6´16Digitales Lernen

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Die Beispiele zeigen Möglichkeiten der Nutzung digitaler Ressourcen zur Beschaffung von Information, zur Kooperation, zur Differenzierung, zur Kommunikation in der Schule und mit außerschulischen Partnern.

Dass es grundlegende Veränderungen im Bereich der technischen Möglichkeiten gibt, ist unbestritten. Dass diese auch für grundlegende Veränderungen in Schule und Unterricht genutzt werden sollten, wird immer wieder vertreten. Ob dies berechtigt ist, sollte kritisch geprüft werden. Denn nur wenn der pädagogische Mehrwert solcher Neuerungen erkennbar gemacht werden kann, sollten digitale Medien in den Unterricht einbezogen werden.

Drei Kernfragen sollten deshalb beantwortet werden: Welche didaktischen Optionen eröffnet die Einbeziehung digitaler Technologien für den Unterricht? Wie kann sich die Rolle des Lehrers und der Schule ändern? Wie ändern sich Rolle und Lernvoraussetzungen der Lernenden?

Die Erfahrungsberichte diskutieren diese Fragen u. a. anhand der folgenden Themen:

  • Wie lassen sich Recherchen im Internet durch gezielte Fragen unterstützen?
  • Wie lassen sich Onlineplattformen im Unterricht nutzen?
  • Wie lassen sich Lernerfolge durch ePortfolios sichtbar machen?
  • Wie lassen sich Inhalte digital unterstützt zu Hause erarbeiten und im Unterricht verarbeiten?
  • Wie können Erklärvideos im Unterricht erstellt und genutzt werden?
  • Wie lässt sich medienbezogene Schulentwicklung für die Integration von Medien nutzen?

Die Beispiele zeigen Möglichkeiten der Nutzung digitaler Ressourcen zur Beschaffung von Informationen, zur Kooperation, zur Individualisierung, zur Kommunikation in der Schule und mit außerschulischen Partnern sowie zur kreativen Arbeit. Gleichzeitig zeigen sie, wie Chancen und Gefahren der digitalen Welt selbst zum Lerngegenstand werden können.

Johannes Bastian

Vortext

Digitales Lernen

Einführung in den Themenschwerpunkt

Ingo Kriebisch/Jochen Schnack

Die digitale Revolution ist in vollem Gange, und sie wälzt vieles um. Auch die Schule ist davon betroffen. So haben praktisch alle Schülerinnen und Schüler in der Sekundarstufe heute einen digitalen Alleskönner namens Smartphone in der Tasche. Welche Folgen hat dies für Schule und Unterricht? Welche Chancen liegen darin, und wie können sie genutzt werden?

Hand aufs Herz: Wie lange ist es her, dass Sie auf Ihr Smartphone geschaut haben? Eine Stunde? Zwei Stunden? Oder haben Sie das Gerät vielleicht gerade erst aus der Hand gelegt, bevor Sie sich diesem Text zugewandt haben?

Was bietet die technische Entwicklung?

Die amerikanische Firma »Apple« hat das erste Smartphone im Jahr 2007 auf den Markt gebracht; ein paar Jahre später folgte das Tablet. Seither haben diese digitalen Alleskönner unseren Alltag erobert – und das gilt für Lehrkräfte ebenso wie für Schülerinnen und Schüler. Laut aktueller JIM-Studie verfügen inzwischen über 90 Prozent der 12- bis 19-Jährigen über ein eigenes Smartphone, und immerhin knapp ein Drittel nennen ein Tablet ihr eigen – Tendenz in 2016 weiter steigend.

Aktuelle Studien belegen zudem, dass auch Lehrkräfte sehr gut mit digitalen Endgeräten ausgestattet sind, diese aber noch überwiegend privat nutzen (vgl. Cornelsen Trendstudie 2015). Derzeit bringen zwar bereits mehr als die Hälfte aller Lehrkräfte ihre digitalen Endgeräte – vor allem Laptops und Tablets – mit in die Schule, ihre Smartphones oder die der Schülerinnen und Schüler kommen aber nur an wenigen Schulen regelmäßig zum Einsatz (vgl. BITKOM 2015).

Diese kleinen Geräte sind Alleskönner; der Nutzer hat durch sie jederzeit Zugriff auf alle Ressourcen des Internets. So kann er z. B. im World Wide Web recherchieren, Filme anschauen, öffentlichen Vorlesungen zuhören oder mit anderen Besitzern von Smartphones chatten. Viele dieser Ressourcen sind hervorragend dazu geeignet, das schulische Lernen zu unterstützen. Aber es ist noch viel besser: Jeder Nutzer kann auch mit Hilfe seines Smartphones oder Tablets jederzeit selbst Informationen zur Verfügung stellen oder kreative Inhalte wie Bilder, Filme und Präsentationen erstellen und diese mit anderen teilen. Und unsere Schülerinnen und Schüler tun dies bereits heute in ihrer Freizeit mit viel Kreativität und Zeitaufwand.

Die Mitbegründer der Firma ­»Google« Eric Schmidt und Jonathan Rosenberg beschreiben den fundamentalen Wandel durch die Weiterentwicklung der digitalen Ressourcen so:

»Drei machtvolle Technologietrends haben die Bedingungen in den meisten Branchen (und das gilt unseres Erachtens auch für die Schule; IK/JS) grundsätzlich verändert. Erstens sind mit dem Internet Informationen frei verfügbar geworden, in großer Menge und überall. Zweitens ist durch mobile Endgeräte und Netzwerke die Welt näher zusammengerückt und ständig vernetzt. Und drittens stehen mit dem Cloud-Computing praktisch unendliche Rechner- und Speicherkapazitäten sowie eine Unmenge komplexer Tools und Anwendungen zur Verfügung – für jedermann.« (Schmidt/Rosenberg 2015, S.25)

Welche Folgen hat das für Schule und Unterricht?

Welche Folgen haben diese grundlegenden technischen Änderungen für Unterricht und Schule? Wie wird die Schule der Zukunft aussehen, eine Schule, in der die digitalen Ressourcen systematisch im Alltag eingesetzt werden und das Buch als Leitmedium sukzessive abgelöst werden könnte?

Ohne den Einsatz digitaler Techniken ist eine aktive Teilhabe am modernen Leben nicht mehr denkbar.

Bisher besteht vermutlich – überspitzt gesagt – die weitreichendste Folge darin, dass die Schulen neue Regeln zum Umgang mit Smartphones in der Schule entwickeln müssen und diese in vielen Fällen zunächst einmal verbieten. Diese Reaktion gleicht in etwa der Forderung aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, die Eisenbahnen zu verbieten, weil die hohe Geschwindigkeit von mehr als 20 Stundenkilometern die Gesundheit der Bürger gefährde.

Aber es gibt inzwischen auch viele Menschen, die darüber nachdenken, wie sich diese neuartigen digitalen Ressourcen fruchtbar für die Gestaltung eines modernen Unterrichts und vor allem von individualisierten Lernprozessen einsetzen lassen. Nach Einschätzung von Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung, werden die digitalen Möglichkeiten die Verhältnisse zwischen Schülern und Lehrern umwälzen. Die Beziehungen würden persönlicher, individueller, so dass Lehrer irgendwann in der Lage wären, nicht mehr den Stoff, sondern tatsächlich die Kinder und Jugendlichen zu unterrichten (vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 10. 1.2016). Auch die derzeitige Vorsitzende der KMK, die Bremer Schulsenatorin Claudia Bogedan, sieht in der Digitalisierung eine große Chance für den Unterricht in heterogenen Lerngruppen, der immer mehr den Alltag von Lehrerinnen und Lehrern bestimmt (vgl. Tagesspiegel vom 29.12.2015).

Was ist der pädagogische Mehrwert von Digitalisierung?

Doch sind diese Hoffnungen berechtigt? Aus Sicht der Unterrichtsentwicklung muss die entscheidende und kritische Frage zunächst lauten: Welche neuartigen Möglichkeiten entstehen durch Smartphones, Tablets und die damit verbundenen (Online-)Ressourcen für die Gestaltung von Lehr-Lernprozessen tatsächlich? Und: Ist der Einsatz digitaler Medien in der Schule förderlich für die Ausbildung zunehmend zentraler Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Kreativität und Kommunikation? Schließlich: Welche digitalen Kompetenzen sind wichtig für eine aktive gesellschaftliche Teilhabe? Nur wenn solche »pädagogischen Mehrwerte« angenommen werden können, lohnt es sich, digitale Medien schrittweise in die Gestaltung des Unterrichts einzubeziehen und die damit verbundenen Kosten zu stemmen.

Ziel und Zweck dieses Themenschwerpunktes ist also eine Bestandsaufnahme und zugleich ein Ausblick auf die Schule der Zukunft. Dabei ist uns vollkommen klar, dass die derzeitige Entwicklung so dynamisch ist, dass manche unserer Befunde womöglich schon in wenigen Jahren überholt sein werden. Auch das gehört zum Wesen der digitalen Revolution: Sie ist extrem schnelllebig – und passt damit eigentlich gar nicht zum eher beständigen, manche sagen: behäbigen Charakter der Schule. Wahr ist aber auch, dass wir alle und vor allem unsere Schüler in einer Welt leben werden, die durch diese Dynamik permanent verändert und die morgen eine andere sein wird als gestern und heute. Es wird unweigerlich zur Aufgabe der Schule, sie auf diese dynamische Situation vorzubereiten. Dazu gehört auch der lernförderliche Einsatz von digitalen Techniken, die immer mehr die Lebens- und Berufswelt bestimmen und ohne die eine aktive Teilhabe am modernen gesellschaftlichen Leben nicht mehr denkbar ist. Schon ein erster Blick in die Schulen zeigt, dass digitale Ressourcen bereits heute zahlreiche neuartige Möglichkeiten eröffnen. Hier einige Beispiele:

  • Im Deutsch- oder Sprachenunterricht können die Schülerinnen und Schüler an verschiedenen Endgeräten sitzend gemeinsam an Texten oder Präsentationen arbeiten. Dazu müssen sie nicht einmal im selben Raum sitzen; dies ist auch möglich, wenn sie im Schulgebäude verteilt oder jeweils von zu Hause arbeiten. (Dieser Text ist zum Beispiel durch eine Kooperation über das Tool »Titanpad« entstanden, wobei ein Autor in Hamburg und der andere in Boston saß). Aber es geht noch weiter: Während die Schülerinnen und Schüler noch an dem Dokument arbeiten, kann der Lehrer von seinem Computer aus dieses ebenfalls einsehen und gegebenenfalls Anregungen geben und Verbesserungen vornehmen oder sich bei Bedarf zusätzlich per Videokonferenz mit den Autoren austauschen. Damit lässt sich die Schreibförderung, eine der wichtigsten und zugleich schwierigsten Aufgaben der Schule, anders und effektiver gestalten als früher.
  • Mit Hilfe von Videokonferenzen, Chatsoftware oder eines gemeinsamen Blogs können die Schülerinnen und Schüler im Politikunterricht mit Gleichaltrigen in anderen Teilen der Welt zusammenarbeiten. Sie können gemeinsam an Themen arbeiten, die für beide Seiten wichtig sind, z. B. zum Arabischen Frühling oder zu Rassismus/Apartheid. Dadurch erhalten die deutschen Schüler unmittelbare und authentische Eindrücke von Altersgenossen in betroffenen Ländern, z. B. in Ägypten oder in Südafrika.
  • Mit Hilfe der Kamera des digitalen Endgeräts und einer ebenfalls standardmäßig mitgelieferten Software können Schülerinnen und Schüler kleine Filme zu Unterrichtsthemen drehen, die sie dann in der Klasse vorstellen. Hier sind verschiedene Formen vorstellbar (vgl. die Beiträge von Frank und Küchmeister in diesem Heft).

Dies sind nur einige wenige von unzähligen Beispielen dafür, welche neuen, zusätzlichen didaktischen Optionen es durch die Einbeziehung der digitalen Technologien für den Unterricht im realen und möglicherweise im ergänzenden virtuellen Klassenraum gibt (vgl. hierzu den Beitrag von Hachemer). Verallgemeinernd lässt sich sagen: Smartphone, Tablet und Internet ersetzen nicht nur Tafel und Kreide, sondern ermöglichen bzw. erleichtern

  • authentisches, situiertes Lernen mit vielfältigen Perspektivwechseln und lernförderlichen Irritationen,
  • selbständiges Lernen, Planen und Reflektieren in persönlichen digitalen Lernumgebungen,
  • ein tieferes Durchdringen der Lerngegenstände durch ihre überall verfügbare und beliebig oft wiederholbare multimediale Präsentation oder durch interaktive Simulationen sowie
  • intensive, gleichberechtigte und gerechte Zusammenarbeit durch kollaborative Werkzeuge, die zudem den Arbeitsprozess durch beliebig viele und jederzeit wieder aufrufbare Zwischenstände für alle transparent und nachvollziehbar machen.

Die Einsatzszenarien für die digitalen Medien variieren von Fach zu Fach und von Jahrgang zu Jahrgang; damit entfalten sich auch ihre Potenziale durchaus unterschiedlich. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass ihr Einsatz von den Beteiligten vor allem dann als sinnvoll erlebt wird, wenn es um eine intensive Auseinandersetzung mit dem fachlichen Lerngegenstand geht.

Wie ändert sich die Rolle des Lehrers und der Schule?

Ein wichtiger, bisher unterschätzter Aspekt der digitalen Revolution ist, dass sie unweigerlich die Rolle des Lehrers verändert – und zwar unabhängig davon, ob digitale Endgeräte in der Schule eingesetzt werden oder nicht. Wenn Informationen und Wissen auf privaten Endgeräten stets »on your fingertip« sind, sich also gleichsam immer schon in der Hosentasche des Schülers befinden, ist es nicht mehr die primäre Aufgabe des Lehrers, dieses Wissen zu sammeln und weiterzugeben. Seine Aufgabe ähnelt künftig vielmehr derjenigen des Lotsen, der den Weg vorgibt und für Orientierung sorgt. Er setzt sozusagen die Bojen im unüberschaubaren Meer des Wissens und unterstützt die Schülerinnen und Schüler dabei, in diesem Übermaß an Informationen sicher und verlässlich zu navigieren – mit Hilfe von digitalen Endgeräten.

Mehr noch: Die digitale Revolution erfordert eine neue Rechtfertigung der Schule als gesellschaftlicher Institution. In seinem Buch »Too big to know« setzt sich der Philosoph David Weinberger mit den Folgen der Datenflut auseinander, die kennzeichnend ist für die digitale Moderne. Er macht deutlich, dass die schiere Menge an frei verfügbarem Wissen das Konzept von »Wissen« selbst verändert. So wird zum Beispiel jedem Einzelnen heute sofort klar, dass die Menge des Wissens, die ein einzelner Mensch speichern kann, verschwindend gering ist im Verhältnis zu der jederzeit verfügbaren Gesamtmenge. Von dieser Marginalisierung ist auch die Schule betroffen. Galt bislang das Schulwissen immer als Fundament, als Essenz des lebenswichtigen Wissens und somit als Startrampe für ein erfolgreiches Leben, so fällt es der Schule heute angesichts der offensichtlichen Kontingenz des Wissens immer schwerer, diese Annahme zu verteidigen. Die Schule ist für alle offensichtlich nicht mehr der Gralshüter des wichtigen Wissens. Das bedeutet: Sie braucht eine neue Rechtfertigung, ein neues Fundament.

Diese Rechtfertigung kann sie nur erlangen, wenn sie zeigt, dass sie Kinder und Jugendliche auch auf die neue, digitale, sich dynamisch verändernde Welt und auf eine prinzipiell unbekannte Zukunft optimal vorbereitet.

Dabei kommt dem Umgang mit den digitalen Technologien eine Schlüsselrolle zu, weil sie eben nicht nur Techniken sind, sondern auch Medium für alle Themen und Inhalte, um die es in und außerhalb der Schule geht. Es ist kaum vorstellbar, dass wir unseren Lehrerberuf in Zukunft noch ausüben können, ohne diese Technologien selbst zu beherrschen, sie lernförderlich einzusetzen und dabei fortlaufend kritisch zu hinterfragen. Der Lehrerberuf wird sich also in mancherlei Hinsicht verändern, doch er wird nicht überflüssig werden, und auch der Präsenzunterricht wird nicht abgeschafft werden. Aber er wird künftig anders aussehen.

Wie ändern sich Rolle und Lernvoraussetzungen der Lernenden?

Ein wichtiger Aspekt dabei ist, dass die intensive Nutzung der digitalen Medien im außerschulischen Kontext bei den Schülerinnen und Schüler dazu führt, dass sie bereits über vielfältige bewusste und unbewusste Kompetenzen verfügen. Dies kann der Lehrer bei der Planung eines mediengestützten Fachunterrichts durchaus nutzen. Die Lernenden erhalten dann eine veränderte Rolle, sie können beispielsweise im Sinne von Peer-Education Mitschülerinnen und Mitschüler anleiten und unterstützen. Dieser Ansatz wird u. a. in der bundesweiten medienpädagogischen Maßnahme »Medienscouts« erfolgreich verfolgt.

Viele Jugendliche sind darüber hinaus bereits heute in der Lage, schnell und zielgerichtet auf Informationsquellen im Internet zuzugreifen. Sie können ohne Weiteres z. B. im Rahmen einer komplexen Aufgabenstellung eigenständig eine Internetrecherche durchführen. Wichtig ist es, dass sie dabei begleitet werden, die Ergebnisse dieser Suche einzuordnen, zu bewerten, zu filtern und aufgabenspezifisch aufzubereiten (vgl. auch den Beitrag von Crossley und Putman in diesem Heft).

Eine andere Kompetenz, über die viele Jugendliche heute bereits verfügen, ist die kreative Nutzung der digitalen Medien. Über soziale Netzwerke, Youtube und andere Plattformen tauschen viele von ihnen Bilder, Filme, Musik und andere, zum Teil von ihnen selbst erstellte oder bearbeitete Inhalte. Als »digital natives« wachsen sie mit dem interaktiven Internet auf und bewegen sich darin wie ein Fisch im Wasser – das bedeutet jedoch nicht unbedingt, dass sie sich mit den Gefahren auskennen, die ihnen dort drohen.

All diese und noch manche weiteren Kompetenzen können die Schülerinnen und Schüler in den Unterricht einbringen – und sie sind zurecht stolz, wenn sie danach gefragt werden. Während also der Lehrer vom Belehrer zum Lernbegleiter wird, wächst der Schüler oftmals in die Rolle des Experten hinein, wenn es um den Umgang mit digitalen Medien geht. Zusammengefasst: Durch die Digitalisierung der Welt und damit auch der Schule ändert sich das Lehrer-Schüler-Verhältnis, es wird partnerschaftlicher, die Hierarchie nimmt tendenziell ab. Das passt durchaus zu der neuen, digitalen Welt, in der das Wissen zu einer universellen Ressoure geworden ist, an der alle auf ihre Weise teilhaben und zu Experten in ihrem Bereich werden können.

Zum Schluss

Wie also sieht nun der Unterricht der Zukunft aus? Wir werden künftig die digitalen Ressourcen im Unterricht nutzen,

  • als Informationsquelle und – in Form von Video-Tutorials – als Hilfslehrer,
  • zur Kooperation und Kollaboration in digitalen Räumen,
  • zur Individualisierung des Unterrichts,
  • zur Kommunikation in der Schule und mit Partnern außerhalb der Schule, weltweit,
  • zur kreativen Arbeit.

Mit dem Ziel, das immer noch zu geringe Einsatzspektrum der Medien im Unterricht (BITKOM 2015) zu erweitern, werden in diesem Heft viele dieser Tendenzen anhand von konkreten Beispielen beschrieben und laden zur unmittelbaren Nachahmung ein.

Zugleich muss die Schule die digitale Welt, ihre Chancen und Gefahren auch selbst zum Lerngegenstand machen. So wie vor vielen Jahren die Verkehrserziehung in die Schulen Einzug gehalten hat, werden wir künftig das Internet und die Folgen der Digitalisierung zum Lerngegenstand machen. An vielen Schulen in den USA ist dies bereits heute üblich.

Sicher ist, dass wir viele pädagogische Möglichkeiten noch gar nicht erschlossen oder nicht einmal erkannt haben, sicher ist auch, dass es künftig neuartige technische Optionen geben wird, von denen wir heute noch keine Vorstellung haben – vor zehn Jahren konnte sich auch kaum jemand die Veränderungen ausmalen, die das Smartphone für unser Leben bedeuten würde. Und noch etwas anderes ist sicher: Guter Fachunterricht kann durch den Einsatz digitaler Medien noch besser werden, schlechtem Unterricht ist auch hierdurch nicht zu helfen.

Literatur

Bitcom (2015): https://www.bitkom.org/Publikationen/2015/Studien/Digitale-SchulevernetztesLernen/BITKOM-Studie-Digitale-Schule-2015.pdf
Cornelsen-Trendstudie zur »Medienausstattung an Schulen in Deutschland«: Über Google unter diesen Stichworten zum Download auffindbar
Eric Schmidt/Jonathan Rosenberg (2015): Wie Google tickt. Frankfurt/New York, S. 25
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 10. 1.2016: Revolution im Klassenzimmer. Von Inge Kloepfer
Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (mpfs) (Hg.) (2015): JIM-Studie. Stuttgart
Weinberger, David (2012): Too big to know. Rethinking Knowledge Now That the Facts Aren’t the Facts, Experts Are Everywhere, and the Smartest Person in the Room Is the Room. Cambridge

Ingo Kriebisch leitet das Referat Medienpädagogik im Hamburger Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung.
Adresse: Felix-Dahn-Straße 3, 20357 Hamburg
E-Mail: ingo.kriebisch(at)li-hamburg.de

Dr. Jochen Schnack leitet die Deutsche Internationale Schule in Boston (USA) und ist Mitglied der Redaktion von PÄDAGOGIK.
Adresse: 40 Holton Street, Boston, MA 02134, USA
E-Mail: jochen.schnack@gmx.info

Inhalt Magazin

 

Eltern haben kein Recht auf Wahl des Schulbuchs

Eltern haben nicht das Recht auf ein bestimmtes Schulbuch für ihr Kind. Das stellte vor kurzem das Berliner Verwaltungsgericht klar. Es entschied damit die die Klage eines Vaters, der Anstoß an einer Darstellung im Geschichtsbuch seines 17-jährigen Sohnes genommen hatte und von der Schulverwaltung verlangte, ein anderes Werk zu nutzen. Das Gericht wies die Klage ab. Das Berliner Schulgesetz verleihe weder Eltern noch Schülern einen Anspruch auf die Verwendung bestimmter Lehrmittel. Der Kläger sei damit nicht in seinem Recht auf Erziehung beeinträchtigt.

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Lehrerverband beklagt dramatischen Schulleitermangel

Der Lehrerverband Bildung und Erziehung (VBE) warnt vor einem dramatischen Schulleitermangel in Deutschland und fordert zügige politische Gegenmaßnahmen. Nach Ansicht des Bundesvorsitzenden Udo Beckmann ist die Situation in in Nordrhein-Westfalen besonders schlimm. Dort fehlten derzeit rund 2 000 Schulleiter oder Stellvertreter, das bedeute, dass jede siebte Schulleiterstelle und sogar jeder vierte Stellvertreterposten unbesetzt ist. Die Lage ist nach Einschätzung von Beckmann exemplarisch für ein bundesweites Problem. Um die Situation zu verbessern, forderte Beckmann mehr Geld für die Beamten, mehr Zeit für Leitungsfunktionen und Delegationsmöglichkeiten. Das Bundesland Hessen sei hier mit gutem Beispiel vorangegangen, habe vor drei Jahren die Besoldung angehoben und den Mangel bereits vermindert.

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Digital gemobbt

Cybermobbing ist Hauptproblem von Jugendlichen im Netz

Cybermobbing ist noch immer ein erhebliches Problem, wenn Jugendliche im Internet oder auf sozialen Netzwerken unterwegs sind. Nach Auskunft des Betreibers betreffen 80 Prozent aller Anfragen bei der bundesweiten Selbsthilfe-Plattform ­juuuport Mobbingfälle. Das bedeutet, dass monatlich 7 000 bis 10 000 junge Menschen bei der Plattform Rat suchen. Oft kommen sie spät – bis ein Mobbingopfer um Hilfe bitte, können Wochen oder Monate vergehen. Mögliche gesundheitliche Folgen sind Kopf- oder Bauchschmerzen sowie Nervosität. Aber auch ein Leistungsabfall in der Schule, Rückzugswünsche und Selbstmordabsichten gehören dazu.

Nach Einschätzung von Experten ist es wichtig, dass Eltern und Lehrer jungen Menschen bei Problemen mit sozialen Medien Unterstützung böten und nicht mit Vorwürfen und Verboten reagieren. Ein Handy- oder Internetverbot ist in der Regel nicht der richtige Weg, ebenso wenig wie eine vorsorgliche Abschottung vom Internet. Auch die Schulen müssten der Problematik mehr Aufmerksamkeit widmen, forderte Sabine Mosler, die die Vorsitzende des von mehreren Landesmedienanstalten getragenen Hilfsangebotes ist. Bei schlimmen Fällen müsse auch die Polizei eingeschaltet werden, auch im Netz sei nicht alles erlaubt.

Ein weiteres Problem junger Leute ist Mosler zufolge Abzocke und Missbrauch von Daten. Dazu zählten etwa Datenklau bei WhatsApp-Nachrichten, Abzocke bei vermeintlich kostenlosen Online-Spielen, dem Einsatz von Freunden in Facebook-Werbeanzeigen oder dem Diebstahl von Profilen.

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Uni Halle fördert hochbegabte Schüler

Die Universität Halle hat vier weitere Schulen aus Sachsen und Sachsen-Anhalt in das Förderprojekt »Prime-Gymnasien« aufgenommen. Ziel ist es, die Schüler für ein Studium zu begeistern sowie hochbegabte Jugendliche über ein Frühstudium zu fördern. Die Gymnasiasten dürfen zum Beispiel an Lehrveranstaltungen teilnehmen oder bei Vorort-Besuchen mit Studenten ins Gespräch kommen. Mit den vier neuen Schulen beteiligen sich nun insgesamt 28 Einrichtungen an dem Projekt.

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Schleswig-Holstein: DaZ-Ausbildung im Referendariat

Das nördlichste Bundesland hat angesichts des großen Bedarfs an Deutschunterricht für Flüchtlinge ein neuartiges Ausbildungsmodell für Lehrer gestartet. Referendare, die am 1. Februar nach der neuen Ausbildungs- und Prüfungsordnung begonnen haben, können ein Zertifikat »Deutsch als Zweitsprache« erwerben und dadurch die Hausarbeit für die Staatsprüfung ersetzen. Bedingung ist der erfolgreiche Leistungsnachweis per Abschlussklausur. Das Belegen eines solchen Kurses ist freiwillig; die Referendare können sich auch für die bisher verbindliche Hausarbeit entscheiden. Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) sagte, dass die große Zahl an Flüchtlingen für die Schulen eine große Herausforderung darstellen. »Mit diesen Qualifikationsangeboten wollen wir sie unterstützen und zugleich dafür sorgen, dass die Kinder, die zu uns kommen, eine faire Chance auf eine gute Schulbildung erhalten«. Partner des neuen Angebotes sind das Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen (IQSH) und das zur Uni Köln gehörende Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache.

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Schüler kosten Geld

Im Jahr 2013 betrugen die Jahreskosten für die Ausbildung einer Schülerin oder eines Schülers in Deutschland im Durchschnitt 6 500 Euro. Die Statistiker haben für Thüringen (8 100 Euro) und Hamburg (8 000 Euro) die höchsten Ausgaben je Schüler ermittelt, die niedrigsten für Nordrhein-Westfalen, das Saarland (jeweils 5 700 Euro) und Schleswig-Holstein (5 800 Euro). Berücksichtigt wurden hier ausschließlich die Ausgaben für öffentliche Schulen, nicht die Kostenerstattungen für Privatschulen.

Die großen Schwankungen zwischen den einzelnen Bundesländern zeigen, wie vielfältig die deutsche Bildungslandschaft inzwischen ist. Die wesentlichen Faktoren für die Kosten sind:

  • die Schüler-Lehrer-Relationen bzw. Klassengrößen
  • die Pflichtstundenzahlen und Besoldungsstrukturen der Lehrer
  • die Verbreitung und Intensität der Ganztagsbetreuung
  • die Ausgestaltung der Lernmittelfreiheit und
  • die Bewirtschaftung der Schulgebäude

Der größte Ausgabenposten sind erwartungsgemäß mit großem Abstand die Personalkosten. Im Bundesdurchschnitt entfallen hierauf 5 300 Euro, während für die Unterhaltung der Schulgebäude und Lehrmittel durchschnittlich 800 Euro sowie für Baumaßnahmen und andere Sachinvestitionen 300 Euro je Schüler ausgegeben wurden.

Beim Vergleich der einzelnen Schulformen zeigt sich, dass die Grundschulen am günstigsten sind (durchschnittlich 5 600 Euro pro Schüler). Realschulen liegen bei 5 900 Euro, Gymnasien und integrierte Gesamtschulen jeweils bei 7 500 Euro, und Hauptschulen kosten die Länder im Durchschnitt 8 200 Euro pro Schüler und Jahr.

Im Vergleich zum Jahr 2012 waren die Ausgaben je Schüler um rund 200 Euro gestiegen. Blickt man zurück auf das Jahr 2005, so haben sich die jährlichen Ausgaben sogar von 4 900 auf 6 500 Euro erhöht. Die Ausgabensteigerung war politisch ausdrücklich angestrebt worden. Auf dem Bildungsgipfel 2008 hatten Bund und Länder das Ziel festgesetzt, perspektivisch 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Bildung und Forschung auszugeben. Im Jahr 2013 betrug dieser Wert 9,2 Prozent.

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Deutschland will mit der Schweiz und Kanada bei Bildung zusammenarbeiten

Deutschland, Kanada und die Schweiz wollen ihre Kooperation im Bereich der der Bildung noch weiter ausbauen. In einer gemeinsamen Erklärung heißt es, alle drei Länder wiesen ähnliche föderale Strukturen und daraus resultierende Kompetenzen im Bildungsbereich auf. Bei der vertieften Kooperation soll es vor allem um den regelmäßigen Austausch zu Fragen der politischen und administrativen Steuerung des Bildungswesens in dezentralen Systemen gehen. Außerdem sollen Kriterien für erfolgreiche Implementierungsprozesse im Schulwesen gemeinsam erörtert werden.

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Deutsche Schüler finden die Schule doof

Deutsche Kinder sind im weltweiten Vergleich besonders schlecht auf die Schule zu sprechen. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie »The Children‘s Worlds« der britischen York Universität und der Schweizer Jacobs Stiftung, in deren Rahmen rund 56 000 Kinder in 16 Ländern befragt worden waren. Kinder aus Deutschland, Südkorea und England gaben demnach am häufigsten an, dass sie ungern zur Schule gehen – ganz anders als ihre Altersgenossen z. B. in Algerien und Äthiopien. Weltweit gilt – und das ist wenig überraschend: Je älter das Kind, desto mehr hadert es. So gaben 62 Prozent der Achtjährigen an, gern zur Schule zu gehen. Bei den Zwölfjährigen waren es nur noch 42 Prozent.

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Mecklenburg-Vorpommern baut Ganztagsversorgung aus

Das nordöstliche Bundesland Mecklenburg-Vorpommerns baut sein Netz der Schulen mit Nachmittagsangeboten weiter aus. Bereits heute sind nach Auskunft von Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) etwa die Hälfte der Grundschulen und Dreiviertel der öffentlichen weiterführenden Schulen im Nordosten Ganztagsschulen. Zum kommenden Schuljahr entstehen nun im Land 2 350 weitere Ganztagsplätze. Derzeit lernen knapp 57 000 Schüler an Ganztagsschulen und 22 600 nehmen die Nachmittagsangebote an Grundschulen wahr. Acht neue Halbtagsgrundschulen seien genehmigt. Das Land erhöhe im kommenden Schuljahr die Ausgaben um eine Million Euro auf 26 Millionen Euro pro Jahr.

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Niedersachsen: Voltigieren als Abiturfach

An der Integrierten Gesamtschule Fürstenau im Osnabrücker Land haben einige Schülerinnen vor kurzem erstmals eine Abiturprüfung im Voltigieren abgelegt. Nach Angaben der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) ist die Schule damit die erste bundesweit, die einen Reitsport in die Allgemeine Hochschulreife aufgenommen hat. Die Ganztagsschule hatte diese Sportart bereits seit einigen Jahren als Arbeitsgemeinschaft im Angebot. Im Jahr 2013 entstand dann die Idee, diese Erfahrungen auch im Regelunterricht zu nutzen. Mit der Bundestrainerin Voltigieren Ulla Ramge und den Warendorfer Olympia-Reitern erarbeitete man die Aufgaben für die Abiturprüfung. Ein entsprechender Antrag für das Pilotprojekt wurde im vergangenen November vom Kultusministerium genehmigt. Die 18-jährige Hanna Lagemann hat Ende März als erste Schülerin in Deutschlands die Prüfung im Voltigieren abgelegt. Sport war ihr fünftes Prüfungsfach und hat die mündliche Prüfung ersetzt. Neben Voltigieren als Individualsport musste sie sich auch noch in einer Teamsportart und allgemeiner Sporttheorie prüfen lassen.

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Hamburg verändert seine Lehrerausbildung

Als letztes Bundesland passt Hamburg seine Lehrerausbildung an die bundesweit veränderten Schulstrukturen in der Sekundarstufe an. Wichtigstes Ziel dabei ist nach Auskunft von Schulsenator Ties Rabe (SPD), das bisherige Einheitsstudium für »Grund-, Haupt- und Realschulen« in zwei Studiengänge zu trennen. Künftig soll es in Hamburg einen Studiengang für Grund- und einen für Stadtteilschulen geben.

Auf diese Weise sollen Rabe zufolge Pädagogik und Fachkenntnisse der angehenden Lehrer besser verzahnt werden. Zudem reagiert die Stadt damit auf eine Veränderung der Schulstruktur, denn bereits seit 2010 gibt es in Hamburg keine Haupt- und Realschulen mehr. Sie sind zusammen mit den Gesamtschulen in der sogenannten »Stadtteilschule« aufgegangen, die regelhaft bis zum Abitur nach 13 Jahren führt.

In Hamburg haben Schul- und Wissenschaftsbehörde nun eine Arbeitsgruppe eingerichtet, in der Experten bis 2017 Vorschläge erarbeiten sollen. Geplant ist, dass die angehenden Lehrer von 2018 an nach neuen Studienplänen unterrichtet werden können. Nach Angaben des Senators stellt Hamburg pro Jahr 570 Referendare ein, darunter 180 angehende Grund- und Stadtteilschullehrer sowie 180 künftige Gymnasiallehrer.

Als Experten konnten mehrere Hochschulprofessoren gewonnen werden, darunter Ewald Terhart von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, Susanne Miller von der Universität Bielefeld, Julia Gillen von der Leibniz-Universität Hannover und Vera Moser von der Humboldt-Universität Berlin. Sie müssen unter anderem klären, ob die dann neu ausgebildeten Stadtteilschullehrer auch in den Oberstufen unterrichten dürfen und worin sich die Ausbildung für die Stadtteilschule eigentlich von derjenigen für das Gymnasium unterscheidet.

Kritiker sowohl aus der Erziehungswissenschaft als auch in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sehen in der nun geplanten Abtrennung des Grundschullehramts von dem bislang integrierten Studium eines Grund- und Mittelstufenlehramts einen Rückschritt. Dies führe zu einer Separierung von Lehrerinnen und Lehrern im Studium, das u. a. auf die Zusammenarbeit in den integrierten Bildungsgängen der Stadtteilschulen (Klasse 1 – 13) vorbereiten solle. Das Erreichen des langfristigen Ziels eines längeren gemeinsamen Lernens werde dadurch erheblich erschwert.

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Studie: Grundschullehrerinnen werden diskriminiert

Ein vor kurzem veröffentlichtes Gutachten kommt zu dem Ergebnis, dass Grundschullehrerinnen durch ihr vergleichsweise niedrigeres Gehalt diskriminiert werden. Laut der von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) beauftragten Studie ist die Arbeit an Grundschulen gleichwertig mit der Arbeit an anderen Schulen. Dennoch bekommen die Lehrerinnen – und natürlich auch ihre männlichen Kollegen – hier demnach im Durchschnitt rund 400 Euro pro Monat weniger. Dies ist nach Ansicht von GEW-Chefin Marlis Tepe nicht akzeptabel. Die Autorin der Studie, die Anwältin Eva Kocher sagte bei der Vorstellung der Studie, es handele sich hierbei um keine unmittelbare, sondern eine versteckte Diskriminierung. Denn die Vorschriften der Besoldung seien zwar geschlechtsneutral formuliert. Doch da rund 87 Prozent aller Grundschullehrer in Deutschland weiblich seien, handele es faktisch sich um eine Diskriminierung von Frauen. Auch männliche Grundschullehrer seien benachteiligt. Sie haben dem Gutachten zufolge quasi das Pech, einen typischen Frauenberuf gewählt zu haben. Die höheren Gehälter in weiterführenden Schulen werden von den Bundesländern mit der Ausbildung, Leistung und Verantwortung in dem Beruf begründet. Allerdings sei dem Gutachten zufolge inzwischen in vielen Bundesländern die Ausbildung für alle Schulformen ähnlich lang. Außerdem stelle die pädagogische Arbeit in Grundschulen zwar andere Anforderungen als die Tätigkeit in weiterführenden Schulen, jedoch seien diese als gleichwertig zu bewerten und müssten daher gleich bezahlt werden.

Die GEW fordert eine bessere Bezahlung für Grundschullehrerinnen und -lehrer und argumentiert, damit könne auch dem Mangel an Grundschullehrern in Deutschland entgegengewirkt werden.

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Ausgezeichnet: Der umgedrehte Klassenraum

Das Konzept des »Flipped Classroom«, das im Schwerpunktteil dieses Heftes näher vorstellt wird (vgl. den Beitrag von Alexandra Kück im Schwerpunkt dieses Heftes) erhält immer mehr Aufmerksamkeit. So wurde es zum Beispiel vor kurzem mit dem Schulpreis »MINT von morgen« der Joachim-Herz-Stiftung ausgezeichnet. Die Lehrer Carsten Thein, Felix Fähnrich, Sebastian Schmidt und Sebastian Stoll erhielten diesen Preis für ihren fortschrittlichen Unterricht, den sie auf der Grundlage von »Flipped Classroom« gestaltet haben. Sie produzieren für ihren Mathematik-Unterricht Erklärvideos, um den Schülerinnen und Schülern im Vorfeld zu Hause die theoretischen Grundlagen nahezubringen. In der Schule ist dann ausreichend Zeit für Fragen und Übungen zum Thema.

»Das Konzept ermöglicht es uns, durch die Inputauslagerung näher an unseren Schülern dran zu sein und mehr Zeit für ihre Bedürfnisse zu haben. Sowohl auf fachlicher als auch auf persönlicher Ebene haben wir nun wesentlich mehr Zeit, ihren Ansprüchen und Fragen gerecht zu werden und ihre Entwicklung ganzheitlich positiv zu beeinflussen«, erläutern Carsten Thein und Felix Fähnrich vom Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium in Durmersheim. Ein weiterer Pluspunkt: »Der Lehrer in einem Erklärvideo ist immer geduldig. Er erklärt höflich und ruhig denselben Sachverhalt erneut, wenn man gerade nicht aufgepasst hat.«

Die ausgezeichneten Lehrer geben folgende Tipps für den »umgedrehten Unterricht«:

Abholen und mitnehmen

»Der Flipped Classroom ist Unterricht einer neuen Art, wie ihn Eltern, oft auch die Schulleitung oder die Kollegen, nicht kennen. Wichtig ist es daher, neben den Schülern alle weiteren Beteiligten mit ins Boot zu holen und ihnen die Scheu vor den neuen Medien zu nehmen. So sollten zum Beispiel die Eltern unbedingt die Möglichkeit haben, auf die Videos oder sonstige digitale Inhalte zugreifen zu können«, so Sebastian Schmidt von der Inge-Aicher-Scholl-Realschule, Neu-Ulm Pfuhl.

Die passende Soft- und Hardware wählen

Um qualitativ gute Videos zu produzieren, sollte die passende Hard- und Software eingesetzt werden. Sebastian Schmidt nutzt zum Beispiel das Programm »Camtasia«. Für die Aufnahme reicht ein Headset, will man sich selbst zeigen noch eine Kamera. Für eine optimale Tonqualität wird ein USB-Mikrofon empfohlen.

Was wird geflippt?

Sebastian Schmidt empfiehlt auch, nicht gleich allen Input aus dem Klassenzimmer auf Videos auszulagern. Die wichtigste Frage ist: Welcher Inhalt kann auf den Nachmittag verschoben werden? Das erfordert eine völlig neue Planung des Unterrichts: In welcher Phase ist ein Lehrer­input unvermeidbar? Wann können die Schüler selbst auf Entdeckungsreise gehen? Erst danach werden die Hausaufgaben und das Video geplant.

Überprüfung

Entscheidende Voraussetzung für den Erfolg der Methode ist natürlich, dass die Schülerinnen und Schüler sich die Videos auch wirklich anschauen. Eine Überprüfung kann auf verschiedene Arten erfolgen: Zum Beispiel durch ein abfragendes Quiz zum Video (learningapps.org, edpuzzle.com, educanon.com etc.) oder ein begleitendes Arbeitsblatt. Die Aktivitätstests bei mebis/moodle sind weitere Alternativen.

2015 bewarben sich rund 30 Lehrkräfte und Projektteams aus ganz Deutschland um den mit insgesamt 8.000 Euro dotierten Schulpreis, der von der Joachim Herz Stiftung und der Initiative MINT Zukunft schaffen e. V. vergeben wird. Der Preis würdigt Engagement und Leistung von Lehrkräften, die digitale Medien für innovative Konzepte nutzen und so ihren Unterricht in MINT-Fächern für Schülerinnen und Schüler ansprechend und abwechslungsreich gestalten. Die Auswahl der Preisträger erfolgt durch eine Jury aus unabhängigen Experten und Schülern.

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Jedem Lehrer eine Stimme

Stimmbildung senkt das Risiko einer Erkrankung

Wissenschaftler der Universität Leipzig sprechen sich für eine fundierte stimmliche Ausbildung von Lehramtsstudenten aus. Auf diese Weise könne das Risiko für eine spätere Stimmerkrankung im Beruf erheblich gesenkt werden. Dabei berufen sich die Forscher um Michael Fuchs, Leiter der Sektion Phoniatrie und Audiologie am Universitätsklinikum Leipzig, auf eine Studie, die sie in den vergangenen Jahren durchgeführt haben. »Ein Lehrer muss 40 Jahre lang mit dem Arbeitsinstrument Stimme arbeiten, und das oft unter schwierigen Bedingungen«, sagte Fuchs.

Für die Studie untersuchten die Wissenschaftler 202 Lehrer an Kliniken und Schulen in Leipzig, Halle und Marburg (Hessen), die mindestens fünf Jahre an einer Grund-, und Mittelschule oder an einem Gymnasium unterrichteten. Von ihnen hatten 31 Prozent hatten eine Stimmerkrankung, die anderen waren beschwerdefrei. Dabei zeigte sich ein deutlicher Zusammenhang: Je besser die Stimm­ausbildung während des Studiums, umso gesünder die Stimme. In Zahlen ausgedrückt steigt das Risiko einer Erkrankung um das 1,6-fache, wenn die Stimme nicht geschult worden ist. Besonders gefährdet seien Grundschullehrer und Quereinsteiger, die beispielsweise als Naturwissenschaftler in den Lehrberuf wechseln. Bei der Stimmausbildung könnten zum Beispiel die Atmung sowie der Einsatz von Kehlkopf, Rachen und Mundhöhle geübt werden, sagte Fuchs. Das Training sei vergleichbar mit dem von Sängern.

In Deutschland gibt es keine einheitliche Regelung für die Stimm­ausbildung. Die Hochschulen entscheiden selbst, ob sie hier Angebote machen. An manchen dauert die Stimmbildung mehrere Semester, an anderen gibt es gar kein Angebot.

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Kostengünstig

Private Unis geben weniger Geld für Studenten aus als öffentliche

Die öffentlichen Hochschulen in Deutschland geben fast doppelt so viel Geld pro Student aus wie ihre privaten Konkurrenten. Bei letzteren liegen die Ausgaben pro Kopf bei 5 920 Euro, bei den öffentlichen Hochschulen waren es knapp 11 000 Euro. Diese Zahlen gelten für das Jahr 2013; sie wurden vom Statistischen Bundesamt ermittelt. Die Statistiker erklären den Unterschied mit der Auswahl der Fächer. An den privaten Hochschulen seien zwei Drittel der Studierenden in Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften eingeschrieben. Diese »Bücherwissenschaften« sind für die Universitäten günstiger als Mathematik, Naturwissenschaften und Ingenieurwissenschaften.

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Neue Studie: Teamarbeit in deutschen Kollegien unterentwickelt

Eine vor kurzem veröffentliche repräsentative Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die deutschen Lehrerinnen und Lehrer trotz wachsender Offenheit für Teamarbeit im Alltag immer noch zu wenig andere Kollegen im Klassenraum besuchen, um sich bei ihnen etwas abzuschauen. Im Rahmen der Studie waren 1015 Lehrkräfte der Sekundarstufe I befragt worden. Bei ihnen waren gemeinschaftlicher Unterricht (23 Prozent) oder Hospitationen in Kollegen-Klassen (9 Prozent) kaum verbreitet. Die Studie zeigt darüber hinaus, dass die Kooperationskultur an Gymnasien teilweise deutlich schwächer entwickelt ist als in anderen Schulformen. Umgekehrt ist es bei inklusiven sowie bei gebundenen Ganztagsschulen Schulen recht gut um die Zusammenarbeit bestellt.

Statistisch gesehen verwenden Lehrer von ihren durchschnittlich 42,8 Wochenarbeitsstunden etwa fünf auf Kooperationen – mit Kollegen, anderen Pädagogen, Eltern oder Institutionen. Trotz dieser eher geringen Zahl finden fast alle befragten Lehrer (97 Prozent) Austausch und Zusammenarbeit wichtig, für neun von zehn (87 Prozent) lohnt sich der Zusatzaufwand.

Doch dies ist mehr Wunsch als Wirklichkeit, denn tatsächlich hat ein Großteil der Lehrkräfte in Deutschland »keine oder nur sehr wenige Einblicke in den Unterricht anderer Kollegen«, so die Studie, die von den Stiftungen Mercator, Bertelsmann, Robert Bosch und Deutsche Telekom in Auftrag gegeben worden war. Die Autoren, die Bildungsforscher Dirk Richter (Bergische Universität Wuppertal) und Hans Anand Pant (Humboldt-Universität Berlin), stellen fest, dass kritisch-konstruktive Rückmeldungen und Feedback innerhalb der Kollegien hierzulande immer noch unterentwickelt sind.

So gab nur jeder zweite befragte Lehrer an, zusammen mit Kollegen komplexe Unterrichtskonzepte oder -strategien zu entwickeln. Im internationalen Vergleich unterstützen sich in Deutschland zwar deutlich mehr Lehrer mit Materialien als im Mittelwert der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Bei Diskussionen über die Lernentwicklung von Schülern oder gemeinsamen Bewertungsstandards liegt im OECD-Vergleich hierzulande aber noch einiges im Argen.

Nach Einschätzung von Richter und Pant kann eine intensive Kooperation von Lehrern deren Kompetenzen, berufliche Zufriedenheit und sogar Gesundheit verbessern. Ihrer Ansicht nach ist es daher unbedingt im Interesse von Schulleitungen, beispielsweise feste Teamzeiten oder Strukturen für jahrgangsübergreifende Projekte zu ermöglichen. Gerade auch angesichts immer vielfältigerer Klassen mit Inklusion oder mit vielen Migranten- und Flüchtlingskindern sei Teamarbeit – womöglich unter Einschluss von Schulsozialarbeitern und Psychologen – ein Schlüssel zum pädagogischen Erfolg.

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Materialien

Unterrichtsmaterial zu Cybermobbing

»Homevideo« von Regisseur Kilian Riedhof hat 2011 als erster deutscher Fernsehfilm das wichtige Thema »Cybermobbing« aufgegriffen und wurde für seinen authentischen und sensiblen Umgang damit mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u. a. mit dem Grimme-Preis und dem Deutschen Fernsehpreis. Das Buch zum Film ist vor kurzem im Carlsen Verlag erschienen. Diese mediale Kombination hat die Stiftung Lesen in Kooperation mit dem Carlsen Verlag zum Anlass genommen, umfangreiche Unterrichts­impulse sowie interaktive Arbeitsblätter rund um das Thema »Cybermobbing« zur Verfügung zu stellen. Die Unterrichtsmaterialien bieten sich für den fächerübergreifenden Unterricht in Deutsch, Religion, Ethik, Sachkunde, Sozial- und Gemeinschaftskunde an. Das Impulsmaterial greift dabei unter anderem folgende Aspekte auf: Hintergründe zu Buch und Film, Wissenswertes über Cybermobbing, Privatsphäre – was ist das?! Darüber hinaus beschäftigt es sich auch mit der Gesetzeslage zum Thema. Ergänzt werden die Informationen durch Lese-, Medien- und Linktipps. Mithilfe weiterführender interaktiver Arbeitsblätter können die Schülerinnen und Schüler direkt zu bestimmten Filmausschnitten arbeiten und sich in interaktiven Übungen mit verschiedenen inhaltlichen und filmsprachlichen Aspekten beschäftigen. Dabei schulen sie auf lebendige und spielerische Art und Weise ihre Medienkompetenz und setzen sich gleichzeitig mit den unterrichtsrelevanten Themen auseinander. Die Materialien eignen sich für Schülerinnen und Schüler ab Klassenstufe 7 und stehen im Lehrerclub der Stiftung Lesen (www.derlehrerclub.de/filmbildung) oder beim Carlsen Verlag zum kostenlosen Download bereit: www.carlsen.de/taschenbuch/homevideo/60368.

Warum Schüler nicht mehr zur Schule kommen

In ihrem vor kurzem erschienenen Buch »Schulabsentismus und Schul­dropout« fragt Sandra Seeliger nach den Ursachen für Absentismus. Auf der Grundlage von vier Fallstudien liefert sie einen tiefen Einblick in die vielfältigen Bedingungsgefüge, die einen erfolgreichen Schulabschluss behindern können und verbindet die Erkenntnisse mit aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Die vier Analysen werden mit Ansätzen aus der Resilienzforschung verknüpft und reflektiert. Die Autorin zeigt weiterhin auf, wie Schülerinnen und Schüler auch unter schwierigen Ausgangsbedingungen zu einem erfolgreichen Schulabschluss geführt werden können. Seeliger recherchiert, wie risikobehaftet das Aufwachsen in der Gesellschaft sein kann, wie reale Schülerbiographien aussehen können und wie wichtig es für Schulen und Lehrkräfte ist, sich dieser Faktoren bewusst zu sein und diese in den eigenen Anforderungen zu berücksichtigen. Das Buch ist im Springer Fachverlag erschienen und kann zum Preis von 39,99 Euro im Buchhandel bezogen werden (ISBN 978-3-658-12593-6).

»Nur Lernbegleiter? Unsinn, Lehrer!«

In seinem neuen Buch wendet sich der Kölner Lehrer und Autor Michael Felten gegen die schleichende Aufweichung der Lehrerrolle und entwirft ein zeitgemäßes Gegen- beziehungsweise Leitbild: Die Lehrkraft wird seiner Meinung nach als aktiver Erklärer, souveräne Führungsperson und feinfühliger Berater gebraucht. Der Autor berücksichtigt die aktuelle Lern- und Unterrichtsforschung und greift auf psychologische Erkenntnisse sowie seinen eigenen Erfahrungsschatz zurück. Eine erfrischende Mischung aus Essay und Ratgeber, voller Denkanstöße und Praxistipps, die Anfänger und erfahrene Lehrkräfte gleichermaßen unterstützen, im Schulalltag den professionellen Überblick zu bewahren und gut zu unterrichten.

Bei seiner Beschreibung der Lehrerrolle setzt Felten vier Schwerpunkte. Erstens ist die Lehrkraft »Bastler«: Sie plant und lenkt Lernprozesse, wobei verschiedene Methoden zum Einsatz kommen. Von zentraler Bedeutung ist jedoch die »direkte Instruktion«, die Zusammenhänge gemeinsam erarbeitet. Felten unterstreicht, dass Eigenverantwortlichkeit wichtig ist, aber nur ein nach und nach anzusteuerndes Ziel sein kann – insbesondere, wenn wir an die Arbeit mit schwächeren Schülern oder Pubertierenden denken. Zweitens ist die Lehrkraft »Bezugsperson«: Die persönliche Beziehung stützt und fördert die Schüler(innen). Die nötigen personalen Kompetenzen fallen Felten zufolge niemandem einfach in den Schoß – jede Lehrkraft kann sie sich erarbeiten. Drittens ist die Lehrkraft »Brückenbauer«: Bei Lernproblemen ermutigt sie die Schüler. Fördermaßnahmen können sinnvoll sein, müssen aber gezielt eingesetzt und genau überprüft werden. Und viertens ist die Lehrkraft »Bändiger«: Sie entschärft Unterrichtsstörungen, wobei die im Buch präsentierten Ansätze der Individualpsychologie helfen, Verhaltensmuster der Schüler zu verstehen. Felten ermuntert außerdem, die eigene Haltung zu reflektieren und Konflikte auch als Entwicklungschance zu sehen. Das 120-seitige Buch ist im Cornelsen Verlag erschienen und kann zum Preis von 12,50 Euro im Buchhandel bezogen werden (ISBN 978-3-589-15847-8-7).

Elterninformationen für Flüchtlinge und Migranten

Zur Unterstützung der neu angekommenen Schüler und deren Eltern im deutschen Schultag hat die Vodafone Stiftung Deutschland das Elterninformationsmaterial »Lernzeit gemeinsam gestalten« auf Arabisch und Kurdisch entwickelt. Die Materalien unterstützen Kitas und Schulen wie auch Eltern und Schüler gleichermaßen. In Deutschland bleiben erfahrungsgemäß besonders die Kinder hinter ihrem kognitiven Entwicklungspotential zurück, deren Eltern sich nicht aktiv in den Bildungsdialog einbringen, bzw. sich einbringen können. Gerade durch den starken Anstieg in der Zahl der Flüchtlinge brauchen Bildungseinrichtungen und Eltern jetzt Unterstützung. Das Konzept des Elterninformationsmaterials »Lernzeit gemeinsam gestalten« unterstützt Pädagogen und Eltern durch leicht verständliche Sprache, ansprechende Beispiele, zahlreiche Illustrationen und individuell wählbare Module. Gerade auch Eltern mit Flüchtlingshintergrund sollen so die zentralen Anforderungen in Kita und Schule unkompliziert und gleichzeitig eindringlich näher gebracht werden. Lern- und Entwicklungsschritte des Kindes können über drei Kita- und vier Grundschul-Jahre begleitet und bestmöglich zwischen den Bildungspartnern ausgetauscht werden und leisten so einen wichtigen Beitrag zu einer gelungenen Integration. Das Elterninformationsmaterial steht unter https://www.vodafone-stiftung.de/elterninformationsmaterial.html kostenlos zum Download zur Verfügung.

48 Methoden auf Bildkartei

Insgesamt 48 Methoden-Bildkarten beinhaltet das vor kurzem erschienene Werk »Methoden-Bildkarten für die Sekundarstufe«, das sich an den Ideen der Lernspirale von Heinz Klippert orientiert. Jede der anschaulichen vierfarbigen Grafiken wird von einer schülergeeigneten Kurzerklärung begleitet und macht verständlich, was zu tun ist. Darin erfahren die Lernenden etwa auch, dass das Brainstorming aktiviert und hilft, Kreativität freizusetzen. Um den geplanten Lernweg zu erläutern, bringt die Lehrkraft einfach die entsprechende Karte zu Beginn der Unterrichtsstunde gut sichtbar an. So helfen sie den Schülerinnen und Schülern in den Erarbeitungsphasen, die jeweilige Methode zu verinnerlichen und selbstständig umzusetzen.

Durch den methodenzentrierten Unterricht entwickeln die Kinder und Jugendlichen nicht nur fachspezifische, sondern auch fachübergreifende Kompetenzen: Sie präsentieren und diskutieren, sie gestalten oder schlüpfen beim Rollenspiel in unterschiedliche Rollen.

Zusätzlich zu den Bildkarten finden Lehrerinnen und Lehrer eine Übersicht mit prägnanten Erläuterungen zu jeder Methode. Damit wählen sie zielgerichtet die passenden Arbeitsweisen für den jeweiligen Lernstoff. Auf diese Weise gelingt – ohne großen Vorbereitungsaufwand – nachhaltiger, methodenzentrierter Unterricht. Das Werk ist im Verlag Klippert Medien erschienen und kann zum Preis von 19,70 Euro im Fachhandel bezogen werden (ISBN: 978-3-403-09248-6).

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Termine

Sommerangebote des Figurentheater-Kollegs

Das Figurentheater-Kolleg in Bochum bietet auch in diesem Sommer und Herbst wieder viele interessante Kurse zu vielen Themen rund über das Puppenspiel an, u. a. zur Geschichte des Figurentheaters, zu Schauspiel, Bewegung, Dramaturgie, Sprecherziehung, Farben- und Formenlehre, Zeichnen, Maskenbau und -spiel sowie Handfigurenführung. Die Kursen finden in Wochen-, Wochenend-, Turnus-, Tages- oder Projektform statt. Das Figurentheater-Kolleg ist seit 1977 als Weiterbildungseinrichtung staatlich anerkannt und seit 2010 zertifiziert durch Gütesiegel Weiterbildung. Weitere Informationen sowie ein ausführliches Programm sind unter der folgenden Adresse zu bekommen: Figurentheater-Kolleg, Hohe Eiche 27, 44892 Bochum-Langendreer, Telefon (02 34) 28 40 80, Telefax 3 24 37 45, E-Mail: info@figurentheater-kolleg.de, Internet: www.figurentheater-kolleg.de

Christa Fahrenholz

Schulabsentismus

Dass Schülerinnen oder Schüler – insbesondere in der Sekundarstufe I – dem Unterricht über längere Zeit fern bleiben, gehört zum Alltag von Schule. Eine neuere Studie fragt nach Ursachen und kommt zu der Erkenntnis, dass Eltern in starkem Maße in die Entstehungsgeschichte des Schulschwänzens involviert sind. Der Blick auf Probleme im Eltern-Kind-Verhältnis lässt Ansatzpunkte für Intervention und Prävention erkennen, macht den schulischen Umgang mit Absentismus aber nicht leichter.

Schulentwicklung – Zwischenbilanz und Ausblick – 6. Folge

Peter Posch

Selbstevaluation durch Lesson- und Learning Studies

Neue Ansätze der Entwicklung von Professionalität

Schulentwicklung war immer auch ein Versuch, die eigene Professionalität systematisch und gemeinsam mit anderen weiterzuentwickeln; ein Instrument in diesem Kontext war und ist die Selbst­evaluation. Die sechste Folge der Serie zur Bilanz der Schulentwicklung stellt Möglichkeiten der Selbstevaluation vor, die hier noch relativ unbekannt sind: Sogenannte ­Lesson- und Learning Studies. Dabei arbeiten Teams an der Weiterentwicklung des Unterrichts, entwickeln Unterrichtskonzepte, realisieren sie und werten sie gemeinsam aus. Peter Posch beschreibt Potentiale und Praxis dieser Entwicklungsinstrumente.

Schulfach Glück?

Die neuere Glücksforschung zeigt, dass Wohlbefinden im Sinne von seelischer Gesundheit eng mit persönlichem Wachstum, Autonomie und Sinn verbunden ist. Befürworter der Berücksichtigung von Glück als eigenes Fach führen an, dass dies der kontinuierlichen Auseinandersetzung mit den Entwicklungsaufgaben junger Menschen dienen würde. Skeptiker halten die Separierung dieser Aufgaben in einem Fach für eine Alibiveranstaltung, die von der Bearbeitung der eigentlichen Probleme unseres Schulsystems ablenkt. Nicht Glückstheorien oder Psychotraining seien gefragt, sondern eine Schule, in der Zugehörigkeit, Selbstwertgefühl und das Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit erfahrbar sind.

Torben Claudi

Hausaufgaben

Befürworter von Hausaufgaben sehen hierin einen unverzichtbaren Bestandteil des schulischen Lernens, Kritiker eine wenig effektive und soziale Ungleichheit verstärkende Form des Lernens. Neuerscheinungen zum Thema Hausaufgaben bieten zahlreiche Impulse zur kritischen Reflexion der eignen Hausaufgabenpraxis. Dabei gibt es Anregungen sowohl für diejenigen, die Hausaufgaben weiterhin als Bestandteil von Unterricht verstehen wollen, als auch für die, die diese Aufgabe in den Unterricht integrieren wollen.

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