1´18Klassenlehrerin – Klassenlehrer

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Es geht um eine Balance zwischen planvollem und flexiblem Handeln des Lehrers und der Lehrerin. Das bedeutet beispielsweise: gegenüber dem Unvorhersehbaren offen sein, sowohl der Intuition folgen als auch den Rahmen beachten.

Wer sich fragt, ob er oder sie ein guter Klassenlehrer bzw. eine gute Klassenlehrerin ist, der sollte nicht nach einem Idealbild suchen. Sinnvoller scheint vielmehr die Frage, wie ein persönlich-stimmiges Verhalten aussehen bzw. wie es entwickelt werden könnte. Es geht bei diesem Thema um ein Spektrum von Handlungsoptionen für die Entwicklung und Reflexion eines Verhaltensrepertoires. Dafür will das kommende Heft Orientierungen anbieten. Konkretisiert wird dies anhand der folgenden Aufgabenfelder und Fragen:

Wie kann ich als Klassenlehrer(in)

  • für eine gute Beziehung sorgen,
  • für Partizipation sorgen,
  • für ein gutes Klassenklima sorgen,
  • für die Entwicklung von Lernkompetenzen sorgen,
  • für einen erziehenden Unterricht sorgen,
  • für eine gute Beziehung zu den Eltern sorgen?
  • Was macht eine gute Klassenlehrerin, einen guten Klassenlehrer aus?
  • Was hilft Berufsanfänger(inne)n bei der Bewältigung der neuen Aufgaben?

Das Aufgabenspektrum von Klassenlehrer(inne)n lässt sich heute besser bewältigen, wenn es nicht von Einzelpersonen alleine wahrgenommen wird. Quer zu den genannten Aufgabenfeldern werden deshalb Erfahrungen mit Klassenlehrerteams sowie der Kooperation mit Sozialpädagog(inn)en, Förderlehrer(inne)n und außerschulischen Einrichtungen vorgestellt.

Johannes Bastian

Überschrift Einleitung

Autor

Vortext

Klassenlehrer(in)

Aufgabenfelder – Anforderungen – und eine provozierende Frage …

Jörg Siewert

Der Beitrag führt in die zentralen Fragen des Schwerpunkts ein: Was sind die spezifischen Aufgaben von Klassenlehrer(inne)n? Welche davon sind besonders wichtig? Wie ist dabei die Rollenverteilung zwischen Klassen- und Fachlehrer(in)? Was macht eine(n) gute(n) Klassenlehrer(in) aus? Welche aufgabenübergreifenden Prinzipien gibt es? Und schließlich: Gibt es Alternativen zur Rolle der Klassenleitung, wie wir sie kennen?

Frau Preik, Frau Pütter, Frau Heitmeyer, Herr Kottmann – entgegen den üblichen Gepflogenheiten sind die Namen hier nicht geändert, weil genau sie mir in den Sinn gekommen sind, als ich wieder einmal, über das Thema »Klassenlehrer« nachzudenken begann: Meine Klassenlehrerinnen und mein Klassenlehrer, die ersten beiden in der Grundschule, die beiden anderen danach. Und obwohl meine Schulzeit nun schon Jahrzehnte zurückliegt, erinnere ich mich an mehr als ihre Namen: Zu jeder Person fallen mir Situationen ein, die mir für sie und ihr Verhältnis zu mir und den anderen aus meiner Klasse (aus heutiger, möglicherweise verklärter Perspektive) spezifisch erscheinen. Und wenn ich länger über sie nachdenke, erinnere ich mich an einiges, was ich von ihnen über das Fachliche hinaus gelernt habe.

Und umgekehrt hat die »eigene« Klasse, haben die »eigenen« Schülerinnen und Schüler eine besondere Bedeutung für die Klassenlehrerin und den Klassenlehrer. Wenn ich an meine eigenen Klassen zurückdenke, kommen mir viele »meiner« alten Schüler(innen) wieder in den Sinn, ihre Schwierigkeiten ebenso wie ihre Fähigkeiten, bei vielen erinnere ich mich an ihre Eltern, bei manchen sogar an ihre Geschwister; und vor allem erinnere ich mich an viele gemeinsame Erlebnisse – schöne und weniger schöne: im Schulalltag, bei besonderen Aktivitäten außerhalb der Schule, nicht selten mit Eltern und Geschwistern, und nicht zu vergessen auf unseren Klassenfahrten.

Kein Zweifel: Das Verhältnis zwischen der Klassenlehrerin oder dem Klassenlehrer und »ihren«/»seinen« Schüler(inne)n ist für viele etwas Besonderes. Das birgt nicht nur Chancen, sondern auch Risiken. Nicht zuletzt ist das der Grund, warum manche Schulen auf ein Klassenlehrertandem setzen, wiederum andere auf regelmäßige Klassenlehrerwechsel. Vor allem aber wirft das die Frage nach der Qualität auf: Was macht eine(n) gute(n) Klassenlehrer(in) aus?

Die gute Klassenlehrerin – der gute Klassenlehrer

Zuletzt ging es in Heft 3/2012 der PÄDAGOGIK um dieses Thema. Mayr zitierend fasst Bastian (2012) dort die Ergebnisse der wenigen einschlägigen Forschungsarbeiten über das erfolgreiche Handeln von Klassenlehrer(inne)n so zusammen: »Es gibt kein Idealbild der Klassenführung … – wir haben es vielmehr mit einem breiten Spektrum an Handlungsoptionen zu tun. Erfolgreiche Lehrpersonen generieren aus diesen ein maßgeschneidertes Führungsverhalten, das ihren eigenen Kompetenzen und Handlungspräferenzen ebenso entspricht wie der Klassensituation.« (ebd., S. 6). Es kommt also darauf an, aus diversen Handlungsoptionen »ein auf die eigene Person abgestimmtes Verhaltensrepertoire zu entwickeln und gleichzeitig einen Rahmen zu bestimmen, der für die Reflexion der eigenen Praxis geeignet ist.« (ebd.) Mit anderen Worten: Aus den Handlungsoptionen, die zur Verfügung stehen, müssen diejenigen gewählt werden, welche zur eigenen Person und zur Situation passen. Bastian spricht von »der ›Stimmigkeit‹ als Hauptmerkmal für erfolgreiche Klassenleitung« (ebd.). Vermutlich ist das gemeint, wenn in Diskussionen etwa mit Eltern oder Lehramtsstudenten der Begriff »Authentizität« bemüht wird.

Seither gibt es keine neuere wissenschaftliche Studie zum Thema »Klassenleitung«. Vor dem Hintergrund der besonderen Bedeutung des Klassenlehrers sowie der in den letzten 15 Jahren stark gewachsenen Anzahl an Studien zur Frage nach einem guten Fachlehrer ist das erstaunlich (zusammenfassend Hattie 2013). Deshalb machen wir im Folgenden den Versuch, die Fachlehrer-Studien für unsere Fragestellung zu nutzen. Bei der Sichtung der Faktoren, die einen guten Fachlehrer ausmachen und die gleichzeitig eine Nähe zu den Aufgaben des Klassenlehrers haben (vgl. Abb. 1), fallen zwei Aspekte auf: Eine »effiziente Klassenführung« und die Vermittlung der Schülerkompetenz zur »Selbsteinschätzung des eigenen Leistungsniveaus«. Der zweite Faktor wird weiter unten wieder aufgegriffen.

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Unter »Effizienter Klassenführung« wird in der empirischen Bildungsforschung im Wesentlichen der präventive, proaktive und reaktive Umgang mit allem verstanden, was das Lernen und Arbeiten der Schüler(innen) beeinträchtigen kann (vgl. Helmke 2009, S. 174). Dabei hat sich der wissenschaftliche Fokus zunehmend von der »Reaktion« zur »Prävention« verschoben. Hierbei wiederum spielen die drei R »Regeln – Routinen – Rituale« eine besondere Rolle, deren Implementierung federführend in der Hand der Klassenleitung liegen sollte, wobei der Einbezug der Fachkolleg(inn)en, der Schüler(innen) selbst und gegebenenfalls der Eltern von besonderer Bedeutung ist. Dieses Thema soll hier nicht weiter diskutiert werden, weil es so umfassend ist, dass die PÄDAGOGIK ihm in regelmäßigen Abständen einen eigenen Schwerpunkt widmet, zuletzt in Heft 1/2016.

Das Spektrum der Handlungsmöglichkeiten, mit denen man als Klassenlehrer(in) erfolgreich sein kann, erfordert den Aufbau eines eigenen Handlungsrepertoires und damit eine zielgerichtete Auseinandersetzung mit verschiedenen Handlungsoptionen. Dieses Heft soll hierfür eine Orientierung bieten – sowohl durch einen systematischen Überblick als auch durch ausgewählte Erfahrungsberichte zu besonderen Aufgabenfeldern, die vor allem Impulse für die Reflexion der eigenen Praxis bieten sollen.

Aufgaben von Klassenlehrer(inne)n

Zu Beginn eine kleine Erfahrung, die mich schmunzeln ließ – und zugleich ein Problem deutlich macht: Vor kurzem äußerte mein Sohn, 7. Klasse, dass die Bezeichnung »Klassenlehrer« irreführend sei, weil die ja eigentlich nicht zum Lehren, sondern zum Organisieren der Klasse da seien. Er hatte dabei offenbar ausschließlich die Verwaltungsaufgaben im Blick und nicht bedacht, dass alle Aufgaben – auch die organisatorischen – letztlich auf gute Bedingungen für das Lehren und Lernen zielen.

Es kommt darauf an, ein für die eigene Person stimmiges Verhaltensrepertoire zu entwickeln.

Die verbindlichen Klassenlehreraufgaben sind vom Gesetzgeber festgelegt. Als Beispiel soll hier die »Allgemeine Dienstordnung für Lehrerinnen und Lehrer (ADO)« des Landes Nordrhein-Westfalen herangezogen werden. Dort heißt es in §18 an erster Stelle: »Für jede Klasse bestimmt die Schulleiterin oder der Schulleiter im Benehmen mit der Lehrkraft eine Klassenlehrerin oder einen Klassenlehrer. Diese oder dieser soll im besonderen Maße auf die erzieherische und fachliche Förderung der Schülerinnen und Schüler der Klasse hinwirken.« Aus der Formulierung »im besonderen Maße« lässt sich schließen, dass die Klassenlehrerin oder der Klassenlehrer nicht alleinverantwortlich ist, sondern ein besonderer Teil einer Verantwortungsgemeinschaft aus Kolleg(inn)en, Eltern und den Schüler(inne)n. Was sich wie eine Selbstverständlichkeit liest, kommt in der Hektik des Alltags nicht selten zu kurz: Hier geht – wenn es nicht institutionalisiert ist – das Miteinander der Verantwortungsgemeinschaft schnell verloren – das verdeutlichen nicht zuletzt Gunter Beyer und Sonja Kosch mit ihrem Beitrag, in dem sie aus je unterschiedlicher Perspektive reflektieren, was ihnen bei der erstmaligen Übernahme der Funktion der Klassenleitung geholfen hat und was ihnen geholfen hätte, wenn es da gewesen wäre – oder was zwar da war, von ihnen in ihrer Situation aber nicht als unterstützende Ressource erkannt wurde.

Die darüber hinausgehenden Aspekte der Kooperation der Klassenleitung mit Schulsozialarbeiter(inne)n, Förderlehrer(inne)n oder Inklusions­hel­fer(inne)n werden in diesem Heft in verschiedenen Beiträgen thematisiert. Zudem wird in Heft 11/2017 die Arbeit von multiprofessionellen Teams so vorgestellt, dass auch Klassenlehrerinnen und Klassenlehrer dort Anregungen für ihre Arbeit finden. Im Folgenden sollen nun die Aufgabenfelder skizziert und eingeordnet werden, auf die in den Beiträgen dieses Heftes ausführlich eingegangen wird.

… für die Beziehungen sorgen

Die Beziehungen zu den Schü­ler(in­ne)n sowie zu ihren Eltern sind eine notwendige Grundlage für die Arbeit der Klassenlehrerin oder des Klassenlehrers. Mehr noch als die anderen Aufgaben hängt ihre Gestaltung von der Persönlichkeit sowie den individuellen Haltungen und Kompetenzen ab; deshalb sollten das Verständnis und die Bedeutung der Lehrer-Schüler-Beziehung in die Leitlinien und gegebenenfalls in das Programm der Schule aufgenommen und dort konkretisiert werden, um Beliebigkeit zu vermeiden (Bastian 2012, S. 6) und Verlässlichkeit zu erreichen. Hier einige Aspekte zur Gestaltung der Beziehungen zu den Schüler(inne)n sowie zu den Eltern, wie sie in der Literatur genannt werden: Bedeutsam für die Gestaltung der Beziehungen sind nach Gudjons eine Haltung, die von Zutrauen geprägt ist, und die Ermöglichung von Partizipation (Gudjons 2012, S. 12 ff.). Die Haltung des Zutrauens führt Birte Friedrichs in ihrem Beitrag aus, indem sie mit Hilfe von drei psychologischen Grundbedürfnissen des Menschen einen allgemeinen Orientierungsrahmen für die Gestaltung der Beziehungen aufspannt, dem Bedürfnis nach »sozialer Eingebundenheit«, nach »Selbstwirksamkeitserfahrung« und nach »Autonomie«.

Die Möglichkeit einer Gestaltung der Beziehung zu den Eltern wird von Petra Mann konkretisiert. Sie beschreibt Konzept und Praxis von »Lernentwicklungsgesprächen« als Antwort auf die Frage, wie man trotz knapper zeitlicher Ressourcen die Eltern in die Begleitung der schulischen Entwicklung der Kinder einbeziehen kann. Der Schlüssel ist eine neue Form der Elternsprechtage, in die sowohl Schüler(in­nen) als auch Eltern einbezogen werden. Dabei wird allen Beteiligten eine aktive und je spezifische Rolle zugewiesen, so dass in den Vereinbarungen am Ende der Gespräche alle Seiten ihre jeweilige Verantwortung bzw. Mitverantwortung für den schulischen Lernprozess formulieren und festhalten.

… für echte Partizipation sorgen

Partizipation verstanden als Beteiligung der Schüler(innen) an bedeutsamen Entscheidungen oder als Übertragung bzw. als Übernahme von Aufgaben und Verantwortung ist ein zentraler Aspekt in den meisten der hier diskutierten Aufgabenfelder von Klassenlehrern. Dabei wird auch der Einwand aufgenommen, dass Schüler(innen) die Verantwortung für ihr Lernen und Wohlbefinden in der Schule allzu gern abgeben und dabei eine Konsumhaltung entwickeln, die Eigenverantwortung verhindert. In diesem Zusammenhang wird auch die These diskutiert, ein solcher Rückzug sei u. a. auf das in Beteiligungsprozessen übliche Verfahren von Abstimmungen nach dem Mehrheitsprinzip zurückzuführen; denn dieses würde bei den Abstimmungsverlierern zwangsläufig zu Frustrationen führen und den Eindruck bestärken, ihre Beteiligung zähle ohnehin nicht. Breucker und Errens berichten in ihrem Beitrag davon, wie Partizipation so gestaltet werden kann, dass Mehrheitsbeschlüsse überflüssig und in der Folge Verlierer vermieden werden können.

… für ein gutes Klassenklima sorgen

Ein gutes Klassenklima wirkt sich positiv auf den Lernerfolg der Schüler(innen) aus; das ist wissenschaftlich gut belegt (vgl. u.a. Hattie 2103, S. 122 f.). Aber was ist ein gutes Klassenklima? Die Antwort hierauf ist komplex. Hierzu gehören die Gestaltung der Lernumgebung ebenso wie die Beziehungen der Schüler(innen) untereinander. Ein Indikator ist: Die Schüler(innen) und auch die Lehrer(innen) kommen gern in die Klasse, sie fühlen sich wohl im Raum und unter den beteiligten Menschen. Wie man als Klassenlehrer(in) zur Gestaltung einer guten Lernumgebung beitragen kann, wurde schon in Heft 3/2012 der PÄDAGOGIK thematisiert. In diesem Heft liegt der Schwerpunkt deshalb auf einer durchdachten Gestaltung von Klassenreisen als Beitrag zum Klassenklima. Susanne Thurn blickt dazu auf (mehrtägige) Klassenfahrten zurück und beschreibt, wie sie vor allem über das Prinzip der Eigenverantwortung Prozesse vorbereitet und einübt, die zentral für das Lernen im Klassenraum sind. Der Beitrag liefert zahlreiche Anregungen für die Vorbereitung und Gestaltung von Klassenfahrten, die ein eigenverantwortliches, respektvolles und kooperationsbereites Miteinander der Schüler(innen) nachhaltig fördern.

Aus der Perspektive der Klassen­lehrer(innen) ist diesen Vorschlägen und den Vorschlägen zur Gestaltung guter Lernumgebungen eins gemeinsam: Die Klassenlehrer(innen) müssen eine gute Balance zwischen Steuerung und Beteiligung finden, damit die Entscheidungen von allen mitgetragen werden können.

… für die Erziehung sorgen

In allen Bundesländern wird den Lehrer(inne)n über die Schulgesetze ein Erziehungsauftrag zugeschrieben. So heißt es beispielsweise in Nordrhein-Westfalen: »Die Schule unterrichtet und erzieht junge Menschen auf der Grundlage des Grundgesetzes und der Landesverfassung.« (Art. 2, Abs. 1) Was sich hier wie ein gleichberechtigtes Nebeneinander von Unterrichten und Erziehen liest, liest sich in der Fachliteratur oft anders. Dort wird das »Erziehen« im Dienste der sonstigen schulischen Aufgaben wie Unterrichten, Beraten, Diagnostizieren und Beurteilen gesehen (vgl. Herzog 2016, S. 171). Seit es die moderne Schule gibt, wird kontrovers über Erziehung in der Schule diskutiert: Was macht Erziehung in der Schule aus? Worauf zielt sie? Wie unterscheidet sie sich von anderen Aufgaben, insbesondere vom Unterricht? Und ganz grundsätzlich: Hat Erziehung in der Schule überhaupt eine Berechtigung oder ist die Schule vielmehr zu »entpädagogisieren«?

Für die Arbeit des Klassenlehrers sind Zutrauen und das Prinzip der Partizipation bedeutsam.

Solche grundlegenden Diskussionen scheinen in der schulischen Praxis keine bedeutende Rolle zu spielen. So vertritt in diesem Heft die Autorengruppe Kühn, Roters-Becker, Leng und Weißer aus der Perspektive von Hauptschullehrer(inne)n die folgende Position, die vermutlich die Erfahrungen vieler Leserinnen und Leser trifft: Wir müssen sehr viele unserer Schüler(innen) zuallererst erziehen, damit sie erfolgreich am Unterricht, am schulischen Leben und an der Gesellschaft teilnehmen können. Zur genaueren Klärung ihrer Praxis erläutern sie, wie bei ihnen der Anteil von Erziehung am Unterricht aussieht und wie er konkret gestaltet wird. Erfahrungen, die nicht nur für Hauptschulen gelten.

… für eine gute Entwicklung der Selbstlernkompetenz sorgen

Nach Hattie hat die Kompetenz der Schüler(innen), realistisch ihr eigenes Leistungsniveau einschätzen zu können, den mit Abstand stärksten Effekt auf ihren Lernerfolg (ebd. 2013, S. 47 ff.). Der Aufbau dieser Kompetenz ist demnach eine lohnende Aufgabe, die umso erfolgreicher bewältigt werden kann, je enger die Lernenden dabei von einem Tutor oder Lernberater begleitet werden, und das ist in der Regel der Klassenlehrer bzw. die Klassenlehrerin. Woher dafür die notwendigen Ressourcen kommen können und wie dies neben allen anderen Aufgaben gelingen kann, das thematisiert der Beitrag von Becker-Eckstein, del Piero und van der Wielen. – Auch bei der Entwicklung von Selbstlernkompetenz erweist sich das Einräumen von Partizipationsmöglichkeiten als hoch bedeutsam.

Gerade in Schulen mit einem hohen Anteil an freier, eigenverantwortlicher Lernzeit gibt es derzeit eine Diskussion, die das Klassenlehrerprinzip in Frage stellt. Trotz aller guten und überzeugenden Ideen in den Beiträgen dieses Schwerpunkts soll die Einführung abgerundet werden durch die – vielleicht provokative – Argumentation für eine Alternative zur Funktion und Rolle des Klassenlehrers bzw. der Klassenlehrerin Sind Klassenlehrer(innen) notwendig?

Der internationale Vergleich macht deutlich: Nicht in allen Ländern wird die Bedeutung von Klassen­leh­rer(inne)n so hoch eingeschätzt wie in Deutschland. Während der Klassenlehrer bei uns bis zum Ende der Sekundarstufe I fest etabliert ist und in den Varianten Stammkurslehrer(in) bzw. Jahrgangsstufenleiter(in) sogar darüber hinaus, wird er beispielsweise in Frankreich, England und Kanada nach der (längeren) Grundschul­phase (Primaryschool resp. Ecole Elémentaire) durch ein Fachlehrer-Tutorensystem ersetzt. Das könnte man sich in Anlehnung an die Praxis in anderen Ländern in unseren Schulen beispielsweise so vorstellen: Die Schüler(innen) wählen über die Klassenstufengrenzen hinweg aus dem Kollegium einen Tutor, der sie und ihre Eltern über alle schulischen Belange informiert und in allen schulischen Fragen berät, insbesondere beim eigenverantwortlichen Lernen. So würde eine heterogene Tutorengruppe von etwa 15 Schüler(inne)n

entstehen, die sich während einer regelmäßigen Tutorenstunde, in der freien Lernzeit oder zu anderen festgelegten Zeiten außerhalb des Fachunterrichts gegenseitig unterstützen. Das entlastet den Tutor und ermöglicht ihm, sich intensiv um jeden Einzelnen zu kümmern und sehr nah an den schulischen und außerschulischen Belangen »seiner« Schüler(innen) dran zu sein. Zudem gewinnt er über diesen intensiven persönlichen Austausch einen guten Überblick darüber, was an seiner Schule aus Schüler- und Elternperspektive gut läuft und was nicht – ein Schatz für die Schulentwicklung.

Natürlich gibt es zu diesem Vorschlag noch weiteren Klärungsbedarf, zum Beispiel: Wer übernimmt die anderen Aufgaben der Klassenlehrerin bzw. des Klassenlehrers? Und eine möglicherweise noch schwieriger zu lösende Frage: Wie kann die (emotionale) Seite der Rolle von Klassenlehrer(inne)n kompensiert werden, die davon lebt, dass er oder sie viel Zeit in der »eigenen« Klasse und mit den »eigenen« Schüler(inne)n zubringen kann? Man darf nicht unterschätzen: Viele Klassenlehrer(innen) empfinden den Raum »ihrer« Klase als wichtigen Schonraum im turbulenten Schulalltag.

Literatur

Bastian, J. (2012): Klassenleitung. Aufgabenfelder und Anforderungen. In: PÄDAGOGIK H. 3/2012, S. 6 – 7
Friedrichs, B./Schubert, N. (2013): Das Klassenlehrerbuch für die Sekundarstufe. Weinheim
Gudjons, A. (2012): Beziehungsarbeit als Grundlage der Klassenlehrertätigkeit. In: PÄDAGOGIK H. 3/2012, S. 12 – 13
Hattie, J./Beywl, W./Zierer, K. (2013): Lernen sichtbar machen. Hohengehren
Helmke, A. (2009): Unterrichtsqualität und Lehrerprofessionalität. Seelze-Velber
Herzog, W. (2016): Der Erziehungsauftrag von Lehrerinnen und Lehrern. In: Rothland, M. (Hg.): Beruf Lehrer/Lehrerin. Ein Studienbuch. Münster, S. 171 – 185

Dr. Jörg Siewert war Gesamtschullehrer, ist jetzt Akademischer Oberrat für Schulpädagogik im Sekundarbereich an der Universität Siegen. Er leitet dort u. a. die Arbeitsstelle »Siegener Netzwerk Schule (SiNet)«. Er ist Mitglied der Redaktion von PÄDAGOGIK.
Adresse: Gustav-Gontermann-Weg 14, 57074 Siegen
E-Mail: siewert(at)paedagogik.uni-siegen.de

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Junge Erfinder gesucht

»Erfindungen verändern unser Leben« lautet das Motto des 48. Internationalen Jugendwettbewerbs »jugend creativ« der Volksbanken und Raiffeisenbanken, der noch bis zum 21. Februar 2018 läuft. In diesem Jahr sind Kinder und Jugendliche dazu aufgerufen, sich kreativ auf eine Reise in die Welt der Erfinder, Forscher und Entdecker zu begeben. Mit dem Thema Erfindungen und wie diese unser Leben beeinflussen, können sich Schülerinnen und Schüler der 1. bis 13. Klasse sowie Jugendliche bis 20 Jahre in den drei Kategorien Bildgestaltung (Klassenstufen 1 bis 13), Kurzfilm (Klassenstufen 5 bis 13) und Quiz (Klassenstufen 1 bis 9) auseinandersetzen. Die Teilnahmeunterlagen sind bei den Volksbanken und Raiffeisenbanken vor Ort erhältlich. Dort können die Beiträge bis zum 21. Februar 2018 auch eingereicht werden. Nach Auszeichnungen auf Orts- und Landesebene wählen die beiden Bundesjurys Ende Mai 2018 in Berlin die besten Bilder und Kurzfilme Deutschlands aus. Die Bundespreisträger werden mit einer kreativen Sommerakademie in der Internationalen Bildungsstätte Jugendhof Scheersberg an der Ostsee belohnt, wo sie sich von Ende Juli bis Anfang August 2018 für eine Woche mit Gleichgesinnten und Experten austauschen, ihr künstlerisches Talent weiterentwickeln und ihrer Kreativität freien Lauf lassen können. Im Bereich Bildgestaltung haben die erstplatzierten Bundessieger zudem die Chance auf eine internationale Auszeichnung, deren Preisträger im Juni 2018 in Frankreich bekannt gegeben werden.

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  Motivierender Unterricht mit aktueller Chart-Musik Mit der vor elf Jahren ins Leben gerufenen Initiative FrancoMusiques wollen das Institut français Deutschland, das französische Musikexportbüro Le Bureau Export und der Cornelsen Verlag junge Menschen für kulturelle Vielfalt sensibilisieren und ihre sprachliche Kreativität anregen. Im Mittelpunkt der Initiative steht das französische Chanson.

Auf der Webseite www.cornelsen.de/francomusiques finden Schulen zwölf aktuelle Songs und Unterrichtsmaterialien französischsprachiger Künstler gratis zum Download. Einige sind auch Schriftsteller: die Rockgruppe Dionysos, die den Hörer in ihre ganz eigene surreale Welt entführt, der Rapper MHD oder auch der berühmte Isaac Delusion mit seinem rhythmischen Elektropop. Weiterhin sind dabei: Karpatt, Gaël Faye, La Féline, Arthur H, Mesparrow, Dub Inc., Melissmell, Jane Birkin und Fischbach. Die kostenfreien Unterrichtsmaterialien ermöglichen einen spielerischen und kurzweiligen Französischunterricht rund um die ausgewählten Stücke und laden Franzö­sischlehrkräfte und ihre Schüler zum Entdecken der französischen Sprache und Musik ein.

Schulklassen und Jugendliche sind zudem dazu aufgerufen, es auch selbst zu versuchen und ein eigenes Lied in französischer Sprache zu komponieren, zu texten und vorzutragen. Ob Chanson, Rock, Rap, Solo-Gesang oder Chor-Darbietung: Es ist beinah alles erlaubt. Auf die drei Gewinnerteams warten Geldpreise im Wert von insgesamt 2 000 Euro für die Klassen- oder Kurskasse. Teilnehmen können alle Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufen 1 und 2 sowie berufsbildenden Schulen in Deutschland. Eine französisch-deutsche Jury bewertet und prämiert die Einsendungen. Einsendeschluss für die Beiträge ist der 31. Januar 2018. Die Beiträge können online über die oben angegebene Website eingereicht werden.

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Gemeinsam mit Kindern Informatik entdecken

Die Stiftung »Haus der kleinen Forscher« bietet seit kurzem Informatik-Fortbildungen für Pädagoginnen und Pädagogen aus Kitas, Horten und Grundschulen an. Mit dem Angebot »Informatik entdecken – mit und ohne Computer« versucht die Bildungsinitiative eine Lücke bei der Qualifizierung von Fach- und Lehrkräften in einem Kernbereich der digitalen Bildung zu schließen. Dies ist sinnvoll, da Kinder kommen schon früh mit informatischen Systemen in Berührung und haben viele Fragen: Weiß der Computer alles? Wie passt die Oma ins Tablet? Haben Roboter einen eigenen Willen? Die Angebote der Schulen in diesem Bereich sind allerdings bislang noch dünn; Lehrkräfte sind unsicher und verfügen selbst nur über unzureichende Kenntnisse. Mit der Fortbildung »Informatik entdecken – mit und ohne Computer« sollen sie Orientierung und solide fachliche Grundlagen für die pädagogische Arbeit mit Kita- und Grundschulkindern erhalten.

Die eintägige Fortbildung behandelt die Bedeutung von Informatik im Alltag und bietet den Teilnehmerinnen und Teilnehmern viele Praxisideen für die Bildungsarbeit mit Kindern in der Altersgruppe von drei bis zehn Jahren. Gemeinsam mit den Jungen und Mädchen können sie dann z. B. erforschen, wie Computer Zahlen sortieren, wie man mit Hilfe einer algorithmischen Vorgehensweise Spiele gewinnen kann oder wie man Nachrichten verschlüsselt. Dafür benötigen sie nicht unbedingt einen Computer, denn wichtige Grundlagen der Informatik lassen sich mit Papier und Stift, mit Alltagsmaterialien oder mit reinem Körpereinsatz erfahren. Die Fortbildung ist deshalb so angelegt, dass Einrichtungen keine digitalen Endgeräte einsetzen müssen, um eigene Lerngelegenheiten zu gestalten. Das Angebot wurde nach Angaben der Stiftung in enger Zusammenarbeit mit führenden Didaktikern der Informatik entwickelt.

Weitere Informationen zur Fortbildung »Informatik entdecken – mit und ohne Computer« finden sind unter www.haus-der-kleinen-forscher.de/informatik-entdecken/ zu finden.

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Ohne Orientierung

Viele Abiturienten benötigen erst einmal eine Pause

Deutschlands Abiturienten blicken grundsätzlich positiv in ihre Zukunft. Fast drei Viertel von ihnen rechnen sich gute oder sogar sehr gute Berufsaussichten aus. Zu diesem Ergebnis kommt eine vor kurzem veröffentlichte Studie im Auftrag des Bundesbildungsministeriums.

Die Studie zeigt jedoch auch, dass den jungen Menschen eine Orientierung hinsichtlich ihrer beruflichen Perspektiven schwerfällt. 43 Prozent finden die Zahl der Wahlmöglichkeiten »schwer überschaubar«, 42 Prozent haben Sorge wegen der Zulassungsbeschränkungen im Studium. Und immerhin 38 Prozent nennen »Unklarheit über die eigenen Interessen« als ein Problem.

Im Rahmen der Untersuchung, die das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) Hannover durchgeführt hat, wurden Schülerinnen und Schüler befragt, die 2015 Abitur gemacht haben, und zwar gleich zweimal: Ein halbes Jahr vor dem Schulabschluss und ein halbes Jahr danach haben sie sich zu ihren beruflichen Wünschen, Plänen und Hoffnungen geäußert.

Einige weitere Ergebnisse:

  • Rund drei Viertel der Abiturienten (74 Prozent) wollen studieren, und die Hälfte von ihnen hat diesen Plan ein halbes Jahr nach dem Abi auch bereits umgesetzt und ist eingeschrieben.
  • Dabei ist die Reihenfolge der beliebtesten Studienfächer seit 2012 konstant: 13 Prozent der Studienanfänger entscheiden sich für Wirtschaftswissenschaften, acht Prozent für Maschinenbau und sieben Prozent für ein Lehramtsstudium.
  • Die Attraktivität eines dualen Studiums steigt: 2008 hatten nur fünf Prozent der Abiturienten ein solches Studium aufgenommen, 2015 waren es bereits neun Prozent.
  • Sechs Monate nach dem Abitur haben 16 Prozent eine Berufsausbildung begonnen – die Zahl ist damit gegenüber dem Abiturientenjahrgang 2012 um drei Prozentpunkte gesunken. Dabei neigen Kinder aus Nichtakademikerhaushalten eher zur Ausbildung als Abiturienten, deren Eltern selbst studiert haben.
  • Eine überraschende Erkenntnis der Studie ist, dass Studienberechtigte mit Migrationshintergrund häufiger ein Studium anpeilen als Abiturienten ohne Migrationshintergrund – sie scheinen im Hinblick auf ihre Bildungsziele motivierter zu sein als ihre Altersgenossen.
  • Die Unsicherheit der Studienberechtigten steigt. Im Jahrgang 2015 legten 30 Prozent nach dem Abi erst einmal eine Pause ein: Sie gingen ins Ausland, entschieden sich für einen Freiwilligendienst oder jobbten. Diese Zahl lag um fünf Prozentpunkte höher als bei der Befragung der Abiturienten von 2012.
  • Die Sorge um die Finanzierung der Ausbildung hat abgenommen: Dies sehen der Studie zufolge nur noch 24 Prozent als Problem. Das ist der bisher niedrigste Wert im Vergleich zu vorherigen Befragungen.

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Materialien

Umgang mit Fremdheit

Fremdes und Befremdendes begegnet Kindern und Jugendlichen häufig. Das können neue und ungewohnte Lebensumstände sein. Oder Menschen, deren Aussehen und Verhalten ungewohnt sind. Auch solche, die nicht mit dem Mainstream schwimmen. Gerade beim Aufwachsen erlebt man zudem, dass man sich auch selbst entfremden kann. Wenn Neues, Unbekanntes in Bestehendes integriert wird, ist das Lernen, ein Wechselspiel zwischen Eigenem und Fremdem. Neues erfahren und lernen bedeutet auch, über Grenzen zu gehen. Das Friedrich Schülerheft 2017 zum Thema »Fremdheit« zeigt auf diversen Ebenen, wo Fremdheit empfunden wird und wie sie überwunden werden kann: in Aktionen und Projekten innerhalb und außerhalb von Schulen, die helfen, soziale und andere Grenzen einzureißen und Gemeinschaft zu stiften. Das reicht von der Integration von Geflüchteten bis zur Prävention von Extremismus. Das Heft ist im Friedrich Verlag erschienen und kann zum Preis von 19,90 Euro unter der Bestellnummer 539023 über die Website des Verlages www.friedrich-verlag.de bezogen werden.

Reden über Rassismus

In dem vor kurzem erschienenen Reader »Reden über Rassismus in Deutschland« der Initiative Schule »Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage« gibt der Migrationsforscher Mark Terkessidis in seinem Beitrag »Rassismuskritik in Deutschland« einen Überblick über die aktuellen Rassismusdebatten und noch existierende Leerstellen. Der Artikel »Menschenfeindlichkeit und Rassismus« von Sanem Kleff zeigt, wie ein enger Begriff von Rassismus hilft, diese Diskriminierung wirksam zu bekämpfen. Der Reader enthält außerdem Texte von Hengameh Yaghoobifarah, Doris Akrap, Anna Böcker, Lalon Sander und Arno Frank aus der taz. Er ist als PDF kostenlos über die Webite http://courageshop.schule-ohne-rassismus.org/zu beziehen.

Medienkonsum

Wie beeinflussen Medien unser Verhalten? Welches Konsumverhalten habe ich selbst? Mithilfe des vor kurzem erschienenen Buches »Medien – Konsum« können die Schülerinnen und Schüler der 8. bis 10. Klasse lernen, ihre eigene Mediennutzung einzuschätzen, und reflektieren den Umgang mit Web 2.0 und Social Media. Dabei werden sie sich über eigene sowie fremde Bedürfnisse bewusst und setzen sich mit den Themen Nachhaltigkeit und Konsum auseinander. Dabei finden u. a. folgende Methoden Anwendung: Interview, Karikaturenrallye, Lend-me-your-eyes-Methode, Museumsrundgang, Punktabfrage, Rollenspiel, Umfrage, Quiz. Das Buch ist im Klippert Verlag erschienen und kann zu Preis von 23,40 Euro im Buchhandel bezogen werden (ISBN: 978-3-403-09257-5).

Aufmerksamkeit trainieren

»Konzentrier dich!« – Diese Aufforderung bewirkt oft das Gegenteil, denn Aufmerksamkeit lässt sich nur schwer auf Kommando abrufen. Vielmehr gilt es, sie regelmäßig zu trainieren. Ein Projekt für die ganze Klasse – dies ist die Grundidee hinter dem vor kurzem erschienenenBand »Mit Konzentration zum Überflieger«. Wie nebenbei und mit Freude trainieren die Schülerinnen und Schüler dabei ihre Aufmerksamkeit. Zunächst wird in einem »Flugtauglichkeitstest« die Aufmerksamkeitsleistung gemessen und später die Trainingsergebnisse im »Flug-Kontrollbuch« notiert. Schließlich gelangen die Kinder und Jugendlichen Schritt für Schritt zum Flugschein. Dabei lösen sie spielerisch Aufgaben: Sie vergleichen Flugzeugsilhouetten, »scannen« Gepäck auf versteckte Waffen oder spüren eine geheime Nachricht zwischen Unsinnswörtern auf. Durch diese motivierende Herangehensweise ist die Teilnahme der Klasse sicher. Dem Aufgabenteil ist eine thematische Einführung vorangestellt, die einen schnellen Überblick über die wichtigsten Faktoren von Konzen­trationsfähigkeit -und schwäche liefert. Eindeutige Symbole und eine Anleitung zur Umsetzung dienen der schnellen Orientierung. Das 96-seitige Buch von Melanie Bettner richtet sich an die Klassenstufen 5 bis 7 und ist im Auer Verlag erschienen. Es ist zum Preis von 21,40 Euro im Buchhandel zu beziehen (ISBN 978-3-403-07963-7).

Informationen zu Tierrechten

Seit Beginn des Schuljahrs bietet das Bildungsportal des Vereins »PETAKids« Videos für den Unterricht an. Auf der Homepage www.petakids.de stehen diverse Kurzfilme kostenfrei als Download zur Verfügung. Sie können für eine Unterrichtseinheit genutzt werden. Die Videos umfassen verschiedene tierische Themen, die altersgerecht – für die Grundschule bis zum Ende der Mittelstufe – aufbereitet wurden. Die Videos bieten eine zeitgemäße Chance, das Interesse der Kinder und Jugendlichen für das Thema Tierrechte zu wecken und sie darüber zu informieren. Darüber hinaus bietet die Seite neben den Unterrichtsmaterialien auch das Onlinemagazin PETAKids mit altersgerecht aufbereiteten Artikeln rund um das Thema »tierfreundliches Leben«. Kinder können hier alles Wissenswerte erfahren über Tiere in Zoo und Zirkus, tierische Mitbewohner, Tierversuche, vegane Ernährung, Klima- und Naturschutz sowie über Tiere in der Bekleidungsbranche. Das Bildungsmaterial umfasst zudem Arbeitsblätter für den Unterricht, die Kindern wertvolles Wissen über Tiere vermitteln. Darüber hinaus steht ein persönlicher E-Mail-Service für Lehrer zur Verfügung, so dass Pädagogen Fragen stellen und Tipps einholen können.

Grundschulkulturen

Wie das Schreiben erlernt wird, welche Rolle dabei die Rechtschreibung spielt, welche Handschriften Kinder erlernen und wie sie ihre Lehrkräfte anreden: all dies basiert auf unterschiedlichen Lernkulturen. Die einen setzen eher auf Leistung und Lehrerdominanz, die anderen stellen eher die Bedürfnisse der Kinder in den Mittelpunkt. In den einzelnen Bundesländern, von Schule zu Schule, von Klasse zu Klasse bestehen hier große Unterschiede. All dies basiert auf unterschiedlichen Lernkulturen und wurde jetzt von Wolfgang Steinig erstmals systematisch in einer empirischen Erhebung unter zufällig ausgewählten Grundschulen aus allen 299 Bundestagswahlkreisen untersucht. In seinem Buch »Grundschulkulturen: Pädagogik – Didaktik – Politik« zeigt er dabei einen Zusammenhang zwischen gelebter Lernkultur und politischen Mehrheiten in einzelnen Regionen auf. Dabei kommt er zum Teil zu überraschenden Erkenntnissen, die einen neuen Blick auf den Unterricht an unseren Grundschulen ermöglichen. Das 288-seitige Buch ist im Erich Schmidt-Verlag erschienen und kann zum Preis von 24,95 Euro im Buchhandel bezogen werden (ISBN 978 3 503 17606 9).

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Termine

Spannende Angebote der kulturellen Bildung

Das Fortbildungsprogramm 2018 der Akademie der Kulturellen Bildung des Bundes und des Landes NRW bietet mehr als 100 Kurse von Tagesveranstaltungen bis zu mehrjährigen, berufsbegleitenden Qualifizierungen. Neu hinzugekommen ab 2018 ist der Fachbereich Performance, ein Zusammenschluss mehrerer Akademie-Dozenten. Sie bieten mit »Performative Verfahren in der Kulturellen Bildung« eine neue Qualifizierung an, die interdisziplinär an die Praxis und Theorie der Performativen Kunst heranführt. Ebenfalls neu sind Fortbildungen für Multiplikatorinnen und Kommunen im Feld der Diversitätsbewussten Kulturellen Bildung. Das Programm der Akademie der Kulturellen Bildung richtet sich an alle Fachkräfte der Jugend-, Sozial-, Bildungs- und Kulturarbeit. Die Arbeitsfelder reichen von der Frühkindlichen Bildung zum Ganztag und der Offenen Jugendarbeit, Beratung und Vermittlung in Kultureinrichtungen. Auch 2018 deckt die Akademie mit ihrem Programm wieder ein breites Spek­trum an kulturpädagogischen Themen wie Diversität, Inklusion, Partizipation und Lebenswelten bis zur Bildung für nachhaltige Entwicklung ab. Viele der Kurse und Fortbildungen sind interdisziplinär angelegt und ermöglichen so Perspektiven über einen einzelnen Fachbereich hinaus.

Mit dem Programm 2018 feiert die Remscheider Akademie ein ganz besonderes Jahr, denn sie wird 60 Jahre alt. Seit sechs Jahrzehnten beteiligt sie sich am Ausbau und der Weiterentwicklung der kulturellen Bildungslandschaft in Deutschland und ist damit ein Urgestein der Kulturellen Bildung. Am 31. August 2018 begeht die Akademie ihr 60-jähriges Bestehen mit einem öffentlichen Jubiläums-Event. Das Jahresprogramm 2018 kann auf www.kulturellebildung.de heruntergeladen werden oder kostenfrei bei der Akademie bestellt werden: info(at)kulturellebildung.de, Telefon (0 21 91) 7 94-0.

Psychische Störungen in den ersten Lebensjahren

Rund 16 bis 18 Prozent aller Vorschulkinder weisen psychische Störungen auf, die mit großen Belastungen und Beeinträchtigungen für Kinder und Familien einhergehen und die zukünftige Entwicklung gefährden können. Ob frühe psychische Störungen Ausdruck problematischer Beziehungskonstellationen sind oder ob sie bereits erste Anzeichen individueller Psychopathologie darstellen, lässt sich nur mit einer fundierten Diagnostik klären. Demgemäß muss auffälliges kindliches Verhalten in den ersten Lebensjahren immer in Relation zum Entwicklungsalter und den damit verbundenen Besonderheiten betrachtet werden. Nur so lässt sich abschätzen, ob es sich bei dem als auffällig wahrgenommenen Verhalten um einen normalen Entwicklungsschritt oder um ein Krankheitsphänomen handelt.

Wie in den Jahren zuvor widmet sich auch das »Forum Frühe Kindheit 2018«, das am 15. und 16. Juni im Kölner Maternushaus stattfindet, diesem Thema aus einer wissenschaftlich-interdisziplinären Perspektive. Das Ziel ist es, ausgewählte psychische Störungen und Verhaltensauffälligkeiten in der Zeit bis zum Einschulungsalter vorzustellen sowie diesbezügliche Grundlagen, Diagnostik und Interventionsansätze zu vermitteln. Weitere Informationen und Anmeldung unter www.forum-fruehe-kindheit.de.

Jahresinhaltsverzeichnis 2017

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Von 1968 lernen?! – 1. Folge

Rolf Schellhase

Aus der Studentenbewegung keine Geschichten machen

Was Lehrkräfte und Schüler heute von 1968 lernen können

Im Zentrum der Serie steht die Frage, wie Schule und Unterricht von den Erfahrungen der Phase um 1968 beeinflusst wurden und was dies für Schule heute bedeuten könnte. Die Diskussion dieser Frage kann für diejenigen produktiv sein, die diese Phase nicht nur nostalgisch oder resignativ konservieren wollen. Und sie kann zur Diskussion von aktuellen päda­gogischen Fragen beitragen, wenn diese vor dem Hintergrund der Erfahrungen mit Versuchen einer radikalen Veränderung des pädagogischen Denkens und Handelns analysiert werden. Gestaltet wird diese Serie mit Beiträgen aus der Perspektive der Forschung, der Reflexion individueller Erfahrungen sowie aus der Perspektive derer, die Schule heute entwickeln und gestalten.

Kompetenzorientierung im Mathematikunterricht?

Letztes Jahr erreichte ein Brandbrief die deutsche Öffentlichkeit. Beklagt wurden – nicht zum ersten Mal – Mathematikdefizite von Studienanfänger(inne)n. Unterzeichner waren 128 Professorinnen und Professoren sowie Lehrerinnen und Lehrer, die das Fach Mathematik unterrichten. Die Hauptthese war: Der Verfall der Mathematikleistungen gehe auf die mit den Bildungsstandards eingeführte Kompetenzorientierung zurück. Die Kontroverse fragt nach der Substanz dieser These und klärt das Für und Wider der Kompetenzorientierung

Antje Liening-Konietzko

Selbstständig effektives Lernen lernen

Dass die Fähigkeit zum eigenständigen Lernen eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiches Lernen ist, ist Konsens. Aktuell gibt es einige Publikationen, die sich direkt an die Zielgruppe der Lernenden wenden, um ihnen ein eigenständiges Erlernen effektiven Lernens zu ermöglichen. Dazu gehört nicht nur das Erlernen universal einsetzbarer Lerntechniken und -strategien. Angeboten werden Bücher und Materialien, die sowohl zu Hause als auch im Unterricht selbstständig genutzt werden können, um das eigene Lernen und Arbeitsverhalten zu reflektieren, Lernstrategien zu trainieren und so effektives Lernen zu lernen.

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