12´14Umgangsformen in der Schule

Cover PÄDAGOGIK 12/14
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Gute Formen des Umgangs müssen immer wieder neu erarbeitet werden. Die Beiträge gehen eher von schwierigen Verhältnissen aus. Sie zeigen wie Regeln erarbeitet werden, Grenzen gesetzt und zugleich neue Formen des Umgangs aufgezeigt werden können.

Zur Frage nach einem guten Umgang miteinander gibt es ganz grundlegende Antworten in Philosophie und Religion. Der pädagogische Alltag aber fordert sehr konkrete Antworten zur Gestaltung und Regelung des Umgangs miteinander. Wie lässt sich dies miteinander in Einklang bringen?

Der Schwerpunkt dieses Heftes bietet eine Vielfalt von Anregungen für das, was wir täglich brauchen. Gleichzeitig bieten die Beiträge aber auch grundlegende Orientierungen zur Begründung und Einbettung guter Umgangsformen.

Dazu einige Beispiele:

  • Welches Spannungsfeld charakterisiert Möglichkeiten zur Regelung des guten Umgangs miteinander?
  • Wie kann schon in der Grundschule eine Basis für gute Beziehungen erarbeitet werden?
  • Wie können soziale Kompetenzen auf Lehrer- und auf Schülerseite gelernt werden?
  • Was können Schulen in sozialen Brennpunkten zur Stärkung der Persönlichkeit als Voraussetzung für gute Umgangsformen tun?
  • Wie können die Ausbildungsreife verbessert und Praktikumsabbrüche verhindert werden?
  • Wie kann verhindert werden, dass Zuwendung und Sorge zu Überwältigung und Zwang werden?
  • Wie können abstrakte Werte wie Rücksichtnahme und Respekt mit konkreten Erfahrungen in der Klasse in Beziehung gebracht werden?

Ein Fazit ist: Erfolgreiche Schulen arbeiten mit einem Überschuss an Vertrauen und Zuwendung. So soll ein schwieriger Schüler erfahren, dass die Gemeinschaft ihm Grenzen setzt und zugleich neue Wege aufzeigt. – Aber auch das geht nicht ohne Schwierigkeiten.

Johannes Bastian

Den Umgang formen?

Überlegungen zu einer schwierigen Balance

Annemarie von der Groeben/Peter Daschner

Die Frage nach dem Umgang miteinander gehört zu den Grundfragen von Religion und Philosophie. Ins Pädagogische gewendet stehen uns mit dem »Lob der Disziplin« von B. Bueb und dem »Lob der Schule« von J. Bauer die Protagonisten zweier konträrer Auffassungen gegenüber. Sie markieren das Spannungsfeld, in dem wir uns bei dieser Frage befinden. Die Einführung lotet dieses Spannungsfeld aus und skizziert den Rahmen dessen, was Schule tun kann.

Wie wir miteinander umgehen, ist keine Form-, sondern eine Haltungssache. Haltungen und Werte, an denen wir uns orientieren, werden aber nicht ein für allemal erworben, sondern bilden sich allmählich aus Erfahrungen des Individuums in seinem sozialen Umfeld heraus. Es gehört heute zum Kleinen Einmaleins der Pädagogik, was führende Wissenschaftler so formulieren: »Erfahrungen beeinflussen ständig Werte, und unsere Wertbindungen erwachsen aus der Selbstbildung, beeinflusst von Vorbildern und durch Beispiele« (Baumert et al. 2002, S. 184).

Gelernte und immer wieder eingeübte Formen erleichtern den Umgang miteinander, können aber keine Haltungen und Wertbindungen erzwingen. Die Frage »Was kann ich für Sie tun?« schließt nicht aus, dass ich dem anderen alle möglichen Übel an den Hals wünsche. Mit wohlgesetzten Worten kann man sich tödlich attackieren. Der höfliche Banker kann im sonstigen Leben ein übler Tyrann oder skrupelloser Karrierist sein – oder auch ein hilfreicher, freundlicher Mitmensch. Woran bemisst sich also ein guter Umgang von Menschen mit Menschen?

Die großen Religionen geben »zeitlose« Antworten auf diese Frage, leiten sie weder aus Erziehungs- noch aus Standes- oder Gesellschaftsnormen ab. Die Goldene Regel des Evangeliums, die in ähnlicher Form in allen Weltreligionen wiederkehrt, sagt uns, dass unser Ego nicht im Mittelpunkt der Welt steht und stehen darf, dass wir uns selbst erst in der gelebten Mitmenschlichkeit verstehen und erfahren können, im Bewusstsein einer transzendenten Bindung. Zu Beginn einer Moderne, die sich auf keine Transzendenz mehr beruft, hat Immanuel Kant mit seinem Kategorischen Imperativ diesen Gedanken auf die Weltbühne der Aufklärung gehoben. An die Stelle einer göttlichen Weltordnung tritt die postulierte Vernunft einer allgemeinen Gesetzgebung, die der gute Wille eines autonomen Individuums sich zur Handlungsmaxime macht. Daraus folgt für die Pädagogik, was seitdem unbestritten ist (vgl. oben): »Was der Mensch im moralischen Sinne ist oder werden soll, gut oder böse, dazu muss er sich selbst machen oder gemacht haben« (Kant, S. 709). Was und wie er aber aus sich machen kann, ist abhängig von seinen Erfahrungen.

»Wie kultiviere ich die Freiheit bei dem Zwange?«

Damit wird der Ball zurückgespielt an die Erwachsenen-Generation: Welche Erfahrungen schulden wir unseren Kindern? Wie sind sie zu vermitteln? Wie können wir Kindern helfen, sich als autonome Wesen zu sich selbst zu entwickeln, und welche »Stützen« brauchen sie dabei, welche Orientierungen, Regeln, Ordnungen, Normen, Vorgaben? Kinder sollen sich nicht »wildwüchsig« entwickeln, sondern in unsere Kultur hin­einwachsen. Kants Frage »Wie kultiviere ich die Freiheit bei dem Zwange?« bringt dieses Dilemma auf eine klassische Kurzformel.

Wie können wir Kindern helfen, sich als autonome Wesen zu sich selbst zu entwickeln, und welche »Stützen« brauchen sie dabei?

Er gilt als prominenter Vertreter preußischer Disziplin und Ordnung. Sicher wäre er erstaunt bis entsetzt über den Alltag in heutigen Schulen. Aus anderen Gründen wäre das auch Rousseau, der immerhin wollte, dass sein Emile lieber grobe Worte benutzen sollte als die Floskeln einer »Höflichkeit, bei der nichts herauskommt als Falschheit und Herablassung« (Rousseau 1975, S. 199). Beide gingen dabei von der Grundvoraussetzung eines autonomen Individuums aus, die für uns selbstverständlich ist. Aber damit fängt die Aufgabe der Pädagogik erst an. Ihre Geschichte lässt sich nachzeichnen als Geschichte der Dialektik zwischen Freiheit und Zwang, zwischen laisser-faire und Drill bis hin zu den bekannten Exzessen einer »Schwarzen Pädagogik«.

Wie hart diese Diskussion auch gegenwärtig geführt wird, soll hier am Beispiel von zwei prominenten Autoren gezeigt werden. Bernhard Bueb hat mit seinem Bestseller »Lob der Disziplin« (2006) Furore gemacht, Joachim Bauer hat ihm mit seinem »Lob der Schule« (2008) hart entgegnet. Hier ein gedachter Schlagabtausch zwischen den beiden (in Originalzitaten):

Bueb: Der Erziehung ist vor Jahrzehnten das Fundament weggebrochen: die vorbehaltlose Anerkennung von Autorität und Disziplin. (S. 11)
Bauer: In einem Land, in dem man … zulässt, dass mehrere hunderttausend Kinder und Jugendliche, anstatt angeleitet, gefördert und gefordert zu werden, am Computer Folter und Mord ›spielen‹, wirkt ein ›Lob der Disziplin‹ geradezu bizarr. (S. 143)
Bueb: Ein ungestörtes Verhältnis zu Disziplin und Gehorsam werden wir erst gewinnen, wenn wir das Machtgefälle zwischen Eltern, Erziehern und Lehrern zu Kindern und Jugendlichen ohne Vorbehalte anerkennen. (S. 60). Erziehung ist nur erfolgreich, wenn sie die zum Egoismus neigende menschliche Natur gegen den Strich bürstet. (S. 88)
Bauer: »Ein lebendiges, fest gefügtes Miteinander und persönlich erlebte gute Vorbilder sind die Voraussetzung für Motivation und für die Fähigkeit, beziehungs- und gemeinschaftsfähig zu werden« (S. 142). Dazu sind Regeln und Disziplin notwendig, aber die Priorität lautet: »Vor dem ›Regeln der Gemeinschaft‹ kommt die Gemeinschaft« (S. 142). Ohne diese Disziplin zu fordern, bedeutet, »das Dach vor dem Haus bauen zu wollen«. (S. 143)

Dieser gedachte Schlagabtausch wird den beiden Autoren und ihren Büchern nicht gerecht; er soll andeuten, in welches Spannungsfeld wir uns mit der Frage nach Höflichkeit und guten Umgangsformen begeben. Mit Joachim Bauer gefragt: Ist es primär die gelebte gute Gemeinschaft, die wir Kindern schulden und die ihre Regeln aus sich selbst heraus entwickelt? Oder, mit Bernhard Bueb: Ist das »Dach« im Haus der Pädagogik schon beim Ausheben des Fundaments mitbestimmend, also das, was »man« tut und was Kinder von Autoritäten zu lernen haben, weil sie es sonst nicht lernen würden? Dahinter steht letztlich die fundamentalste aller Fragen: was der Mensch ist und sein kann – von Natur aus gut, wie Rousseau meint, oder von Natur aus böse, wie Thomas Hobbes in seinem »Leviathan« argumentiert; und, auf unsere Schulen bezogen, wie ein »Haus des Lernens«, auf dem einen oder anderen Fundament gebaut, aussehen kann und soll.

Wie wollen wir leben?

In heutigen Schulen wird meist nicht über Hobbes, Kant, Rousseau und die menschliche Natur philosophiert. Aber mit ihren Fragen haben wir es alltäglich zu tun, und so auch mit dem Spannungsfeld des guten Umgangs:

  • Zwischen Anpassung und Selbstbehauptung, echter und falscher Höflichkeit: Wann und warum soll ich wollen, was man tut? Wann bin ich »echt« höflich, wann tue ich nur so?
  • Zwischen Opportunismus und Selbstverantwortung: Was nützt mir, was ist richtig und wie entscheide ich zwischen beidem?
  • Zwischen Egoismus und Altruismus: Was bin ich bereit für andere zu tun, was erwarte ich von ihnen?
  • Zwischen Zuwendung und Kalkül: Mitmenschlichkeit ist warmherzig, Kalkül ist kalt – welche Temperatur ist »stimmig«?
  • Zwischen Aufrichtigkeit und Lüge: Was gebe ich preis, was mute ich anderen zu, was verschweige oder verdrehe ich lieber und nach welchem Maßstab?
  • Zwischen Gehorsam und Einsicht: Was soll ich befolgen, wann soll ich »blind« gehorchen und wann der Stimme der Vernunft folgen?
  • Zwischen Formlosigkeit und Etikette: Wann gebe ich mich, wie ich bin, und wann füge ich mich in traditionelle gesellschaftliche Regeln?

5 Thesen und 13 Beispiele

Wie individuelles Verhalten sich in diesem Kontinuum herausbildet, ist abhängig von dem Umfeld, in dem das Individuum sich bewegt. Das gute Leben, die gute Gemeinschaft, in dem Menschen sich so verhalten, wie wir es erwarten, sind Postulate, die von jeder Generation für die nachwachsende neu eingelöst werden müssen. Wir haben die Bringschuld.

Dazu fünf abschließende Thesen mit Hinweisen auf die entsprechenden Beiträge in diesem Heft:

  • Wir können Regeln und Normen nicht ohne die uns anvertrauten Kinder festsetzen, schon gar nicht gegen sie, sondern nur mit ihnen.
    Einsicht kann nicht erzwungen, sie muss immer neu aufgebracht und gesichert werden. Ohne Einsicht können Regeln und Ordnungen nicht greifen.

Schon in den ersten Schultagen kann man damit beginnen. Der Beitrag von Birgit Schüller schildert die behutsame Kontaktaufnahme der Lehrerin zu den Erstklässlern und das Befestigen einer Beziehung durch die Rituale der Begrüßung und des Abschieds. Auf der Basis von Beziehungen entstehen dann auch gemeinsame Regeln: Sie sind jedem plausibel und sie gelten für alle – auch die Lehrerin.

Am Beispiel einer Grundschule, die Ganztagsschule geworden ist, zeigt Yvonne Vockerodt, wie es durch Beteiligung der Kinder gelingen kann, die neue Situation Ganztag und die eigenen Bedürfnisse zu reflektieren und Verantwortung für das Zusammenleben zu übernehmen.

  • Grunderfahrungen, die wir allen Kindern wünschen, müssen in unseren Schulen vermittelt werden.
    Anerkennung, Zuwendung, das Gefühl, gebraucht zu werden, sind die wichtigsten Grunderfahrungen. Hartmut von Hentig warnt zu Recht: »Wenn eine Gesellschaft ihre jungen Menschen bis zum 25. Lebensjahr nicht braucht, sie von allen Aufgaben ausschließt, denen die Erwachsenen mit Ernst nachgehen, dann zieht sie ihre eigenen Zerstörer groß« (Hentig 1993, S. 117).

Die genannten Grunderfahrungen stehen allen Kindern und Jugendlichen zu und wir wissen, wie konstitutiv sie für deren Lern- und Lebenserfolg sind. Umso bedenklicher sind Ergebnisse einer groß angelegten Studie zu Lehrer-Schüler-Interaktionen, von denen Annedore Prengel berichtet.

»Guter Umgang mit Schülern« muss auch Gegenstand der Lehrerausbildung sein. Gabriele Kandzora verweist auf entsprechende Standards der KMK, die neuen Ausbildungscurricula und die Lernform »Lehrertraining«, mit der in Hamburg ein Raum für die Einübung personaler und sozial-kommunikativer Kompetenzen zur Verfügung steht.

Aber nicht nur Lehrerverhalten kann verletzen und diskriminieren, Schüleräußerungen – insbesondere im interkulturellen Klassenzimmer – können es auch. Quint Krowinn und Regina Piontek zeigen, wie sich entsprechende Lernanlässe finden und nutzen lassen.

  • Das Verhalten, das wir von Kindern erwarten, müssen wir ihnen vorleben in einer von uns verantworteten Gemeinschaft.
    Kinder sind »schwierig« und »kaputt«, wenn und weil sie eine schwierige Welt und schwierige, kaputte Beziehungen vorfinden. In der Schule können und müssen sie die Erfahrung machen, dass es auch anders sein kann. Dazu müssen wir uns entscheiden, ob unsere Schulen sich primär an Marktregeln im globalen Wettbewerb orientieren oder an Werten und Normen einer gedachten, gewollten und gelebten guten Gemeinschaft. Niemand will eine »Rüpelrepublik«. Aber von einer Solidargemeinschaft, in der alle Kinder faire und gleiche Chancen haben, sind wir weit entfernt. Es kann niemanden wundern, wenn die »Loser« dann als »Rüpel« ausflippen oder ausbrechen. Wir können Jugendliche nicht in die Chancenlosigkeit hineinwachsen lassen und zugleich erwarten, dass sie sich dabei gut benehmen.

Deshalb ist der Kontext wichtig, in dem eine Schule mit schwierigem sozialen Umfeld ihren Schülern einen obligatorischen »Knigge-Kurs« anbietet. Frank Morgenstern beschreibt das Modulsystem, in dem Mittel und Wege zur besseren Lebensbewältigung gefunden und trainiert werden, darunter auch die Benimmregeln vor dem Hintergrund von Respekt und Anerkennung.

Die Schülervertreterin Mina Zulal hebt bei ihren Erwartungen an das Lehrerverhalten zwei Haltungen hervor: Reversibilität, d. h. Regeln gelten auch für Lehrer, und Empathie: »Sie sollen uns verstehen und sich auf unsere Seite stellen.«

  • Für angemessenes Verhalten gibt es keine Patentrezepte und kein für alle Schulen verbindliches Curriculum.
    Gute Umgangsformen sind nicht starr, sondern flexibel. In der Fankurve seines Fußballvereins wird und muss ein Jugendlicher sich anders verhalten als in einem Bewerbungsgespräch, bei einer Party oder im Unterricht. Diese Flexibilität ist lernbar. Schleiermacher interpretiert Höflichkeit als Gewandtheit, als die Fähigkeit, »sich in jeden Raum zu fügen und doch überall in seiner eigensten Gestalt dazustehen und sich zu bewegen« (1913, S. 19).

Hinter der Höflichkeit in diesem Sinne steckt eine entwickelte Persönlichkeit. Eckhard Feige berichtet, wie im Verlauf von zehn Jahren an einer Bremer Schule im sozialen Brennpunkt aus einem Benimmkurs ein Geflecht von Maßnahmen geknüpft wurde, das auf die Entwicklung eines akzeptierten Wertesystems und der wichtigsten Lebenskompetenzen, letztlich auf die Stärkung der Persönlichkeit ausgerichtet ist.

Die »angemessene Form«, z. B. in einem Kundengespräch, ist in Ausbildung und Beruf eine zentrale Kompetenz, die über Gelingen oder Scheitern entscheiden kann. Andrea Mills und Michaela Mertz zeigen ganz konkret, wie sich Praktikumsabbrüche verhindern und die Ausbildungsreife von Schülern durch einen »Knigge-Workshop« verbessern lassen.

Zum »richtigen« und konsequenten Umgang mit dem Handy bzw. Smartphone, einem der Hauptstörenfriede in der Schule, gibt es ein gutes Beispiel aus einem Hamburger Gymnasium.

Lars Schmoll berichtet vom Beginn einer innerschulischen Diskussion zum Thema »angemessene Kleidung in der Schule«.

Vor einer grauen oder gar schwarzen Pädagogik warnt Gerhard Eikenbusch, die sich einstellen kann, wenn bei der Vermittlung von gutem Umgang aus Zuwendung und Sorge Überwältigung und Zwang werden.

  • Ein guter Umgang von Menschen mit Menschen kann und muss gelernt werden.
    Schon sehr kleine Kinder können und müssen lernen, ihre Angelegenheiten friedlich und vernünftig zu regeln. »Bewegliche Regelung gemeinsamer Angelegenheiten«, das ist nach Hartmut von Hentig die Grunddefinition von Politik. So können kleine Menschen »demokratiefähig« werden, wenn sie im täglichen Umgang erfahren, wie gut es tut, einander zuzuhören, ausreden zu lassen, zu helfen, gemeinsam nach Lösungen zu suchen, wenn das, was jeder Mensch braucht und für sich fordert, auch allen anderen gewährt wird. Dann und nur dann werden sie auch verinnerlichen, was sonst aufgesetztes Verhalten bleibt, ihr Verhalten und ihre Umgangsformen ebenso pflegen wie ihre Sprache und ihr Äußeres.

Wie man die »Regelung gemeinsamer Angelegenheiten« auf einer gemeinsam entwickelten Wertebasis lernen kann, demonstrieren Helga Boldt und Christian Werner am Beispiel einer 6. Klasse. Werte wie Rücksichtnahme, Respekt, Achtsamkeit und Verantwortung werden hier auf konkrete Erfahrungen innerhalb der Klasse bezogen und in aussagekräftigen Bildern visualisiert.

Grenzen und neue Wege

Schulen mit diesem Anspruch und Selbstverständnis arbeiten mit einem Überschuss an Vertrauen und Zuwendung. Sie gehen davon aus, dass Vertrauen und Zuwendung sich auszahlen, weil sie wiederum Vertrauen und Zuwendung erzeugen. Sie sehen jeden einzelnen Menschen als potenziellen Träger aller menschlichen Möglichkeiten, die es zu entwickeln und zu vervollkommnen gilt. Sie reagieren auf Störungen und Schwierigkeiten nicht mit Maßnahmen des Respekt-Verschaffens, sondern mit verstärkter Anstrengung: »Schwierige« sollen erfahren, dass die Gemeinschaft ihnen Grenzen setzt und ihnen zugleich neue Wege zeigt.

Dieser Überschuss enthält ein utopisches Element. In diesem Sinne versteht Max Frisch Höflichkeit generell als einen utopischen Vorgriff (Frisch 1985, S. 55), »verpflichtet an eine Gesellschaft der Zukunft: – wobei es für die Verpflichtung belanglos ist, ob wir selber diese Gesellschaft noch erreichen oder ob sie überhaupt je erreicht werden kann«.

Literatur

Baumert, J./Fried, J./Joas, H./Mittelstraß, J./Singer, W.(2002): Manifest. In: Die Zukunft der Bildung, Frankfurt, S. 171 – 225
Bauer, Joachim (2008): Lob der Schule. Sieben Perspektiven für Schüler, Lehrer und Eltern. Hamburg
Bueb, Bernhard (2006): Lob der Disziplin. Berlin
Frisch, Max (1985): Höflichkeit. In: Tagebuch 1946 – 1949. Frankfurt
Hentig, Hartmut von (1993): Die Schule neu denken. Wien
Kant, Immanuel: Über Pädagogik. In: Werke in 6 Bd., hg. von Wilhelm Weinschedel, Bd. IV
Rousseau, Jean-Jacques (1975): Emile oder über die Erziehung. Hg. von Martin Rang. Stuttgart
Schleiermacher, Friedrich (1913): Versuch einer Theorie des geselligen Betragens. Werke Bd. 2, hg. von O. Braun. Leipzig

Dr. Annemarie von der Groeben war didaktische Leiterin der Laborschule in Bielefeld und Mitglied der Redaktion von PÄDAGOGIK. Sie ist unter anderem für den Bildungsverein Tabula e. V. tätig.
Adresse: Ellerstr. 29, 33615 Bielefeld
E-Mail: annemarie(at)v-d-groeben.de

Dr. h.c. Peter Daschner war Direktor des Hamburger Landesinstituts für Lehrerbildung und Schulentwicklung (LI). Er ist Redaktionsmitglied von PÄDAGOGIK und Mitherausgeber des Journal für Schulentwicklung.
Adresse: Am Pfeilshof 35, 22393 Hamburg
E-Mail: Peter.Daschner(at)hamburg.de

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Leseclubs wecken Freude am Lesen bei Grundschülern

Wem vorgelesen wurde und wer selbst gerne liest, ist besser in der Schule – das gilt nicht nur für den Deutsch- und Fremdsprachenunterricht, sondern auch für die Leistungen in Mathematik, Musik und Sport. Lehrkräfte aller Schulformen und Unterrichtsfächer profitieren also von Lesefreude und Lesekompetenz ihrer Schülerinnen und Schüler. Insbesondere eine frühe Leseförderung, die das Thema Lesen auf spielerische Weise aufgreift, zahlt sich aus. Hier setzen die Leseclubs an, die die Stiftung Lesen seit März 2013 im Rahmen des Förderprogramms »Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung« des Bundesministeriums für Bildung und Forschung in ganz Deutschland jeweils in Kooperation mit zwei lokalen Bündnispartnern einrichtet. Derzeit gibt es bereits 170 Leseclubs für Kinder und Jugendliche von sechs bis zwölf Jahren, bis 2015 sollen es 230 werden. Angesiedelt sind die Leseclubs in ganz unterschiedlichen Institutionen: Neben Schulen im Ganztagsbereich können auch Jugendeinrichtungen, Mehrgenerationenhäuser, Familienzentren und Bibliotheken Leseclubs einrichten.

Mit Freunden lesen

Das Leseclub-Motto »Mit Freu(n)den lesen« soll vor allem Kinder und Jugendliche ansprechen, die in einem lesefernen oder bildungsbenachteiligten Umfeld aufwachsen und die tendenziell weniger (gern) lesen. Ein zentrales Anliegen der Leseclubs ist es deshalb, den Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und dem individuellen Bildungsweg abzuschwächen. Auf diese Weise kann die Lesemotivation und -kompetenz gesteigert werden, was sich hoffentlich positiv auf die Bildungssituation der Kinder und Jugendlichen auswirkt. Zudem stärken die Gruppenaktivitäten in den Leseclubs die soziale Kompetenz. Die Stiftung Lesen wählt im Rahmen von »Kultur macht stark« deshalb gezielt bildungsbenachteiligte Standorte für die Leseclubs aus.

Sabine Uehlein, Geschäftsführerin Programm und Projekte bei der Stiftung Lesen, betont die Bedeutung der Leseclubs: »Lesefreude und Lesekompetenz sind Grundsteine für eine erfolgreiche Bildungsbiografie und sollten daher so früh wie möglich gefördert werden. Besonders bildungsbenachteiligte Kinder müssen deshalb darin bestärkt werden, sich auszuprobieren, den eigenen Horizont zu erweitern und ihre Persönlichkeit zu entwickeln. Im Rahmen von ›Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung‹ leisten die Leseclubs einen wichtigen Beitrag für mehr Lesefreude und damit auch für bessere Bildungschancen.«

Leseclubs an der Ganztagsschule

Wie eine Umsetzung des Leseclub-Konzepts vor Ort aussehen kann, zeigt das Beispiel der Grundschule Giebelstadt im Landkreis Würzburg, die gemeinsam mit der Gemeindebücherei Giebelstadt als außerschulischem Bündnispartner einen Leseclub betreibt. Von den insgesamt rund 190 Schülerinnen und Schülern der Grundschule gehen 90 in eine gebundene Ganztagesklasse, 60 nehmen das offene Ganztagesangebot ihrer Schule wahr. Bei den Schülern, die den gebundenen Ganztag besuchen, handelt es sich vorwiegend um Kinder aus bildungsbenachteiligten Familien, die eine intensive Betreuung seitens der Schule benötigen.

Seit Anfang 2014 betreuen verschiedene Ehrenamtliche bis zu zwölf Kinder mehrmals in der Woche im Leseclub der Grundschule Giebelstadt, was eine nachhaltige Förderung gewährleistet. Im Mittelpunkt steht dabei die Beschäftigung mit Büchern, Zeitungen und Zeitschriften, Hörbüchern sowie Foto und Film: Lesungen, Bibliotheksbesuche und Vorlesestunden gehören ebenso zum Angebot wie die Teilnahme an Zeitungsprojekten der Lokalzeitung, die Erstellung von Podcasts oder Fotodokumentationen der Leseclub-Aktivitäten. Grundsätzlich orientieren sich die Leseclub-Angebote und -Aktivitäten an den Interessen, der Lebenswelt und den Kompetenzen der Kinder und Jugendlichen. Indem die Betreuer die Aktivitäten so breit fächern, können sie flexibel auf die Interessen der Schüler reagieren, die sich gerade in der Altersgruppe der Sechs- bis Zwölfjährigen häufig verschieben.

Damit das Konzept effektiv umgesetzt werden kann, müssen auch entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen werden. Die Stiftung Lesen übernimmt mit Hilfe der Fördermittel des Bundesministeriums für Bildung und Forschung die Ausstattung der Clubräume mit Büchern und anderen Medien wie Zeitschriften, Hörbüchern oder DVDs. Zudem werden die meist ehrenamtlich tätigen Betreuerinnen und Betreuer mit einem Weiterbildungsprogramm und didaktischen Arbeitsmaterialien geschult. Darüber hinaus steht die Stiftung Lesen kontinuierlich in Kontakt mit den Leseclubs, informiert über einen eigenen Newsletter, eine Website und steht den Bündnispartnern beratend zur Seite.

Da die Bündnispartner mit dem Leseclub-Konzept ein erfolgreiches und jahrelang erprobtes Instrumentarium der Stiftung Lesen zur Leseförderung übernehmen und es individuell auf ihre Bedingungen zuschneiden, profitieren am Ende alle Projektteilnehmer: Jugend- und Bildungseinrichtungen werden vernetzt, neue kooperative und nachhaltige Strukturen auf lokaler Ebene entstehen und ergänzen damit die bereits bestehenden Angebote vor Ort.

Mehr Informationen zu den Standorten der Leseclubs, Erfahrungsberichte, Pressemeldungen und vieles mehr gibt es unter www.leseclubs.de.

Stephanie Lange

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Analphabeten in Unternehmen werden ignoriert

Eine neue Studie der Stiftung Lesen zeigt, dass Analphabetismus in Unternehmen erhebliche Kosten verursacht sowie zu einer Mehrbelastung der Kolleginnen und Kollegen führt. Dennoch sind offenbar nur wenige Betriebe bereit, in die Bildung der betroffenen Mitarbeiter zu investieren.

Im Rahmen der Studie haben Experten im Auftrag der Mainzer Stiftung Lesen mehr als 1 600 Arbeitneh- mer und fast 550 Arbeitgeber aus dem Gastgewerbe, Transport, der Logistik, dem Landschaftsbau und der Baubranche befragt. Dabei gaben 34 Prozent der Beschäftigten und 42 Prozent der Unternehmer an, mindestens einen Analphabeten im Betrieb zu kennen. Überdies berichten 41 Prozent der Arbeitgeber und 47 Prozent der Kollegen von Folgen, wenn ein Beschäftiger nicht richtig lesen und schreiben kann. Nach Angaben der Studienleiterin Simone Ehmig wird in Unternehmen, in denen die Betroffenen offen mit ihren Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben umgehen, weniger von Problemen in den Arbeitsabläufen berichtet. Zwar befürwortet ein Großteil der Befragten, dass auch Erwachsene noch Lesen und Schreiben lernen sollen, aber wenn es um konkrete Maßnahmen geht, sinkt die konkrete Bereitschaft zur Fortbildung. Im Arbeitsalltag halten es Arbeitgeber und Beschäftigte häufig nicht für nötig, dass die Betroffenen eine Grundbildung erwerben, weil die Abläufe auch so funktionieren: Die Analphabeten werden einfach für bestimmte Aufgaben nicht eingesetzt, Kollegen kompensieren ihr Defizit oder Symbole ersetzten Schrift.

Der Bundesverband Analphabetismus geht von bundesweit 7,5 Millionen Menschen aus, die nicht richtig lesen und schreiben können. Weltweit können nach Angaben der Unesco etwa 774 Millionen Erwachsene nicht richtig lesen und schreiben. Die meisten Analphabeten leben in Entwicklungsländern. In Deutschland können rund 300 000 der insgesamt 7,5 Millionen Betroffenen selbst einzelne Wörter nicht entschlüsseln. Rund zwei Millionen können nur einige Wörter lesen und schreiben, etwa 5,2 Millionen nur mit kurzen Sätzen, aber nicht mit langen umgehen.

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Weniger Bafög-Empfänger

Die Zahl der Bafög-Empfängerinnen und -Empfänger geht zurück. Mit knapp 960 000 Studenten und Schüler wurden im Jahr 2013 rund 20 000 junge Menschen weniger gefördert als ein Jahr zuvor. Dies ist ein Rückgang von 2,1 Prozent. Insgesamt erhielten 666 000 Studenten (minus 0,8 Prozent) und 293 000 Schüler (minus fünf Prozent) Unterstützung. Im Schnitt erhielt 2013 ein Student 446 Euro Bafög monatlich, zwei Euro weniger als im Vorjahr. Bei den Schülern stieg die durchschnittliche Förderung um neun auf 410 Euro. Der Bafög-Höchstsatz für einen nicht mehr bei den Eltern lebenden Studierenden beträgt derzeit 670 Euro.

Die Bundesregierung plant eine Erhöhung der Ausbildungsförderung um rund sieben Prozent im Jahr 2016. Zuletzt waren die Fördersätze 2010 um zwei Prozent und die für die Bafög-Berechnung wichtigen Elternfreibeträge um drei Prozent angehoben worden.

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Preis für demokratische Schulentwicklung

Die Deutsche Gesellschaft für Demokratiepädagogik hat unter dem Titel »DemokratieErleben« einen Preis für demokratische Schulentwicklung ausgeschrieben. Mit dem Preis sollen Schulen ausgezeichnet werden, die Kinder und Jugendliche besonders darin fördern, aktiv und verantwortlich die Demokratie mitzugestalten. Von der Grund- und Förderschule bis zur berufsbildenden Schule sowohl in staatlicher als auch in freier Trägerschaft ist jede Schule zur Teilnahme an diesem Wettbewerb eingeladen. Der Bewerbungszeitraum endet am 31. Dezember 2014. Der Preis steht für Wertschätzung, Verantwortungsübernahme, Partizipation sowie demokratische Lern- und Schulkultur und richtet sich gegen jegliche Form von Diskriminierung sowie Demokratie- und Menschenrechtsfeindlichkeit. Er orientiert sich an den Qualitätsstandards: Partizipation, Inklusion und anerkennender Umgang mit Vielfalt, die in schulspezifischen Konzepten, Aktivitäten und Initiativen in möglichst vielen der acht Entwicklungsbereiche umgesetzt werden sollen. Die Ausschreibung ist auf der Seite www.DemokratieErleben.de online zu finden.

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Neueröffnung nach 800 Jahren

In Indien hat eine Universität nach 800 Jahren Schließung ihren Lehrbetrieb wieder aufgenommen. Die Nalanda-Universität im Norden des Landes war im fünften Jahrhundert gegründet worden und gehörte damals zu den bedeutendsten wissenschaftlichen Stätten der Antike. Bis zu 10 000 Menschen studierten dort etwa buddhistische Lehren, Geschichte, Architektur, Medizin und Astronomie. Für den Neustart im Herbst diesen Jahres waren zunächst 15 Studenten imma­trikuliert worden. Kanzler der Universität ist der Wirtschaftsnobelpreisträger Amartya Sen.

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Hamburg: Bessere Chancen für Schulabgänger

In Hamburg lassen sich nach dem radikalen Umbau des Fördersystems für Schulabgänger ohne Lehrstelle erste Erfolge feststellen. Nach Aussage von Schulsenator Ties Rabe (SPD) ist die Zahl der vermittelten Jugendlichen seit dem Ersetzen der bisherigen Übergangsangebote und Warteschleifen durch die neue dualisierte Ausbildungsvorbereitung deutlich gestiegen. Dabei wechseln Jugendliche ohne Ausbildungsplatz auf Berufsschulen, arbeiten aber gleichzeitig an zwei bis drei Tagen pro Woche als Praktikanten in Betrieben. Dieses Angebot hat Rabe zufolge im Jahr 2013 dazu beigetragen, dass 47 Prozent der Schüler direkt einen Ausbildungsplatz gefunden haben. Das sei erheblich mehr als früher.

Das neue Fördersystem in Hamburg ist Teil einer grundlegenden Neuausrichtung beim Umgang mit Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz. So wurde bereits in jedem Bezirk eine Jugendberufsagentur gegründet, die eng mit der Agentur für Arbeit, Jobcenter, Bezirksamt und den Hamburger Schulen zusammenarbeitet. Daneben wird laut Rabe seit Beginn dieses Schuljahres in den Klassen 8, 9 und 10 der Stadtteilschulen das Fach Berufs- und Studienorientierung angeboten.

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Jugendkulturarbeit im Stadtteil

Unter dem Motto »Total nah dran?! Sozialräumliche Zugänge in der Jugendkulturarbeit« trafen sich im Spätsommer Fachkräfte und Multiplikatoren der Kulturellen Bildung und Jugendarbeit in Köln. Die rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer beschäftigten sich mit den Chancen und Herausforderungen sozialraumorientierter Jugendarbeit. Auf deren vielfältige Facetten verwies der Sozialraumexperte Ulrich Deinet (Düsseldorf) in seinem Eröffnungsvortrag. Vielfach werde mit dem Begriff der »Sozialraumorientierung« vor allem die institutionelle Vernetzung im Stadtteil oder in der Region beschrieben. »Grundlage des Sozialraumkonzeptes bilden neben den Strukturen, Ressourcen und Bedingungen von Stadtteilen auch die individuellen Lebenswelten der Kinder und Jugendlichen«. Dass »Räume« in diesem Zusammenhang nicht nur geografische Orte beschreiben, sondern von inneren Räumen über Peergroups bis hin zu virtuellen Räumen vielfältige Anknüpfungspunkte an die Lern- und Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen bieten, darin waren sich die Referent(inn)en, Workshopleiter(innen) und Konferenzgäste einig.

Im weiteren Verlauf der Tagung wurde vor allem über methodische Herausforderungen in der praktischen Umsetzung diskutiert. So hatten die Teilnehmer(innen) in einer der Arbeitsgruppen z. B. die Möglichkeit, die »Actionbound«-Methode zur gemeinsamen Erkundung des medialen und des non-medialen Sozialraums mit Smartphones kennenzulernen. In einem weiteren Workshop ging es um interkulturelle Öffnung im Sozialraum und um die Zusammenarbeit mit Migrantenselbstorganisationen.

Die Umsetzung sozialraumorientierter Konzepte wird die Jugendkulturarbeit, darin waren sich die Diskutanten einig, auch in Zukunft weiter beschäftigen. Denn diese Konzepte bieten wertvolle Anknüpfungspunkte insbesondere für die kulturpädagogische Arbeit mit bildungsbenachteiligten Zielgruppen.

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Studie: Südeuropäische Staaten bilden nicht gut genug aus

Die Bundesregierung will die Krisenländer Südeuropas bei der mittlerweile dramatischen Jugendarbeitslosigkeit nicht im Stich lassen. Sie bietet EU-Partnern seit längerem an, von den deutschen Erfahrungen mit der dualen Ausbildung – Berufsschule und Betrieb – zu profitieren und fordert die deutsche Wirtschaft auf, mehr für die Qualifizierung junger Menschen in Italien, Spanien oder Portugal zu tun.

Nach einer Analyse des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW/Mannheim) für die Robert Bosch Stiftung sind europaweit 7,5 Millionen junge Menschen ohne Ausbildung oder arbeitslos. Dies muss nach Ansicht der Geschäftsführerin der Bosch Stiftung, Ingrid Hamm, Wirtschaft und Zivilgesellschaft alarmieren, da hier eine »verlorene Generation« entstehe. Sie befürchtet unter anderem einen Zulauf zu Rechtspopulisten.

Nach Auffassung von ZEW-Experte Holger Bonin ist die Jugendarbeitslosigkeit in Südeuropa oder Großbritannien nicht neu und keineswegs Ergebnis der Finanz- und Wirtschaftskrise von 2007. In diesen Ländern gebe es zu viele Schulabbrecher, zu viele Akademiker und zu viele Konflikte zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften. Aber auch die jungen Leute haben eine Mitverantwortung: Sie sollten mobiler sein und Fremdsprachen lernen.

Auch das Bildungssystem kommt in der Studie nicht gut weg. Berufseinsteigern fehle es oftmals an Qualifikation. Außerdem werde an den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes vorbei ausgebildet. Da die Bildungssysteme sehr stark akademisch ausgerichtet seien, fehle es vor allem in den Ausbildungsberufen an Nachwuchs.

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Voll vernetzt

Das Internet gehört für Kinder inzwischen zum Alltag

Wofür geben Kinder und Jugendliche Geld aus? Diese Frage stand im Mittelpunkt der »Kids Verbraucher Analyse«, deren Ergebnisse vor kurzem veröffentlicht worden sind. Sie zeigen, dass ein durchschnittliches Kind im Jahr 2014 gern Zeitschriften mit Tieren oder Comicfiguren kauft (z. B. Wendy, Micky Maus oder Donald Duck), und mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit (80 Prozent) Brettspiele, Puzzles oder Kuscheltiere besitzt und mit geringerer Wahrscheinlichkeit (50 Prozent) auch damit spielt. Die Sechs- bis Dreizehnjährigen erhalten im Schnitt 27,50 Euro Taschengeld im Monat. Dies entspricht dem Schnitt der Vorjahre.

Eine spannende Entwicklung besteht darin, dass das Internet mittlerweile zum Alltag der Kinder gehört. 97 Prozent der Zehn- bis Dreizehnjährigen nutzen das Internet regelmäßig, 56 Prozent von ihnen täglich. Im Jahr 2008 lag diese Quote noch um rund 20 Prozent niedriger. Auch bei den Sechs- bis Neunjährigen ist der Anteil der Netz-Surfer um 20 Prozent gestiegen. In dieser Altersgruppe ist etwa die Hälfte der Kinder online unterwegs. Wenn man sie fragt, wofür sie das Internet nutzen, so geben 40 Prozent an, sie würden Informationen für die Schule sammeln und E-Mails schreiben. Diese Ergebnisse könnten jedoch geschönt sein, da die Eltern bei den Befragungen anwesend waren. Allerdings hinderte dies 37 Prozent der Kinder nicht daran anzugeben, dass sie »ohne bestimmtes Ziel herumsurfen« oder »Musik und Spiele herunterladen« würden (14 Prozent).

Die Eltern wiederum sind sich durchaus bewusst, dass das Internet nicht immer ein idealer Aufenthaltsort für ihre Kinder ist. Die allermeisten von ihnen geben an, dass sie klare Regeln für die Online-Zeiten ihrer Kinder vorgeben würden. So dürften diese keine persönlichen Daten angeben (dies sagen 94 Prozent der Erziehungsberechtigten), nur bestimmte Seiten besuchen (92 Prozent) und nur eine genau festgelegte Zeit im Internet verbringen. 73 Prozent der Eltern installieren Programme, die ihre Kinder am Zugriff auf nicht jugendfreie Seiten hindern.

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Niedersachsen verdoppelt Dauer des Lehrer-Masterstudiums

In Niedersachsen sollen die Masterstudiengänge für angehende Lehrer an Grund-, Haupt- und Realschulen künftig genauso lange dauern wie bei Gymnasiallehrkräften. Dies hat die rot-grüne Landesregierung vor kurzem beschlossen. Bereits ab dem laufenden Wintersemester wird damit die Studiendauer von zwei auf künftig vier Semester angehoben. Damit beträgt die Regelstudienzeit für Lehramtsanwärter demnächst zehn Semester.

Nach Ansicht der Landesregierung gibt die Verlängerung mehr Raum für eine Verzahnung von theoretischer und praktischer Ausbildung der angehenden Lehrkräfte. Zudem werde eine Praxisphase in den Studiengang integriert, die einen 18-wöchigen Praxisblock umfasst und durch Lehrveranstaltungen begleitet wird.

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NRW: Positive Zwischenbilanz für »Kein Kind zurücklassen!«

Das 2012 gestartete NRW-Modellprojekt »Kein Kind zurücklassen!« erreicht nach Angaben seiner Förderer viele der angestrebten Ziele. Vertreterinnen und Vertreter der 18 Modellkommunen des Landes berichteten vor kurzem, dass unter anderem mehr Kinder von der Grundschule auf das Gymnasium gewechselt und durch helfende Maßnahmen auch Einsparungen erzielt worden seien. Nach Auffassung von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) soll das Vorhaben zeigen, dass sich vorbeugende Förderung lohnt, weil dadurch später Kosten vermieden werden können. Das zunächst auf vier Jahre angelegte Projekt wird von der Landesregierung und der Bertelsmann Stiftung getragen und kostet in dem genannten Zeitraum rund 4,7 Millionen Euro. Die Ministerpräsidentin möchte es bis 2020  fortsetzen.

Im Rahmen des Projekts verfolgen die einzelnen Kommunen unterschiedliche Schwerpunkte. Allen gemeinsam ist, das verschiedene Akteure, wie Kinderärzte, Kitas, Schulen, Sportvereine oder Jugendämter, zur Förderung von Kindern zusammenwirken. Die von der Bertelsmann Stiftung finanzierte Begleitforschung erkundet vor allem Faktoren, die das Erlernen der Sprache begünstigen. Der Spracherwerb steht im Mittelpunkt des Interesses, da schlechte Sprachkenntnisse erwiesenermaßen ein Haupthindernis für einen Schulabschluss und damit auch für einen reibungslosen Start ins Berufsleben sind.

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Nachfrage nach Kleinkindbetreuung nimmt zu

Die Kommunen in Deutschland bauen ihr Angebot für die Kleinkinderbetreuung immer schneller aus. Inzwischen wird bereits jedes dritte Kind unter drei Jahren in einer Kita oder von einer Tagesmutter betreut. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren zum Stichtag 1. März 2014 rund 64 500 Kinder mehr in öffentlich geförderter Betreuung als ein Jahr zuvor. Insgesamt besuchten zu diesem Zeitpunkt knapp 660 800 Kinder eine Kita oder Tagesmutter. Damit lag die Betreuungsquote bundesweit bei 32,3 Prozent – im März 2013 hatte sie erst 29,3 Prozent betragen.

Im Vergleich der Regionen haben die ostdeutschen Bundesländer die Nase weiterhin vorn: In den westdeutschen Bundesländern lag der Betreuungsanteil durchschnittlich bei 27,4 Prozent, in Ostdeutschland und Berlin war er mit 52,0 Prozent fast doppelt so hoch. Vergleicht man die Altersgruppen, so ist eine rasante Steigerung festzustellen: Während nur 2,8 Prozent der Kinder unter einem Jahr von Fremden betreut wird, liegt die Quote bei Einjährigen bereits bei gut einem Drittel – das sind 3,9 Prozentpunkte mehr als 2013. Bei Zweijährigen stieg die Betreuungsquote um 5,9 Punkte auf 59,8 Prozent.

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Immer mehr Frauen in Technikberufen

Zwar wächst der Frauenanteil in mathematisch- naturwissenschaftlichen Berufen, doch fehlt es immer noch an weiblichem Technik- und Informatik-Nachwuchs. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Demnach habe der Anteil junger Frauen an den 42 500 Studienanfängern im Fach Informatik im Jahr 2012 lediglich bei 22 Prozent gelegen. Im Fach Elektrotechnik habe ihr Anteil an den 26 500 Erstsemestern nur 12,3 Prozent, in den Studienfächern Verkehrstechnik und Nautik sogar nur 11,3 Prozent ausgemacht. Junge Frauen entscheiden sich eher für eine mathematisch-naturwissenschaftliche Ausbildung als für eine technische – in der Mathematik liegt der Frauenanteil bei 48,2 Prozent, in der Biologie bei 61,8 Prozent und beim Pharmazie-Studium sogar bei 67,9 Prozent.

Auch wenn in einigen Bereichen der Frauenanteil noch vergleichsweise gering ist, so sind die Frauen in technisch-naturwissenschaftlichen Berufen immerhin auf dem Vormarsch. So ist der Studie zufolge die Zahl der Frauen in naturwissenschaftlichen Berufen zwischen 2007 und 2011 um 33 Prozent gewachsen – und damit doppelt so stark wie die Gesamtzahl der Beschäftigten in diesem Bereich. In Ingenieurberufen wuchs die Zahl der Frauen sogar um 25 Prozent. Dagegen lag der Zuwachs von Frauen in nichtakademischen IT- und Technik-Berufen lediglich bei drei Prozent.

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Die Wirtschaft steht zum G8

Wenn es nach dem Willen der Wirtschaft geht, sollten die deutschen Länder an der verkürzten Gymnasialzeit festhalten. Ein Blick nach Sachsen oder Thüringen sowie ins europäische Ausland, aber auch aktuelle Studien zeigten, dass ein Erwerb der Hochschulreife nach zwölf Schuljahren für die Schülerinnen und Schüler kein großes Problem darstelle. In ihrem jährlichen Bildungsmonitor kommen das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft und die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) zu dem Ergebnis, dass die G8-Länder Sachsen, Thüringen, Bayern und Baden-Württemberg im Ländervergleich die leistungsfähigsten Bildungssysteme haben.

Dabei hat das Institut in diesem Jahr in einer Sonderauswertung verschiedene Studien miteinander verglichen, bei denen unter anderem Schülerinnen und Schüler von acht- und neunjährigen Gymnasien nach ihrem Zeitbudget für Freizeitaktivitäten befragt wurden. Für die häufig vorgetragene Behauptung, durch G8 verschlechterten sich Leistungen und Wohlbefinden der Abiturienten, habe man dabei nach Angaben der Wissenschaftler keine Belege gefunden. Dagegen führe das G8 dazu, dass die Abiturienten als Hochschulabsolventen oder Fachkräfte ein Jahr eher in den Arbeitsmarkt eintreten können. Damit trage es zur Fachkräftesicherung bei.

In den Bundesländern deuten die Signale allerdings eher auf einen schrittweise Rückkehr zum G9 hin. Niedersachsen hat bereits entschieden und kehrt ab 2015 auf Druck von Eltern wieder zum neunjährigen Gymnasium zurück. In Bayern ist ein Volksbegehren zwar gescheitert, gleichwohl werden mit Eltern, Lehrern und Hochschulen Reformen am Gymnasium diskutiert. Schleswig-Holstein hat Ausnahmen von G8 zugelassen. In Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg gibt es Modellversuche mit großer Elternnachfrage. In Hessen haben die Eltern inzwischen Wahlfreiheit zwischen G8 und G9.

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Nicht mobil genug

Lehrlinge und Ausbilder sind stark an den Standort gebunden

Obwohl sie es immer schwerer haben, Nachwuchs zu finden, suchen kleine und mittlere Unternehmen ihre Auszubildenden meistens nur im näheren Umkreis. Nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) werben zwei von drei Firmen nur in einem Umkreis von 20 Kilometern um Lehrlinge. Etwa ein Drittel suche in einem Radius bis 100 Kilometer und nur fünf Prozent der Betriebe auch in einer Entfernung darüber hinaus. Die BIBB-Befragung zeigt auch, dass sich die Betriebe nur unzureichend über Angebote zur Förderung regionaler Mobilität von Auszubildenden informiert fühlen. So geben drei von vier der kleineren und mittleren Unternehmen an, das betreute Jugendwohnen nicht zu kennen. Jeder zweite Betrieb kennt finanzielle Hilfen wie die Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) nicht.

Allerdings gibt es auch bei den Jugendlichen einen Trend zur Heimatregion. Nur knapp zwölf Prozent derjenigen, die gerade eine Ausbildung machten, haben sich auch mehr als 100 Kilometer außerhalb der Region beworben. An der Einstellung der Jugendlichen zur Mobilität sollte bereits in der Schule gearbeitet werden, fordern die Vertreter des BIBB.

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Zahl der unzufriedenen Lehrlinge steigt

Die Stimmung unter den Auszubildenden in den deutschen Betrieben ist so schlecht wie nie zuvor. Dies zeigt der vor kurzem veröffentlichte Ausbildungsreport des Deutschen Gewerkschafts-Bundes (DGB). Dabei sind die Unterschiede groß: Während Kaufleute im Einzelhandel und Verkäufer noch einigermaßen zufrieden mit ihrer Lehrstelle sind, sieht es bei Malern und Hotelfachkräften deutlich anders aus. Der Bericht zeigt auch, dass sich der Betriebs­alltag insgesamt verbessert hat, die Arbeitszufriedenheit trotzdem gesunken ist.

Es gibt positive Entwicklungen: So ist die Zahl der Auszubildenden, die regelmäßig Überstunden machen müssen, von 42,2 Prozent (2009) auf 36,6 Prozent (2014) zurückgegangen. Nur 17,1 Prozent erhalten keinen Ausgleich für diese Mehrarbeit – 2010 hatte dieser Wert noch bei 20 Prozent gelegen. Auch die Zahl der Übernahmezusagen für Azubis ist innerhalb der vergangenen fünf Jahre nach oben gegangen, von 23,6 Prozent auf aktuell 29,4 Prozent. Das heißt aber auch umgekehrt, dass zwei Drittel der Auszubildenden zum Befragungszeitpunkt nicht wussten, wie es nach der Ausbildung weitergeht.

Dem Report zufolge sind sind 71,4 Prozent der Lehrlinge mit ihrer Ausbildung »zufrieden« oder »sehr zufrieden« – vor fünf Jahren waren es noch 75,5 Prozent. Der aktuelle Wert ist nach Auskunft der Autoren der niedrigste, der in den bisher neun DGB-Studien zum Thema ermittelt wurde.

Im Rahmen der Studie waren rund 18 300 Azubis in den 25 beliebtesten Ausbildungsberufen befragt worden. Kritik am Arbeitsalltag kam vor allem von zukünftigen Malern, Hotelfachleuten und Fachverkäuferinnen im Lebensmittelhandwerk. Als Probleme benennt der Report in diesen schlecht bewerteten Berufen »permanent viele Überstunden, einen rauen Ton, den Eindruck, ausgenutzt zu werden und eine oftmals fachlich schlechte Anleitung«. Generell haben es Auszubildende in Großbetrieben mit mehr als 500 Mitarbeitern besser als Lehrlinge in Klein- oder Kleinstbetrieben.

Die beruflichen Schulen kommen in dem Report nicht gut weg: Während zwei Drittel der Lehrlinge die fachliche Qualität ihrer Ausbildung im Betrieb positiv bewerten, fällt die fachliche Ausbildung in den Berufsschulen deutlich ab: Sie findet nur gut die Hälfte (56 Prozent) der Azubis gut oder sehr gut.

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Materialien

Das Magazin »forscher« löscht Wissensdurst

Die Digitalisierung durchdringt unseren Alltag. Besonders für Kinder bietet das Leben in einer Welt, in der so vieles digital funktioniert, jede Menge faszinierende Aspekte. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung herausgegebene »forscher«-Magazin bietet Kindern ab acht Jahren auf 24 Seiten spannende Geschichten rund um digitale Technologien, aktuelle Wissenschaft und Forschung. Das Titelthema beschäftigt sich mit Cyborgs. Diese Mischwesen – teils Mensch, teils Maschine – kennt man in erster Linie aus Science-Fiction-Romanen. Tatsächlich werden in der Realität immer häufiger künstliche Körperteile implantiert. Wissenschaftler entwickeln diese Techniken, um kranken Menschen ein besseres Leben zu ermöglichen. Im Magazin wird zum Beispiel erklärt, wie der farbblinde Neil Harbisson bereits heute mit einem am Schädelknochen verankerten Gerät Farben hören kann. Zudem zeigt ein Blick in die Vergangenheit, dass bereits die alten Ägypter Prothesen herstellten. Das Magazin ist kostenlos und kann nach Hause bestellt werden – für Kinder, Jugendliche, Eltern, Lehrende, Journalistinnen und Journalisten sowie alle anderen Interessenten. Weitere Informationen unter www.forscher-fuer-neugierige.de.

Konferenzen leiten

Konferenzen sind ein wichtiges Steuerungsinstrument für die Leitung einer Schule. Der vor kurzem in der Reihe »Schule leiten von A bis Z« erschienene Band »Konferenzen« unterstützt Schulleitungen bei allen Fragen rund um das Thema. Es vermittelt Wissen und konkrete Erfahrungen z. B. zur Geschäftsführung und -ordnung oder konkrete Anregungen für die Gestaltung der Tagesordnung. So beschäftigt sich der Autor Hans-Peter Kirsten-Schmidt u. a. mit folgenden Fragen:

  • Lassen sich inhaltliche Themen über Vordenker oder Arbeitsgruppen vorbereiten und steuern?
  • Sollte die Gesamtkonferenz von Externen moderiert werden?
  • Wie schaffe ich ein gutes Konferenzklima?

Das im Cornelsen Verlag erschienene Buch enthält per Webcode alle Vorlagen zum Download. Es ist zum Preis von 17,95 Euro im Buchhandel zu beziehen (ISBN 978-3-589-16393-9).

Expansive Bildungspolitik – Expansive Bildung?

Unter dieser Leitfrage ist vor kurzem im Verlag Springer ein Sammelband erschienen, der sich mit den Folgen der expansiven Bildungspolitik in den letzten Jahrzehnten beschäftigt. Die Expansion des Bildungssystems und der allgemeine Wettlauf um höhere Bildungsabschlüsse stehen dabei nach Auffassung vieler Autoren im Widerspruch zur anhaltenden Produktion von Bildungsverlierern. Dabei wird immer ungewisser, ob höhere Bildungsabschlüsse überhaupt zu entsprechenden Berufspositionen führen. Die zunehmend marktgesteuerte Segmentierung des Bildungssystems lässt Bildung zum starken Hebel der Reproduktion längst vergangen geglaubter sozialer Ungleichheitsverhältnisse geraten, anstatt Chancenungleichheit abzubauen, wie es einst gesellschaftlicher Konsens war. Die Beiträge dieses Bandes analysieren die Entwicklung aus kritischer Distanz gegenüber einer Bildungspolitik, deren alleiniges Maß die Ökonomie ist. Das von Ullrich Bauer u. a. herausgegebene Buch ist im Buchhandel zum Preis von 59,99 zu beziehen (978-3-65806-668-0).

Chemie und Physik am Auto

Mit dem Online-Angebot von www.physik-am-auto.de und www.chemie-am-auto.de richtet sich die Initiative »AutoBerufe – Mach Deinen Weg!« an Lehrerinnen und Lehrer der Sekundarstufe I an allgemeinbildenden Schulen. Auf den Websites werden chemische und physikalische Prozesse rund um das Automobil anschaulich dargestellt. Das Unterrichtsmaterial »Physik am Auto« wendet sich an Schüler der 8. bis 10. Klasse. Thematisch geht es dabei unter anderem um Strahlenoptik, Energie, Wärmelehre oder Elektromobilität. Dass sich hinter der Fahrzeugtechnik auch häufig chemische Phänomene verbergen, erfahren die Schüler der 7. bis 10. Klasse durch das Unterrichtsmaterial »Chemie am Auto«. Dabei werden beispielsweise Themen wie klassische und alternative Kraftstoffe, Lacke und Klebstoffe oder Metalle und Sicherheitsglas erläutert. Lehrkräfte aus den naturwissenschaftlichen Fächern finden auf den Internetseiten eine Vielzahl an Folien und Kopiervorlagen zum Herunterladen. Zudem bietet die Initiative je eine thematisch passende CD ROM an.

Armut und soziale Ungleichheit in der Kindheit

In der Reihe »Lehrerprofessionalität weiterentwickeln – Wirksamkeit stärken« des Ritterbach Verlages ist vor kurzem das Buch »Armut, soziale Ungleichheit und Kindeswohlgefährdung – belastete Kinder und Jugendliche fördern« von Anke Hein erschienen. Sie zeigt auf, dass Armut längst kein Phänomen mehr ist, das nur in sozial benachteiligten Stadtteilen oder an bestimmten Schulformen auftritt, sondern ist ein Problem, mit dem Schülerinnen und Schüler durchgängig an allen Schulen zu kämpfen haben. Kinder und Jugendliche, die unter erschwerten Lebensbedingungen oder in prekären Lebenslagen aufwachsen, fühlen sich oft von der Gesellschaft ausgeschlossen und verlieren die Hoffnung, positiv in die Zukunft blicken zu können. Die Autorin zeigt Fördermöglichkeiten für diese vielfältig belasteten Kinder und Jugendlichen auf und stellt unterschiedliche Sozial- und Beratungsleistungen vor. Zudem befasst sie sich mit weiteren Unterstützungsmöglichkeiten etwa durch die Resilienzförderung, das Konzept des Wohlbefindens, die Weiterentwicklung der Zusammenarbeit mit Eltern zu einer Bildungs- und Erziehungspartnerschaft sowie mit Förderleistungen im Rahmen des Kinder- und Jugendhilferechts. Das Buch sensibilisiert Lehrkräfte, belastende Situationen und prekäre Lebenslagen ihrer Schülerinnen und Schüler wahrzunehmen, eine mögliche Kindeswohlgefährdung zu erkennen und allen Kindern und Jugendlichen rechtzeitig Unterstützungsmöglichkeiten anzubieten. Es ist zum Preis von 24,80 im Buchhandel zu beziehen (ISBN 978-3-86837-148-8).

Beziehungen in Schule und Unterricht

Der Schulforschung fällt es schwer, eine einheitliche Definition des Begriffs »Beziehung« im Kontext von Schule und Unterricht zu finden. Konsens herrscht jedoch darüber, dass Beziehungen die Interaktionen verschiedener Personengruppen innerhalb eines pädagogisch bestimmten organisatorischen Zusammenhangs beinhalten. In diesem Zusammenhang fokussiert das vor kurzem erschienene Buch »Theoretische Grundlagen und praktische Gestaltungen pädagogischer Beziehungen«, das als Band 1 in der Reihe »Beziehungen in Schule und Unterricht« im Prolog-Verlag erschienen ist, auf schulischer und unterrichtlicher Ebene zum einen die Lehrer-Schüler-Beziehungen, zum anderen die praktische Gestaltung von pädagogischen Beziehungen. Auf der Ebene der Lehrerbildung werden von den Autoren des Sammelbandes die Beziehungen einbezogen, die während der verschiedenen Phasen der Lehrerbildung entstehen. Durch die Betrachtung theoretischer Grundlagen und pädagogischer Praxisbeispiele wird versucht, die Bedeutsamkeit von Beziehungen in pädagogischen Handlungsfeldern zu verdeutlichen. Das von Carina Tillack u. a. herausgegebene Buch ist zum Preis von 27,80 Euro im Buchhandel zu beziehen (ISBN 978-3-934575-76-9, 277 S.).

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Termine

Deutscher Schulleiterkongress

Vom 12. bis 14. März 2015 findet in Düsseldorf der vierte Deutsche Schulleiterkongress statt. Über 100 Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Bereichen werden Schulleitungen aus dem ganzen Bundesgebiet beraten. Zugesagt haben unter anderem die Theologin Margot Käßmann, der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar und Ex-Fußball-Weltmeister Paul Breitner. Das Motto des Kongresses lautet: »Schulen gehen in Führung«. Schwerpunktthemen sind »Unterricht und Lernen – Neue Perspektiven«, »Personalentwicklung – Schlüssel für Schulqualität«, »Schulmanagement – Fit für die Schule« sowie »Partner gewinnen – Netzwerke gestalten«. Der Kongress wird veranstaltet vom Verlag Wolters Kluwer Deutschland (WKD) und demVerband Bildung und Erziehung (VBE). Im Frühjahr diesen Jahres hatten rund 2000 Teilnehmer aus dem deutschsprachigen Raum und dem europäischen Ausland die Tagung besucht. Eine Anmeldung für das Jahr 2015 ist sowohl telefonisch (0 92 61 - 9 69 - 42 22) als auch im Internet unter www.deutscher-schulleiterkongress.de möglich. Für Vertreter von Schulen, Stiftungen, Behörden und Ministerien kostet die Teilnahme 329 Euro.

Grit im Brahm/Gabriele Bellenberg/Matthias Forell/Stefan Wachner

Zur Nutzung gymnasialer Lernzeit

Eine Analyse des Umgangs mit zusätzlicher Zeit im Modellversuch G9 – NRW

Die Dauer der Schulbesuchszeit bis zum Abitur wird derzeit von Seiten der Kritiker lautstark diskutiert. Dass dies nicht gleichzusetzen ist mit einer Mehrheit der Kritiker, hat sich gerade in Hamburg gezeigt: Eine Volksinitiative zur Wiedereinführung von G9 ist gescheitert. Vermutlich auch deshalb, weil mit der Stadtteilschule ein gleichwertiger Weg zum Abitur in neun Jahren angeboten wird. Jenseits solcher Initiativen gibt es erste Ergebnisse einer Studie an Schulen, die zu G9 zurückgekehrt sind, Ergebnisse zu Fragen wie: Welche Erwartungen sind mit der Rückkehr zu G9 verbunden? Wie wird die zusätzliche Zeit verteilt? Wie gehen die Schulen damit um?

Lernräume gestalten – 4. Folge

Holger Gehbauer/Hans-Joachim Göbel/Roland Lorenz

Den Umbau von Fachräumen gemeinsam gestalten

Wie bauliche Veränderungen ein Ausgangspunkt für Unterrichtsentwicklung werden können

Die vierte und letzte Folge der Serie zur Gestaltung von Lernräumen zeigt, wie der Umbau von Fachräumen zum Ausgangspunkt für die Entwicklung eines neuen Unterrichts werden kann. Auf den ersten Blick scheinen Fachräume für Veränderungen kaum zugänglich. Am Beispiel des Umbaus zu einem naturwissenschaftlichen Selbstlernzentrum wird erkennbar wie die Zusammenarbeit von Pädagogen, Architekten und Verwaltung Veränderungen ermöglicht. Die Frage war: Wie sollte ein Fachraum aussehen, der Eigenaktivität, Projektarbeit und die Zusammenarbeit der einzelnen Naturwissenschaften miteinander und mit anderen Fächern möglich macht.

Marie Holmström/Ronald Rahmig

Elektronische Klassenbücher und Verwaltungssoftware

Kontrollinstrumente oder pädagogische Werkzeuge?

Das Angebot an Software-Programmen, mit denen Schüler und Schule »verwaltet« werden können, wächst. Es geht vor allem um e-Klassenbücher, aber auch um Erweiterungen wie SMS-Benachrichtigungen bei Fehlzeiten oder umfassende und elektronisch dokumentierte Informationen über den Leistungsstand der Schüler. Welche Erfahrungen gibt es zu Nutzen und Nebenwirkungen? Welche Gefahren sind zu bedenken? Was kann getan werden, um negative Wirkungen und Entwicklungen zu vermeiden? Zwei Standpunkte vor dem Hintergrund unterschiedlicher Erfahrungen.

Antje Liening

Gemeinschaftsschulen

Die Schulform Gemeinschaftsschule gibt es inzwischen in acht Bundesländern. Leicht erkennbar ist, dass es innerhalb dieser Schulform Ähnlichkeiten und Unterschiede gibt. Konzeptionelle Überlegungen, Handlungsempfehlungen, Konzept und Erfahrungen einer Schule und erste Ergebnisse einer Studie zu Heterogenität als Handlungsproblem in Gemeinschaftsschulen liegen inzwischen vor. Die derzeit noch überschaubare Anzahl von Publikationen kann helfen, in einer eher unüberschaubaren Situation einen Überblick zu bekommen.

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