6´15Schule in Bewegung

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Störende Verhaltensweisen sind nicht selten auch die Folge mangelnder Bewegung. Wie kann das Bedürfnis nach Bewegung aufgegriffen werden? Und wie können Konzepte aussehen, die Schule und Lernen insgesamt in Bewegung bringen?

Die Ausgangsthese dieses Schwerpunkts ist: Viele typische und oft störende Verhaltensweisen von Schülerinnen und Schülern sind die Folge mangelnder Bewegung. Wird das Bedürfnis nach Bewegung aufgegriffen, dann kann dies zu einer Antriebskraft für die Veränderung der gesamten Lernkultur werden. In den Beiträgen dieses Heftes wird deshalb gefragt, wie Bewegung zu einem integralen Bestandteil von Schule werden kann. Die Beispiele demonstrieren dies anhand der folgenden Themen:

  • Wie kann ein Ineinandergreifen verschiedener Bewegungsfelder Schule und Lernen aktivieren?
  • Wie können Bewegungsideen ohne Vorkenntnisse umgesetzt werden?
  • Wie können Schulräume zur Bewegung verführen?
  • Wie kann das Konzept einer bewegten Schule langfristig weiterentwickelt werden?
  • Wie kann Bewegung zu einem Grundpfeiler des pädagogischen Konzepts werden?
  • Wie kann ein Bewegungskonzept – auch gegen Widerstände – realisiert werden?
  • Wie können Lehrer, Eltern und Schüler in die Planung einbezogen werden?

Die Erfahrungsberichte zeigen: Wenn eine Schule mehr körperliche Bewegung in den Schulalltag bringt, dann muss sie auch in anderen Feldern in Bewegung geraten. So führt beispielsweise die Suche nach mehr Bewegungsmöglichkeiten zur Suche nach einer flexibleren Zeitgestaltung. Dies ist nur ein Beispiel dafür, wie Bewegung in der Schule eine Antriebskraft für die Veränderung der Lernkultur werden kann.

Johannes Bastian

Bildung in Bewegung

Warum brauchen wir mehr Bewegung in der Schule?

Jochen Schnack/Hermann Städtler

Schule in Bewegung: Der darin enthaltene Doppelsinn ist durchaus beabsichtigt. Denn wenn eine Schule mehr körperliche Bewegung in den Schulalltag bringen will, gerät sie auch als Institution in Bewegung. Bewegung und Sport werden zum Treiber einer breit angelegten Schulentwicklung. Welche Bereiche können davon betroffen sein, und wie beginnt man am besten? Welche Fehler sollte man vermeiden?

Deutschunterricht in der 8. Klasse an einem Mittwochmorgen: 20 Minuten nach Beginn der Stunde fängt Max an, unruhig zu werden. Er reckt und streckt sich, mit den Füßen wippt er nervös auf und ab. Er fängt einen kleinen Ellenbogenkampf mit seinem rechten Nachbarn an. Nach einer Ermahnung bleibt er nur kurz ruhig, dann beginnt er, auf seinem Stuhl zu kippeln. Dabei wird er immer waghalsiger, so dass er die Aufmerksamkeit nicht nur seiner Mitschüler, sondern schließlich auch des Lehrers auf sich zieht.

Mia dagegen wird immer ruhiger. Ihre Augen schweifen aus dem Fenster, sie kämpft sichtlich mit der Müdigkeit. Sie versucht sich wachzuhalten, indem sie in ihrem Heft kritzelt. Langsam sinkt ihr Kopf immer tiefer, bis sie ihn schließlich auf dem Arm ablegt. Erst ein sanfter Weckruf des Lehrers bringt sie wieder zum Unterrichtsgegenstand zurück.

Wieviele Informationen haben Max und Mia in dieser Stunde aufgenommen? Was haben sie gelernt?

Die Ausgangshypothese dieses Themenschwerpunkts lautet: Viele typische Verhaltensweisen von Schülerinnen und Schülern sind direkt oder indirekt die Folge von mangelnder Bewegung im Schulalltag. Weil alle Menschen und vor allem Kinder einen natürlichen Drang nach Bewegung haben, führt eine »Sitzschule« unter anderem zu den oben beschriebenen Verhaltensweisen und behindert Lernen. Umgekehrt gilt: Eine Schule, die dieses Bedürfnis angemessen berücksichtigt, ist nicht nur schülergerechter, sondern wird oft auch bessere Ergebnisse erzielen.

Die Forderung nach mehr Bewegung im Schulalltag ist in der pädagogischen Diskussion nicht neu; entsprechende Konzepte wurden bereits vor mehr als zwei Jahrzehnten vorrangig als Kritik an der »Sitzschule« aus dem Kontext der Fachdidaktik Sport heraus entwickelt. Seit einigen Jahren gibt es jedoch zusätzliche Gründe, um die Bedeutung von Bewegung in der Schule zu betonen:

  • Die Kindheit verändert sich, weil die Lebens- und Spielräume außerhalb von Schule und elterlicher Wohnung kleiner werden. Stattdessen verbringen immer mehr Kinder immer mehr bewegungsarme Zeit vor großen und kleinen Bildschirmen. Verschiedene Studien zeigen, dass die meisten Jugendlichen täglich rund neun Stunden sitzend verbringen, was etwa 70 Prozent der wachen Zeit des Tages ausmacht (Ruiz et al., 2011).
  • Dies ist eine von mehreren Ursachen dafür, dass sich die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen verschlechtert; vor allem leiden immer mehr von ihnen unter Übergewicht. Laut der »Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland« (KiGGS; vgl. www.kiggs-studie.de) ist die Prävalenz für Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen in den letzten 20 Jahren um 50 Prozent gestiegen, während sich die Häufigkeit von Adipositas (Fettleibigkeit) sogar verdoppelt hat. Demnach sind heute etwa 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland übergewichtig. Eine Adipositas liegt bei gut 6 Prozent von ihnen vor.
  • Es gibt neue Erkenntnisse aus der Lern- und Entwicklungsforschung zur Bedeutung von Bewegung für erfolgreiches Lernen (vgl. u. a. den Beitrag von Bölling in diesem Schwerpunkt).

Die ersten Konzepte für eine »Bewegte Schule« hatten allerdings häufig eine eher kompensatorische Ausrichtung: Es ging darum, außerhalb des eigentlichen Unterrichts und in Ergänzung dazu sportive Elemente in den Schulalltag einzubauen. Dieser Ansatz war gut gemeint, aber pro­blematisch, denn er hat unbeabsichtigt und zunächst auch unbewusst die Beibehaltung von eher verkündungsorientierten Unterrichtsformen unterstützt. Überspitzt gesagt: Immer, wenn die Schülerinnen und Schüler den Sitz-Unterricht nicht mehr aushalten und es für die Lehrer zu anstrengend wurde, sollten belebende Bewegungshäppchen zur Minderung des Leidensdrucks eingesetzt werden, um anschließend weiter anregungsarm unterrichten zu können.

Das ganze System Schule muss sich bewegen, wenn Bewegung als Lebensart Einzug in den Schulalltag finden soll.

Um diesen eher an den Symptomen als an den Ursachen orientierten Ansatz zu überwinden, zielen neuere Konzepte zur Bewegungsförderung in der Schule darauf ab, Bewegung zu einem integralen Bestandteil der Schule insgesamt zu machen. In vielen Studien zur Entwicklung der Schul- und Unterrichtsqualität ist mittlerweile deutlich geworden, dass sich die Gesamtheit von Unterrichtsinhalten und -methoden, Schulorganisation und Lern- und Lebensraum Schule verändern muss, um den gewachsenen Anforderungen an eine moderne, gesundheitsförderliche Schule gerecht zu werden. In diesem Zusammenhang geht es auch um ein bewegtes und bewegendes Lernen, in dem der Eigentätigkeit der Schülerinnen und Schülern eine hohe Priorität eingeräumt wird. Ein solches Konzept wird auch dem oben genannten Umstand gerecht, dass Bewegung und Bewegungsfreude menschliche Grundbedürfnisse sind, die gerade bei Kindern und Jugendlichen noch stark ausgeprägt sind. Sie sollten daher nicht als Hindernisse oder Probleme wahrgenommen, sondern als Ressourcen im Schulalltag begriffen und daher gezielt zugelassen und gefördert werden.

Sich bewegen bildet

Wenn Menschen sich bewegen, machen sie vielfältige Erfahrungen mit sich selbst und mit anderen. Bewegung, Spiel und Sport ermöglichen es u. a.

  • den eigenen Körper mit allen Sinnen wahrzunehmen,
  • sich körperlich auszudrücken und Bewegungen bewusst zu gestalten,
  • die Leistungsfähigkeit des eigenen Körpers zu erforschen und zu erweitern,
  • etwas Neues, nie Erprobtes zu wagen und seine eigenen Kompetenzen realistisch einzuschätzen
  • sich mit anderen zu vergleichen, zu kooperieren und sich zu verständigen.

Regelmäßige Bewegung und sportliche Aktivitäten fördern das Selbstwertgefühl und das körperliche Selbstkonzept und strahlen damit auf den gesamten Unterricht aus. Schülerinnen und Schüler, die an zusätzlichen sportlichen Aktivitäten in der Schule teilnehmen, erwerben nachweislich höhere Kooperations-, Konflikt- und Kommunikationsfähigkeiten als ihre Mitschüler (Molt 2008, S. 188). Außerdem reduziert regelmäßige Bewegung das Auftreten von Verspannungen und Kopfschmerzen. Immerhin leiden zwischen 40 und 60 Prozent der Mädchen bzw. zwischen 30 und 40 Prozent der Jungen im Jugendalter regelmäßig unter Kopfschmerzen. Es gibt also viele gute Gründe dafür, die Bewegungsanreize in der Schule auszubauen. Wie kann dies geschehen?

Bewegung und Sport in der Schule

Grundsätzlich kann Bewegung in alle Bereiche der Schule gebracht werden:

Schulweg: Die Eltern und Schüler können in den meisten Schulen dazu angehalten und dabei unterstützt werden, den Schulweg eigenständig zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu bewältigen.

Schulgelände und Schulräume: Das Schulgelände kann so gestaltet werden, dass es zur Bewegung einlädt und viele Anlässe dafür bietet. So werden Außenräume zu Lernräumen mit hohem Selbsttätigkeitsfaktor für die Schülerinnen und Schüler. Auch die Sozialflächen im Gebäude können zur Bewegung motivieren, indem sie z. B. kleinere Indoorspiele anbieten oder auch Gruppenarbeitsplätze vorhalten, die von den Schülern zeitweise genutzt werden können (vgl. auch den Beitrag von Winkler).

Unterricht: Im Unterricht gibt es vielfältige Möglichkeiten, Bewegung zu fordern und zu fördern. Dazu gehören aktivierende Methoden, der häufige Wechsel von Arbeitsformen, das Aufsuchen von außerschulischen Lernorten, der gezielte Einbau von Bewegungs- und Entspannungsphasen und vieles mehr (vgl. den Beitrag von Uwer). Auch das Mobiliar in den Klassenräumen ist ein Faktor: Es kann so gestaltet sein, dass es sich schnell und flexibel neu gruppieren lässt, um unterschiedliche Arbeitsformen zu unterstützen (vgl. u. a. den Beitrag von Vogelsaenger).

Sportunterricht: Dies ist natürlich der klassische Ort für Bewegung in der Schule, aber bei weitem nicht der einzige. Die Bewegungsangebote im Sportunterricht sollten vielfältig sein, die Schüler in vielerlei Weise herausfordern und sie auf die aktive Nutzung des Lern- und Lebensraum Schule vorbereiten (vgl. den Beitrag von Hegerl).

Aktive Pausen: Zuallererst können die Pausenzeiten so gestaltet sein, dass sie überhaupt Bewegung über einen längeren Zeitraum ermöglichen. Hier stellt sich die Frage nach der Rhythmisierung des Schultages. Darüber hinaus spielen die Gestaltung des Schulhofes (s. o.) und die zusätzlichen Bewegungsangebote eine Rolle (vgl. u. a. den Beitrag von Bölling).

Außerunterrichtliche Aktivitäten: Außerhalb der Unterrichtszeit gibt es vielfältige Möglichkeiten, Bewegung und Sport zu fördern, sei es in Arbeitsgemeinschaften oder durch Kooperationen mit Sportvereinen (s. die Beiträge von Honerkamp/Hofmann-Reichenberger sowie Hegerl), über fest im Schuljahreskalender verankerte Sport- und Spieltage, durch die Teilnahme an Wettbewerben und die Durchführung von bewegungsorientierten Klassenfahrten.

Wichtige unterstützende Elemente einer Bewegten Schule sind eine sinnvolle Rhythmisierung des Schultags (s. u.) sowie eine gesunde Ernährung. Gerade in den mittlerweile zahlreichen Ganztagsschulen spielt der zuletzt genannte Aspekt eine erhebliche Rolle.

Gelingensbedingungen

Diese Übersicht macht deutlich, dass die Förderung von Bewegung in der Schule ein ganzheitliches Herangehen erforderlich macht. Alle Bereiche der Schule können und sollten dabei berücksichtigt werden. Für die Planung und Umsetzung einer Bewegten Schule lassen sich folgende Gelingensbedingungen nennen.

1. Gelingensbedingung: Starke Lehrkräfte – starke Schüler

Bei der Einführung einer Bewegten Schule kommt es darauf an, zunächst die Lehrkräfte zu stärken, damit sie die Veränderungen managen und den Erwartungshaltungen der Schülerinnen und Schüler entsprechen können. Um die Kraft und die Bereitschaft der Kolleginnen und Kollegen zu erhalten, muss die Schule insgesamt so gestaltet werden, dass sie Gesundheit erhält (vgl. dazu auch PÄDAGOGIK 6/2013 »Gesundheit und gute Schule«). Das Konzept der Bewegten Schule orientiert sich an dem ressourcenorientierten, salutogenen Ansatz der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der auf einem umfassenden Gesundheitsbegriff basiert und vor allem die Fähigkeit jedes Einzelnen zur Erhaltung und Stärkung seines Wohlbefindens fokussiert. Dabei ist ein Kohärenzgefühl mit den Dimensionen der Verstehbarkeit (»Ich blicke durch«), Handhabbarkeit (»Ich kann´s packen«) und Sinnhaftigkeit (»Es lohnt sich«) die entscheidende Grundlage für die körperliche und seelische Gesundheit (Antonovsky 1997). Die gesundheitliche Bedeutung von Bewegung ist in diesem Kontext unumstritten, selbst wenn Bewegung nur im Zusammenspiel mit anderen gesundheitsfördernden Maßnahmen für mehr Gesundheit und Qualität im System Schule sorgen kann. Deshalb ist eine Bewegte Schule immer auch gesunde Schule (Städtler 2008). Die Qualität des Konzepts der Bewegten, gesunden Schule, wie sie z. B. in Niedersachsen entwickelt wurde, ist letztlich daran zu messen, inwieweit es der Gesundheit, der Bewegungs- und Lernfreude sowie dem Lehr-/Lernerfolg der Lehrkräfte und der Schülerinnen und Schüler nützt.

2. Gelingensbedingung: Rhythmisierung als Schlüssel zum Lernerfolg

Das Dilemma zwischen linearen Zeitstrukturen/-vorgaben und der ganz eigenen biologisch-psychischen Zeit der Schülerinnen und Schüler sowie ihrer Lehrkräfte führt oft zu einem Verlust des eigenen Lerntaktes. Wichtig ist: Lernen verläuft in der Regel nicht linear, sondern eher auf produktiven »Um«-wegen. Schulen folgen dagegen meist linearen Zeitkonzepten und nehmen in Kauf, dass sich die Stoffvermittlung und -aneignung dem Diktat der Zeitbegrenzung beugen.

Die ausschließliche Orientierung an einer scheinbar effektiven linearen Ausrichtung der Lerntakte führt zu einer mehr oder weniger passiven, einsinnigen, monotonen Lehr- und Lernkultur, in der die Schülerinnen und Schüler viel zu oft auf Empfänger und die Lehrkräfte auf Verkünder von Informationen reduziert werden.

Schulen mit veränderten Zeitstrukturen gehen demgegenüber von den Ressourcen der Schülerinnen und Schüler sowie ihrer Lehrkräfte aus. Sie akzeptieren so häufig wie möglich die »Eigenzeit« als Lern- und Aneignungstakt der Individuen und geben damit Lernprozessen den notwendigen Raum.

Eine Lernkultur, die auf mehr Bewegung abzielt, ist auf elastische Zeiträume angewiesen, in denen unterschiedliche Zugänge der Lehrenden und Lernenden ohne Zeitnot gelingen können.

Erste Wege zur Veränderung im Schulalltag sind:

  • Lernprozesse im 45-Minuten-Takt werden abgeschafft, der Unterricht wird zugunsten praxisorientierten, sinnesaktiven Erlebens entschleunigt. Handlungsbezogene und spannende Stoffaneignung werden in längeren Lernzeiten organisiert.
  • In den einzelnen Unterrichtseinheiten wird ein ausgewogenes Verhältnis von Anspannung und Entspannung organisiert.
  • Es werden Handlungsräume für freudvolles Lernen und Leben im Schulalltag ermöglicht, die Schule als lebendigen Lern- und Lebensraum erfahrbar machen.
  • Pausen werden als Erlebnisräume kultiviert.

3. Gelingensbedingung: Die Schule wie ein Räderwerk aktivieren

Will eine Schule zur Bewegten Schule werden, muss sie sich nicht vollkommen neu erfinden. Es reicht aus, sich zunächst der eigenen Stärken zu vergewissern. Hierbei hilft die Konzentration auf drei Handlungsfelder, in die alle Aktivitäten der Schule eingeordnet werden können und die wie ein Räderwerk ineinandergreifen.

  • Handlungsfeld Lern- und Lebensraum Schule: Wie können die Rahmenbedingungen einer Schule – Innen- und Außenräume – dazu beitragen, Bewegung zuzulassen, zu fordern und zu fördern?
  • Handlungsfeld Lehren und Lernen: Wie kann Lernen durch bewegende und bewegungsbegleitende Aktivitäten für Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte motivierender und wirkungsvoller gelingen?
  • Handlungsfeld Schule steuern und organisieren: Wie lassen sich förderliche Bedingungen für eine bewegte Schule in der Schulorganisation schaffen?

Diese drei Handlungsfelder bilden das Grundgerüst des Konzepts der Bewegten Schule. Sie greifen wie Zahnräder ineinander, denn jede Aktivität hat eine Wirkung auf andere Aktivitäten und damit auf das ganze System. Der Impuls kann daher von jedem Handlungsfeld ausgehen (vgl. auch das Plakat zum Download unter www.bewegteschule.de).

Die Stärke dieses »Räderwerk-Konzeptes« liegt in der Verdeutlichung der Wechselwirkung aller Beteiligten im System Schule. Bewegung ist somit kein isolierter Baustein in einem additiven Gefüge zahlreicher Interventionen, sondern sorgt als zentrale »Antriebskraft« für die notwendige dynamische Verbindung des »Räderwerks«. So verstanden kann sie zu einem Treiber von Schul- und Unterrichtsentwicklung werden.

Literatur

Antonovsky, A. (1997): Salutogenese. Zur Entmystifizierung der Gesundheit. Tübingen
Molt, M. (2008): Erweiterte Kompetenzen durch neigungsorientierten Schulsport an Hauptschulen? Landau
Ruiz, J. R./Ortega, F. B./Martines-Gomez, D. (2011): Objectively measured physical activity and sedentary time in European adolescents: the HELENA Study. In: Am j Epidemiol 174(2)/2011, S. 173 – 184
Städtler, H. (2008): Bewegte Schule – mehr Bewegung in die Köpfe. In: Die Grundschulzeitschrift 212 – 213/2008, S. 43 – 45

Dr. Jochen Schnack ist Leiter der German International School in Boston und Mitglied der Redaktion von PÄDAGOGIK.
Adresse: German International School Boston, 57 Holton Street, Boston, MA 02134, USA
E-Mail: jochen.schnack(at)gmx.info

Hermann Städtler ist Leiter der Fridtjof-Nansen-Schule in Hannover und Leiter des MK-Projekts »Bewegte, gesunde Schule Niedersachsen«.
Adresse: Fridtjof-Nansen-Schule, Leipziger Straße 38, 30179 Hannover
E-Mail: h.staedtler(at)web.de

Inhalt Magazin

 

Gerade noch bildungsfähig

Eine Geschichte der Sonderpädagogik zeigt deren dubiose Quellen auf

Dagmar Hänsel, ehemalige Professorin für Schulpädagogik an der Universität Bielefeld, hat im Oktober 2014 eine auf umfangreicher Quellenforschung basierende, inhaltlich hochbrisante Arbeit unter dem Titel »Sonderschullehrerausbildung im Nationalsozialismus« veröffentlicht. Sie liefert damit die gesicherte wissenschaftliche Grundlage für eine Neubewertung sowohl der sonderpädagogischen Geschichte als auch der Geschichtsschreibung durch die Sonderpädagogik. Daraus lassen sich auch für die Gegenwart unabweisbare bildungspolitische Fragen zur Rolle der Sonderpädagogik ableiten.

Hänsel legt dar, dass die vom Hilfsschulverband propagierte Hilfsschulpädagogik seit ihren Anfängen im 19. Jahrhundert auf rassenhygienischen Begründungen beruhte und so zu einem Wegbereiter der nationalsozialistischen Rassengesetze werden konnte. Mit der Unterscheidung der Bildungsfähigen von den Noch-Bildungsfähigen und Nicht-Bildungsfähigen pathologisierte sie die Armut des Subproletariats, das sich mit der Industrialisierung herausgebildet hatte. Hilfsschullehrer sollten mit ihren besonderen Kompetenzen die Noch-Bildungsfähigen von den beiden anderen Gruppen trennen, sie für die Gesellschaft ökonomisch »brauchbar« machen und mit der Selektion aus den Volksschulen zu deren Entlastung beitragen. Auf dieser Basis begründete der Hilfsschulverband den Anspruch auf eine eigenständige Hilfsschule und die Forderung nach einer gesonderten Lehrerausbildung für Hilfsschullehrer. Im Blick war dabei immer auch eine Besserstellung hinsichtlich Status und Besoldung gegenüber der Volksschullehrerschaft, aus der sich die Hilfsschullehrer rekrutierten.

Unterstützer der NS-Politik

Hänsel zeigt den Hilfsschulverband als aktiven Unterstützer und Profiteur der NS-Politik. In Denkschriften der »Reichsfachschaft Sonderschulen« stellte er die besondere Aufgabe und Unentbehrlichkeit der Hilfsschule als »bestes Sammelbecken« für die wirkungsvolle Umsetzung der nationalsozialistischen Rassenpolitik heraus. Er beeinflusste entscheidend über enge persönliche Kontakte zu Referenten im zuständigen Reichsministerium Erlasse und Anordnungen. Er sorgte für die Verschärfung in der Erfassung und Selektion »erbgeschädigter« Kinder und setzte diese damit der Zwangssterilisation nach dem »Erbgesundheitsgesetz« aus. Der 1941 erstellte Referentenentwurf einer »Ausbildungs- und Prüfungsordnung für Hilfsschullehrer«, der ebenfalls die Handschrift des Verbandes trug, sah neben der Vereinheitlichung der Hilfsschullehrerausbildung vor, die Tätigkeit der Hilfsschullehrer an eine formelle wissenschaftliche Ausbildung zu binden und eine eigenständige sonderpädagogische Berufsgruppe zu etablieren. Die Einrichtung entsprechender Ausbildungslehrgänge an ausgewählten Standorten scheiterte letztlich an kriegsbedingten Umständen. Die Geschichte der Sonderpädagogik nach 1945 stellt sich in Westdeutschland als »Erfolgsgeschichte« dar. Der Hilfsschulverband arbeitete kontinuierlich und zielstrebig weiter an dem Ziel einer grundständigen wissenschaftlichen Ausbildung für Sonderpädagogen an Universitäten, bis die Bemühungen schließlich ab den 1960er Jahren in den Bundesländern erfolgreich waren. Eine kritische Auseinandersetzung mit der Rolle der Hilfsschulpädagogik in der NS-Zeit und eine inhaltliche Neubestimmung gab es nicht. In Ausbildungs- und Prüfungsordnungen für das Lehramt an Hilfsschulen nach 1945 deckt Hänsel unverkennbare inhaltliche Kontinuitäten auf. Die medizinisch-defektorientierte Ausrichtung der sonderpädagogischen Diagnostik und deren Fixierung auf »Anomalien« und »Schwachsinn« verweist auf die NS-Zeit, auch wenn die unmittelbaren Bezüge auf die nationalsozialistische Rassenideologie und die bevölkerungspolitischen Maßnahmen fehlen. Sie wurden »abgestreift wie eine Schlangenhaut«, so Hänsel. Die Bedeutung der personellen Kontinuitäten nach 1945 kann Hänsel an der Arbeit des 1949 neu gegründeten »Verbands Deutscher Hilfsschulen« aufzeigen. Dieser sorgte für die Verbreitung der Lesart, die heil- und sonderpädagogischen Ideen im Nationalsozialismus seien »niedergehalten« und die Hilfsschule sei diskriminiert worden. Gefordert wurde eine »wiedergutmachende Haltung« gegenüber der Hilfsschule, die aus Nächstenliebe immer schon den Schwachen verpflichtet gewesen sei.

Dreiste Geschichtsfälschung

Auf der Basis dieser Geschichtsfälschung gelang es der Hilfsschulpädagogik nach 1945, ihr Ansehen in der Nachkriegszeit auszubauen und dieses mit der Umbenennung der Hilfsschule in Sonderschule für Lernbehinderte in den 1960er Jahren als Sonderpädagogik zu festigen. Es gelang ihr, sich die Anerkennung als wissenschaftliche Disziplin an Universitäten mit eigenen Instituten und Lehrstühlen zu verschaffen und im Sinne einer »Wiedergutmachung« den Ausbau des in Deutschland besonders ausdifferenzierten Sonderschulwesens durchzusetzen. Die Zwangsauslese aus der allgemeinen Schule, die mit der Allgemeinen Anordnung von 1938 eingeführt worden war, behielt ihre Gültigkeit. Sie sorgte dafür, dass Kinder mit Lernpro­blemen aus armen und sozial benachteiligten Verhältnissen bis heute die Mehrheit der Kinder mit festgestelltem sonderpädagogischem Förderbedarf in Sonderschulen und im gemeinsamen Unterricht stellen. Dies ist – wie Hänsel herausstellt – im internationalen Vergleich ein mehr als fragwürdiges Alleinstellungsmerkmal des deutschen Sonderschulsystems.

Auf der Basis der sonderpädagogischen Mythenbildung konnten sich nach dem Ende der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft Strukturen, Vorstellungen, Überzeugungen und Mentalitäten herausbilden bzw. verfestigen, die aktuell der Inklusion entgegenstehen. Sie finden ihren Ausdruck beispielsweise in der starren disziplinären, professionellen und institutionellen Abtrennung der Sonderpädagogik von der allgemeinen Pädagogik. Sie sind wirksam in dem hartnäckigen Festhalten an einem eigenständigen Sonderschullehramt sowie in der uneinsichtigen Verteidigung der allgemeinen Sonderschulen mit ihrer reduktionistischen Didaktik als »Schutz- und Schonräume«. Sie äußern sich z. B. darin, dass trotz steigender »Inklusionsquoten« der Anteil der Kinder in den Sonderschulen stabil bleibt, weil mit Hilfe der sonderpädagogischen Diagnostik immer mehr nicht behinderte Kinder in den Grundschulen als »sonderpädagogisch förderungsbedürftig« etikettiert und in »Inklusionskinder« umgewandelt werden. Der Glaube an die Überlegenheit und Unverzichtbarkeit der sonderpädagogischen Kompetenzen in Bezug auf Diagnostik und Förderung ist allgemein ungebrochen.

Besonders beschämend wirkt Hänsels Verweis, dass selbst 70 Jahre nach der Befreiung vom Faschismus die historiografischen Mythen der »belasteten« Sonderpädagogik sowohl von Vertretern der sonderpädagogischen Wissenschaftsdisziplin als auch von führenden Verbandsvertretern gepflegt und weiterverbreitet werden. So wird auch heute noch unter falschen Vorzeichen auf das Professionsbild Einfluss genommen, das Politik, Gesellschaft und Lehrerschaft von der Sonderpädagogik mehrheitlich haben.

Dagmar Hänsel:
Sonderschullehrerausbildung im Nationalsozialismus
Julius Klinkhardt Verlag: Bad Heilbronn 2014
ISBN 978-3-7815-1990-9
279 S./€ 19,90

Dr. Brigitte Schumann
E-Mail: ifenici(at)aol.com

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Steigende Inklusionsquote in Niedersachsen

Auch in Niedersachsen schreitet die Inklusion voran: Inzwischen besucht mehr als die Hälfte der niedersächsischen Kinder mit Förderbedarf in den Jahrgängen 1, 2, 5 und 6 eine reguläre Schule. Damit ist nach Auskunft des Kultusministeriums die sogenannte Inklusionsquote im Vergleich zum Vorjahr von 44,9 auf 52,5 Prozent gestiegen. Dies zeigt nach Einschätzung von Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD), dass Eltern ihren Rechtsanspruch auf eine Regelschule deutlich wahrnehmen. Die inklusive Schule wird in Niedersachsen seit dem Schuljahr 2013/2014 aufsteigend eingeführt. Seither haben die Eltern von behinderten Kindern bei der Einschulung beziehungsweise beim Übergang zur weiterführenden Schule ein Wahlrecht. Zuvor hatten Regelschulen Jungen und Mädchen mit Behinderungen beispielsweise mit dem Hinweis auf räumliche Barrieren häufig abgelehnt.

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Förderpreis für Integration

Mit 1,23 Millionen Menschen sind laut Migrationsbericht der Bundesregierung im Jahr 2013 so viele Zuwanderer nach Deutschland gekommen wie zuletzt vor 20 Jahren. Damit liegt Deutschland im OECD-Vergleich auf Platz zwei der größten Einwanderungsländer, und die Tendenz ist steigend. Um diese Entwicklung zu gestalten, ist eine erfolgreiche Eingliederung der Neuankömmlinge in die Gesellschaft notwendig. Dies möchte die Firma Deichmann mit einem Förderpreis unterstützen, mit dem Unternehmen, Organisationen sowie Schulen ausgezeichnet werden, die sich in herausragender Weise für die Integration benachteiligter Kinder und Jugendlicher einsetzen. Der Preis ist mit insgesamt 100.000 Euro dotiert. Bewerbungen sind noch bis zum 30. Juni unter www.deichmann-foerderpreis.de möglich.

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Neuer Spitzenreiter bei den Ausbildungsberufen

In der Rangliste des meistgewählten Ausbildungsberufs hat es einen Wechsel an der Spitzenposition gegeben: Der Kaufmann für Büromanagement hat den Kaufmann im Einzelhandel abgelöst. Dies zeigen aktuelle Zahlen des Bundesinstitutes für Berufsbildung (BIBB). Von den insgesamt gut 522 000 Ausbildungsverträgen entfielen demnach 29 100 auf den neuen Spitzenreiter. Dieser Führungswechsel hat jedoch einen unerwarteten Grund: In dem Ausbildungsberuf »Kaufmann für Büromanagement« sind mit Beginn des Ausbildungsjahres 2014/2015 die drei Vorgängerberufe Bürokaufmann/­-frau, Kaufmann/-frau für Bürokommunikation sowie Fachangestellte/-r für Bürokommunikation zusammengefasst worden.

Spitzenreiter bei den weiblichen Auszubildenden waren neben der Kauffrau für Büromanagement die Berufsfelder Verkäuferin, Kauffrau im Einzelhandel, Medizinische und Zahnmedizinische Fachangestellte sowie Industriekauffrau. Bei den jungen Männern rangierten nach dem seit vielen Jahren unangefochtenen Spitzenreiter Kfz-Mechatroniker auf den oberen Positionen der Industriemechaniker, der Kaufmann im Einzelhandel und der Elektroniker. Insgesamt wurden 2014 erneut mehr als ein Drittel aller neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in lediglich zehn Ausbildungsberufen abgeschlossen.

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Praxissemester für Lehramtsstudenten

An der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) haben im Frühjahr knapp 300 Studierende zum ersten Mal ein Praxissemester absolviert. Auf diese Weise hatten sie die Möglichkeit, bereits während des Studiums intensive Praxiserfahrungen in Schule und Unterricht zu sammeln. Seit kurzem müssen sich in Nordrhein-Westfalen alle angehenden Lehrer schon während des Studiums diesem Praxistest stellen, und zwar nach dem ersten Semester des Masterstudiums. Mit dem neuen Format haben die Lehramtsstudierenden die Möglichkeit, bereits im Studium intensiv den Schulalltag kennenzulernen. Die neue Lehrerausbildung in NRW holt nach, was Studiengänge wie Ingenieurwissenschaften schon bieten: Praxisnähe.

Von Seiten der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster wird im Rahmen des fünf Monate dauernden Forschungssemesters ein forschendes Lernen angeregt. Die angehenden Lehrerinnen und Lehrern sollen schon in einer frühen Phase der Ausbildung analytische und forschungsmethodische Kompetenzen erwerben und sich mit der eigenen Schulpraxis kritisch auseinandersetzen.

Das neue Element der Lehrerausbildung war vier Jahre lang vorbereitet worden, bevor es seit diesem Jahr in Kooperation mit 145 Schulen gestartet wurde. Eine entsprechende Kooperationsvereinbarung zwischen der WWU, der Fachhochschule sowie der Kunstakademie Münster auf der Hochschulseite und der Bezirksregierung Münster zusammen mit den Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung (ZfsL) und den Schulen im Regierungsbezirk Münster war Anfang des Jahres unterzeichnet worden.

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Interaktive Lehrmedien werden selten genutz

t An den deutschen Schulen werden interaktive Lehrmedien bislang nur selten genutzt. So setzen nach eigener Auskunft rund 77 Prozent der Lehrer in Deutschland derzeit keine Medien wie Serious Games ein, obwohl diese wegen der damit verbundenen Motivation der Schülerinnen und Schüler durchaus Lernerfolge versprechen. Jeder sechste Lehrer (17 Prozent) nutzt entsprechende Medien zumindest hin und wieder, gerade einmal 6 Prozent greifen regelmäßig in ihrem Unterricht auf solche interaktiven Lehrmittel zurück. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage unter Lehrern, die das Meinungsforschungsinstitut YouGov im Auftrag des BIU – Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware durchgeführt hat.

Serious Games sind interaktive Medien, die auf den Motivations-, Interaktions- und Belohnungs-Mechaniken von Computer- und Videospielen basieren. Durch den spielerischen Ansatz sind sie geeignet, die Motivation der Lerner zu steigern. Aufgrund vergleichbarer Spielmechaniken sind Serious Games vielen Schülerinnen und Schülern zudem bei der Nutzung vertraut und ermöglichen einen schnellen Einstieg.

Grundsätzlich sind viele Lehrer durchaus daran interessiert, interaktive Lernmedien in ihrem Unterricht einzusetzen. So würde gerne jeder fünfte Lehrer (21 Prozent), der bisher keine Serious Games einsetzt, nach eigener Auskunft diese gerne in seinem Unterricht nutzen. Allerdings verhindern fehlendes Wissen über entsprechende Angebote sowie die technische Ausstattung an den Schulen in vielen Fällen den Einsatz. So ist bei knapp jedem dritten Lehrer (29 Prozent), der bisher keine Serious Games einsetzt, der Einsatz entsprechender Software aufgrund der unzureichenden technischen Ausstattung an seiner Schule nicht möglich. Aber auch die fehlende Kenntnisse über die bereits vorhandenen Angebote verhindern bisher einen breiteren Einsatz im Unterricht: Rund jeder zweite Lehrer (53 Prozent), der bislang keine Serious Games nutzt, kennt entsprechende Programme nicht. Hier könnten Fortbildung und Beratung eine wichtige Rolle spielen.

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Keine Sonderschulpflicht mehr in Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg soll der gemeinsame Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung immer mehr zum Alltag werden. Um dies zu erreichen, hat die grün-rote Mehrheit im Landtag einen Gesetz beschlossen, mit dem zum kommenden Schuljahr die Sonderschulpflicht abgeschafft wird. Das bedeutet, dass die Eltern künftig die Wahl haben, ob sie ihr behindertes Kind auf eine Sonderschule oder eine Regelschule schicken wollen. Sie erhalten allerdings kein Recht auf eine Wunschschule. Bei der Verabschiedung des Gesetzentwurfs im Kabinett sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), sein Ziel sei eine Gesellschaft, »in der es selbstverständlich ist, dass Menschen mit und ohne Behinderung zusammen leben.« In Baden-Württemberg ist ein gemeinsamer Unterricht künftig auch dann möglich, wenn behinderte Kinder das Bildungsziel absehbar nicht erreichen können. Um die Lehrkräfte zu unterstützen, erhalten die Schulen zusätzliche Stellen für Sonderpädagogen.

Das Kultusministerium geht davon aus, das für die Umsetzung der Inklusion bis zum Schuljahr 2022/23 insgesamt 1350 neue Lehrerstellen nötig sind, die jährlich rund 97 Millionen Euro kosten. Hinzu kommen im Endausbau Millionenzuschüsse für die Inklusion an Privatschulen. Bei diesen Plänen geht das Kultusministerium davon aus, dass 28 Prozent der Familien mit behinderten Kindern sich für eine inklusive Beschulung entscheiden.

Finanziert werden die zusätzlichen Stellen aus dem Landeshaushalt. Zudem übernimmt das Land im Endausbau bis zu 30 Millionen Euro im Schuljahr für Schulassistenten, Schülerbeförderung und mögliche Umbauten an den öffentlichen Schulen. Darauf hatten sich das Land und die Kommunen als Schulträger nach schwierigen und langen Verhandlungen erst kürzlich geeinigt.

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Azubi-Mangel

Der Wirtschaft fehlt es zunehmend an Auszubildenden. So ruft zum Beispiel die bayerische Wirtschaft inzwischen zu mehr Einsatz gegen den Azubi-Mangel auf. Nach Ansicht des Präsidenten des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags, Eberhard Sasse, ist es höchste Zeit zu handeln. Er kritisierte einen »Akademisierungswahn«. Es müsse jetzt darum gehen, die duale Ausbildung wieder attraktiver zu gestalten. Seiner Ansicht nach sollten die Betriebe frühzeitig auf Schüler zugehen, auch Absolventen mit weniger guten Noten eine Chance geben, neue Angebote wie das duale Studium und Teilzeitausbildungen einführen und auch Studienabbrecher stärker in den Blick nehmen.

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Potenziale entwickeln – Schulen stärken

Ein Forschungs- und Entwicklungsprojekt in der Metropole Ruhr

Schulen mit herausfordernden Standortbedingungen müssen besondere Anstrengungen unternehmen, um Potenziale ihrer Schülerinnen und Schüler zu erkennen und zu fördern. Das vor kurzem aus der Taufe gehobene Forschungsprojekt »Potenziale entwickeln – Schulen stärken« soll einige dieser Schulen in Nordrhein-Westfalen datengestützt dabei unterstützen, indem ihre Problemlösefähigkeit verbessert wird und Schulentwicklungsprozesse angestoßen werden. Dazu werden 35 Projektschulen auf Grundlage einer umfassenden Ausgangserhebung in Netzwerken zusammengeschlossen. Schulen mit ähnlichen Entwicklungsbedarfen und -inte­ressen arbeiten gemeinsam an Themenschwerpunkten, können sich über bereits etablierte pädagogische Ansätze austauschen, neue Strategien gemeinsam entwickeln, erproben und reflektieren und so Synergieeffekte zur Kompetenzerweiterung nutzen. Neben der Netzwerkarbeit werden die Schulen durch passgenaue schulinterne Qualifizierungsangebote und Beratungsmaßnahmen unterstützt. Mögliche inhaltliche Schwerpunkte können Themenbereiche wie Lehrerkooperation, Lehrergesundheit, Unterrichtsqualität oder Schul- und Unterrichtsklima betreffen.

Im Forschungsteil des Projekts sollen Miss- und Gelingensbedingungen für die Nachhaltigkeit der Schulentwicklungsarbeit und den Transfer der Netzwerkarbeit in die Schulen identifiziert werden. Zudem soll geprüft werden, welche Schulentwicklungsmaßnahmen sich für Schulen in herausfordernder sozialräumlicher Lage als förderlich bzw. weniger förderlich erweisen. Insgesamt zielt das Projekt darauf, die Qualität und die Wirksamkeit der beteiligten Schulen zu erhöhen und die pädagogische Arbeit an der Einzelschule zu erleichtern. Von den so gewonnenen Erkenntnissen und erprobten Strategien sollen auch andere Schulen mit schwierigen Kontextbedingungen profitieren. Das Projekt wird gemeinsam von der Stiftung Mercator, dem Institut für Schulentwicklungsforschung an der TU Dortmund (unter der Leitung von Prof. Dr. Holtappels) und der Universität Duisburg-Essen (unter der Leitung von Prof. Dr. van Ackeren) in Kooperation mit der Qualitäts- und Unterstützungs-Agentur – Landesinstitut für Schule NRW durchgeführt. Weitere Informationen sind unter www.schulen-staerken.de zu finden. Dr. Annika Hillebrand/Nina Bremm

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Programm für Brennpunkt-Schulen in Berlin soll aufgestockt werden

Die Regierungsfraktionen im Berliner Abgeordnetenhaus SPD und CDU wollen die Förderung für Schulen in sozialen Brennpunkten ausweiten und 30 Einrichtungen zusätzlich in das Programm aufnehmen. Bisher bekommen 219 Schulen in sozialen Brennpunkten zusätzlich Geld vom Land. Sie erhalten insgesamt bis zu 15 Millionen Euro für Projekte, mit denen sie ihr Angebot attraktiver gestalten können. Knapp ein Viertel aller Berliner Regelschulen profitiert davon. Allerdings waren im Jahr 2014 rund 2,6 Millionen Euro der zur Verfügung stehenden Mittel nicht abgerufen worden.

Nach dem Willen von SPD und CDU sollen künftig auch Freie Schulen und Berufsschulen in das Programm aufgenommen werden. Außerdem soll der Migrationsanteil der Schulen als Kriterium berücksichtigt werden.

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Immer mehr Krippenplätze in Westdeutschland

Der Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz für Kleinkinder hat zu einem deutlichen Anwachsen der Krippenplätze in Westdeutchland geführt. In den alten Bundesländern wurden nach Auskunft des Statistischen Bundesamtes zum Stichtag 1. März 2014 deutlich mehr Kinder unter drei Jahren in einer Tageseinrichtung oder Tagespflege betreut als vor Inkrafttreten des Gesetzes am 1. August 2013. In einem Drittel der 325 Kreise und kreisfreien Städte in Westdeutschland lag die Quote bei mindestens 30 Prozent. Damit hatte sich diese Zahl gegenüber dem Jahr 2013 nahezu verdoppelt. Insgesamt lag die Betreuungsquote im Westen mit 27,4 Prozent aber immer noch deutlich unter dem Wert in Ostdeutschland mit 52,0 Prozent.

Die bundesweit höchsten Quoten hatten im vergangenen Jahr Frankfurt (Oder) mit 63,0 Prozent, gefolgt von den Landkreisen Elbe-Elster und Wittenberg mit je 62,8 Prozent. Im Westen wurden die höchsten Werte in Heidelberg (46,9 Prozent), Hamburg (43,0 Prozent) und im bayerischen Landkreis Coburg (42,4 Prozent) erreicht. Die geringste Betreuungsquote hatte der Landkreis Berchtesgadener Land in Bayern: 13,9 Prozent. Auch bei einer Betrachtung nach Altersgruppen gibt es deutliche regionale Unterschiede: Während die Betreuungsquote bei Einjährigen in fast allen ostdeutschen Kreisen und Städten über 50 Prozent lag, gab es im Westen nur drei Städte mit einer entsprechend hohen Quote: Heidelberg, Hamburg und Erlangen.

Bei Zweijährigen lag überall im Osten die Betreuungsquote bei mindestens 79 Prozent – im Westen wurde dieser Wert nur von 9 der 325 Kreise und Städte erreicht. Kaum eine Rolle spielte die Betreuung von Kindern unter einem Jahr. Hier lag die Quote in Ostdeutschland (plus Berlin) bei 4,3 Prozent und in Westdeutschland bei 2,5 Prozent.

Nach Auskunft der Statistiker steigt die Nachfrage wächst mindestens genauso schnell wie das Angebot. In den letzten Jahren ist die bundesweite Bedarfsprognose für den Kita-Ausbau dreimal nach oben korrigiert worden: Als das Kita-Gesetz im Jahr 2008 verabschiedet wurde, ging man davon aus, dass ab 2013 rund 33 Prozent der unter Dreijährigen Betreuungsangebote brauchen. Vor zwei Jahren wurde diese Zielzahl bereits auf 39 Prozent angehoben. Nach einer Umfrage des Deutschen Jugendinstituts wünschen sich inzwischen 41,7 Prozent der Eltern einen Betreuungsplatz für ihr Kind.

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Umfrage: Schulleiter sind mehrheitlich zufrieden mit ihrem Job

Die Schulleiterinnen und -leiter in Mecklenburg-Vorpommern fühlen sich in ihren Jobs mehrheitlich wohl und sehen sich den damit verbundenen zusätzlichen Aufgaben zumeist auch gewachsen. Bei einer repräsentativen Befragung vergaben sie vier von fünf möglichen Punkten bei der Frage nach der beruflichen Zufriedenheit. Dieser Wert habe ihn nach der zum Teil sehr kritischen Debatte um offene Schulleiterstellen im Nordosten sehr überrascht, sagte Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) bei der Vorstellung der Studie in Schwerin. An der Umfrage hatten etwa 250 Schulleiter und damit fast die Hälfte der infrage kommenden Pädagogen teilgenommen. Die Antworten offenbarten nach Einschätzung von Brotkorb auch, dass wechselnde Vorgaben der Politik und überbordende Bürokratie die Leitungstätigkeit mehr beeinträchtigten als die Einbeziehung der Schulleiter in den regulären Unterricht.

Der Kultusminister kündigte eine Entlastung der Schulleiter von Routineaufgaben an. So solle ein einheitliches Computerprogramm für die Kreise und Städte als Schulträger sowie für das Ministerium dafür sorgen, dass statistische Daten effektiver erfasst werden.

Außerdem will Brodkorb die Vorbereitung der künftigen Schulleitungen auf ihre neuen Aufgaben verbessern. Dazu wurde bereits in diesem Schuljahr ein Qualifizierungsprogramm gestartet, für das das Land bis 2016 knapp 300 000 Euro bereitstellt, doppelt so viel wie in den zurückliegenden drei Schuljahren. Die Angebote richteten sich an Lehrer, die sich mittelfristig für eine Leitungsfunktion interessieren, an aktuelle Bewerber und bereits aktive Schulleiter sowie deren Stellvertreter.

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Immer mehr Männer und Frauen haben Teilzeit-Job

Nach Auskunft von Arbeitsmarktforschern arbeiten immer mehr Frauen in Deutschland in Teilzeit. Im Jahr 2014 hatten rund elf Millionen weibliche Beschäftigte keine volle Stelle. Diese Zahl teilte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) mit. Das waren doppelt so viele wie vor rund 20 Jahren. In dieser Zeit ist die Zahl der arbeitenden Frauen erheblich gestiegen: Fast die Hälfte der Beschäftigten war im vergangenen Jahr weiblich. Dies bedeutet, dass die Zahl der beschäftigten Frauen seit der Wiedervereinigung zwar um 21 Prozent gestiegen ist; die von ihnen geleistete Arbeit stieg im gleichen Zeitraum aber nur um 4 Prozent. Die Ursache hierfür liegt in der steigenden Teilzeitquote. Sie lag im Jahr 2014 bei knapp 58 Prozent. Im Jahr 1991 hatte sie nur 35 Prozent betragen.

Aber nicht nur die Frauen, auch die Männer arbeiten zunehmend in Teilzeit. Mit inzwischen gut 20 Prozent hat sich die Quote bei ihnen im Vergleich zum Jahr 1991 mehr als vervierfacht. Als Begründung gaben die meisten Männer an, keine Vollzeitstelle zu finden, oder noch in der Ausbildung oder im Studium zu stecken. Frauen entschieden sich am häufigsten wegen der Betreuung von Kindern oder Pflegebedürftigen gegen eine Vollzeit-Stelle.

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Schulakademie gegründet

Die Robert Bosch Stiftung und die Heidehof Stiftung haben vor kurzem die Deutschen Schulakademie gegründet. Die Akademie wendet sich als bundesweit aktive und unabhängige Institution für Schulentwicklung und Leh­rerfortbildung mit ihren Angeboten künftig an alle Schulen in Deutschland sowie an Ministerien, Lehrerfortbildungsinstitute, Kommunen und private Schulträger. Sie soll Materialien für gute Schulpraxis zur Verfügung stellen, zum Erfahrungsaustausch einladen, zu Fragen der Schul- und Unterrichtsentwicklung beraten und innovative Fortbildungsmaßnahmen organisieren. Die Programme der Akademie basieren vor allem auf den Erfahrungen der Preisträgerschulen des Deutschen Schulpreises. Dazu pflegt, koordiniert und moderiert die Akademie künftig ein bereits vorhandenes, stetig wachsendes Netzwerk reformerfahrener und engagierter Schulleiter und Lehrer. Mit Unterstützung von Wissenschaftlern und weiteren Experten sollen auf diese Weise erfolgreiche Konzepte aus der Praxis aufbereitet und praxisnahe Fortbildungsangebote organisiert werden. Damit bietet die Akademie Schulen die Möglichkeit, im Austausch von und mit exzellenten Schulen zu lernen.

Für die Geschäftsführung der Akademie konnten die beiden Stiftungen den Bildungsforscher Prof. Hans Anand Pant gewinnen, der bisher das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) an der Humboldt-Universität zu Berlin leitet und den Deutschen Schulpreis viele Jahre als Jurymitglied begleitet hat. Er übernimmt die Geschäftsführung gemeinsam mit Dr. Roman Rösch, der den Schulpreis seit Beginn für die Robert Bosch Stiftung verantwortet und gestaltet hat.

Im Mittelpunkt der Angebote der Deutschen Schulakademie stehen Themen, die für die Weiterentwicklung des Bildungs- und Schulwesens von zentraler Bedeutung sind. So startet noch in diesem Jahr ein mehrjähriges Pilotprojekt zum Thema Inklusion mit dem Titel »Anders sein ist normal«. Aber auch bewährte Angebote wie das einwöchige deutschlandweite Hospitationsprogramm an Preisträgerschulen werden fortgesetzt. Weitere Informationen sind auf der Website www.deutsche-schulakademie.de zu finden.

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Materialien

Bildungsmaterial zu Klimawandel und Extremwetter

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat neues Bildungsmaterial herausgegeben, das zeigt, wie extreme Wetterereignisse und Klimawandel zusammenhängen. Auf Basis aktueller Forschungsergebnisse informiert es darüber, ob extreme Wetterphänomene zunehmen, und wie sie uns in Deutschland betreffen. Das für Schüler aller Schularten ab Klasse 9 entwickelte, kostenlos erhältliche Material knüpft an ihre Lebenswelt an und bietet ihnen eigene Möglichkeiten zum Handeln. Es besteht aus Schülerarbeitsblättern, die anschaulich weltweite Wetterphänomene wie starke Niederschläge, Hitze und den menschlichen Einfluss auf das Klima erklären. Dabei werden unterschiedliche Leistungsniveaus berücksichtigt. Außerdem ist das Material an die Bildungspläne angebunden. Eine Arbeitseinheit geht speziell auf die Frage ein »Was kann ich tun?« und zeigt Lösungen. Ausgewählte Tipps zu Literatur, Links und Filmen runden das Material ab. Mit den Materialien möchte Greenpeace Lehrer unterstützen, einen wissenschaftlich fundierten und emotionalen Zugang zu Klimawandel und Extremwetter zu finden. Es ist unter folgender Adresse zu beziehen: Greenpeace e. V., Hongkongstr. 10, 20457 Hamburg, Internet: www.greenpeace.de/themen/mitmachen/umweltbildung.

Naturwissenschaft und Technik anschaulich erklärt

Die Bildungsinitiative »Genius« der Firma Daimler hat eine Unterrichtseinheit »Antriebstechnik« entwickelt. Mit der Initiative will Daimler junge Menschen für Naturwissenschaft und Technik begeistern, um langfristig den Ingenieur- und Facharbeiterbedarf in Deutschland zu sichern. Die Arbeitshefte »Antriebstechnik – Verbrennungsmotor, Elektroantrieb, Brennstoffzelle« für Grundschulen und die Sekundarstufe I bieten einen geschichtlichen Überblick über die Entwicklung des Automobils. Sie beschreiben anschaulich die Arbeitsweise des Verbrennungsmotors und erklären grundlegend den Elektroantrieb und die Brennstoffzelle als Alternative zum Verbrennungsmotor. Genius hat die Unterrichtsmaterialien zusammen mit dem Kultusministerium Baden-Württemberg, dem Klett Verlag, Lehrkräften verschiedener Schulen und Ingenieuren von Daimler erarbeitet. Neben den Arbeitsheften über die verschiedenen Antriebstechniken liegen bereits Unterrichtseinheiten zu den Themen Sicherheitstechnik sowie Design und Aerodynamik vor. Die Unterrichtsmaterialien stehen kostenlos als Downloads zur Verfügung unter »Genius macht Schule« auf der Genius-Webseite www.genius-community.com sowie auf dem Bundesbildungsserver.

Sicher im Internet

Die Initiative »Watch your Web« hat vor kurzem eine Smartphone-App veröffentlicht, die Jugendliche spielerisch für sicheres Surfen sensibilisieren soll. Mit QuizYourWeb können junge Menschen ihr Wissen in den Bereichen Soziale Netzwerke, Cybermobbing, Datenschutz, PC-Sicherheit und Co. testen und damit auf unterhaltsame Weise einen kompetenten Umgang mit den Angeboten der digitalen Welt erlernen. Wer Antworten auf Fragen wie »Was sind Cookies?«, »Was machen Produktpiraten?« und »Hilft es, beim Surfen eine Sonnenbrille zu tragen, um sich vor Datenklau zu schützen?« kennt, kann bei QuizYourWeb punkten. Je zwei Spieler treten gegeneinander an und beantworten abwechselnd die gleichen Fragen. Wer in vier Runden die meisten Fragen richtig beantwortet, gewinnt das Duell. Je mehr Fragen ein Spieler insgesamt richtig beantwortet, desto höher klettert er im Highscore. Die Initiative »Watch your Web« (www.watchyourweb.de) wird seit 2009 durch das Bundesverbraucherschutzministerium gefördert. QuizYourWeb kann kostenlos in den App-Stores von Google und Apple heruntergeladen werden und als Webapp auf www.quizyourweb.de z. B. mit dem Tablet gespielt werden.

Weltatlas in 3-D

Mobile Anwendungen machen es längst vor; seit kurzem können dreidimensionale Karten erstmals unkompliziert und direkt im Unterricht eingesetzt werden. Mit dem neuen Haack Weltatlas hat der Ernst Klett Verlag einen digital unterstützten Atlas entwickelt, der jede Region der Erde plastisch erfassbar macht und Schülerinnen und Schülern faszinierende Einblicke in die Welt der Geographie eröffnet. Mit einer komforta­blen Online-Anbindung, der direkten Verbindung jeder einzelnen Atlaskarte mit Google Earth sowie dem neuen Digitalen Unterrichtsassistenten bietet der Haack Weltatlas digitale Zugänge für Lehrer und Schüler, ohne dass eine komplizierte Anmeldung erforderlich ist. Auf diese Weise können aktuelle lehrplanrelevante Themen wie Landgrabbing oder Klimawandel passgenau zur Atlaskarte über Beamer oder Whiteboard dargestellt werden und machen geographische Zusammenhänge leicht nachvollziehbar. Überdies sind animierte Touren z. B. durch den Grand Canyon sowie Veränderungen im Zeitablauf mit dem neuen Atlas abbildbar. Mit über 500 Karten, 180 Modellgrafiken und Diagrammen berücksichtigt der Weltatlas die Lehrplaninhalte von Klasse 5 bis zum Abitur. Eine im Medienpaket integrierte Übungssoftware mit 600 Aufgaben unterstützt das Selbstlernen von Topographie, geographischem Basiswissen und Arbeitsmethoden. Der Atlas ist zum Preis von 28,95 Euro im Buchhandel zu beziehen (ISBN 978-3-12-828650-1).

Herausforderung Inklusion

Die UN-Behindertenrechtskonvention ist seit 2009 in Deutschland in Kraft getreten. Dieses internationale Übereinkommen stellt Lehrkräfte und Schulleitungen in Deutschland vor besondere Herausforderungen. Ein zentraler Aspekt bei der Umsetzung von Inklusion ist die institutionelle Entwicklung einer Schule für alle Kinder und Jugendliche. Damit rückt eine systemische Betrachtungsweise in den Vordergrund: Wie müssen Schulen, wie muss Unterricht beschaffen sein, damit möglichst alle Kinder und Jugendlichen optimal gefördert werden können? Der vor kurzem erschienene Praxisband »Herausforderung Inklusion in Schule und Unterricht – Grundlagen, Erfahrungen, Handlungsperspektiven« von Rolf Werning und Meltem Avci-Werning setzt sich intensiv mit den Herausforderungen auseinander, die es im Rahmen inklusiver Schulentwicklungen zu meistern gilt. Neben dem aktuellen Forschungsstand vermittelt er konkrete Handlungsperspektiven, die internationale Entwicklungen einbeziehen und praxisnahe Erfahrungen von Lehrkräften und Schulen, die sich bereits auf den Weg gemacht haben. Im Fokus stehen dabei

  • die Entwicklung der Organisation,
  • inklusive Unterrichtsentwicklung,
  • die Implementierung von kooperativen Arbeitsstrukturen in der Schule und im Unterricht,
  • die Einbeziehung von Eltern und die Entwicklung eines Beratungskonzepts.

Das Buch richtet sich an Studierende, Referendare, Lehrkräfte, Fachgruppen und Schulleitungen aller Schulstufen und Schulformen, aber auch an Schulberater(innen), die auf dem Weg zur inklusiven Schule nach tragfähigen und wirksamen Konzepten suchen. Es ist im Friedrich Verlag erschienen und kann zum Preis von 24,95 Euro im Buchhandel bezogen werden (ISBN 978-3-7800-4820-2).

Wald als Thema für den Inklusionsunterricht

Das Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung (BMEL) hat zu seiner beliebten Waldfibel inklusives Lehrmaterial entwickelt. Die gut 40 Seiten starke Blattsammlung umfasst die wichtigsten Abbildungen und Inhalte rund um den Lebensraum Wald und seine Bewohner. Das Niveau des Materials entspricht dabei den Anforderungen des inklusiven Schulunterrichts im Elementarbereich und wurde ausdrücklich für den übergreifenden Einsatz konzipiert. Die Anregung für die neue Bildungsunterlage stammt von einer Lehrerin, mit der das Material gemeinsam entwickelt wurde. Die Materialsammlung bietet eine solide Basis, um den Wald und seine Bewohner zu entdecken. Die Sammlung ist mit naturgetreuen Illustrationen bebildert und ermöglicht damit einen emotionalen Bezug zur Schriftsprache. Ein kurzer Steckbrief sowie zwei unterschiedlich schwierige Kurztexte liefern alle wesentlichen Fakten und sind insbesondere für Leseanfänger geeignet. Die Materialien sind für das sinnverstehende Lesen teils mit Silbentrennung sowie in einfacher Sprache angelegt. Das neue Inklusionsmaterial zur Waldfibel wird zum Selbstausdruck auf www.waldkulturerbe.de kostenfrei angeboten.

Joachim Bauer

Erziehung zu gelingender Selbststeuerung

Neurobiologische, psychologische und soziale Aspekte

Die Entwicklung von Selbststeuerung ist eine zentrale Perspektive des pädagogischen Handelns. Immer wieder tarieren wir die Hilfe zur Selbsthilfe so aus, dass sich die Erfahrung von Eigenständigkeit und Erfolg einstellen kann. Joachim Bauer erklärt die hinter der Selbststeuerung liegenden neurobiologischen und psychologischen Strukturen und wie wir in Schule unter diesen Aspekten dazu beitragen können, die Entstehung von Selbststeuerung zu verhindern oder zu ermöglichen.

Basiskompetenzen für den Unterricht – 6. Folge

Jörg Siewert

Sich mit der eigenen Lehrerrolle wahrnehmbar identifizieren

»Ich stehe zu dem, was ich als Lehrerin tue, ich tue es gern und die Schülerinnen und Schüler sollen es spüren.« So etwa könnte sich eine Lehrerin äußern, die die im sechsten Teil der Serie zur Diskussion stehende Basiskompetenz akzeptiert hat. Aber damit fangen die Fragen erst an. Was genau gehört denn zu meiner Rolle? Was sollte ich dementsprechend können? Was bedeutet es, sich mit den Inhalten und den pädagogischen Aufgaben wahrnehmbar zu identifizieren – und wie kann ich gemeinsam mit den Schülern prüfen, ob es gelingt?

Maik Sodo/Amoena Iding/Dieter Kannenberg

Die Störer nach vorn – die Guten nach hinten?

Sitzordnung in Klassen

Zur Festlegung der Sitzordnung gibt es unterschiedliche Positionen. Sie sind nicht schlicht kontrovers, sondern bedenken diese Rahmung des Lernens aus unterschiedlichen Perspektiven. Was soll mit der Sitzordnung erreicht werden? Wer soll sie festlegen? Ist es eine Aufgabe des Lehrers, der Schüler(innen) oder Gegenstand gemeinsamer Überlegungen? Oder soll der Zufall entscheiden? Welche Kriterien gibt es und welche haben Priorität aus der Perspektive von Schülerinnen und Schülern oder Lehrerinnen und Lehrern?

Jörg Schlömerkemper

Forschung für Lehren und Lernen

Forschung kann Bedeutung für die pädagogische Praxis haben. Wie jedes Jahr stellt Jörg Schlömerkemper Veröffentlichungen vor, die dieses Kriterium erfüllen. Bücher, die sich mit aktuellen Fragen von Schule und Unterricht auseinandersetzen, die dabei helfen, Strukturen und Prozesse sichtbar zu machen, und denen der Leser oder die Leserin Folgerungen für die Arbeit entlocken kann. Beiträge zur Individualisierung, zur inklusiven Bildung oder zur Differenzierung von Lern- und Leistungssituationen.

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