5´16Anerkennung

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Es werden Formen der Anerkennung durch Wertschätzung, Beteiligung und Beachtung individueller Differenzen vorgestellt. Aber auch das Fehlen von Anerkennung durch Missachtung, Beschämung und Ausgrenzung wird analysiert.

Anerkennung hat im pädagogischen Alltagsdiskurs Tradition; denn Anerkennung im Sinne von Wertschätzung und Unterstützung gilt als Voraussetzung für Entwicklungsprozesse aller Art. Gleichzeitig ist das Fehlen von Anerkennung durch Missachtung, Beschämung, Ausgrenzung und Selektion ein wichtiger Aspekt schulkritischer Analysen. Möglichkeiten, Grenzen und Probleme von Anerkennung in der Schule werden anhand der folgenden Beispiele diskutiert:

  • Wie kann Anerkennung mit fachlichen Anforderungen verknüpft werden?
  • Was tun, wenn Anerkennung einseitig von Schüler(inne)n aufgekündigt wird?
  • Was bedeutet Anerkennung von Flüchtlingen und was kann Schule dazu beitragen?
  • Wie kann Anerkennung für die Entwicklung der Persönlichkeit genutzt werden?
  • Wie kann eine schulische Kultur der Anerkennung entwickelt werden?
  • Und schließlich: Wie steht es um die öffentliche Anerkennung des Lehrerberufs?

Damit werden Formen der emotionalen Anerkennung, der Anerkennung durch Mitbestimmung und Beteiligung und der Anerkennung von unterschiedlichen Individuen vorgestellt. Gleichzeitig wird auf Probleme einer Anerkennungsrhetorik verwiesen, die Widersprüche und Engführungen ausblendet; so auch darauf, dass die Frage der Anerkennung der Lehrpersonen selbst bestenfalls am Rande thematisiert wird.

Johannes Bastian

Anerkennung

Keine einfache Angelegenheit

Matthias Trautmann

Anerkennung gilt als bedeutsame Voraussetzung für die Entwicklung einer stabilen Identität und den Selbstwert einer Person – und ist mittlerweile zu einem vieldiskutierten Begriff geworden. Nichts scheint ohne sie zu gehen: Wie verläuft die Diskussion, wo liegen Stolpersteine und was lässt sich daraus für die tägliche Arbeit in der Schule lernen? Eine Einführung, die auch Probleme und Engführungen anspricht.

Anerkennung ist kein einheimischer Begriff in der Pädagogik; seine Rezeption verdankt sich einer intensiven, seit etwa zwanzig Jahren andauernden Diskussion in der Sozialphilosophie und politischen Philosophie (vgl. Ikäheimo 2014). Der Ausdruck ist – wie könnte es anders sein – umstritten und mehrdeutig; alltagssprachlich wird er aber oft mit »gutheißen« oder auch »schätzen« übersetzt. Die Anschlussmöglichkeiten an erziehungswissenschaftliche und -praktische Themen sind breit und diffus: moralische/soziale Wertschätzung, finanzielle Anerkennung, Unterstützung durch materielle Ressourcen und persönliche Zuwendung, Würdigung erbrachter Leistungen, Akzeptanz als Person, Zugehörigkeit usw. – Fragen von Inklusion und Exklusion können ebenso mit Anerkennung in Verbindung gebracht werden wie Probleme der Subjektwerdung, der Reproduktion von Bildungsungleichheit, der Berufsethik oder Fragen von Macht und Autorität. Mit anderen Worten: Alles scheint irgendwie etwas mit Anerkennung zu tun zu haben – handelt es sich doch offenbar um ein »anthropologisches Grundbedürfnis« (Moldenhauer 2015, S. 50).

Zwei Perspektiven auf Anerkennung

In diesem einführenden Beitrag geht es zunächst um einen Überblick über die erziehungswissenschaftlichen Diskussionen zum Thema Anerkennung. Nicole Balzer (2014) unterscheidet zu diesem Zweck grundsätzlich zwei Verwendungsweisen des Anerkennungsbegriffs:

  1. Anerkennung als ethische Kategorie oder als Prinzip pädagogischen Handelns:
    Grundsätzlich wird Anerkennung hier positiv gesehen und vor allem als Aufgabe der Professionellen (Lehrpersonen, Sozialpädagogen, usw.) in den Fokus gerückt. Die Norm ist im Prinzip altbekannt, die Umsetzung nicht immer gelingend: Es geht um die Bekundung von Wertschätzung jedes Kindes und Jugendlichen jenseits stigmatisierender Zuschreibungen und jenseits erbrachter oder nicht erbrachter Leistungen, um eine gute Lehrer-Schüler-Beziehung, um ins­titutionelle Strukturen, die Anerkennung ermöglichen oder behindern, schließlich auch um die positiven Folgen von Formen der Anerkennung bzw. die negativen Folgen von (vielfältigen Formen der) Missachtung, Beschämung, Ausgrenzung usw. »Pädagogisches Handeln soll, so der Appell, zu Anerkennungshandeln und pädagogische Arbeit soll zu ›Anerkennungsarbeit‹ werden« (Balzer 2014, S. 585).
  2. Anerkennung als analytische Kategorie oder als Form von Machtausübung:
    Der Begriff verliert hier tendenziell seinen positiven Wert und wird auch neutral bis kritisch gesehen, wenn «herausgestellt wird, dass ›Anerkennung‹ nicht ein entweder negatives oder positives, sondern ein machtproduktives wie -reproduktives Geschehen darstellt« (Balzer 2014, S. 578, im Original kursiv). Gefragt wird beispielsweise, ob mit der Anerkennung bestimmter Sprechweisen und Praktiken nicht auch Nichtanerkennung verbunden ist, ob Anerkennung auch ein Instrument von Unterwerfung und Ausgrenzung sein kann, ob nicht auch Disziplinierung und Sanktionen Akte der Anerkennung sein können, ja ob der Anerkennungsbegriff überhaupt in der Diskussion weiterverwendet werden soll, wenn er doch so unscharf ist und Abgrenzungen zu Achtung, Toleranz, Respekt, usw. schwer zu ziehen sind.

Wenn man mit dieser Unterscheidung auf die Literatur zu Anerkennung schaut, dann wird deutlich: Der Begriff wird dort meist im ersten Sinne verwendet, also so, dass in den Organisationen der Bildung (hier: Schulen) und von den in ihr tätigen Professionellen (hier vor allem: Lehrpersonen) »Anerkennungsformen der Empathie, des Respekts und der sozialen Wertschätzung institutionalisiert werden und als verbindliche Orientierungsmaßstäbe für pädagogisches Handeln dienen« (Stojanov 2013, S. 64) sollen. In diesen Diskussionen (vgl. dazu auch die Sammelrezension von Moldenhauer 2015) – das ist bemerkenswert – geht es dabei in erster Linie um die Anerkennung von Kindern und Jugendlichen und nicht, was ja durchaus denkbar und für die Berufsinhaber auch oft ein Problem ist, um die Anerkennung der Pädagogen. Die soeben erwähnte anerkennungskritische Diskussion ist dagegen in ihrem Umfang (noch?) überschaubar, wird bisher vor allem theoretisch geführt und scheint empirisch und in ihren praktischen Konsequenzen noch nicht ausbuchstabiert.

Anerkennung in der schulpädagogischen Diskussion

Exemplarisch für die positive Verwendung des Anerkennungsbegriffs in schulpädagogischen Zusammenhängen können Überlegungen von Annedore Prengel sowie Werner Hels­per und Angelika Lingkost stehen, die im Folgenden näher vorgestellt werden.

Es geht nicht darum, Schüler stets nur zu bestätigen und niemals mit Problemen zu konfrontieren.

Die Pädagogik der Vielfalt »versteht sich als Pädagogik der intersubjektiven Anerkennung zwischen gleichberechtigten Verschiedenen. Indem sie Missachtung im Bildungswesen zu vermeiden sucht, fördert sie persönliche Bildungsprozesse, sowie Qualifikations- und Sozialisationsprozesse und wirkt den schädlichen Folgen des im Bildungssystem vorherrschenden Selektionsprinzips entgegen« (Prengel 1995, S. 62). Anerkennung taucht dort als politische Kategorie/Maßnahme in der Ausein­andersetzung um die Ansprüche und Rechte verschiedener benachteiligter Gruppen (Ausländer/Migranten/Flüchtlinge; Frauen; Behinderte) auf. Am Ende steht ein Katalog von 17 Elementen einer neuen, besseren Schule, die u. a. gekennzeichnet ist durch Achtung vor der Einzelpersönlichkeit, Offenheit für die Bedürfnisse und Interessen der Schüler, aber auch als eine Schule für alle, mit offenem Unterricht, ohne Ziffernzeugnisse und konkurrenzorientierte Leistungsvergleiche. Prengel macht in einem späteren Text deutlich, dass sie dabei nicht an eine ›Kuschelpädagogik‹ denkt, in der Schüler stets nur bestätigt, gelobt, niemals mit Problemen und Defiziten ihres Denkens und Tuns konfrontiert werden. Im Kontext aktueller (und nicht ideal erdachter) Schulen stellt sich davon ausgehend vor allem die Frage, was denn ›Anerkennung von Schulleistungen‹ heißen soll und kann: »Ist angesichts der Selektionsfunktion von Schule Anerkennung nicht unmöglich und sitzt Pädagogik der Vielfalt mit ihrer Emphase für Heterogenität nicht Illusionen auf?« (Prengel 2002, S. 209). Das sind keine einfachen Fragen; sie verweisen auf den Kern des – bisherigen? – Schulehaltens, die letztlich individuell vergleichende Leistungsbeurteilung, die unweigerlich Anerkennungs-Gewinner und -Verlierer erzeugt.

Der Anerkennungsbegriff wird ferner verwendet, um Fragen der Lehrer-Schüler-Beziehung im institutionellen Kontext zu diskutieren. Das ist sehr gut anschlussfähig an die Praxis wie auch an die (reform-)pädagogische Theoriebildung, in der die pädagogische Beziehung oder der pädagogische Bezug schon immer als zentral angesehen wurde; immer andere Begriffe wie Berufsethos, pädagogische Haltung und Menschenbilder, Schul- und Unterrichtsklima, Arbeitsbündnis, Schulethos oder nun eben Anerkennung kreisen hier um ein und dieselbe Sache. Helsper/Lingkost (2002) unterscheiden für die Schule drei Dimensionen der Anerkennung:

  • Emotionale Anerkennung oder Vertrauen: »die Ermöglichung einer positiven, interessierten, freundlichen und offenen Haltung gegenüber Jugendlichen als Grundlage eines professionellen Arbeitsbündnisses« (ebd., S. 132),
  • Moralische Anerkennung »in Form gerechter Behandlung und der Zubilligung gleicher Rechte und Möglichkeiten« (ebd., S. 133) – gefasst vor allem als Mitbestimmungsmöglichkeiten und Mitbeteiligung in Schule und Unterricht, sowie
  • Anerkennung der konkreten Person: »aufgrund ihrer spezifischen Leistungen, Eigenschaften, ihres Lebensstils und ihrer Selbstdarstellung« (ebd., S. 136),

gleichzeitig arbeiten Helsper/Lingkost heraus, dass die Realisierung dieser drei Dimensionen in der Schule immer wieder an systemimmanente Grenzen stößt: So kollidiert beispielweise die Aufgabe der Vertrauensbildung mit den »Zwangsrahmungen der Schulpflicht und der zwangsweisen Kopplung von Lehrern und Schülern« (ebd., S. 133). Außerdem gibt es, wie man ergänzen müsste, Grenzen der Partizipation in Organisationen, und ist der Umgang mit Leistungsdifferenzen (genauer: nicht erreichten Leistungen) in der Schule oftmals ein besonders heikler Punkt. In einer neueren Studie hat Annedore Prengel (2013) die Qualität professioneller Beziehungen im Unterricht, also die Beziehungsebene zwischen Lehrern und Schülern, im Hinblick darauf untersucht, ob diese sich anerkennend, verletzend oder ambivalent gestaltet. Prengel unterscheidet ähnlich wie Helsper/Lingkost, aber doch mit anderen Akzenten:

  • Persönliche Anerkennung durch anerkennende Zuwendung von nahen Bezugspersonen im persönlichen Lebensumfeld – Schüler brauchen Erwachsene, die auch in der Schule »zu ihnen halten«,
  • Rechtliche Anerkennung durch Achtung und Respekt – Schüler haben Anspruch auf einen demokratischen oder sozial-integrativen Kommunikationsstil, haben Rechte und Ansprüche auf Freiräume,
  • Soziale Anerkennung durch Wertschätzung von Fähigkeiten und Leistungen – Schüler haben Anspruch auf einen sensiblen Umgang mit Schulleistungen, gerade auch wenn sie keine guten Noten erreichen.

Erfreuliche drei Viertel der Interaktionen an den 45 untersuchten Schulen wiesen eine anerkennende Beziehungsqualität zwischen Lehrern und Schülern auf, ein Viertel eine negative Beziehungsqualität (vgl. Prengel 2013, S. 103; siehe auch den Beitrag in diesem Heft). Im Anschluss an diese und ähnliche Studien lässt sich detailreich über pädagogische »Kunstfehler« oder über problematisches Lehrerverhalten gegenüber Schülern diskutieren (vgl. auch Bohnsack 2013). Wo Anerkennung thematisiert wird, steht in der Schulpädagogik eben immer auch Nichtanerkennung im Raum – allerdings wie bereits erwähnt meist als Nichtanerkennung durch Lehrpersonen, nicht aber von Lehrpersonen. Der Begriff verweist damit auf vielfältige (und historisch keineswegs neue) Kritiken an Schule und Unterricht: Akteure und Strukturen, die sich oder andere Personen verletzen, missachten, ihr Selbstkonzept schädigen – jeder und jede kennt solche Geschichten »schwarzer Pädagogik«.

Erwähnt seien an dieser Stelle in Kürze drei weitere Diskussionsstränge, in denen es um Anerkennung geht:

  • Entwicklungsaufgabe Anerkennung: Der sogenannte berufsbiografische Ansatz geht davon aus, dass alle Lehrpersonen vor der Entwicklungsaufgabe »Anerkennung« stehen: Lernende sollen als ›fachliche Laien‹ anerkannt, die Leistungsbewertung soll in ihrer Bedeutung und Relativität zugleich gesehen werden (vgl. Hericks 2006).
  • Operationalisierung für die Bildungsberichterstattung: Diskutiert wird etwa eine Erweiterung der Indikatoren unter dem Gesichtspunkt der (Teilhabe-)Gerechtigkeit (vgl. Manitius et al. 2015).
  • Anerkennungsgerechtigkeit: Stojanow (2013) benutzt den Ausdruck, um das Konzept der Bildungsgerechtigkeit im Zuge einer Kritik von gängigen Modellen der Begabungs-, Leistungs- und Verteilungsgerechtigkeit neu zu fassen.

Probleme einer omnipräsenten Anerkennungsrhetorik

Der Diskurs um Anerkennung transportiert (erneut) Werte und Normen, die zweifellos auch im schulischen Alltag relevant sind – als Orientierungsmaßstab und als kritische Folie für die Überprüfung der eigenen Handlungen und der organisationalen Strukturen an der eigenen Schule. Allerdings bergen die gegenwärtigen Diskussionen um Anerkennung in der Schule doch auch Probleme und Engführungen, die hier nur stichpunktartig angedeutet werden sollen:

  1. Anerkennung ist eine recht abstrakte Kategorie, die erst noch ›kleingearbeitet‹ werden muss und viele Fragen im Detail aufwirft: Ist etwa – um ein aktuelles Beispiel zu nehmen – die Diagnose eines besonderen Förderbedarfs eine anerkennende oder eine missachtende Maßnahme (oder beides zugleich)?
  2. Anerkennung darf nicht nur als positive Bestätigung (Unterstützung, Lob) gedacht werden, sondern auch als Versagung von (Schüler-)Bedürfnissen oder als Sanktionierung von Fehlverhalten.
  3. Anerkennendes Handeln kann immer auch als interessengeleitete Machtstrategie betrachtet werden, die bestimmte Formen des Schülerverhaltens vor anderen auszeichnet und damit bestimmte Normen (durch)setzen will.
  4. Die Ambivalenz von Anerkennung und gleichzeitiger Nichtanerkennung, die nicht nur die Institution Schule durchdringt, sondern die letztlich alle pädagogischen Beziehungen bestimmt, muss stärker herausgearbeitet werden, insofern es in Bildungs- und Erziehungsprozessen immer darum geht, »den anderen anzuerkennen als jemanden, der sie/er schon ist, und zugleich als jemanden zu adressieren, der er/sie noch nicht ist« (Balzer/Ricken 2010, S. 71).
  5. Die Diskussion stellt zwar zu Recht die Verantwortung von Lehrpersonen für die Beziehungsgestaltung zu ihren Schülern heraus, thematisiert aber die Frage der Anerkennung dieser Lehrpersonen selbst bestenfalls am Rande.

Zu den einzelnen Beiträgen

Die gegenwärtigen Diskussionen um Anerkennung in der Schule bergen auch Probleme und Engführungen.

Ziel des Heftes ist es, Möglichkeiten, Grenzen und Probleme von Anerkennung in der Schule anhand konkreter Beispiele zu diskutieren. Annedore Prengel, Christin Tellisch und Anne Wohne stellen dazu in ihrem Beitrag zunächst Ergebnisse aus dem bereits erwähnten INTAKT-Projekt vor, bei denen die (unterrichts-)fachbezogenen Dimensionen von Anerkennung und Nichtanerkennung in den Mittelpunkt rücken. Hier geht es vor allem um die Qualität der sachbezogenen Rückmeldungen durch Lehrpersonen. Ricarda Rübben beleuchtet das Themenfeld aus der Perspektive einer Berufsanfängerin, die damit konfrontiert ist, dass sie fehlende Anerkennung seitens der Schüler erleben, ertragen und bewältigen muss. Christoph Weißer schildert Erfahrungen, die er in seiner Schule mit der Integration, man könnte auch sagen: mit der Anerkennung neuankommender Flüchtlingskinder macht. Dabei unterscheidet er verschiedene konkrete Formen der Anerkennung der Neuen, aber auch der bereits Alteingesessenen. Peter Held berichtet von einem Schülerprojekt, in dem ehrenamtliche Bürger in einem Tandem-Modell als Coach gemeinsam mit Schülern deren Selbstwert und Potenzial zu entwickeln suchen. In diesem sogenannten Cadolzburger Modell wurden bisher circa 2 000 Schüler begleitet. Reiner Berg widmet sich aus Sicht eines Schulleiters dem Aspekt der Beziehungen im Lehrerberuf und schildert, welche Prozesse und Strukturen an seiner Schule anerkennungsfördernd wirken. Martin Rothland stellt abschließend die Frage nach der öffentlichen Wertschätzung des Lehrerberufs und setzt sich dabei mit der Klage über die fehlende Anerkennung des Berufs, seinen Belastungen und Schwierigkeiten, auseinander.

Literatur

Balzer, N. (2014): Spuren der Anerkennung. Wiesbaden
Balzer, N./Ricken, N. (2010): Anerkennung als pädagogisches Problem – Markierungen im erziehungswissenschaftlichen Diskurs. In: Schäfer, A./Thompson, C. (Hg.): Anerkennung. Paderborn, S. 35 – 88
Bohnsack, F. (2013): Wie Schüler die Schule erleben. Opladen u. a.
Helsper, W./Lingkost, A. (2002/2013): Schülerpartizipation in den Antinomien von Autonomie und Zwang sowie Organisation und Interaktion – exemplarische Rekonstruktionen im Horizont einer Theorie schulischer Anerkennung. In: Hafeneger, B./Henkenborg, P./Scherr, A. (Hg.): Pädagogik der Anerkennung. Schwalbach/Ts., S. 132 – 156
Hericks, U. (2006): Professionalisierung als Entwicklungsaufgabe. Wiesbaden
Ikäheimo, H. (2014): Anerkennung. Berlin und Boston
Manitius, V./Semper, I./Berkemeyer, N./Bos, W. (2015): Anerkennung als Kategorie in der Bildungsberichterstattung. In: Dörpinghaus, A./Platzer, B./Mietzner, U. (Hg.): Bildung an ihren Grenzen. Darmstadt, S. 25 – 44
Moldenhauer, A. (2015): Zwischen Anerkennung und Beschämung. In: PÄDAGOGIK H. 4/15, S. 50 – 52
Prengel, A. (1995): Pädagogik der Vielfalt. Opladen
Prengel, A. (2002): »Ohne Angst verschieden sein?« – Mehrperspektivische Anerkennung von Schulleistungen in einer Pädagogik der Vielfalt. In: Hafeneger, N./Henkenborg, P./Scherr, A. (Hg.): Pädagogik der Anerkennung. Schwalbach/Ts., S. 203 – 221
Prengel, A. (2013): Pädagogische Beziehungen zwischen Anerkennung, Verletzung und Ambivalenz. Opladen u. a.
Stojanow, K. (2013): Bildungsgerechtigkeit als Anerkennungsgerechtigkeit. In: Dietrich, F./Heinrich, M./Thieme, N. (Hg.): Bildungsgerechtigkeit jenseits von Chancengleichheit. Wiesbaden, S. 57 – 69

Dr. Matthias Trautmann ist Professor für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Schulpädagogik und Allgemeine Didaktik der Sekundarstufe I an der Universität Siegen.
Adresse: Adolf-Reichwein-Str. 2, 57068 Siegen
E-Mail: matthias.trautmann(at)uni-siegen.de

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Bauer mit Klasse

Ökologischer Landbau als außerschulischer Lernort

Haben Hühner eigentlich Zähne? Bekommen Schweine Sonnenbrand? Und gibt es wirklich blaue Kartoffeln? Kleine Naturforscher und -forscherinnen können diesen und weiteren Fragen beim Besuch der Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau auf den Grund gehen. Mit verschiedenen Angeboten und Themenschwerpunkten wie »Vom Korn zum Brot« oder »Woher kommt mein Frühstücksei?« erhalten die Schülerinnen und Schüler einen praxisbezogenen Einblick in das Leben und die Arbeiten eines moderneren Biobetriebs. Die Demonstrationsbetriebe sind vom Bundeslandwirtschaftsministerium ausgewählte Vorzeigebetriebe, die das ganze Jahr über Führungen und Veranstaltungen anbieten und zeigen, woher die Lebensmittel kommen. Viele dieser Biobetriebe haben spezielle, pädagogisch aufbereitete Angebote für Schulklassen jeder Schulform. Dabei wird vor allem eine Wertschätzung gegenüber Pflanzen, Tieren, Natur und Umwelt vermittelt.

Die Netzwerkmitglieder bieten eine lebendige, abwechslungsreiche und meistens kostenfreie Ergänzung zum Schulalltag. Ein Ausflug zu den Demonstrationsbetrieben eignet sich gut für fächerübergreifende Projekte. Der Besuch kann aber auch Fragen des Fachunterrichts klären: Welche biologischen Kreisläufe gibt es? Wie schmecken alte Gemüsesorten? Wie sollen Tiere leben? Wofür brauchen wir Bienen? Insgesamt gibt es 242 Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau. Wo der nächstgelegene Betrieb zu finden ist, kann unter www.demonstrationsbetriebe.de recherchiert werden.

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NRW: Ungleiches Lehrerentgelt ist möglicherweise verfassungswidrig

Da ist Musik drin: Ein Rechtsgutachten in NRW ist zu dem Ergebnis gekommen, dass die unterschiedliche Besoldung in gleichwertigen Lehrämtern verfassungswidrig ist. Dies bedeutet, konkret, dass sich eine niedrigere Besoldung der Lehrkräfte an Grundschulen und in der Sekundarstufe I im Vergleich zu Lehrern an Gymnasien, Berufskollegs und in der Sekundarstufe II nicht länger rechtfertigen lässt. Das Gutachten war von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in NRW in Auftrag gegeben und von dem Würzburger Juristen Ralf Brinktrine erstellt worden. Er argumentiert, dass es keine Rechtfertigungen für unterschiedliche Besoldungen mehr gebe, seit der nordrhein-westfälische Landtag im Jahr 2009 einen einheitlichen Ausbildungsrahmen für alle Lehrer beschlossen habe. Für alle Lehrämter müssen seitdem einheitlich 10 Semester Hochschulstudium plus 18 Monate Vorbereitungsdienst absolviert werden.

Derzeit werden in NRW lediglich die Lehrkräfte an Gymnasien, Berufskollegs und an der Sekundarstufe II der Gesamtschulen in den höheren Dienst eingestuft. Sie erhalten in der Eingangsstufe (A 13) mit 3 783 Euro monatlich rund 500 Euro mehr als Lehrer an den übrigen Schulformen. Lehrerausbildung und Besoldung sind in Deutschland grundsätzlich Ländersache. Nach Angaben der GEW sind Lehrkräfte der Sekundarstufe I bereits in 11 Bundesländern in die Besoldungsgruppe A 13 hochgestuft worden.

Die Schulministerin des Landes Sylvia Löhrmann (Grüne) sagte zu, das Gutachten gründlich zu prüfen. Sie wies darauf hin, dass viele andere Bundesländer mit gleich langer Lehrerausbildung bislang die Besoldung nicht geändert hätten.

Falls das Ministerium ihnen nicht entgegenkommt, müssten Lehrer nach Einschätzung von Brinktrine versuchen, ihre Interessen auf dem Klageweg durchzusetzen. Der sei allerdings sehr aufwendig. Die GEW setzt dagegen auf eine Einigung mit der Landesregierung. Diese könne zum Beispiel in einer gestaffelten Anpassung bestehen. Falls das Land sich hierauf nicht einlasse, werde sie Musterklagen von Lehrern unterstützen, kündigte die GEW-Vorsitzende an.

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Klosterschule Ettal nimmt Mädchen auf

Nach über 100 Jahren öffnet sich das oberbayerische Benediktinerkloster Ettal für Mädchen. Ab dem kommenden Jahr werden in der dortigen Internatsschule auch gemischte Klassen gebildet. Sicher auch ein Grund für diese Öffnung ist der Schülerschwund, der nach dem 2010 bekanntgewordenen Missbrauchsskandal eingesetzt hat. Wie auch in anderen katholischen Internatsschulen waren dort jahrzehntelang Jungen sexuell missbraucht und misshandelt worden.

Bereits heute arbeiten Frauen als Erzieherinnen in dem Internat. Das Gymnasium des Klosters wird auch bisher schon von Mädchen besucht. Nach Angaben der Klosterverwaltung lässt es der Zuschnitt des Gebäudes problemlos zu, im Internat einen eigenen Wohnbereich für Mädchen zu schaffen.

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Gleich und gleich gesellt sich gern

Für die Einschulung in der Grundschule gilt seit jeher die Regel »Kurze Beine, kurze Wege«: Weil die Kinder noch klein sind, sollen sie die nächstgelegene Grundschule besuchen und möglichst bald den Weg dorthin selbständig zurücklegen. Allerdings kennen die Eltern inzwischen allerhand Tricks, um ihre Kinder an weit entfernten Schulen anzumelden. Sie wollen damit die nächstgelegene Schule vermeiden, oft, weil ihnen die soziale Zusammensetzung der Klassen nicht gefällt, wenn dort etwa viele Migrantenkinder lernen. In Nordrhein-Westfalen hat 2008 die damalige schwarz-gelbe Regierung das Prinzip der Wohnortnähe abgeschafft und den Eltern eine freie Wahl erlaubt; sie wollte die Schulen durch Konkurrenz zu mehr Qualität anspornen. Eine vor kurzem veröffentlichte Studie zeigt nun, dass diese Entscheidung die Trennung sozialer Schichten erheblich fördert.

Die Forscher der Uni Bochum haben die Daten von 4 000 Erstklässlern zwischen 2008 und 2012 in Mülheim an der Ruhr ausgewertet. Sie können damit zeigen, dass die Kinder einzelner Schichten in der Grundschule unter sich bleiben. In benachteiligten Quartieren kommt es teilweise zu starken Wanderungen. Die Bertelsmann-Stiftung, die die unter dem Titel »Gleich und gleich gesellt sich gern« erschienene Studie in Auftrag gegeben hat, geht davon aus, dass die Ergebnisse exemplarisch für Ballungsgebiete stehen.

Als es in NRW noch verbindliche Schulbezirke gab, gingen in Mülheim etwa zehn Prozent der Kinder per Ausnahme-Genehmigung an eine nicht nahe gelegene Schule. Hierfür mussten immer besondere Gründe angeboten werden, z. B. ein passendes Musik-Förderangebot. Nach der Freigabe der Grundschulwahl stiegt der Anteil und und liegt seit einigen Jahren recht stabil bei 25 Prozent. Die Forscher zeigen, dass die Wahl der Eltern vor allem vom Ruf der Schule sowie vom finanziellen Hintergrund der Eltern abhängt. Gemieden werden die Schulen, in der viele Schülerinnen und Schüler einen niedrigen sozialen Status oder eine fremde Herkunft haben.

Die Forscher können auch zeigen, dass vor allem Eltern mit mittlerem Sozialstatus die Wahl-Option in Anspruch nehmen. Ihrer Meinung greift hier ein Prinzip, das der Soziologe Heinz Bude »Bildungspanik« nennt, nämlich die Angst vor schlechten Startchancen für die Kinder und vor einem sozialen Abstieg in der nächsten Generation. In der Oberschicht sind die Wanderungsbewegungen seltener. Das liegt vor allem darin, dass in den wohlhabenden Wohngegenden ohnehin fast ausschließlich Kinder aus wohlhabenden Familien zu finden sind. Eltern mit niedrigem Bildungsstatus wiederum machen sich weniger Gedanken um die Zukunft ihrer Kinder und wählen selten weiter entfernte Grundschulen. Interessant ist, dass die Eltern ihre Wahlentscheidung im Wesentlichen auf der Grundlage eines sehr informellen Wissens treffen, da offiziell weder Noten noch Übergangsquoten einzelner Grundschulen bekannt sind. Der entscheidende Faktor ist oft der Anteil von Kindern mit Zuwanderungsgeschichte – obwohl dieser Anteil überhaupt nicht in einem Zusammenhang mit der Qualität der Bildungsangebote der Schule stehen muss.

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Sachsen: Stipendium für Lehrerstudenten erfolgreich

Für das sogenannte Sachsenstipendium haben sich 52 Lehramtsstudenten erfolgreich beworben. Das Land Sachsen zahlt ihnen 300 Euro pro Monat; dafür müssen sie sich verpflichten, nach dem erfolgreichem Abschluss für eine bestimmte Zeit in der Provinz oder im Chemnitzer Raum zu arbeiten. Die künftigen Stipendiaten studieren an den Universitäten in Leipzig, Dresden, Chemnitz, Erfurt, Halle und Jena. Sachsen hatte das Programm 2015 aufgelegt, um dem drohenden Lehrermangel auf dem Lande zu begegnen.

Für das laufende Schuljahr hatten sich 1 600 Frauen und Männer um eine Lehrerstelle in Sachsen beworben, jedoch wollten 70 Prozent von ihnen nur in Dresden oder Leipzig arbeiten. Um diesem Trend entgegenzuwirken, will das Land die Zahl der Stipendiaten bis Ende 2017 auf 100 steigern. Wer zum Beispiel fünf Semester lang Hilfe erhält, muss danach mindestens fünf Schulhalbjahre in der Provinz tätig sein. Eine ähnliche Regelung gibt es auch für Ärzte.

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Bund fördert auch künftig islamische Ausbildungszentren

Die Bundesregierung will die Förderung des Fachs Islamische Theologie fortsetzen. Sie fördert seit 2011 die Ausbildungszentren, die an den Universitäten Tübingen, Münster, Osnabrück, Frankfurt am Main und Erlangen-Nürnberg entstanden sind, und hat dafür 20 Millionen Euro aufgewendet. Nach Einschätzung von Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) ist deren Ausbau gut voranschritten. Sie kündigte an, dass ihr Haus die Zentren für weitere fünf Jahre unterstützen werde. Das Geld der Bundesregierung wird vor allem für Professuren, Nachwuchsforscher und internationale Kooperationen benötigt. Die Verantwortung für Aufbau und dauerhaften Betrieb liegt aber bei den jeweils zuständigen Ländern.

Die Zentren dienen vor allem dazu, Studenten für das Lehramt in Islamischer Theologie auszubilden, denn an den Schulen gibt es dafür durch die große Zahl an muslimischen Schülerinnen und Schülern einen großen Bedarf. Aktuell sind an den fünf Zen­tren nach Angaben von Wanka 1800 Studenten eingeschrieben.

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Ask me

Ein mobiler Prüfungsassistent hilft Schülern und Auszubildenden

Das Fraunhofer-Institut hat das interaktive und personalisierte Programm askMe! zur Bewertung fachlicher Kompetenzen entwickelt. Durch seine Optimierung für Smartphones und Tablet-Computer ist der mobile Prüfer jederzeit verfügbar. Wenn sie wollen, können sich die Lernenden damit in jeder freien Minute auf Prüfungen vorbereiten, ihr Wissen testen und sich Erklärungen liefern lassen. Der Lernassistent askMe! besteht aus zwei Komponenten: Der Testumgebung für den Lernenden und der Autorenumgebung für den Tutor oder Lehrer, der entsprechende Fragen und Aufgabenstellungen generiert. Er kann für verschiedenste Themengebiete eingesetzt und mit spezifischen interaktiven Fragen und Aufgaben befüllt werden. In der leicht zu bedienenden Autorenumgebung lassen sich Fragen und Tests schnell erstellen. Dazu kann aus einer Vielzahl an Fragetypen ausgewählt werden. Für die Lernenden stehen zwei verschiedene Test-Modi zur Verfügung. Mit kompetenzorientierten standardisierten Wissenstests können sie sich beispielsweise auf Prüfungen vorbereiten. Andererseits können die Nutzer sich Tests individuell zusammenstellen, um bestimmte Schwerpunkte besonders zu üben. Damit die Motivation bei den Prüflingen möglichst lange aufrechterhalten bleibt, passt askMe! die Fragen und Aufgaben automatisch an den jeweiligen Lernfortschritt an. Das funktioniert durch eine semantische Verknüpfung von Testfragen mit einem Kompetenzmodell. So wird es möglich, detaillierte Aussagen über vorhandene und ausbaufähige Kompetenzen beim Lerner zu treffen. Und wenn ein Lerner noch Defizite in einem Wissensbereich feststellt, kann er diese über verknüpfte Lerninhalte gezielt bearbeiten. Weitere Informationen zu dem neuen Angebot sind unter www.idmt.fraunhofer.de zu finden.

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Qualitäts-Check für Schulessen

Bundesernährungsminister Christian Schmidt (CSU) möchte mit einem bundesweite Check-Verfahren die vielerorts mangelnde Qualität beim Schul- und Kita-Essen verbessern. Ein »Nationales Qualitätszen­trum Schulverpflegung« soll zu diesem Zweck ein Zulassungsverfahren für Essens-Lieferanten (»Caterer«) entwickeln. Damit sollen nach Auskunft von Schmidt die Standards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) flächendeckend in allen Kitas und Schulen etabliert werden. Derzeit seien diese Qualitätsvorgaben in weniger als der Hälfte aller Kitas bekannt. Es sei aber wichtig, dass alle Kinder nach den gleichen hohen Standards ernährt würden. Nach Einschätzung von Ernährungsexperten werde an Schulen und Kitas noch immer zu häufig Fleisch aufgetischt und zu selten Gemüse. Sie empfehlen, höchstens zweimal pro Woche Fleisch zu essen.

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Nachhilfe boomt

Die Eltern in Deutschland geben im Jahr etwa 879 Millionen Euro für private Nachhilfe aus. Das bedeutet, dass pro Kind und Monat durchschnittlich etwa 87 Euro für zusätzliche Fördermaßnahmen ausgegeben werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine vor kurzem veröffentlichte Studie der Bertelsmann-Stiftung. Der Erhebung zufolge nimmt jeder siebte Schüler im Alter von 6 bis 16 Jahren außerschulische Lernangebote in Anspruch. Das sind bundesweit 1,2 Millionen Schüler. An der Spitze der Nachhilfefächer steht ein Klassiker: Mathematik.

Dabei geht es durchaus nicht nur darum, die Schüler bei Problemen im Unterricht zu unterstützen. Bei etwa jedem dritten Schüler soll die Nachhilfe dabei helfen, bereits gute Leistungen weiter zu verbessern. Damit verfolgen die Eltern offenbar vor allem das Ziel, mit guten Notendurchschnitten die Chancen auf Ausbildungsplatz und eine möglichst freie Studienfachwahl zu verbessern. Dementsprechend werden solche Angebote vor allem an weiterführenden Schulen nachgefragt. Konkret nutzt fast jeder fünfte Gymnasiast (18,7 Prozent) die Unterstützung eines Nachhilfelehrers.

Vergleicht man die Situation in Deutschland mit anderen Ländern, so nehmen die deutschen Schülerinnen und Schüler eher wenig Zusatzunterricht in Anspruch. Gleichwohl sieht die Bertelsmann-Stiftung das Ergebnis der Befragung kritisch: Nach Einschätzung des Vorstandsmitglieds Jörg Dräger dürften Bildungschancen nicht von privat finanzierter Nachhilfe abhängen. Insbesondere an Ganztagsschulen könne individuelle Nachhilfe auch im Rahmen des Regelangebots stattfinden. Durch die Angebote dort sei die Förderung für mehr als ein Viertel der Nachhilfeschüler kostenlos.

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Kinderbetreuung: Der Osten liegt weit vor dem Westen

Der Bördekreis in Sachsen-Anhalt hat bundesweit das größte Angebot an Tagesbetreuung für kleine Kinder. In keinem anderen Landkreis in Deutschland geben so viele Eltern ihre unter Dreijährigen in eine Kita oder zu einer Tagesmutter wie hier. Diese Zahlen hat das Statistische Bundesamt vor kurzem veröffentlicht. Für diesen Rekord gibt es vor allem historische Gründe.

Zum Stichtag am 1. März 2015 lag den Statistikern zufolge die Betreuungsquote im bundesweiten Durchschnitt bei 32,9 Prozent. Der Landkreis Börde führte die Statistik mit 63,1 Prozent an – vor dem Landkreis Jerichower Land (ebenfalls Sachsen-Anhalt) mit 62,9 und dem Landkreis Elbe-Elster (Brandenburg) mit 62,2 Prozent. Schlusslicht war der bayerische Landkreis Berchtesgadener Land in den Alpen. Hier lag die Quote bei nur 13 Prozent. Wie erwartet gibt es zwischen Ost und West ein starkes Gefälle. Während im Osten mehr als die Hälfte aller Kinder unter drei Jahren in einer Kita betreut wird, liegt die Quote im Westen bei 28 Prozent – und dies trotz massiven Ausbaus in den vergangenen Jahren.

Ursache für diese fortbestehenden Unterschiede ist die historisch gewachsene hohe Akzeptanz der Kinderbetreuung bei Eltern und Großeltern. In der DDR ging faktisch jedes Kind in einen Kindergarten, während beide Elternteile arbeiteten. Im Westen blieben die Mütter oft mit den Kleinen daheim. Heute profitieren die östlichen Bundesländer von den damals gewachsenen Strukturen.

Das sieht z. B. im Süden Deutschlands anders aus. Viele Gemeinden in der Region sind traditionell geprägt, in den Familien gibt es eher konservative Wertvorstellungen, zu denen auch die Versorgung der Kinder in der eigenen Familie gehört. Viele Mütter mit kleinen Kindern bleiben lieber zu Hause, oder die Großmütter übernehmen die Betreuung der kleinen Kinder. Doch auch hier hat nach Einschätzung der Statistiker ein Wandel eingesetzt; die Nachfrage nach Betreuung für die Kleinen steigt. Seit 2013 hat in Deutschland jedes Kind nach dem ersten Lebensjahr einen Anspruch auf einen Betreuungsplatz.

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Studie: Gemeinschaftsschule muss sich nicht verstecken

In Baden-Württemberg zeigt eine von der damaligen grün-roten Landesregierung in Auftrag gegebene Studie, dass die vor einigen Jahren eingeführte Gemeinschaftsschule anderen Schularten nicht überlegen ist, sich aber auch nicht verstecken muss. Die Unterrichtsqualität sei an der »Schule für alle« weder schlechter noch besser als an anderen Schularten, sagte der Leiter der Forschungsgruppe, Thorsten Bohl, von der Universität Tübingen. Die Schulart sei nicht primär bedeutsam für die Motivation der Schüler. Wichtig für die Qualität des Unterrichts sei der Lehrer und sein Umgang mit Heterogenität in der Lerngruppe.

Der Kölner Bildungswissenschaftler Matthias Burkhard kritisierte allerdings, dass die Fachleistungen der Schülerinnen und Schüler ausdrücklich nicht erhoben worden seien. Die Kernfrage im Blick auf die Gemeinschaftsschule bleibe damit seiner Meinung unbeantwortet: Lernen die Schüler ausreichend, was sie für Studium oder Ausbildung brauchen?

Das Kultusministerium widersprach Burchardt, da die von ihm geforderte Leistungsmessung im Rahmen der üblichen Verfahren wie PISA erfolgen werde. Lernstandtests für die 2012/2013 eingeführte Schulart seien noch zu früh. Die Untersuchung von Bohl kommt auch zu dem Ergebnis, dass die Arbeit an Gemeinschaftsschulen deren Lehrer zu überfordern drohe. Deshalb empfiehlt der Wissenschaftler, über eine veränderte Bemessung der Lehrerarbeitszeit und weitere Unterstützung der Pädagogen nachzudenken.

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NRW: Talentscouts suchen begabten Nachwuchs für Hochschulen

Im Ruhrgebiet suchen seit Beginn des Schuljahres 28 Talentscouts an Schulen begabte Jugendliche aus Nicht­akademiker-Familien, um sie auf dem Weg zu einem Studium zu unterstützen. Mit diesem Projekt will die nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) die Bildungsgerechtigkeit fördern und Hürden auf dem Weg in die Hochschulen abbauen. An dem Projekt beteiligen sich mittlerweile viele Hochschulen des Landes. Sie sind Partner von insgesamt 50 Gesamtschulen, Berufskollegs und Gymnasien. Die Talentscouts gehen in die Schulen, beraten Schülerinnen und Schüler und betreuen sie auf dem Weg zum Abitur, bei Studien- und Berufswahl oder beim Wechsel in eine Hochschule. Hintergrund dieses Angebots ist, dass in Deutschland die familiären Hintergründe für den Bildungsweg der Heranwachsenden erfahrungsgemäß wichtiger sind als deren Talente oder Fähigkeiten. Nach einer Erhebung des Deutschen Studentenwerks studieren rund 77 Prozent aller Kinder aus Akademiker-Familien, aber nur 23 Prozent aus Nichtakademiker-Familien.

Ziel des Projekts ist es dementsprechend nach Aussage von Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne), »dass das Elternhaus, das Portemonnaie oder die Herkunft keine Rolle spielen für den Bildungserfolg«.

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Menschen stärken Menschen

Das mit zehn Millionen ausgestattete neue Bundesprogramm »Menschen stärken Menschen« soll junge Flüchtlinge dabei unterstützen, den ungewohnten Alltag in Deutschland besser zu bewältigen. Dabei setzt Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) neben der staatlichen Verantwortung auch auf Bürgerengagement. Das von Wohlfahrtsorganisationen, muslimischen und Migranten-Verbänden, Stiftungen und Freiwilligenagenturen getragene Projekt kann ihrer Meinung nach dazu beitragen, »dass das Land zusammenbleibt und nicht gespalten wird«. Ein wichtiger Baustein sollen im Laufe dieses Jahres rund 25 000 neue Patenschaften sein, in denen Bürger Flüchtlinge unterstützen – etwa bei Behördengängen, Wohnungs- oder Kitaplatz-Suche und Sprachvermittlung. Gastfamilien und Vormünder sind besonders wichtig für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, von denen allein im vergangenen Jahr rund 59 000 nach Deutschland gekommen sind. Als beispielhaft nannte Schwesig hier die Organisation »Pflegekinder in Bremen«.

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Qualifizierungsprogramm für junge Flüchtlinge

Die Bundesregierung möchte in den nächsten beiden Jahren rund 10 000 junge Flüchtlinge für eine Ausbildung im Handwerk fit machen. Für ein entsprechendes Ausbildungsprogramm stellt sie nach Auskunft von Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) 20 Millionen Euro zur Verfügung. Zur Umsetzung des Programms sollen die Bundesagentur für Arbeit (BA) und der Zentralverband des Handwerks (ZdH) eng zusammenarbeiten. Laut Wanka sollen mit dem Programm besonders junge Frauen angesprochen und auch gefördert werden.

Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer betonte, dass das Handwerk unbedingt qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber benötigt. In den 550 Bildungsstätten des Handwerks könnten viele Flüchtlinge entsprechend vorbereitet werden. Allerdings sei es wichtig, dass der Aufenthaltsstatus der Auszubildenden zweifelsfrei geklärt sei, damit es keine bürokratischen und emotionalen Hürden gebe.

Die Qualifizierungsinitiative sieht vor, dass die Mitarbeiter der Bundesagentur zunächst Qualifikationen und Sprachkenntnisse sichten, um eine Vorauswahl zu treffen. Nach Einschätzung von Frank-Jürgen Weise, Präsident der BA, könne schwierig werden, gerade auch im Schriftlichen die notwendigen Sprachkenntnisse zu vermitteln. Zudem müsse den Flüchtlingen dargelegt werden, wie wertvoll eine Ausbildung im Handwerk sei, auch wenn sich dort zunächst nicht so viel Geld verdienen lasse wie in anderen Jobs.

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App hilft Schülern bei der Berufswahl

Die Berufswahl fällt den Jugendlichen erfahrungsgemäß schwer, denn es gibt viele Optionen und wenig Wissen über die einzelnen Berufsfelder. Um ihnen die Entscheidung zu erleichtern, hat das rheinland-pfälzische Bildungsministerium eine App in Auftrag gegeben, die vor kurzem vorgestellt worden ist. Damit betritt das Land nach Einschätzung von Bildungsministerin Vera Reiß (SPD) Neuland. Die App »Zukunft läuft« kann seit einigen Wochen kostenlos auf Android- und Apple-Geräten installiert werden.

Wenn die Schülerinnen und Schüler die App nutzen, werden sie nach Interessen und Schwerpunkten gefragt. Auf dieser Grundlage werden ihnen dann passende Ausbildungsgänge oder Studienfächer vorgeschlagen, mit jeweils möglichen Berufen. Auch Praktika können eingetragen werden, so dass die App zum Begleiter für die Berufsfindung wird. Nach Auskunft von Testklassen stellt die die richtigen Fragen. Bei der Beschreibung der Berufe wünschten sich die Tester aber noch zusätzliche Informationen. Die Software-Firma Init will die Erfahrungen mit der App sammeln und die Software weiterentwickeln.

Die App für die Berufsberatung ist nach Auskunft von Reiß für alle Schularten geeignet und erleichtere die Orientierung unter rund 350 Ausbildungsberufen und 18 000 Studiengängen.

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Die Schule ist zu teuer für arme Familien

Der Schulbesuch kommt gerade arme Familien teuer zu stehen: Sie müssen einer Studie zufolge weit mehr Geld für den Schulbedarf ihrer Kinder ausgeben, als sie an staatlichen Zuschüssen dafür erhalten. Dem jährlichen Zuschuss von 100 Euro über das Bildungs- und Teilhabepaket stehen demnach Ausgaben von durchschnittlich 153 Euro gegenüber. Dies zeigt eine Studie des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Niedersachsen. Dabei entstehen im Einschulungsjahr mit rund 300 Euro die höchsten Kosten. In den weiterführenden Schule liegen sich die Kosten bis zur zehnten Klasse oft bei über 200 Euro.

Diese Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben führe in der Praxis oft dazu, dass Schüler ohne die benötigten Bücher oder Arbeitshefte im Unterricht sitzen. Der Studie zufolge fehlen im Schnitt bei einen Drittel der Kinder Bücher, Zirkel oder Hefte, bei Förder-, Haupt- und Oberschulen sind es sogar zwei Drittel der Schüler. Und dies, obwohl viele Eltern bereit sind, auf eigenen Konsum zu verzichten, damit ihre Kinder in der Schule alles dabei haben.

Auf der Grundlage dieser Ergebnisse regen Kirche und Diakonie ein Anheben des Zuschusses für den Schulbedarf an, insbesondere bei der Einschulung und dem Wechsel in die höhere Schule. Sie fordern darüber hinaus die Schulen auf, verstärkt auf die Möglichkeit einer Ausleihe von Büchern hinzuweisen sowie auf die Möglichkeit, sich auch von den dafür fälligen Kosten befreien zu lassen. Auch Atlanten oder Bibeln könnten in die Ausleihe aufgenommen werden. Außerdem könnten Flohmärkte zum Weiterverkauf ausgedienter Bücher organisiert werden. Lehrer sollten nicht auf die Anschaffung von Stiften oder Mappen bestimmter Marken bestehen und prüfen, ob teure Arbeitshefte tatsächlich im Unterricht genutzt werden.

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Materialien

Digitale Hysterie

Der Umgang mit den digitalen Medien verunsichert Eltern und Lehrer. Oft wird mit Schreckensszenarien vor den Gefahren der digitalen Welt für unsere Kinder gewarnt. Schaut man jedoch genauer hin, so stellt man fest, dass Computerkinder oft gesünder, sozialer und intelligenter sind als ihr Ruf. In seinem vor kurzem erschienenen Buch »Digitale Hysterie. Warum Computer unsere Kinder weder dumm noch krank machen« liefert der Psychotherapeut Georg Milzner vernünftige Antworten auf Manfred Spitzers These der »Digitalen Demenz«.

Seine Grundthese ist: Jedes He­ranwachsen ist von Risiken begleitet – Kinder steigen auf Bäume oder fahren rasant Fahrrad, sausen auf dem Skateboard um die Ecke oder spielen mit Streichhölzern. Bei all dem kann etwas passieren und natürlich achten die Eltern auf ihre Kinder. Aber sie schütteln auch nachsichtig den Kopf, und sagen zueinander: »Naja, wir waren ja auch nicht anders«. Bei den vermeintlichen Risiken der Computerwelt sind Eltern meist weniger souverän und haben eine übertriebene Angst vor etwaigen Schäden, die Kindern durch Smartphone & Co erleiden könnten. Zahlreiche Veröffentlichungen unterstützen diese Ängste und tragen zur weiteren Verunsicherung bei. Ohne die Risiken zu verschweigen, zeigt Milzner, welche Chancen im souveränen Umgang der Digital Natives mit den neuen Medien liegen, und dass Computer per se weder dumm noch krank machen. Allerdings verändern sich unsere Beziehungen, innerhalb und außerhalb der Familie, unter dem Einfluss der Digitalisierung unseres Alltags. Milzner leugnet auch nicht, dass sich die Auseinandersetzung zwischen Eltern und Kindern über die Nutzung der neuen Medien zu einem regelrechten Beziehungsproblem entwickeln kann. Aber anstatt Verbote auszusprechen, plädiert er für Selbststeuerung und eine neue Aufmerksamkeitsethik, die Eltern leicht in den Familienalltag integrieren können. Eltern und Kinder sollten gemeinsam einen angemessenen Umgang mit Laptop, Smart­phone und Co. erarbeiten. Das schweißt Familien zusammen und befähigt Kinder und Jugendliche, sich sicher und selbstbewusst in der digitalen Welt zu bewegen und diese für sich zu nutzen. Das Buch ist im Beltz Verlag erschienen und kann zum Preis von 18,95 Euro im Buchhandel bezogen werden (ISBN:978-3-407-86406-2).

Unterrichtsangebote zu den Themen Frieden und Flucht

Mit einem umfangreichen Bildungsangebot rund um die Themen Frieden und Flucht hat die Initiative »Gemeinsam für Afrika« die Schulaktion 2016 gestartet. Unter dem Motto »Frieden – Jedes Leben zählt« ruft das Bündnis von über 20 renommierten Hilfsorganisationen Kinder und Jugendliche in ganz Deutschland dazu auf, sich mit Fragen von Krieg und Frieden auseinanderzusetzen. Einen Schwerpunkt legt das Lehr- und Lernangebot auf die Situation von Geflüchteten, da weltweit immer mehr Menschen vor gewaltsamen Konflikten flüchten. Damit sollen die Schülerinnen und Schüler für die Situation und die Rechte von Geflüchteten sensibilisiert werden. Das Unterrichtsangebot kann kostenfrei unter www.gemeinsam-fuer-afrika.de bestellt werden. Es umfasst Unterrichts- und Aktionsmaterialien für die Grundschule und die Sekundarstufe I und II, den Verleih eines »Afrika-Koffers« sowie die Vermittlung von Referenten mit Afrika-Expertise. Außerdem können Schulklassen bis zum 31. Juli 2016 mit eigenen Projekten und Aktionen am bundesweiten Wettbewerb der Schulaktion teilnehmen und einen Musik-Workshop an der eigenen Schule gewinnen.

Keine Angst vor Prüfungsangst

Wer selbst unter Prüfungsangst leidet oder ein Verwandter und Bekannter eines Menschen mit großen Prüfungsängsten ist, weiß, wie massiv sie das ganze Leben beeinträchtigt. In dem vor kurzem erschienenen Buch »Keine Angst vor Prüfungsangst« erklärt Sabine Thalmayr anschaulich die Hintergründe der Furcht und wie Angsthasen zu Mutfüchsen werden können. Damit möchte sie Betroffenen und deren Umfeld Mut machen. An Fallbeispielen aus ihrem Arbeitsalltag erläutert die Heilpraktikerin, wodurch die Prüfungsangst entsteht und welche Grundtypen es von ihr gibt. Außerdem gibt sie alltagstaugliche Tipps und zeigt einfache Übungen auf, die dabei helfen, Prüfungsängste zu überwinden. Das 320-seitige Buch ist im CBX Verlag erschienen und kann zum Preis von 14,95 Euro im Buchhandel bezogen werden (ISBN 978-3-945794-43-2).

Eine Bilanz zur Individualisierung schulischen Lernens

In den letzten Jahren hat die – keineswegs neue – Forderung, Lernangebote möglichst passgenau auf die jeweiligen Lernvoraussetzungen des Einzelnen abzustimmen, noch einmal erheblich an Zustimmung gewonnen. Ob in bildungspolitischen Verlautbarungen und Schulgesetzen, im schulpädagogischen Diskurs oder in der Schulpraxis: Die Individualisierung schulischer Lernprozesse hat sich weithin als akzeptierte Leitmaxime für die Schul- und Unterrichtsgestaltung durchgesetzt. Inzwischen ist es Zeit für eine erste Bilanz. In ihrem vor kurzem erschienenen Buch »Individualisierung schulischen Lernens: Mythos oder Königsweg?« beschäftigen sich die Herausgeberinnen Kerstin Rabenstein und Beate Wischer vor allem mit folgenden Fragen:

  • Welche Erwartungen genau werden mit der Individualisierung verbunden?
  • Welche Veränderung von Schule und Unterricht werden dabei in Gang gesetzt?
  • Welche – auch unerwünschten – Effekte lassen sich erkennen?

Dabei stehen unter anderem folgende Aspekte zur Diskussion:

  • Die Erwartungen und Ziele von Individualisierung,
  • die An- und Herausforderungen an Lehrkräfte und Lernende, aber auch die Ambivalenzen, die mit der Individualisierung von Lernen einhergehen.

Der Band richtet sich an Referendare und Lehrende aller Schulformen, an Fachschaften und Schulleiter sowie an Mitarbeiter in schulischen Bildungseinrichtungen, die Lernprozesse weiterentwickeln und immer wieder kritisch hinterfragen möchten. Er ist im Verlag Klett-Kallmeyer erschienen und kann zum Preis von 17,95 Euro im Buchhandel bezogen werden.

Geschlechterrollen in der Einwanderungsgesellschaft

Im Themenheft »Fatma ist emanzipiert, Michael ein Macho!?« der Initiative »Schule ohne Rassismus« diskutieren Jugendliche und Erwachsene über Emanzipation, Liebe, Sexualität und Geschlechterrollen; über Fragen der individuellen Freiheit und der Verantwortung. 50 Jugendliche sind der Frage nachgegangen: »Wie wollen wir zusammen l(i)eben?« Ihre Beiträge eröffnen den Lesern spannende Einblicke in interkulturelle Lebenswelten. In das Themenheft fließen aber auch die Erfahrungen aus vielen Fortbildungsveranstaltungen ein, die die Initiative in den letzten Jahren zum Thema Geschlechterverhältnisse und Migration durchgeführt haben. Das Themenheft kostet 4,95 Euro (in Klassensätzen ab 20 Exemplaren 3,95 Euro pro Exemplar). Es ist über die Website www.schule-ohne-rassismus.org zu beziehen.

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Termine

Weiterbildung »Schulmanagement und Qualitätsentwicklung«

Die Christian-Albrechts-Universität Kiel und das Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein bieten das berufsbegleitende Weiterbildungsstudium »Schulmanagement und Qualitätsentwicklung« als akkreditierten, international anerkannten Master of Arts an. In vier Semestern werden die für die Masterprüfung erforderlichen Studieninhalte im Blended-Learning-Verfahren durch Studienbriefe, Online-Seminare und Präsenzveranstaltungen durch renommierte Bildungsforscher, Didaktiker und Trainer vermittelt. Alle Materialien stehen online zur Verfügung. Für den Studiengang wird eine Studiengebühr von 670,- Euro pro Semester (inkl. Masterarbeit für regulär Studierende mit Teilnahme an den Präsenzveranstaltungen) zzgl. Semesterbeitrag erhoben. Um den Reiseaufwand zu minimieren, gibt es eine Sonderregelung für Studierende im Ausland. Sie können das Studium als reines Fernstudium mit individueller Betreuung absolvieren. Bei reinem Fernstudium fallen Mehrkosten pro Studienmodul in Höhe von 190,– Euro an. Weitere Informationen sind unter http://iqsh-koordinierung.de/pages/schulmanagement-master/studiengang.php zu finden.

Sönke Zankel

»Ein Mensch hat nicht nur eine Nationalität, sondern eine Geschichte.«

Zwei Zugänge zur Flüchtlingsfrage

Zwei Projekte zum Thema Flüchtlinge: Zwei Zugänge, die Lernmöglichkeiten durch Perspektivenwechsel eröffnen. Ein Filmprojekt, das drei Fluchtbiographien verarbeitet und sich als Beitrag zur aktuellen Situation versteht. Und ein Schreibprojekt, in dem Schüler(innen) unabhängig von der aktuellen Situation an Kurzgeschichten zum Thema Flucht arbeiten, Kontakt zu Geflüchteten aufnehmen, selbst schreiben und einen Wettbewerb zu diesem Thema durchführen.

Schulentwicklung – Zwischenbilanz und Ausblick – 5. Folge

Stephan Gerhard Huber

Schulentwicklung beraten, steuern, kontrollieren …

Rollenveränderungen und Paradigmenwechsel bei Schulleitung und Schulaufsicht

Die fünfte Folge der Serie zur Bilanz der Schulentwicklung zum Thema fragt nach der Bedeutung und den Gefahren von Beratung, Steuerung und Kontrolle in Entwicklungsprozessen. Wie unterscheiden sich die Rollen der verschiedenen Steuerungsinstanzen? Sollte Kontrolle und Beratung getrennt wahrgenommen werden? Was muss Schulmanagement mit Blick auf die Verbesserung von Qualität und Wirksamkeit von Schule in den unterschiedlichen Handlungsfeldern leisten?

Mentoren als Lesepaten in der Schule?

Ehrenamtliches Engagement ist inzwischen eine wichtige Ergänzung des Bildungssystems. Mentoren – beispielsweise Lesepaten – kümmern sich ergänzend um eine Kernaufgabe der Schule. Die Kontroverse fragt: Sollten Mentoren als Teil einer aktiven Zivilgesellschaft angesehen werden – oder sollte ihre Arbeit eher kritische Fragen nach der Funktion von Schule aufwerfen; beispielsweise, warum sie bei einem Teil der Schülerinnen und Schüler nicht das erreicht, was sie erreichen sollte?

Antje Liening-Konietzko

Sucht und Präventionsmöglichkeiten in der Schule

Sucht ist in zweifacher Hinsicht Thema von Schule: Als Präventionsaufgabe im Kontext von Gesundheitserziehung und als Quelle der Störung von Lernprozessen. Dabei geht es um traurige Klassiker wie Bulimie und Magersucht, um Alkohol, Nikotin und Cannabis – aber auch um Onlinesucht bzw. Internetabhängigkeit. Schwerpunkt der hier vorgestellten Bücher ist die Frage nach Möglichkeiten und Praxis der Prävention im Rahmen von Schule.

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