2´18Sexuelle Vielfalt in der Schule

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Es geht um die Herausforderung, sexuelle und geschlechtliche Vielfalt in der Schule zu thematisieren und deren Akzeptanz zu ermöglichen. ExpertInnen und Lehrkräfte zeigen, wie dieser Anspruch im Unterricht, in Schule und im Kollegium umgesetzt werden kann.

Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt als Gegenstand schulischer Bildung ist umstritten. Dabei ist die Akzeptanz dieser Vielfalt nicht weniger als der Bestandteil eines Menschenbildes, das von der Gleichwertigkeit jedes Menschen ausgeht. Dies wird auch in Konzepten sexueller Bildung deutlich. Übergreifende Fragen dieses Schwerpunkts sind deshalb: Welche Inhalte und Normen sollen beim Thema sexuelle und geschlechtliche Vielfalt vermittelt werden? Wie kann das Thema in den Schulalltag und in die Zusammenarbeit mit Eltern integriert werden? Wie können Lehrkräfte Lernanlässe zur Akzeptanz dieser Verschiedenheit gestalten?

Dieses Heft bietet Anregungen zu den folgenden Themen:

  • Wie können unterschiedliche Lebensweisen altersgemäß zur Sprache gebracht werden?
  • Wie können Anfänge und ein gemeinsamer Rahmen zu diesem Thema geschaffen werden?
  • Wie kann geschlechterreflektierende Arbeit differenziert und langfristig angelegt werden?
  • Wie kann Offenheit für Vielfalt durch Schülermitwirkung und Beratungslehrkräfte unterstützt werden?
  • Wie können Lehrkräfte mit kritischen Einwänden von Eltern umgehen?
  • Wie können Lehrkräfte ein öffnendes und ermutigendes pädagogisches Repertoire entwickeln?

Den Beiträgen gemeinsam ist, dass die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt Inhalt von Lehrplänen und schulischer Arbeit sein soll und dass die Vermittlung der Akzeptanz dieser Vielfalt eine wichtige Aufgabe von Lehrkräften ist. Wie dieser Anspruch im Unterricht, in Schule und im Kollegium umgesetzt werden kann, das zeigen die Erfahrungen, von denen berichtet wird und deren Reflexionen.

Johannes Bastian

Überschrift Einleitung

Autor

Vortext

Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt in der Schule

Einführung in den Schwerpunkt

Beate Proll/Gerhard Eikenbusch

Wie sollen Schule und Bildungspolitik mit geschlechtlicher und sexueller Vielfalt umgehen? Welche Haltungen und Ziele werden verfolgt? Wie werden selbstbestimmte Teilhabe ermöglicht und Diskriminierung vermieden? Wie können Lebenswelten von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, sowie von Trans*personen und Inter*personen (LSBTI*) als selbstverständlich ins Schulleben integriert werden?

Der Umgang mit geschlechtlicher und sexueller Vielfalt ist aus zwei gegenläufigen Entwicklungen ins Zen­trum von Sexualpädagogik und öffentlichem Diskurs gerückt: Da Gesellschaft sozial und kulturell immer vielschichtiger und pluraler geworden ist, sind auch die Lebensentwürfe der Menschen vielgestaltiger geworden, sexuelle Identitäten werden sichtbarer, die Hetero-Norm in Frage gestellt – Vielfalt ist eine gesellschaftliche Tatsache, die aktiv gelebt und ermöglicht werden muss (GEW 2016, S. 8). Sie ist elementarer Bestandteil eines Menschenbildes, das von der Gleichwertigkeit jedes Menschen ausgeht. Diese Ausrichtung wird in aktuellen Konzepten zur sexuellen Bildung deutlich sichtbar gemacht.

Dass sich gesellschaftliche Verhältnisse und damit der Umgang mit Sexualität so gewandelt haben, führt auf der anderen Seite zu der Forderung nach einer ganz anderen Sexualpädagogik: Nach häufig neu-rechten und fundamentalistischen Vorstellungen sind vor allem das Elternhaus und die Schule dafür verantwortlich, dass Kinder und Jugendliche in der Vielfalt der diversen Orientierungen den »richtigen Weg« zur Sexualität finden. Offenheit für sexuelle Vielfalt in der Sexualpädaggogik wird als Manipulation und Umerziehung der Kinder und Jugendlichen bewertet (Stern 2014, S. 13). Diese Haltung zeigte sich bei den Protesten 2016 und 2017 in verschiedenen Bundesländern anlässlich neuer Bildungs- und Rahmenpläne, die das Thema aufgreifen (Baden-Württemberg, Bayern und Hessen).

Vielfalt ist eine gesellschaftliche Tatsache, die aktiv gelebt und ermöglicht werden muss.

In der sexuellen Bildung steht nach dem »Befreiungsdiskurs der 1960er Jahre« (Henningsen u. a. 2016, S. 11), dem Aufklärungs-, Gefahren- und Professionalisierungsdiskurs nun der Umgang mit sexueller Vielfalt im Zentrum. Ging es in Diskussionen über »Sexualaufklärung« oder über »alternative sexuelle Orientierungen« bis nach der Jahrtausendwende vorrangig darum, mehr Toleranz und Verständnis gegenüber nicht-heterosexuellen Orientierungen zu schaffen, so geht es heute vor allem darum, wie im Schulleben und im Unterricht die Akzeptanz von geschlechtlicher und sexueller Vielfalt gefördert werden kann. In diesem Rahmen wird die Frage aufgeworfen, wie eine Orientierung an der geschlechtlichen und sexuellen Vielfalt vermittelt werden kann, bei der »Normalität« nur ein Identitätsmerkmal von vielen ist. Für Schule und Unterricht sind dabei folgende drei Fragen von Bedeutung:

  1. Welche Inhalte, Werte und Normen über geschlechtliche und sexuelle Vielfalt sollen Schüler_innen vermittelt werden – und sollte dabei die »Akzeptanz« geschlechtlicher und sexueller Vielfalt eine Leitperspektive in Bildungs- und Lehrplänen sein?
  2. Wie vertritt Schule dieses Thema in der Zusammenarbeit mit Eltern und gegenüber der Öffentlichkeit? Wie ermöglichen Schulen im Schulalltag und im täglichen Unterricht, die Integration des Themas in Schulprogramme, Aktionen und Beratungs- und Unterstützungsangebote in Kooperation mit außerschulischen Partnern?
  3. Wie können Lehrkräfte und andere pädagogische Fachkräfte Lernanlässe zur Akzeptanz geschlechtlicher und sexueller Vielfalt gestalten? Wie können sie die Normalität von Verschiedenheit vermitteln? Wie tragen sie dazu bei, dass Vielfalt nicht als Bedrohendes erlebt wird? Wie wichtig sind dabei Vorbilder, die für Grund- und Menschenrechte einstehen? Wie reagieren sie auf abwertende Äußerungen und kritische Nachfragen?

Schwierigkeiten auf dem Weg zu einer »Pädagogik der Vielfalt«

Lehrkräfte und Schulen, die sich für das Recht auf geschlechtliche und sexuelle Vielfalt einsetzen und dies auch noch verbinden mit einer diversitätsbewussten Haltung sowie einem Engagement gegen Rassismus, erhalten auf der einen Seite viel Zuspruch und Unterstützung, weil sie ein demokratisches und humanistisches Menschenbild vertreten und vermitteln wollen. Auf der anderen Seite müssen sie auch mit kritischen Nachfragen, Widerspruch und Ablehnung, z. B. bei Elternabenden, Projekten oder Unterrichtsvorhaben rechnen.

In der Praxis ist es immer wieder eine Herausforderung, Vielfalt im Unterricht und in der Schule angemessen zu vermitteln und sich mit fundamentalistischem Widerspruch auseinanderzusetzen. Kritische Bereiche für die Auseinandersetzung mit Vielfalt sind besonders

  • fachliche Kenntnisse über Geschlechter- und Gendertheorien (z. B. Verständnis von Geschlecht und sexueller Identität – vgl. Abb. 1 – biologischer, sozial-konstruktivistischer Ansatz, dekonstruktivistische Gendertheorien, nach denen geschlechtliche oder sexuelle Kategorisierungen ein gesellschaftliches Konstrukt sind, sie interaktiv konstruiert werden),
  • Klarheit über den professionellen Auftrag der Lehrkräfte im Hinblick auf das Thema und den Bezug zur schulischen Arbeit,
  • Verständigung über gemeinsame Ziele (vgl. Palzkill 2017, S. 122).

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Haltung, Vorbild und Handeln

Wenn geschlechtliche und sexuelle Identität als Konstrukt nicht eindeutig, naturhaft und unveränderbar gegeben oder entwickelbar sind, dann steht die einzelne Lehrperson in ihrem Alltagshandeln vor der Aufgabe, Vielfalt sichtbar zu machen, Entwicklungen von Kindern und Jugendlichen zu begleiten und Vielfalt als demokratische Norm umzusetzen und sicherzustellen. Dies erfordert eine eindeutige Haltung der Lehrpersonen und entsprechende Kompetenzen, u. a.

  • Menschen empathisch zu begegnen und Vorbild in der Interaktion sein
  • Perspektivwechsel einzunehmen, den komplizierten und schwierigen Prozess der Herausbildung von Identität zu verstehen und vielfältige Lebensentwürfe wertzuschätzen
  • eigene Handlungen und Werte zu reflektieren und zu prüfen
  • Gemeinsamkeiten und Unterschiede wahrzunehmen und respektvoll anzunehmen
  • Gemeinsamkeiten und Grenzen auszuhandeln bzw. zu setzen
  • Mehrdeutigkeiten auszuhalten.
  • (vgl. GEW 2016, S. 36)

Diese Kompetenzen sind Teil eines Menschenverständnisses und drücken dieses gleichzeitig aus. Dabei geht es nicht nur darum, sie als Haltung oder Überzeugung im Unterricht »vorzuführen«, sondern sie in der Grundstruktur der täglichen Arbeit im Unterricht zu verankern. Dies bezieht ausdrücklich die inhaltliche Arbeit mit ein, z. B. bei der Gesprächsführung im Unterricht, bei der Auswahl von Inhalten und Wahl von Methoden und Herangehensweisen (vgl. auch den Beitrag von Julia Gerber in diesem Heft). Welche Lektüre man auswählt, wie man sie im Unterricht erarbeitet und die Schülerarbeit anlegt, damit kann man immer auch ein Zeichen für Vielfalt setzen.

Verständnis und Wertschätzung von Vielfalt kann hier wesentlich durch ein entsprechendes Classroom Management unterstützt werden. Dazu gehören inhaltliche und thematische Angebote in und außerhalb des Unterrichts (auch Projekte, Selbstsicherheits- und Kommunikationstrainings). Im Hinblick auf Unterrichtsführung ist es beispielsweise wichtig, den »Überlegenheitsimperativ« für Jungen abzubauen, den Druck, besser als Mädchen und die anderen Jungen sein zu müssen, um sich als »echter« Junge zu beweisen (z. B. durch Sprüche, autoritäres Interaktionsverhalten, Dominanz in Gruppen). Das imperative Behaupten von Überlegenheit schränkt nicht nur die Arbeit in der Klasse ein, es begrenzt auch denjenigen, der ständig überlegen sein muss. Arbeits- und Sozialformen zu finden, Regeln zu vereinbaren und individuell zu unterstützen, können solche Überlegenheitsbestrebungen bearbeiten helfen und verhindern, dass Gewalt zur Herstellung von Überlegenheit angewendet wird. Ein wichtiges Element von Vielfalt förderndem Classroom Management ist auch, ein Leistung und Verschiedenheit anerkennendes Klima zu etablieren (z. B. durch klare Arbeitsaufträge, Wertschätzung, Feedback in und von der Klasse) und abwertendes Verhalten zu sanktionieren bzw. aufzuarbeiten.

Ansatzpunkte und Strategien für die ganze Schule

Dass Schulen sich für Vielfalt und Diversität einsetzen, ist nicht nur ein demokratisches und humanistisches Gebot, es ist schlicht und einfach auch pragmatisch sinnvoll. Eine Schule, in der Vielfalt nicht erfahren, reflektiert und gelebt werden kann, verfehlt nicht nur ihren Auftrag, sie schafft sich auch Konflikte und Misserfolg durch Macht- und Unterlegenheitskonflikte, Diskriminierung, Verweigerung, Angst und Unterdrückung. Zentral ist die Verankerung des Ziels der Förderung von Vielfalt im Leitbild bzw. Schulprogramm. Dies macht deutlich, dass Vielfalt an der Schule einen Platz hat und eine Aufgabe ist. Und es macht klar, welche Rechte und Pflichten Schü- ­ler_in­nen, Lehrpersonen und andere Beteiligte haben. Dies hat auch zur Folge, dass pädagogische Maßnahmen (z. B. Angebote, Klassenfahrten, Regeln, schulinterne Lehrpläne) daraufhin geprüft werden, welche Auswirkungen sie auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen im Hinblick auf Vielfalt und Diversität haben: Fördern die vereinbarten Klassenfahrten wirklich die Entfaltung aller Jugendlichen? Lassen sie Freiräume für individuelles Handeln und Sein oder sind sie Konformitätsmaßnahmen?

Zu den Leistungen für Vielfalt, die Schule insgesamt erbringen kann, gehört auf der Ebene der Schulkultur auch die Vermittlung von nicht stereotypen Geschlechterbildern und Unterstützung von Schüler_innen, die nicht der »Norm« entsprechen, und dies nicht nur auf der Ebene von Regeln oder Chartas, sondern auch in Form von konkreten Unterstützungsangeboten. Angesichts der Überrepräsentanz von Frauen im Lehrberuf (60 – 75 %) sollte beachtet werden, Schüler_innen möglichst auch männliche Rollen-Vorbilder zu bieten und sich als Lehrperson des eigenen auch durch die Geschlechtsrolle geprägten Verhaltens bewusst zu sein.

Auf der Ebene der Schulstruktur kann Vielfalt gefördert werden durch entsprechende Raumangebote und Gestaltung (Räume für Differenzierung, Rückzug), Differenzierung in einzelnen Fächern, Unterrichtsverteilung sowie durch Absprachen innerhalb der Fächer und fächerübergreifend, wie Unterricht unter Beachtung der Perspektive der Vielfalt gestaltet werden kann (Themen, Lektüren, Übungen …). Die Verbindung mit anderen Dimensionen von Diversität (z. B. bei der interkulturellen Bildung, Schule gegen Rassismus) kann die Bemühungen um eine Förderung des Verständnisses für Vielfalt stützen und übergreifende Ansätze finden helfen.

Die Beiträge dieses Heftes

Die Beiträge dieses Heftes sollen Ideen, Ansatzpunkte und Strategien liefern, wie man als Lehrperson und als Schule Akzeptanz für geschlechtliche und sexuelle Vielfalt schaffen kann. Es geht also ausdrücklich nicht um die Auseinandersetzung, ob Akzeptanz sexueller Vielfalt ein Ziel bzw. ein Inhalt von Lehrplänen oder schulischer Arbeit sein darf und ob die Vermittlung solcher Akzeptanz eine Aufgabe von Lehrkräften sein dürfe. (Wie man solche Auseinandersetzungen bestehen kann, schildert der Beitrag von Beate Proll in diesem Heft). Wir gehen davon aus (und halten es für richtig), dass die Vermittlung von Akzeptanz für Vielfalt eine wichtige Aufgabe für Lehrpersonen und Schule ist. Deshalb steht im Mittelpunkt des Heftes, wie dieser Anspruch nach Vermittlung von Akzeptanz auf der Ebene des Unterrichts, in der Schule und bei den einzelnen Lehrkräften und im Kollegium eingelöst werden kann.

Pädagogik der Vielfalt muss immer auch mit Widerspruch, Verleumdung und Behinderung rechnen.

Den Anfang macht Julia Gerber mit Unterrichtsvorschlägen zum Themenbereich »Liebe« (u. a. in Deutsch und Fremdsprachen) und wie dabei der Aspekt von Vielfalt (auch familiärer Lebensformen) zur Sprache kommen kann. Dabei geht sie auch ein auf die Altersgemäßheit der Thematisierung und den Anschluss an die Lebenswirklichkeit der Schüler_innen.

Bodo Busch erläutert in seinem Beitrag über das Richard-Riemerschmid-Berufskolleg in Köln, wie Antidiskriminierungsarbeit sowohl in Schulkultur und -struktur, aber besonders auch in den einzelnen Fächern verankert werden kann. Dabei werden auch berufliche Fächer explizit einbezogen, Aufgabenstellungen entsprechend differenziert (vgl. auch Materialien auf www.redaktion-paedagogik.de).

Eine andere Herangehensweise an geschlechterreflektierte Arbeit in einer Gesamtschule schildert Birgit Palzkill in ihrem Beitrag über regelmäßige Projekttage zum Thema Vielfalt. Dabei sind diese Projekttage einerseits Impulse für weitere Arbeit im Unterricht, sie helfen aber auch, die unterschiedlichen Maßnahmen und Ansätze immer wieder zu bündeln und bei Schüler_innen wie bei Lehrpersonen das Bewusstsein für Vielfalt immer wieder zu schärfen und lebendig zu halten.

Wie durch Schüler und Schülermitwirkung das Anliegen der Förderung von Vielfalt in der Schule gestützt werden kann, zeigt der Beitrag von Marion Bothe und Christiane Jeß. Sie beschreiben, wie durch systematische Einbeziehung der Schülervertretung eine Bestandsaufnahme in der Schule durchgeführt werden kann, wie sich daraus Angebote ergeben können und wie Beratungslehrkräfte in der Schule mit der Schülervertretung kooperieren kann.

Beate Proll setzt sich in ihrem Beitrag damit auseinander, welche Bedeutung das Thema für Eltern hat und wie mit kritischen Rückfragen umgegangen werden kann. Dabei greift sie nicht nur die Argumente auf, sie zeigt auch, wie man z. B. bei Elterngesprächen und Elternabenden solchen Eltern begegnen und wie man sie (möglichst) dafür gewinnen kann, dass die Vielfalt von sexueller Identität und die Verschiedenheit von Normalität »normal« sind.

Im abschließenden Beitrag gehen Alexander Lotz und Ulf Höpfner vertiefend darauf ein, wie man sich als Lehrperson im Unterricht und in der Schule zu Fragen geschlechtlicher und sexueller Vielfalt positionieren kann. Als eine zentrale Voraussetzung dafür beschreiben sie die Reflexion der eigenen Haltungen und der Grenzen zwischen Profession, Privatheit sowie die Entwicklung eines Repertoires, das öffnendes und ermutigendes pädagogisches Handeln ermöglicht.

Literatur

Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) (2016): Für eine Pädagogik der Vielfalt. Argumente gegen ultrakonservative, neu-rechte und christlich-fundamentalistische Behauptungen. Frankfurt. URL: www.gew.de/fileadmin/media/publikationen/hv/Gleichstellung/Lesben__Schwule__Bisexuelle__Trans_und_Inter/201704_Fuer_eine_Paedagogik_der_Vielfalt.pdf
Grün, Verena (2017): »Gender-Wahn«. Familien- und sexualpolitische Forderungen der AfD. In: Lotta 65, S. 15 – 16
Henningsen, Anja/Tuider, Elisabeth/Timmermanns, Stefan (Hg.) (2016): Sexualpädagogik kontrovers. Weinheim
Palzkill, Birgit (2017): »Nicht auch noch Gender, oder?« – Wie sich ein Kollegium für genderbewusste Arbeit gewinnen lässt. In: Glöckentöger, Ilke/Adelt, Eva (Hg.) 2017: Gendersensible Bildung und Erziehung in der Schule. Münster und Soest, S. 121 – 138 Stern, Paula (2014): Antifeminismus als drittes Markenzeichen. Geschlechterpolitische Standpunkte der AfD. In: Lotta 57

Dr. Gerhard Eikenbusch ist Schulleiter (i. R.), Lehrerforbildner und Mitglied der Redaktion von PÄDAGOIGIK. Adresse: Zweite Ochsenkoppel 1 E, 23566 Lübeck
E-Mail: gerhard.eikenbusch(at)t-online.de

Beate Proll ist Abteilungsleiterin für Beratung – Vielfalt, Gesundheit und Prävention am Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung (LI) Hamburg.
Adresse: Felix-Dahn-Straße 3, 20357 Hamburg
E-Mail: beate.proll(at)li-hamburg.de

Inhalt Magazin

 

PISA-Kompetenzen: Kaum Fortschritte von Klasse 9 bis 10

Deutsche Schülerinnen und Schüler verbessern sich in der zehnten Klasse kaum oder gar nicht darin, Mathematik, Naturwissenschaften und Lesen im Alltag anwenden zu können. Dies zeigt die vor kurzem erschienene Studie »PISA Plus«, bei der das deutsche PISA-Team rund 4 900 Neuntklässler der PISA-Studie von 2012 ein Jahr später noch einmal getestet hatte. Dabei zeigte sich, dass sie kaum besser in der Lage sind, Mathematik im Alltag anzuwenden. In Naturwissenschaften und Lesen gewannen sie überhaupt keine Anwendungskompetenzen hinzu. Überdies wurde die Schere zwischen den Leistungsstarken und den Leistungsschwachen in Mathematik und in den Naturwissenschaften größer. Das heißt, tendenziell verschlechterten sich die wenig kompetenten Jugendlichen sogar. Dieses Ergebnis spiegelt sich wider, wenn man die Schularten vergleicht: Nur die Gymnasiastinnen und Gymnasiasten waren kompetenter als ein Jahr zuvor. Auch interessant: Weder in Mathematik und Naturwissenschaften noch im Lesen fanden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Unterschiede zwischen Jugendlichen mit und ohne Zuwanderungshintergrund, was die Entwicklung während der zehnten Klasse angeht. Allerdings war das Ausgangsniveau der Jugendlichen mit Zuwanderungshintergrund niedriger.

»PISA Plus« zeigt auch, dass der Lernfortschritt von der Art der Aufgabenstellung abhängig ist: Sind die Aufgaben stärker an den Lehrplänen ausgerichtet, machen die Schülerinnen und Schüler von der neunten zur zehnten Klasse Fortschritte. Um dies zu testen, stellten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler denselben Jugendlichen auch Aufgaben aus der deutschen Ländervergleich-Studie, mit der regelmäßig überprüft wird, ob die Bildungsstandards der Bundesländer erreicht werden. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten ein Jahr zuvor auch bei diesem Test mitgemacht. Mehr Informationen sind unter www.pisa.tum.de zu erhalten.

Literatur

Reiss, K./Klieme, E./Köller, O./Stanat, P. (Hg.). (2017): PISA Plus 2012 – 2013: Kompetenzentwicklung im Verlauf eines Schuljahres. In: Zeitschrift für Erziehungswissenschaft 20(2)/2017 – Sonderheft 33. Wiesbaden

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Wettbewerb »jugend creativ«

Ob Fahrrad, Jeanshose, Fernseher oder Internet – eines haben diese Erfindungen gemeinsam: Sie haben unser Leben revolutioniert und sind heutzutage nicht mehr wegzudenken. Um das Thema »Erfindungen verändern unser Leben« geht es in diesem Jahr beim 48. Internationalen Jugendwettbewerb »jugend creativ« der Volksbanken und Raiffeisenbanken, der noch bis zum 21. Februar geöffnet ist. Bis dahin können Schülerinnen und Schüler der 1. bis 13. Klasse sowie Jugendliche bis 20 Beiträge zur Welt der Erfindungen einreichen. Ihre Gedanken zum Wettbewerbsthema – ob kuriose Erfindungen, bedeutsame Entdeckungen oder eigene schöpferische Ideen – können sie in Bildern darstellen oder in Kurzfilmen inszenieren. Die Teilnahmeunterlagen sind bei den Volks- und Raiffeisenbanken erhältlich. Kurzfilme können zusätzlich zur Einreichung bei der Bank auf das Videoportal www.jugendcreativ-video.de hochgeladen werden.

Bewertet und ausgezeichnet werden die kreativen Beiträge auf Orts-, Landes- und Bundesebene, im Bereich Bildgestaltung auch auf internationaler Ebene. Alle Bundessieger sowie die Sieger des Videoportals werden mit der Teilnahme an einer einwöchigen kreativen Sommerakademie in der Internationalen Bildungsstätte Jugendhof Scheersberg an der Ostsee prämiert. Im Bereich Bildgestaltung haben die erstplatzierten Bundessieger jeder Altersgruppe zudem die Chance auf eine internationale Auszeichnung. Unter allen auf dem Videoportal veröffentlichten Kurzfilmen wird zudem ein Publikumspreis vergeben, der mit einem Gutschein für Videotechnik in Höhe von 300 Euro dotiert ist. Weitere Informationen zu #jugendcreativ sind unter folgenden Adressen zu finden: www.jugendcreativ.de (Homepage), www.jugendcreativ-video.de (Videoportal), www.facebook.com/jugendcreativ.

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Viele Eltern fangen zu spät mit dem Vorlesen an

55 Prozent aller Eltern lesen ihren Kindern in den ersten zwölf Monaten nicht regelmäßig vor. In 28 Prozent der Familien ist das sogar innerhalb der ersten drei Jahre nicht der Fall. Zu diesem Ergebnis kommt die Vorlesestudie 2017, die von der Stiftung Lesen, der Wochenzeitung ZEIT und der Deutsche Bahn Stiftung in Auftrag gegeben worden ist. Sie hat erstmals repräsentative Daten zum Vorlesen im Alter von drei Monaten bis drei Jahren erhoben.

Der Studie zufolge ist vielen Eltern eine gute, vielseitige Bildung ihrer Kinder besonders wichtig. Dieses Erziehungsziel steht mit 86 Prozent vor allen anderen Zielen und noch vor gutem Benehmen und Umgang mit Geld (83 und 79 Prozent). Gute Lesefähigkeiten sind 71 Prozent der Eltern besonders wichtig, fast ebenso vielen wie eine gesunde Lebensweise (72 Prozent). 91 Prozent der befragten Eltern schreiben dem Vorlesen einen großen bzw. sehr großen Einfluss auf die Entwicklung der Kinder zu.

Viele Eltern wissen jedoch nicht genau, wann der richtige Zeitpunkt ist, um mit dem Vorlesen anzufangen. Fast ebenso viele sehen die ausreichende Konzentrationsfähigkeit ihres Kindes als entscheidende Voraussetzung dafür an. Einem Viertel der Eltern, die ihrem Kind bereits im ersten Lebensjahr vorlesen, fällt es schwer, die richtige Buchauswahl zu treffen.

Vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse empfiehlt die Stiftung Lesen den Eltern, so früh wie möglich mit dem gemeinsamen Betrachten und Vorlesen von Büchern zu beginnen. Studien zur Wirksamkeit des Vorlesens zeigen, wie hilfreich es ist, wenn Vorlesen bereits im ersten Lebensjahr des Kindes zu einem festen Bestandteil des Tagesablaufs wird.

Die Ergebnisse der Vorlesestudie 2017 und Vorlese-Empfehlungen sind unter www.stiftunglesen.de/vorlesestudie zu finden.

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Begabungspiloten

Hamburg startet einen Modellversuch zur Förderung besonders begabter Schüler 

Hamburg will besonders begabte Schüler an seinen Schulen noch besser und gezielter fördern. Für das Modellprojekt »Begabungspiloten« sind zwölf Schulen ausgewählt worden, an denen in den kommenden fünf Jahren Konzepte entwickelt werden sollen, wie sehr leistungsstarke Schüler im Unterricht besser angesprochen werden können. Das bundesweite, 125 Millionen Euro teure Projekt gehe im Wesentlichen auf Impulse Hamburgs zurück, betonte Schulsenator Ties Rabe (SPD) bei der Vorstellung. Das Projekt sieht auch vor, dass die gesammelten Erfahrungen in einem zweiten Schritt auf alle Hamburger Schulen übertragen werden.

Nach Darstellung von Rabe würden manche Schüler zum Klassenclown oder Zappelphilipp, weil sie ihr Potenzial nicht entfalten könnten. Deshalb sollen diese Schüler zusätzliche Angebote – im Unterricht und außerhalb – bekommen und entsprechend beraten werden. Zudem sollen Lehrer besseres Handwerkszeug zum Erkennen von hochbegabten Schülerinnen und Schülern an die Hand bekommen. 

Statistisch gesehen können rund 15 Prozent der Hamburger Schülerinnen und Schüler als leistungsstark gelten, etwa zwei Prozent mit einem IQ von über 130 sogar als hochbegabt – das wären allein in Hamburg insgesamt knapp 30 000 Schüler. Bereits seit dem Schuljahr 2015/16 werde Rabe zufolge daran gearbeitet, dass es an jeder weiterführenden Schule in Hamburg einen für Begabtenförderung zuständigen Lehrer gibt. 

In Hamburg nehmen sechs Grundschulen, drei Stadtteilschulen und drei Gymnasien an dem auf zehn Jahre angelegten Projekt teil. Die Hansestadt fördert mit rund 1,5 Millionen Euro Stellen an den ausgewählten Schulen, die sich unter 41 Bewerbern durchsetzten. 

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Mehr Bildungsgerechtigkeit!

Bürgerinitiative fordert Einrichtung eines Bildungsrates

Eine Initiative von prominenten Pädagoginnen und Pädagogen aus ganz Deutschland fordert in einer Petition Maßnahmen gegen eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. In dem Text heißt es: »Wir nehmen jedoch mit großer Sorge wahr, dass dieses Ziel in immer weitere Ferne rückt. Mehrere unabhängige Studien aus den letzten Jahren haben in bedrückender Weise dokumentiert, wie sich das Auseinanderdriften unserer Gesellschaft auf unsere Kinder, ihre Bildung und ihre Schulen auswirkt.« Vor dem Hintergrund dieser Analyse fordert die Initiative »die Einsetzung eines unabhängigen Bildungsrats, in dem Experten aus allen Bereichen vertreten sind: Schulpraxis und Erziehungswissenschaft, Verwaltung, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Politik. Sie sollen Leitlinien und konsensfähige Reformvorschläge für die Entwicklung unseres Bildungssystems erarbeiten.« Die vollständige Resolution kann eingesehen und unterzeichnet werden unter unter www.change.org/p/bundesregierung-bildungsrat-für-bildungsgerechtigkeit.

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Unesco: Zahl der Kinder ohne Schulbildung bleibt hoch

Im Jahr 2015 sind der Unesco zufolge rund 264 Millionen Kinder und Jugendliche nicht zur Schule gegangen. Damit sei die Welt noch sehr weit vom Ziel einer Schulbildung für alle Kinder entfernt, heißt es im vor kurzem veröffentlichten jährlichen Weltbildungsbericht der UN-Organisation. Besonders alarmierend ist, dass auch rund 61 Millionen Kinder im Grundschulalter nicht zur Schule gingen. Dem Bericht zufolge stagniert der Anteil derjenigen, die nicht zur Schule gehen, in den letzten Jahren. Den letzten messbaren Rückgang habe es Anfang der 2000er-Jahre gegeben. 

In dem Unesco-Bericht heißt es auch, dass die Schul-Abschlussraten weiterhin niedrig seien. Laut Schätzungen auf Basis von Haushaltsbefragungen beendeten zwischen 2010 und 2015 nur 83 Prozent der Kinder die Grundschule. Im unteren Sekundarschulbereich (12 – 14 Jahre) liege der Anteil bei 69 Prozent, in der oberen Sekundarschulbildung (15 – 17 Jahre) bei nur 45 Prozent. 

Die Autoren des Berichts rufen die Regierungen dazu auf, das Recht auf Bildung einklagbar zu machen. In 45 Prozent der Länder weltweit sei dies derzeit nicht der Fall. Außerdem müsse wieder mehr Geld für Bildung ausgegeben werden; weltweit fehlten jährlich 39 Milliarden US-Dollar (33 Milliarden Euro) für eine hochwertige und chancengerechte Bildung. Der Bildungsanteil an weltweiten Entwicklungshilfe-Zahlungen sei sechs Jahre in Folge gefallen – von 10 Prozent in 2009 auf 6,9 Prozent in 2015. 

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Inklusiver Unterricht: Keine Nachteile beim Lernzuwachs 

Bei Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf Lernen ist der Lernfortschritt beim Lesen und Schreiben unabhängig davon, ob sie eine inklusive Schule oder eine Sonderschule besuchen. Dies zeigt eine interdisziplinäre Studie, bei der ein Forscherteam den Lernzuwachs im Lesen und Rechtschreiben bei 410 Grundschülern mit Förderbedarf Lernen untersucht hat. Hintergrund: Rund sieben Prozent aller Kinder in Deutschland haben einen festgestellten sonderpädagogischen Förderbedarf. Das bedeutet, dass bei ihnen eine Beeinträchtigung im Bereich des Hörens oder Sehens, des Lernens oder der geistigen Entwicklung festgestellt wurde. Den größten Anteil darunter machen Kinder mit Lernbeeinträchtigungen aus. Diese können in Deutschland inklusiv, also gemeinsam mit Kindern ohne besonderen Förderbedarf in der Regelschule, oder exklusiv in sogenannten Förderschulen beschult werden.

Im Rahmen der Studie wurden die Schülerinnen und Schüler aus Nordrhein-Westfalen zu drei Zeitpunkten im Verlauf der dritten und vierten Klasse getestet und befragt. Die Kinder bearbeiteten zu jedem Zeitpunkt einen Leseverständnistest sowie eine Schreibprobe. Zu Beginn der Untersuchungsreihe wurde auch die Intelligenz der Kinder mit einem sprachfreien Verfahren erfasst. Zusätzlich wurden Informationen über Bildungsabschluss und Berufsausbildung der Eltern sowie zum Wohlbefinden und zu weiteren emotionalen und sozialen Aspekten erhoben.  Im Einklang mit früheren Studien zeigen sich im Querschnitt durchgängig deutliche Unterschiede in den Leistungen zwischen Schülern auf Förderschulen und inklusiv beschulten Kindern. Die im inklusiven Unterricht beschulten Kinder haben bessere Ausgangswerte als die in Förderschulen exklusiv Beschulten und zeigen zu allen Messzeitpunkten bessere Leistungen. Selbst zum Ende der vierten Klasse liegen die Leistungen der Förderschulkinder für den Bereich Rechtschreibung im Mittel hinter denen der inklusiv unterrichteten Kinder in der dritten Klasse. Diese Ergebnisse können nach Einschätzung der Forscher weitgehend auf Selektionseffekte zurückgeführt werden, d.h. leistungsstärkere Kinder mit Förderbedarf verbleiben im Regelschulsystem, während leistungsschwächeren Kindern eher der Wechsel zur Förderschule empfohlen wird.

Interessant ist daher, dass die Ergebnisse im Längsschnitt nur geringfügige Unterschiede beim Leistungszuwachs von inklusiv und exklusiv beschulten Kindern zwischen der ersten und letzten Testung zeigen. Hier überrascht ein gegenläufiger Effekt: Während sich die Lesefähigkeit bei den inklusiv beschulten Kindern stärker entwickelt als bei den exklusiv beschulten, verhält es sich mit den Rechtschreibfähigkeiten umgekehrt. In dieser Domäne lernen die exklusiv beschulten Kinder im beobachteten Zeitfenster mehr dazu. Nach Ansicht der Forscher hängt die Geschwindigkeit der Lernfortschritte im Lesen und Rechtschreiben womöglich weniger vom Schulsetting ab als von anderen Faktoren, wie z.B. der Qualität der Schule oder von Einflüssen effektiven Unterrichtens.

Literatur

Stranghöner, D./Hollmann, J./Otterpohl, N./Wild, E./Lütje-Klose, B./Schwinger, M. (2017): Inklusion versus Exklusion: Schulsetting und Lese-Rechtschreibentwicklung von Kindern mit Förderschwerpunkt Lernen. In: Zeitschrift für Pädagogische Psychologie 31/2017, S. 125 – 136. doi.org/10.1024/1010-0652/a000202   

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Materialien

Gegen Hass und rechte Gewalt

Rechtsextremismus ist ein Problem unserer Gesellschaft (siehe auch PÄDAGOGIK H. 10/2017). Die rechtsextremistische Ideologie lehnt unsere auf den Menschenrechten beruhende Demokratie ab. Mit dem vor kurzem erschienenen Buch »Für Menschenrechte – gegen Hass und rechte Gewalt. Unterrichten, erziehen und Schulkultur gestalten« wollen die Autoren Bernd Janssen, Jan Janssen und Sabine Janssen Lehrerinnen und Lehrer ermutigen und konkret unterstützen:

  • sich im Unterricht verschiedener Fächer für Menschenrechte und Demokratie, gegen Hass und rechte Gewalt zu engagieren;
  • sich zusammen mit den Schülerinnen und Schülern in der Gestaltung der Klassen- und Schulgemeinschaft für ein menschenwürdiges Miteinander, gegen Intoleranz und Diskriminierung einzusetzen.

Das Buch bietet einleitend eine knappe, aber kompakte Aufklärung über den Rechtsextremismus in Deutschland. Im Mittelpunkt stehen dann 16 Verlaufsplanungen für den Unterricht in der Sekundarstufe I – in den Fächern Deutsch, Religion, Politik und Musik. Für insgesamt 68 Stundenentwürfe sind alle erforderlichen Materialien als Kopiervorlagen beigefügt. Darüber hinaus tragen die Autoren viele gut umsetzbare Vorschläge zusammen, um die schulische Erziehung und die Schulkultur so zu gestalten, dass möglichst alle ohne Angst verschieden sein können und die nachwachsende Generation weitgehend gegen rechtsextreme Gesinnungen immunisiert wird. Das 80-seitige Buch ist im Verlag Vandenhoeck und Ruprecht erschienen und kann zum Preis von 19,– Euro im Buchhandel bezogen werden (ISBN 978-3-525-70243-7).

Dokumentarfilme für den Unterricht

In der Edition des Medienprojektes Wuppertal ist eine Reihe von Dokumentarfilmen zu verschiedenen Themen neu erschienen. Die professionell gestalteten Dokumentationen wurden von jungen Filmemacher(inne)n als Bildungs- und Aufklärungsmittel produziert. Sie zeichnen sich durch eine hohe und authentische inhaltliche Dichte und ästhetische Qualität aus. Einige der Videos wurden bereits im Fernsehen gesendet und auf Festivals preisgekürt. Die Filme haben als FSK-Freigaben FSK 0 oder FSK 12. Folgende Titel sind erhältlich:

  • Heiß 2: Filme über Liebe und Sexualität (90 Min.)
  • Alles Mädchen, alles Junge: Ein Film über Mädchen und Jungen (37 Min.)
  • Einfach Mensch: Dokumentation über junge transidente Menschen (46 Min.; plus Bonus: 73 Min.)
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  • Ich bin kein Opfer mehr: Ein Film mit Überlebenden sexualisierter Gewalt (73 Min.; plus Bonus: 91 Min.) 
  • Nicht Mutter: Erfahrungsberichte über Schwangerschaftsabbrüche (60 Min.; plus Bonus: 95 Min.) 
  • Kindgerecht: Dokumentarfilm über die Rechte von Kindern und Jugendlichen (34 Min.; plus Bonus: 28 Min.)
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  • Endlich Wochenende: Ein Dokumentarfilm zum Thema Rausch (40 Min.; plus Bonus: 60 Min.) 
  • Heimat ist, wo … (Eine Filmreihe zum Thema Heimat und Nationalgefühl (120 Min.)
  • Weltklasse: Dokumentarfilm über die Integration von Geflüchteten in der Schule  (49 Min.; plus Bonus: 70 Min.)
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  • Hin und weg 1: Eine Filmreihe über Flucht und Folgen (240 Min.; plus Bonusmaterial: 52 Min.) 
  • Hin und weg 2: Eine Filmreihe über Flucht und Folgen (99 Min.; plus Bonusmaterial: 76 Min.) 
  • Hin und weg 3: Eine Filmreihe über Flucht und Folgen 
  • Elpida – Hoffnung: Familien auf der Flucht (ca. 90 Min.)
  • Grenzverletzungen: Eine Filmreihe über sexuelle Übergriffe und Grenzverletzungen gegenüber Menschen mit Behinderung (60 Min.; plus Bonus: 120 Min.) 
  • Wenn die Seele erschüttert ist: Ein Film über die Folgen von Psychotraumata (75 Min.; plus Bonus: 100 Min.)
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  • Wachkoma: Zwei Dokumentarfilme über Menschen im Wachkoma und ihre Angehörigen (90 Min.; plus Bonus: 80 Min.) 
  • Gemeinsam allein sein: Ein ungewöhnliches Beziehungs- und Wohnmodell fürs Alter (50 Min.)
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Die Filme können auf DVD zum Ankauf bzw. zur Ausleihe und als Video on Demand per Streaming bezogen werden. Der Kaufpreis für die DVDs beträgt jeweils 32,– Euro und der Ausleihpreis 12,– Euro, das Strea­ming ist ab 9,– Euro möglich. Der Preis beinhaltet die Rechte für eine öffentliche Aufführung.

Führerschein Medienkompetenz in der Grundschule

Schon für die kleinsten Schülerinnen und Schüler ist es heute normal, jeden Tag mit Medien konfrontiert zu sein. Umso wichtiger ist der schrittweise Erwerb einer umfassenden Medienkompetenz. Der vor kurzem erschienene Band »Führerschein Medienkompetenz – Kindgerechte Kopiervorlagen für die Medienbildung in der Grundschule« unterstützt die Kinder beim Lernen eines kompetenten Umgangs mit digitalen und analogen Medien. Die Motivationsfigur Taggy hilft den Kindern beim Erwerb des Führerscheins Medienkompetenz. Schritt für Schritt begleitet sie die Schülerinnen und Schüler durch die einzelnen Module und unterstützt sie so beim Aufbau eines sicheren und reflektierten Mediennutzungsverhaltens. Der Band enthält eine Einführung in das Thema Medienbildung und -erziehung, Kopiervorlagen und Materialien zu allen digitalen und analogen Medien, einen Wissenstext, Urkunde und Führerschein sowie zusätzliche Anleitungen für Medienprodukte im Unterricht. Die kindgerechten Materialien finden sich auch zum individuellen Einsatz veränderbar auf CD-ROM, mit Wissenstest und Urkunde. Das 92-seitige Buch ist im Auer-Verlag erschienen und zum Preis von 22,90 Euro im Buchhandel zu beziehen (ISBN 978-3-403-07986-6).

Wegweiser zur Beschaffung von Medien

Die meisten Schulen haben längst entschieden, dass das Lehren und Lernen mit digitalen Medien heute zum Standard gehören muss. Doch stellt die Beschaffung Schulleitungen und Lehrkräfte genauso vor Herausforderungen wie Entscheider aus Politik und Verwaltung: Welche Investitionen sind nachhaltig? Wie integrieren wir digitale Bildungslösungen sinnvoll in den Unterricht? Für die praxisnahe Unterstützung bei der Lösung dieser Fragen hat das Netzwerk Digitale Bildung die Publikation »Beschaffung digitaler Bildungslösungen für die Schule. Wegweiser, Leitfragen und Praxisbeispiele« erarbeitet und bietet damit eine konkrete Hilfestellung für die komplexen Prozesse der Beschaffung an. Darüber hinaus lädt das Netzwerk Digitale Bildung zu regionalen Workshops ein, in denen Interessierte mit der Unterstützung von Experten ihre spezifischen Fragen klären und sich untereinander austauschen können.

Das Buch identifiziert fünf Phasen des Beschaffungsprozesses: Frühe Planung, Beschaffung, Training und Fortbildung, Lehr- und Lerninhalte, Pflege und Weiterentwicklung. Im ersten Teil werden diese Phasen detailliert vorgestellt: In kurzen Erfahrungsberichten erzählen Lehrkräfte und Verwaltungsmitarbeiter, wie sie mit aktuellen Herausforderungen umgehen. Checklisten und Handlungsempfehlungen geben den Lesern konkrete und systemunabhängige Hilfestellungen. Darüber hinaus enthält der Wegweiser eine Sammlung an weiterführenden Informationen und Quellen. Der zweite Teil bietet mit dem Digitalen Bildungsplan Orientierung zur Entwicklung eines ganzheitlich-pädagogischen Konzepts. Im dritten Buchteil präsentiert das Netzwerk mit dem »Collabora­tive Classroom«, dem Konzept des vernetzten Lernens mit Hilfe von digitalen Lerninstrumenten, ein innovatives Idealszenario für den Einsatz digitaler Bildungslösungen. Interessierte können das Buch über die Website des Netzwerks Digitale Bildung www.netzwerk-digitale-bildung.de bestellen. Dort steht ihnen auch eine PDF-Version des »Wegweiser Digitale Bildungslösungen« zum Download zur Verfügung. Beide Publikationen sind kostenfrei erhältlich.

Abenteuer planen

Erlebnisse und Abenteuererfahrungen sind etwas Individuelles und lassen sich nicht einfach »herstellen«. Tobias Kamer, u. a. Leiter der Ausbildung für Erlebnispädagogik und Outdoortraining beim Verein »Drudel 11«, hat basierend auf seinen Erfahrungen aus mehr als 15 Jahren in Umweltbildung, Erlebnispädagogik und der Aus- und Weiterbildung ein Buch über das didaktische Handeln in erlebnispädagogischen und handlungsorientierten Settings geschrieben. Darin erläutert er fachlich fundiert und praxisnah, wie handlungsorientiertes und projekthaftes Lernen in der Natur vorbereitet, durchgeführt und zu einem guten Abschluss gebracht werden kann. Konkrete Tipps und Anregungen für die eigene Rolle und damit verbundenen Aufgaben komplettieren das Buch zu einer kompakten Praxishilfe für gelungene (erlebnis-)pädagogische Projekte. Das Buch »Abenteuer planen?: Didaktisches Handeln in Erlebnispädagogik und Outdoortraining« ist im Reinhardt Verlag erschienen und kann zum Preis von 19,90 Euro im Fachhandel bestellt werden  (ISBN 978-3-497-02723-1).

Anerkannte Ausbildungsberufe

Das Verzeichnis »Die anerkannten Ausbildungsberufe 2017« stellt alle 327 Ausbildungsberufe im dualen System vor, die in Industrie und Handel, Handwerk, öffentlichem Dienst, Hauswirtschaft, Landwirtschaft, Seeschifffahrt und »Freien Berufen« angeboten werden. Neun der vorgestellten Berufe wurden im letzten Jahr modernisiert:

  • Anlagenmechaniker/Anlagenmechanikerin für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik
  • Dachdecker/Dachdeckerin
  • Fachkraft für Veranstaltungstechnik
  • Fischwirt/Fischwirtin
  • Graveur/Graveurin
  • Hörakustiker/Hörakustikerin
  • Mediengestalter/Mediengestalterin Digital und Print
  • Metallbildner/Metallbildnerin
  • Rollladen- und Sonnenschutzmechatroniker/Rollladen- und Sonnenschutzmechatronikerin

Das vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) herausgegebene Verzeichnis informiert unter anderem über Ausbildungsdauer, Rechtsgrundlagen sowie über die Zuordnung zum Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR). Der statistische Teil liefert Zahlen zur Entwicklung der Ausbildung in Deutschland, zur Anzahl der Ausbildungsberufe und zur Zahl der Auszubildenden seit 1970. Es ist im W. Bertelsmann Verlag erschienen und kann zum Preis von 34,90 Euro im Buchhandel bezogen werden (ISBN: 978-3-7639-5928-0).

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Termine

Vom (Un)Sinn ökonomisierter Bildung

Unter diesem Titel veranstaltet die GEW Hessen am 17. Februar im DGB-Haus in Frankfurt a. M. eine ­Tagung zur Ökonomisierungskritik. Sie will damit Strategien und Maßnahmen zur »Ökonomisierung und Entdemo­kratisierung des Bildungswesens« wie z. B. »Bildungsstandards und Kompetenzorientierung« kritisch unter die Lupe nehmen. Schwerpunkte der Vorträge sind der Wert öffentlicher Bildung (Prof. Tim Engartner) wie auch die Rolle von Stiftungen in Schulen (Matthias Holland-Letz). Ebenso nimmt die Tagung die Auswirkungen von Ökonomisierung, Entgrenzung und Individualisierung in der Elementarpädagogik in den Blick (Prof. Thilo Naumann). Zum Abschluss wird die Theatergruppe Xtrameile ihr Stück »Yes, we burn!!!« aufführen. Martina Frenzel und Signe Zurmühlen präsentieren ein satirisch-witziges und böses Stück über indirekte Steuerung und das Arbeiten heute. Weitere Informationen und Anmeldung unter info@gew-frankfurt.de.

Günter Förschner

Themen statt Fächer

Alltagsbeobachtungen und Anregungen zum Fächerübergreifenden Unterricht

Notwendigkeit und Nutzen eines fächerübergreifenden Unterrichts sind weitgehend Konsens. Auch der Wille, diesen Unterricht in die Praxis umzusetzen, ist vorhanden. Wie erklärt sich dann aber der Widerspruch zwischen hoher Zustimmung und geringer Verbreitung? Der Beitrag klärt auf Basis eines Fortbildungsprojekts die folgenden Fragen: Wie kann eine alltagstaugliche Bestimmung von fächerübergreifendem Arbeiten aussehen? Wie äußern sich Schüler(innen) und Lehrkräfte zu ihren Erfahrungen? Was sind Potenziale, Erfahrungen, Hemmnisse und Vorbehalte? Wie kann man mit dieser Gemengelage förderlich umgehen? Und wie können Lehrende und Lernende schrittweise positive Erfahrungen machen?

Von 1968 lernen?! – 2. Folge

Ein Gespräch mit Cornelia von Ilsemann

Perspektivenwechsel als Entwicklungschance

Als 68erin auf dem Weg durch die Bildungsinstitutionen

Lehrer(innen) der 68er Generation erinnern sich an die Konfrontation von Konzepten und Ideen für eine veränderte pädagogische Praxis mit der Realität von verkrusteten und schülerabgewandten Schulen und Kollegien der 70er Jahre. Die Frage nach der Wirkung dieser Generation auf dem Weg durch die Bildungsinstitutionen ist Thema der 2. Folge zum Thema »Von 1968 lernen?!« Wie wurden die Neuen aufgenommen? Wie haben sich die Neuen gegenüber den Alten verhalten? Wie entstanden in dieser Situation Spielräume für pädagogische Projekte? Welche Veränderungen gab es in den Rollen von Schulleitung, Schulverwaltung und Schulaufsicht? Was waren Fehlentwicklungen, welche Gestaltungsmöglichkeiten wurden genutzt und lassen sich langfristige Veränderungen erkennen?

Lerncamps in den Ferien?

Was lässt sich einwenden gegen Lerncamps mit kostenlosen und attraktiven Angeboten zur Förderung von Schülerinnen und Schülern mit schulischen Problemen oder gegen ergänzende Angebote für diejenigen, deren spezifische (Forschungs-)interessen in der Schulzeit nicht hinreichend befriedigt werden – vor allem, wenn diese Angebote erfolgreich sind? Dagegen könnte angeführt werden, dass der Mensch Muße braucht, echte Pausen, in denen das Gelernte nachhaltig verarbeitet werden kann, dass jede Form des getakteten Lernens Leistungsdruck erzeugt, insbesondere dann, wenn Defizite aufgeholt werden sollen, und dass Schule so finanziert, ausgebaut und verändert werden sollte, dass sie das leisten kann, was Lerncamps intendieren.

Anna Rauschenberg

Umgang mit Extremismus in der Schule

Angesichts der aktuellen pädagogischen und politischen Herausforderungen durch Rechtsextremismus und Islamismus wünschen sich Lehrkräfte Informationen und Anregungen zu pädagogisch klugen und wirkungsvollen Gegenreaktionen. Die vorgestellten Materialien bieten zum einen Informationen zur Auseinandersetzung der Lehrkräfte mit Strukturen und Mechanismen von Rassismus sowie religiösem Extremismus. Darüber hinaus bieten sie konkrete Anregungen für einen rassismuskritischen Unterricht sowie für den Umgang mit islamistischen Haltungen und Handlungen bei Schülerinnen und Schülern. Materialien, die dazu anregen, über die eigene Unterrichtspraxis nachzudenken und diese entsprechend zu gestalten.

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