Stereotypen im Schulalltag entgegenzuwirken. Im Anschluss daran berichtet Kramme von einem erprobten Gesprächsformat, in dem religiöse Differenzen thematisiert werden können.

Barkmann stellt in ihrem Beitrag einige in ihrer Berliner Schule erprobte Vorschläge zum Umgang mit interkulturellen Konflikten dar. Im Anschluss daran berichten Klüver u. a. anhand eines konkreten Beispiels vom vielfach bewährten Einsatz von Kulturmittlern an Hamburger Schulen, und Gerlach erläutert das Konzept und die Durchführung eines Kulturfestes an der Lindenauschule in Hanau.

Mit dem Beitrag von Appel vollzieht der Schwerpunkt dann einen Perspektivwechsel, denn die Seminarleiterin aus Berlin berichtet anschaulich von den teilweise ernüchternden Erfahrungen, die sie als russischstämmige Lehrerin in der deutschen Lehrerausbildung gemacht hat.

Ein ganz anderer Ansatz der interkulturellen Arbeit steht im Mittelpunkt des Textes von Whalen: Sie stellt den Alltag am Deutsch-Französischen Gymnasium in Freiburg/Br. dar. Als eine von ganz wenigen Schulen in Deutschland vereint es gezielt zwei nationale Kulturen und Bildungsgänge.

Die letzten beiden Beiträge schließlich nehmen zwei völlig andere interkulturelle Perspektiven in den Blick: Rosen stellt die Frage, wie die Vielfalt der Geschlechter in angemessener und altersgerechter Weise im Unterricht thematisiert werden kann, und Scheller berichtet von den Erfahrungen eines langjährigen Projekts in Niedersachsen, bei dem Schüler zu Lehrern werden, indem sie Senioren beim Umgang mit Computern unterstützen. Beide Autoren schildern somit, wie sich im Unterricht eine ganz andere, fremde Welterfahrung für die Schüler thematisieren lässt, wie die Schülerinnen und Schüler sich also in eine andere Kultur und Lebensweise eindenken können, um daran interkulturelle Kompetenzen zu schulen.

Denn letztlich geht es genau darum: die eigene Perspektive zu erweitern, die anderen aus ihrem eigenen kulturellen Kontext heraus zu verstehen und sich letztlich im Hinblick auf ein Zusammenleben in einer offenen Gesellschaft zu verständigen.

Literatur

Bendl, R./Hanappi-Egger, E./Hofmann, R. (2004): Interdisziplinäres Gender- und Diversitymanagement. Wien Hesse, H. (1987): Der Steppenwolf. GW Bd. 7, Frankfurt a.M., S. 242
Interkulturelles Zentrum Wien: Ich – Du – Wir: Unterrichtsvorschläge und Projekte für die schulische und grenzüberschreitende Auseinandersetzung mit Diversität. URL: www.iz.or.at/images/doku/broschuere_ich_du_wir_web.pdf
Jugert, G./Jugert, H./Notz, P. (2014): Fit für kulturelle Vielfalt: Training interkultureller Kompetenz für Jugendliche. Weinheim
Rademacher, H./Wilhelm, M. (2009): Spiele und Übungen zum interkulturellen Lernen. Berlin
Stiftung SPI (2011): Handreichung zu Diversity in Schule und Berufsvorbereitung, Berlin. URL: www.migration-online.de/data/spi_vielfalt_gestaltet.pdf
UN-Konvention zum Schutz der kulturellen Vielfalt (2005): URL: http://unesdoc.unesco.org/images/ 0014/001429/142919e.pdf

Dr. Jochen Schnack ist Leiter der German International School in Boston (USA) und Mitglied der Redaktion von PÄDAGOGIK.
Adresse: 40 Holton Street, Boston, MA 02134, USA
E-Mail: jochen.schnack(at)gmx.info

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KMK führt »Tag der beruflichen Orientierung« ein

Die Kultusminister haben sich darauf verständigt, künftig einen »Tag der beruflichen Orientierung« an allen weiterführenden deutschen Schulen einzuführen. Dieser besondere Tag ist Teil eines neuen Konzepts der Kultusministerkonferenz (KMK) zur Stärkung der Berufsbildung. Nach Ansicht der Kultusminister ist inzwischen für zu viele Schülerinnen und Schüler ein Studium als der einzige Weg zu einem attraktiven Beruf. Mit der Stärkung der beruflichen Bildung wollen sie auch Alternativen aufzeigen. Am »Tag der beruflichen Orientierung« sollen sich etwa Firmen vorstellen, und es können werden Tipps für Bewerbungen gegeben werden. In einzelnen Ländern wie Baden-Württemberg existiert ein solcher Tag bereits. Neben dem »Tag der beruflichen Bildung« wollen die Bundesländer auch Betriebserkundungen und -praktika mit Vor- und Nachbereitung ausweiten und die Zusammenarbeit allgemeinbildender Schulen mit Berufsschulen intensivieren. Außerdem sollen die beruflichen Schulen weiterentwickelt werden. Sie sollen die Auszubildenden stärker auf die Digitalisierung der Betriebe vorbereiten, und die Schülerinnen und Schüler sollen dort für den Job wichtige Fremdsprachen besser als bisher erlernen können. Schließlich soll es für Flüchtlinge mit Bleibeperspektive passendere Angebote geben.

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Bayern: Landtag beschließt Rückkehr zu G9 

Die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium (G9) und damit eine Kehrtwende der seit vielen Jahrzehnten regierenden CSU in Bayern ist durch einen Landtagsbeschluss endgültig besiegelt worden. Damit startet das neunjährige Gymnasium mit Beginn des Schuljahres 2018/19 für alle Fünft- und Sechstklässler. Das bedeutet, dass die derzeitigen Fünftklässler der erste neue G9-Jahrgang sind.   Nach Ansicht des bayerischen Kultusministers Ludwig Spaenle (CSU) ist es für die Entwicklung der Schüler gut, dass ihnen künftig wieder mehr Zeit gegeben werde. Er versicherte, dass Lehrpläne, Schulbücher und alles andere rechtzeitig zum neuen Schuljahr fertig werde.  Die Rückkehr zum G9 ist Teil eines umfangreichen Bildungspakets für alle Schularten, das unter anderem 2000 neue Stellen vorsieht. Am neunjährigen Gymnasium wird nicht nur der Nachmittagsunterricht deutlich reduziert, es wird auch Informatik als Pflichtfach eingeführt, und andere Fächer werden gestärkt. Als Überrest vom G8 wird es künftig eine institutionalisierte »Überholspur« geben: Gymnasiasten werden die Möglichkeit haben, die elfte Klasse auszulassen und weiterhin in acht Jahren zum Abitur zu kommen. 

Mit der bereits im Frühjahr eingeleiteten Rückkehr zum G9 zieht die CSU einen Schlussstrich unter jahrelanges Hickhack und teils erbitterten CSU-internen Streit. Damit wird eine Hau-Ruck-Entscheidung des damaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU) rückgängig gemacht. Das um ein Jahr verkürzte Gymnasium (G8) war 2004/05 an den Start gegangen. 

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Rekord: Noch nie so viele Studenten in Deutschland

Die Zahl der Student(inn)en in Deutschland ist derzeit so hoch wie nie zuvor. Im vergangenen Wintersemester hat sie mit rund 2,85 Millionen Menschen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes einen neuen Rekordwert erreicht. Diese Zahl lag um 40 800 oder 1,5 Prozent höher als im Wintersemester 2016/2017. Im Langzeitvergleich lag die Zahl um mehr als 1 Million höher als 1996 (1,8 Millionen) und rund 900 000 höher als im Jahr 2006. Fast zwei Drittel (62,7 Prozent) der Student(inn)en waren im letzten Wintersemester an Universitäten eingeschrieben. Auf Fachhochschulen entfiel ein Anteil von rund einem Drittel (34,5 Prozent). An Verwaltungsfachhochschulen lag die Quote bei 1,5 Prozent, an Kunsthochschulen bei 1,3 Prozent.

Die Zahl der Studienanfänger ging im Studienjahr 2017, zu dem das Sommersemester und das Wintersemester gezählt werden, allerdings zurück. Sie sank im Vergleich zum Vorjahr minimal um 0,1 Prozent auf 509 400. Dabei gab es an den Universitäten einen Rückgang von 1,6 Prozent und an den Kunsthochschulen von 1,2 Prozent. An Fachhochschulen gab es dagegen ein Plus von 0,6 Prozent und an Verwaltungsfachhochschulen sogar von 24,9 Prozent. Auch im Vorjahr hatte die Zahl der Studienanfänger bereits stagniert. Wenn der Trend anhält, müsste die Zahl der Studierenden also bald wieder leicht rückläufig sein.

Die meisten Student(inn)en gibt es zurzeit in Nordrhein-Westfalen. Hier studieren knapp 770 000 junge Menschen. An zweiter Stelle steht Bayern mit gut 390 000 Studierenden, gefolgt von Baden-Württemberg mit gut 363.000. Schlusslicht ist das Saarland mit rund 31.000 Studierenden, gefolgt von Bremen und Mecklenburg-Vorpommern mit je gut 37 000 beziehungsweise 39 000 Studierenden.

Den größten Zuwachs verzeichnet Hamburg mit einem Plus von 6,2 Prozent auf nun gut 107 000 Studierende. Schleswig-Holstein und Hessen haben einen Zuwachs von je 3,9 Prozent zu verbuchen auf nun rund 62 000 respektive 260 000 Studierende. Starke Einbrüche gab es hingegen in Thüringen, hier sank die Zahl der Studierenden um 1,5 Prozent auf nun knapp 50 000. Weitere Rückgänge gab es mit je 0,8 Prozentpunkten in Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt (gut 54 000 Studierende).

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Unterstützung für Montessori-Pädagogik

Die Stiftung Montessori Reformpädagogik unterstützt früh-, vorschul- und schulpädagogische Innovationen und Modelle durch Zuwendungen. Konkrete Projekte in Montessori-Einrichtungen, beispielsweise im Kontext der Kosmischen Erziehung, oder die Ausstattung von Bildungseinrichtungen für Kinder und Jugendliche, insbesondere auch mit didaktischen Materialien der Montessori-Pädagogik sind förderungsfähig. Ebenso kann Unterstützung für die wissenschaftliche Begleitung, Erforschung und Aufarbeitung dieser Modelle beantragt werden. Wer eine Unterstützung bei der Stiftung beantragen möchte, findet eine ausführliche Checkliste auf der Internetseite www.montessoristiftung.info und kann unter der folgenden Adresse Kontakt aufnehmen: Montessori-Stiftung, c/o Siegfried Werner, Hoxfelder Weg 69, 46325 Borken.

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Anzahl der Privatschulen gestiegen

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ist die Zahl der Privatschulen auch im vergangenen Jahr gestiegen. Im Schuljahr 2016/17 gab es in Deutschland insgesamt 5836 allgemeinbildende und berufliche Privatschulen – das bedeutet einen Zuwachs von etwa 3 Prozent gegenüber dem Schuljahr 2011/12. Die sogenannten Privaten Ersatzschulen unterteilen sich in 3 622 allgemeinbildende und 2 214 berufsbildende Schulen. Das entspricht 11 Prozent der allgemeinbildenden und 25 Prozent der berufsbildenden Schulen in Deutschland. Im vergangenen Schuljahr haben 990.402 Schülerinnen und Schüler eine Schule in freier Trägerschaft besucht. Das entspricht etwa 9 Prozent von rund 11 Millionen Schülerinnen und Schüler in Deutschland.

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Jugendliche halten Computer und Internet für die wichtigsten Erfindungen

Für 14- bis 20-jährige Jugendliche sind Computer und Internet die wichtigste Erfindung der Menschheit. Das zeigt eine repräsentative Umfrage von Kantar Emnid, die vor kurzem veröffentlicht worden ist. Damit unterscheiden sich die Jugendlichen nicht von der Mehrheit der Bundesbürger, denn 49 Prozent aller Befragten platzieren ebenfalls Computer und Internet auf Rang eins der wichtigsten Erfindungen. Auf den zweiten Platz schaffte es das Auto mit 29 Prozent der Stimmen und liegt damit weit vor der Jeans (acht Prozent), dem Smartphone (sieben Prozent) und dem Fernsehen (drei Prozent). Ein Blick in die Differenzierung nach Altersgruppen verrät: Unter den 17- bis 18-Jährigen ist die Jeans zwar ebenfalls auf Platz drei, aber sogar für jeden fünften (19 Prozent) die wichtigste Erfindung – weit vor dem Smartphone (vier Prozent). Bei den 19- bis 20-Jährigen hingegen rangiert das Smartphone mit zehn Prozent auf Platz drei und damit noch vor der Jeans (drei Prozent).

Gefragt nach den Erfindungen, auf die am ehesten verzichtet werden könnte, belegt das Fernsehen im Zeitalter der Vernetzung mit 47 Prozent die Spitzenposition. Nur knapp jeder Zehnte (neun Prozent) würde auf Computer und Internet verzichten wollen. Dass Erfinder die Welt verbessern wollen, meinen 67 Prozent der Befragten, wenn es um die Frage geht, was Erfinder wohl am meisten motiviert. Reichtum (23 Prozent) und Berühmtheit (acht Prozent) spielen als Beweggründe für den Erfindergeist aus Sicht der Jugendlichen eine eher untergeordnete Rolle.

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Schleswig-Holstein: Regierung startet »Bildungsoffensive«

Schleswig-Holsteins neue Bildungsministerin Karin Prien (CDU) hat vor kurzem eine »Bildungsoffensive« vorgestellt. Die Landesregierung wolle »massiv in Bildung und damit in die Zukunft unseres Landes« investieren, sagte sie. Der Bildungsetat sei mit 2,5 Milliarden Euro – davon 1,6 Milliarden nur für die Schulen – im Landeshaushalt der größte Posten und mache 16,4 Prozent aus. 

Die Kernpunkte der »Bildungsoffensive«: Der Grundschulunterricht soll ausgeweitet werden, und es sollen 395 zusätzliche Lehrerstellen und 75 weitere Referendarsplätze geschaffen werden. Vom Schuljahr 2018/19 an erhalten Erstklässler eine Stunde mehr Unterricht pro Woche, ab 2019/20 dann auch die zweiten Klassen. 

Darüber hinaus sollen in Schleswig-Holstein künftig mehr Sonderpädagogen ausgebildet sowie Flüchtlingskinder bereits in den Erstaufnahmeeinrichtungen unterrichtet werden.

Hinsichtlich der zusätzlichen Lehrerstellen betonte die Ministerin, dass in Schleswig-Holstein unbefristete Stellen nur an ausgebildete Lehrer vergeben würden. Der Anteil an befristeten Verträgen betrage – je nach Schulart – höchstens fünf Prozent. Schulen in sozialen Brennpunkten sollen laut Prien künftig stärker unterstützt werden als andere. Zu diesem Zweck werde ein Sozialatlas erarbeitet, der Schulen mit besonderen Herausforderungen erfasse. Bis zum Jahr 2020 sollen die Kriterien für den »Bildungsbonus« entwickelt sein und diese Hilfe eingeführt werden. Für diese zusätzliche Förderung sind zunächst zusätzlich fünf Millionen Euro vorgesehen, in den beiden Folgejahren dann sechs und sieben Millionen Euro. 

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Baden-Württemberg: Studiengebühr schreckt internationale Studenten ab 

Nach der Einführung von Gebühren für Studienanfänger aus Nicht-EU-Ländern ist deren Zahl in Baden-Württemberg um ein Fünftel zurückgegangen. Insgesamt habe es nach Angaben von Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) im vergangenen Wintersemester 5 155 neue Hochschul-Einschreibungen aus dieser Gruppe gegeben, dies sei ein Rückgang von 21,6 Prozent. Bauer zufolge steigt die Zahl der internationalen Studenten seit Jahren, so dass auch der neue reduzierte Wert noch über dem von 2011/12 liege. Das Minus sei nicht größer als in anderen Staaten mit solchen Gebühren, sagte die Ministerin. In Deutschland plant bisher nur Nordrhein-Westfalen eine Eigenbeteiligung wie im Südwesten. 

Nach Ansicht von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) stärken die Gebühren langfristig die Internationalisierung der Hochschulen in Baden-Württemberg. Die Studenten aus aller Welt »sollen hierherkommen, weil wir gute Hochschulen haben und nicht, weil es einfach nichts kostet«, sagte er. Für ein gutes Studium müsse man »ein bisschen was hinlegen«, zumal es für mittellose Begabte Ausnahmeregelungen wie das Baden-Württemberg-Stipendium gebe. Bauer verwies überdies darauf, dass ein Studium in den Herkunftsländern der internationalen Studierenden oft viel teurer sei als in Deutschland. So müssten sie z. B. in China bis zu 8 000 Euro, in Indien bis zu 10 000 Euro im Jahr für einen Studienplatz bezahlen. Baden-Württemberg erhebt derzeit, 1 500 Euro pro Semester, von denen 300 Euro in bessere Betreuung von internationalen Studenten fließen. Das sei auch wegen erhöhter Abbrecherquoten in dieser Gruppe wichtig, sagte Bauer.

Gegen die bislang nur im Südwesten erhobenen Gebühren sind Klagen bei den Verwaltungsgerichten in Freiburg, Stuttgart und Karlsruhe anhängig. Aus Sicht der Kläger sind sie diskriminierend, zudem stehe die Verfassungsmäßigkeit infrage.

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Umfrage: Schüler sollten kritischen Umgang mit Digitalisierung lernen

In den Schulen sollte noch mehr als bisher über den kritischen Umgang mit der Digitalisierung gesprochen werden. Diese Position vertreten sowohl Lehrkräfte als auch Manager(innen) in Unternehmen. Bei der Behandlung von Digitalthemen im Unterricht sollte einer Umfrage zufolge die Vermittlung ethischer Grundlagen und ein kritischer Umgang mit der Technik im Mittelpunkt stehen. Vor allem diese beiden Aspekte werden von den befragten Lehrkräften und Managern als wichtig oder sogar äußerst wichtig eingeschätzt. Die Umfrage war vom Meinungsforschungsinstitut YouGov im Auftrag der Firma »Microsoft« durchgeführt worden. 

Die große Mehrheit aller Befragten will demnach durch den Einsatz digitaler Technologien nicht nur digitale Fertigkeiten selbst, sondern auch Kompetenzen wie Teamarbeit und Wissensaustausch im Klassenzimmer fördern. Beim Thema Programmieren gehen die Meinungen zwischen den beiden befragten Gruppen auseinander. Fast jeder zweite Unternehmensentscheider (47 Prozent) meint, dass Schüler programmieren lernen sollten, dem stimmen jedoch nur 26 Prozent der Lehrkräfte zu. 

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Fitter als erwartet

Sind Kinder heute entsprechend weniger fit als frühere Jahrgänge? Einer europäischen Studie zufolge sind mehr als 16 Prozent der Kinder in Deutschland übergewichtig. Dies liege vor allem daran, dass es den meisten Kindern an Bewegung mangelt, denn sie sind nicht einmal eine Stunde täglich körperlich aktiv.

Eine Studie im Raum Baden-Baden hat vor kurzem Daten für den Zeitraum von 2006 bis 2015 veröffentlicht. Dort nahmen jedes Jahr die Erstklässler von 18 Grundschulen – alle aus der Region – an einer Untersuchung teil, bei der Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Gleichgewichtsfähigkeit geprüft wurden. Die Schüler sollten dafür sechs Minuten laufen, 40 Sekunden Liegestütze machen, 20 Meter sprinten sowie eine Minute auf einem Bein stehen. Pro Jahrgang waren etwa 500 Schüler beteiligt; über die Jahre hinweg haben also insgesamt etwa 5 000 Schülerinnen und Schüler teilgenommen. Die Forscher konnten dabei Folgendes feststellen:

  • Die Ausdauerleistung verschlechterte sich bei den Jungen, aber nicht bei den Mädchen.
  • Bei der Kraft blieb die Leistung auf demselben Niveau.
  • Schnelligkeit und Gleichgewichtsfähigkeit verbesserten sich bei beiden Geschlechtern.

Damit konnten die Forscher zumindest für diese Region nachweisen, dass es in den vergangenen zehn Jahren in Summe keine Verschlechterung gab. Allerdings weisen die Forscher darauf hin, dass die Studie nur für den Raum Baden-Baden repräsentativ sei. Diese eher wohlhabende und ländliche Region Baden-Baden unterscheide sich möglicherweise von anderen Regionen Deutschlands.

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Mehr als 20 Prozent Studienabbrecher bei Ingenieuren

Die Zahl der Studienabbrecherinnen und -abbrecher in den Ingenieurswissenschaften ist besorgniserregend hoch. Gut ein Fünftel der Studierenden bricht hier das Studium vorzeitig ab. Von rund 50 000 Studierenden, die zwischen den Wintersemestern 2008/2009 und 2011/2012 ein Ingenieurstudium in Deutschland begonnen haben, beendeten es 21 bis 23 Prozent nicht. Dies zeigt eine vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Untersuchung.

Die Autoren der Studie haben auch die Rahmenbedingungen des Studiums und die Gründe für den Studienabbruch erfragt. Daraus leiteten sie Handlungsempfehlungen sowohl an die Hochschulen als auch an die Studierenden ab. So empfahlen sie, künftige Studenten sollten sich vor Semesterbeginn ausführlich über die Studieninhalte informieren. So würden Enttäuschungen über Fächer, die doch nicht passten, eingeschränkt. Zudem sollten die Hochschulen den Autoren der Studie zufolge mehr Freiräume bekommen, um ihre Studieninhalte selbst zu bestimmen und ihre Studenten auszusuchen. Bei einem Abbruch in höheren Semestern sollten den Betroffenen mehr Alternativen aufgezeigt werden. So könnten sie als gut ausgebildete Fachkräfte gefragt sein. 

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Schleswig-Holstein: Mehr männliche Erzieher den Kitas 

In den ­Kindertageseinrichtungen des nördlichsten Bundeslandes Schleswig-Holstein arbeiten zunehmend Männer. Im März 2017 waren dort  584 männliche Erzieher beschäftigt; dies war eine Steigerung um 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Vergleich zu 2012 wuchs ihre Zahl nach Angaben des Statistikamtes Nord sogar um 67 Prozent. Anfang März 2017 waren 8,2 Prozent des Personals männlich; im Vorjahr betrug die Quote 7,5 Prozent und 2012 6,3 Prozent. Fast 14 Prozent der Beschäftigten unter 30 Jahren waren männlich, bei den Mitarbeiter(inne)n ab 50 nur gut 4 Prozent. 

Insgesamt beschäftigten die Kindertageseinrichtungen in Schleswig-Holstein vor einem Jahr 19 353 Frauen und Männer. Das waren sechs Prozent mehr als 2016 und 29 Prozent mehr als 2012.

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Hoher Lehrerbedarf in Berlin und Brandenburg

Die beiden ostdeutschen Bundesländer Berlin und Brandenburg müssen in den kommenden Jahren Tausende neue Lehrkräfte einstellen und konkurrieren dabei miteinander auf dem umkämpften Markt. Während Brandenburg bis 2023 jährlich bis zu 1 200 neue Lehrkräfte sucht, möchte der Stadtstaat Berlin pro Jahr bis zu 2 200 neue Pädagogen einstellen. Das Problem besteht für beide Länder darin, dass die Zahl der ausgebildeten Lehramtskandidaten bei weitem nicht ausreicht. Daher setzen beide Länder verstärkt auf Seiteneinsteiger. Nach Angaben von Staatssekretär Thomas Drescher hat in Brandenburg derzeit jede fünfte neu eingestellte Lehrkraft nicht eine entsprechende pädagogische Ausbildung. Für diese Seiteneinsteiger hat das Land berufsbegleitende Weiterbildungsgänge eingerichtet. Von 2019 an sollen sie vor dem Einsatz in der Schule in einem dreimonatigen Seminar ausgebildet werden. In Berlin sollen die Seiteneinsteiger bereits in den kommenden Sommerferien vier Wochen lang vorbereitet werden, berichtete der Berliner Staatssekretär Mark Rackles. Er und Drescher betonten, dass sich die beiden Bundesländer trotz des hohen Konkurrenzdrucks nicht gegenseitig Lehrkräfte abwerben wollten.

Allerdings müssen sich die Länder eng abstimmen. So musste Berlin kürzlich schnell nachziehen, als Brandenburg die Gehälter der Grundschullehrer auf die Tarifgruppe 13 erhöht hatte. Denn Grundschullehrer werden mittlerweile bundesweit wegen der steigenden Geburtenrate und des Zuzugs von Flüchtlingen besonders gesucht.

An der Universität Potsdam soll die Zahl der Lehramtsstudienplätze um 200 bis 300 erhöht werden, um den Bedarf zu decken. Aktuell gibt es dort etwa 1 300 Studienanfänger(innen).

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Unterrichtsausfall in Thüringen steigt weiter

Der Anteil der ausgefallenen Schulstunden an den Thüringer Schulen bleibt hoch und steigt sogar. Zu Beginn des aktuellen Schuljahres wurden nach Zahlen des Bildungsministeriums 4,1 Prozent des Unterrichts, also 12 649 Schulstunden, ersatzlos gestrichen. Im September 2016 fiel 3,4 Prozent – also 10 328 Schulstunden – des Unterrichts aus.   Bildungsminister Helmut Holter (Linke) hatte den Lehrermangel und den damit einhergehenden Ausfall von Unterricht zuletzt immer wieder als das drängendste Problem seiner Amtszeit benannt. Im ersten Quartal 2018 will er einen Thüringen-Plan »Zukunft Schule« mit Maßnahmen gegen den häufigen Unterrichtsausfall vorlegen. Dabei setzt der Minister – wie andere Bundesländer mit gleichen Problemen – unter anderem auf Quereinsteiger im Lehrerberuf, ein Weg, der fachlich umstritten ist.

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Gesundheitsrisiko Digitalisierung

Die Arbeitswelt hat sich in den letzten Jahren massiv verändert, und dieser Wandel wird sich eher noch beschleunigen. So ist es mittlerweile für viele Beschäftigte üblich geworden, ständig erreichbar zu sein. Die Automatisierung auch komplexer Tätigkeiten nimmt zu. Nach einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey könnten bis zum Jahr 2030 rund 13 Millionen Jobs durch Automatisierung wegfallen. Der Gesundheitsreport des Dachverbands der Betriebskrankenkassen (BKK) zeigt, dass diese Veränderungen vielen Arbeitnehmern in Deutschland Angst machen. 38 Prozent der Beschäftigten befürchten einen Wegfall von Arbeitsplätzen. An die Digitalisierung als Jobmotor glauben nur 18 Prozent. 45 Prozent vermuten, dass sich Wegfall und Zuwachs ausgleichen werden. Im Rahmen der Untersuchung waren rund 3 000 Versicherte repräsentativ befragt worden. 

Die Befragung zeigt auch, dass nur noch neun Prozent der Befragten ausschließlich analog arbeiten. Für alle anderen gehören Smartphone, Tablet und Computer zur täglichen Arbeit.

Dadurch entstehen gesundheitliche Risiken für die Beschäftigten. Insbesondere die psychischen Folgen sind für die Befragten ein Problem. 28 Prozent fühlen sich durch den technischen Fortschritt mental stärker belastet als zuvor. Nur etwa jeder Zehnte fühlt sich entlastet. Besonders gestresst sind offenbar Beschäftigte in der IT-Branche sowie in naturwissenschaftlichen Berufen. 

Das Ergebnis der Studie spiegelt sich auch in Krankmeldungen wider. Hier setzt sich ein langjähriger Trend fort: Die Zahl der Fehltage wegen psychischer Leiden steigt weiter an. Sie machten im Jahr 2016 einen Anteil von 16 Prozent aller Krankmeldungen aus. Vor zehn Jahren waren es noch zehn Prozent gewesen. Dafür sind nach Ansicht der Betriebskrankenkassen die zunehmende Verdichtung der Arbeit und die rasant fortschreitende Digitalisierung der Arbeitswelt mitverantwortlich. Dadurch müssten etwa 41 Prozent der Befragten ihre Arbeiten schneller und auch häufig mehrere Aufgaben gleichzeitig erledigen. Insgesamt fielen die Beschäftigten im Durchschnitt 17,4 Tage im Jahr krankheitsbedingt aus. 

Bei den Fehlzeiten ist ein deutliches Ost-West-Gefälle zu verzeichnen. Versicherte in Baden-Württemberg sind mit jährlich 14,7 Tagen beispielsweise mehr als eine Woche weniger krank gemeldet als Menschen in Sachsen-Anhalt. Diese kommen auf 23,2 Tage Abwesenheit wegen Krankheit.

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Materialien

Jahrbuch Ganztagsschule

Unter der Überschrift »Lehren und Lernen in der Ganztagsschule« ist vor kurzem das Jahrbuch Ganztagsschule 2018 erschienen. Die Herausgeber Sabine Maschke, Gunild Schulz-Gade und Ludwig Stecher nehmen damit ein konstitutives Begriffspaar für Schule überhaupt in den Blick: Lehren und Lernen bilden in ihrem Zusammenhang den pädagogischen Mittelpunkt dieser Einrichtung. Seit ihren Anfängen geht es in der Schule entscheidend um die Frage, wie beides zum Zweck des erfolgreichen Lernens aufeinander abzustimmen ist. So sehr diese allgemeine Aufgabe der Schule im Kern gleich bleibt, so sehr wandeln sich die auf sie beziehenden Lösungsstrategien im Laufe der Zeit, etwa hinsichtlich der Organisation der Lehr-/Lernprozesse, der eingesetzten Medien etc. Mit Blick auf die Ganztagsschule muss die Verknüpfung von Lehren und Lernen, so die These der Herausgeber, in einem erweiterten Verständnis gedacht werden. Das Jahrbuch thematisiert u. a., wie sich in der Ganztagsschule Erfahrungsräume eröffnen, Lernschwierigkeiten bewältigen und Übungen sinnvoll gestalten lassen. Das Jahrbuch Ganztagsschule begleitet die fortschreitende Entwicklung dieser Schulform kontinuierlich und zählt inzwischen zu den Standardwerken zu diesem Thema. Es ist zum Preis von 26,90 Euro im Buchhandel zu beziehen (ISBN 978-3-95414-076-3).  

Schule in Deutschland verstehen – in sechs Sprachen

Soll mein Kind eine Ausbildung machen oder lieber studieren? Ist eine Drei überhaupt noch gut genug? Wie kann ich am besten mit Lehrkräften in Kontakt treten? Und muss mein Kind wirklich aufs Gymnasium? Fragen, die sich sicherlich alle Familien mit Kindern irgendwann stellen – insbesondere auch Eltern, die nicht in Deutschland aufgewachsen sind. Kompakte und praxisorientierte Antworten zu allen Themen rund um Kita, Schule und Berufswahl bietet der vor kurzem erschienene Ratgeber »Schule in Deutschland verstehen. Grundwissen für Eltern«. In leichter Sprache klärt das Handbuch über Rechte und Pflichten von Eltern auf und vermittelt, wie sie ihre Kinder während der Schulzeit unterstützen können. Das Buch ist in den Sprachversionen Deutsch, Englisch, Arabisch und Russisch sowie seit kurzem auch auf Türkisch und Persisch erhältlich. Der Ratgeber von Alexei Medvedev und Elisabeth Wazinski ist klar strukturiert und folgt dem Weg des Kindes von der Kita über die Einschulung und Schulzeit bis hin zum Eintritt in den Beruf oder weiterführende Ausbildungen. Die Sprache ist bewusst einfach gehalten und wird durch erklärende Illustrationen ergänzt. 100 kurze Texte vermitteln leicht verständlich relevantes Wissen über das deutsche Schulsystem und den Berufseinstieg. Dank der Finanzierung durch die Stadt Hamburg ist der Elternratgeber für alle Hamburgerinnen und Hamburger kostenfrei und kann online unter www.schulmentoren.de bestellt werden. In anderen Bundesländern ist er zum Preis von 19,80 Euro im Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-94404-516-0 für die deutsche Fassung).

Begleitest du noch oder lehrst du schon wieder?

Unter diesem provokativen Titel ist ein neues Buch von Michael Fröhlich erschienen. Er stellt die Frage, worauf es beim Unterrichten wirklich ankommt. Schüler­orientierung, Projekt­unterricht, Kompetenzorientierung, Differenzierung, Individualisierung, Feedback, Steuerung, Instruktion, Konstruktion, Lernbegleitung, entdeckendes und gemeinsames Lernen – wie kann dafür gesorgt werden, dass Kinder oder Jugendlichen ihre Ziele erreichen? Fröhlich nutzt die Metapher des Hausbaus, um anschaulich zu demonstrieren, was guten Unterricht ausmacht. Er unterscheidet Fundamente und Gerüste, tragende Balken mit Wänden, Fenstern und Decken – also Zimmer als zentrale Einheiten – sowie Dachterrassen mit den Ausblicken, die sie ermöglichen. Lehrerinnen und Lehrer, die guten Unterricht erteilen, sollten ihm zufolge positiv leiten und das Lerngeschehen steuern, indem sie Schülerinnen und Schüler individuell fördern und sie zur Teilhabe an der Auseinandersetzung mit einer vielfältigen und heterogenen Welt befähigen und dazu, mit anderen Menschen und mit Differenzen umzugehen. Fröhlich zeigt Lernen als Fundament, passende Lernzugänge und Lernunterstützungen bei Aufgabenstellungen in konstruktiver Lernatmosphäre, selbsttätig und selbstwirksam Lernende. Unterrichtsphasen und funktionale Steuerungsarten erweisen sich als Gerüste, Problemorientierung und Kompetenzorientierung, aber auch Individualisierung und Inklusion als tragende Wände, die Ausblicke auf das erlauben, was hinter den Fenstern liegt. Das 276-seitige Buch ist im Verlag Vandenhoeck und Ruprecht erschienen und kann zum Preis von 15,99 Euro im Buchhandel bezogen werden (ISBN 978-3-647-70247-6).

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Termine

Weiterbildung Lerncoaching

Die Universitäten Braunschweig und Hamburg bieten 2018 berufsbegleitende Zertifikatskurse mit einer wissenschaftlichen Qualifizierung zum systemischen Lerncoach an. Lerncoaching unterstützt den Coachee beim Lösen persönlicher Anliegen und Blockaden im Lernprozess. Ziel des Lerncoaching ist es, Talente zu fördern, Lernstrategien zu entwickeln und die Selbststeuerungsfähigkeit zu stärken. Die Kurse orientieren sich am Kieler Modell Lerncoaching (siehe www.hameyer-systemberatung.de). Zu den Zielgruppen der Kurse zählen Lehrende und Schulleitungen, pädagogisch-psychologische Beraterinnen und Berater, Di­plom- und Sozialpädagog(inn)en, Ausbilder, Weiterbildner. Die Kurse mit je 7 Modulen beginnen am 6. April 2018 in Braunschweig und am 25. Mai 2018 in Hamburg. Weitere Informationen sind bei Rosemarie Köhler (Universität Braunschweig, E-Mail: r.koehler.klbs@tu-braunschweig.de), Nicole Schmidt (Universität Hamburg, E-Mail: nicole.schmidt(at)uni-hamburg.de) sowie bei Uwe Hameyer (E-Mail: uwe.hameyer(at)t-online.de) zu erhalten.

Fachtagung zu Kinderarmut

Die Evangelische Akademie Hofgeismar führt am 17. und 18. April 2018 in Kooperation mit dem Hessischen Ministerium für Soziales und Inte­gration (HMSI), der Caritas und der Diakonie eine Fachtagung zum Thema »Kinderarmut« durch. Die Bekämpfung von Kinderarmut gehört zu den großen aktuellen Herausforderungen der Sozialpolitik. Sie wird auch in der Öffentlichkeit und in den Medien zunehmend thematisiert und skandalisiert. Die Fachtagung will zum einen fachlichen Input für all jene geben, die direkt oder indirekt mit Kinder- bzw. Familienarmut konfrontiert sind. Zum anderen will sie den Erfahrungsaustausch der Praktiker befördern und Modelle der Erkennung und Bekämpfung von Kinderarmut diskutieren. Darüber hinaus soll die Tagung Gelegenheit bieten, die Art des Umgangs mit und der Thematisierung von Armut zu hinterfragen. Weitere Informationen und Anmeldung unter: Evangelische Akademie Hofgeismar, Gesundbrunnen 11, 34369 Hofgeismar, E-Mail: ev.akademie.hofgeismar(at)ekkw.de, Internet: www.akademie-hofgeismar.de.

26. DGfE-Kongress

Unter dem Motto »Bewegungen« findet vom 18. bis zum 21. März der 26. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaften an der Universität Duisburg-Essen statt. In der Erziehungswissenschaft werden Bewegungen, wie die der Bildung und Erziehung, systematisch beobachtet, historisch und theoretisch reflektiert und auf Basis empirischer Einsichten erklärt. Die Einsicht in die Relevanz körperlicher, kognitiver und biographischer Bewerungen spielt dabei eine wesentliche Rolle. Der erziehungswissenschaftliche Blick auf Bewegungen verweist auch auf unterschiedliche Ebenen der Analyse und Reflexion: die Ebene der konkreten pädagogischen Interaktion, die Ebene der pädagogischen Organisation, die Ebene der gesellschaftlichen Bedingungen pädagogischen Handelns und nicht zuletzt die Ebene der (erziehungs-)wissenschaftlichen Wissensproduktion. Fragen der Bewegungen im Kontext pädagogischen Handelns und dessen Reflexion werden im Rahmen des 26. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft in Essen in vielfacher Weise in den Blick genommen. Weitere Informationen und Anmeldung unter der folgenden Adresse: DGfE-Kongress 2018, Geschäftsstelle, Universität Duisburg-Essen, Fakultät für Bildungswissenschaften, Universitätsstraße 2, 45141 Essen, E-Mail: kongress(at)dgfe2018.de, Tel. (02 01) 1 83-70 16.

Stefan Immerfall/Stefanie Faak

Reformschraube Grundschulempfehlung

Sind veränderte Übergangsverfahren ein Hebel für mehr Bildungsgerechtigkeit?

Studien zum Übergang in die Sekundarstufe belegen eine hohe Bedeutung für die weitere Bildungskarriere sowie die soziale Selektivität dieses Übergangs. Daran lassen sich drei Fragen anschließen: Welche Faktoren sind dafür verantwortlich? Gibt es einen Zusammenhang zwischen den bundeslandspezifischen Übergangsregeln und der sozial selektiven Verteilung auf die weiterführenden Schulen? Gibt es Einflussfaktoren auf diese selektive Verteilung unabhängig von den jeweiligen Regelungen? Diese Fragen werden anhand der dazu vorliegenden Befunde sowie eigener Studien der Autoren diskutiert.

Von 1968 lernen?! – 3. Folge

Anne Ratzki

Chancengleichheit, Teamarbeit, kritisches Denken

Bildungsreformen nach 1968 am Beispiel der Gesamtschule

Ein bedeutendes Ziel der nach 1968 eingeleiteten Veränderungen war eine Demokratisierung des Bildungswesens. Konkret wurde diese Forderung in der Einführung und Entwicklung von Gesamtschulen. Gerade hier gab es Ausein­andersetzungen um Möglichkeiten der Mitsprache, um Stimmrechte und um die Forderungen nach Selbstverwaltung der Schülerinnen und Schüler. Was lässt sich aus diesen Veränderungsprozessen, ihrer Umsetzung, ihren Erfolgen und Misserfolgen lernen?

Jutta Schöler

Inklusion: Ja – auch an Gymnasien!

Seit 2008 gilt die Forderung der UNESCO Behindertenrechtskonvention nach der Gewährleistung eines integrativen Bildungssystems in allen Vertragsstaaten (§ 24). Was bedeutet dies für Schulen eines selektiven Schulsystems? Insbesondere Gymnasien fragen, wie sich Inklusion an dieser Schulform umsetzen lässt. Wie verhalten sich beispielsweise zielgleiches Lernen und hoher Prüfungsdruck zu dem Anspruch, dass es auch für zukünftige Ärzte, Richter, Lehrer und Manager gut wäre, wenn diese die unterschiedlichen Facetten der Verschiedenheit von Menschen schon in der Schule erfahren?

Dorthe Petersen

Multiprofessionelle Kooperation

Veränderungen von Schule bringen eine Bandbreite von Kooperationsformen unterschiedlicher Professionen mit sich. Solche Kooperationen finden sich beispielsweise im Rahmen der Ganztagsentwicklung, der Inklusion, der Arbeit in lokalen Bildungslandschaften, des Übergangs vom Kindergarten in die Vor- und Grundschule. Dabei kooperieren Lehrerinnen und Lehrer des Regelschulbereichs mit unterschiedlichen Akteuren im Nachmittagsbereich, mit außerschulischen Partnern, mit Erzieherinnen und Erziehern, mit Sonderpädagoginnen und -pädagogen. Vorgestellt werden Analysen und Möglichkeiten der Nutzung von Potenzialen und der Überwindung von Hemmnissen multiprofessioneller Kooperation.

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