11´13Mit neuen Anforderungen umgehen

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Welche neuen Anforderungen an Schule und Lehrkräfte sind hinzugekommen? Was ist sinnvoll und leistbar? Wie kann Schule neue Anforderungen kreativ aufnehmen? Wo liegen Grenzen und wie kann Überforderung vermieden werden?

Berufsfelder ändern und damit auch deren Anforderungen – das ist selbstverständlich. Selbstverständlich sollte aber auch sein, dass die damit verbundenen neuen Anforderungen gesehen und Ressourcen zur Verfügung gestellt werden.

Das kommende Heft fragt: Welche verpflichtenden Aufgaben sind in den letzten Jahren für Lehrkräfte, Kollegien und Schulen hinzugekommen? Welche Entwicklungen stehen dahinter? Welche Chancen und welche Belastungen ergeben sich daraus? Und wie kann vermieden werden, dass neue Anforderungen zu Überforderungen werden?

Die Beiträge geben Antworten und Anregungen zu den folgenden Fragen:

  • Was sind neue Anforderungen und was können Lehrkräfte leisten?
  • Wie können Veränderungen in der Organisation dazu beitragen, Belastungen zu reduzieren?
  • Wie erlebt eine erfahrene Lehrerin eine neue Sekundarschule mit den Anforderungen von Ganztag, Inklusion und heterogeneren Lerngruppen?
  • Wie können Lehrkräfte die Anforderungen der Inklusion konstruktiv gestalten?
  • Was ist Selbstausbeutung und wie lässt sich Schule ohne Selbstausbeutung erneuern?
  • Was bedeutet professioneller Umgang mit Anforderungen und was können Lehrkräfte dafür tun?

Allen Erfahrungsberichten gemeinsam sind die Fragen: Welche Chancen bieten die neuen Anforderungen? Wie lässt sich das Umschlagen in Überforderung vermeiden? Was ist zur Unterstützung notwendig? Ein wichtiges Fazit ist: Bei widersprüchlichen und unerfüllbaren Anforderungen müssen Lehrkräfte und Schulen unter pädagogischen Gesichtspunkten und transparent entscheiden, was getan werden soll und was nicht.

Johannes Bastian

Neue Anforderungen – neue Belastungen?

Was Lehrer realistisch betrachtet leisten können

Hans Werner Heymann

In den letzten Jahren sind für Lehrerinnen und Lehrer viele verpflichtende Aufgaben neu hinzugekommen. Welche bildungspolitischen Entwicklungen stehen hinter diesen Aufgaben, welche Anforderungen erwachsen aus ihnen und wie hängen diese Anforderungen miteinander zusammen? Welche Belastungen ergeben sich im Schulalltag aus ihnen und wie lässt sich vermeiden, dass sie zu »Überforderungen« werden?

Im Mittelpunkt des neuen Heftes stehen nicht in erster Linie die allgemeinen Anforderungen im Lehrerberuf, die aus ihnen erwachsenden persönlichen Belastungen und der auf Entlastung gerichtete Umgang mit ihnen; dieses Thema wurde von der PÄDAGOGIK zuletzt in Heft 11/2010 aufgegriffen (und auch in einem Beitrag zur Serie »Was wissen wir über Lehrerinnen und Lehrer«, siehe Rothland 2012). Das vorliegende Heft konzentriert sich stattdessen auf den Sektor der in den letzten Jahren neu hinzugekommenen und gleichermaßen verpflichtenden Aufgaben für Lehrer(innen), die natürlich neue Anforderungen mit sich bringen und – wenn nicht für eine angemessene Kompensation gesorgt wird – zu neuen Belastungen, vielfach sogar zu Überlastung führen, bis hin zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen.

Spezifische Anforderungen bringt selbstverständlich jeder Beruf mit sich; und da sich die Lebenswelt ändert, in der und für die wir unseren Beruf ausüben, ändern sich im Laufe der Zeit auch die Anforderungen: Neue kommen hinzu, andere hingegen entfallen.

Wann werden »neue Anforderungen« zu einem Problem?

Normal ist es, dass Berufsanfän­ger(innen) – übrigens nicht nur im Lehramt – die Anforderungen ihres Berufsalltags als »neu« empfinden: Sie sehen sich mit einer Fülle von Aufgaben konfrontiert, auf deren Bewältigung sie im Rahmen ihres Studiums und ihrer Berufsausbildung nur im Ausnahmefall konkret vorbereitet wurden. Das Kämpfen mit ungewohnten und teilweise auch so nicht erwarteten Anforderungen ist für den Berufsanfänger geradezu das Standardproblem, das er/sie dann häufig als »Praxisschock« wahrnimmt. Da sich aber berufliche Professionalität zu einem ganz wesentlichen Teil on the job entwickelt, hat das für die zukünftige berufliche Entwicklung in der Regel keine negativen Auswirkungen, im Gegenteil: Wenn sich Berufsanfänger(innen) ernsthaft und lernbereit auf ihren Berufsalltag einlassen, werden die neuen Anforderungen zu einer positiven Herausforderung, ihre zunehmende Meisterung trägt zur Entwicklung eines »professionellen Selbst« bei (Bauer 2002, S. 21; vgl. auch Heymann 2009).

Die Etablierung und Aufrechterhaltung funktionierender Kooperationsstrukturen kostet selbst Zeit.

Diese »normalen« neuen Anforderungen, denen sich Berufs­an­fänger(innen) zu stellen haben, stehen hier deshalb nicht im Fokus des Interesses. Stattdessen soll es um Anforderungen gehen, die auch routinierte Lehrerinnen und Lehrer als »neu« (und häufig als extrem belastend) erleben, weil ihnen ihre bisherige, zum Teil langjährige Berufserfahrung keine hinreichenden Mittel an die Hand gibt, sie zu bewältigen. Plötzlich scheinen Kompetenzen gefragt zu sein, die nicht zum Kern des über viele Jahre entwickelten »professionellen Selbst« gehören. Erschwerend kommt für viele Kolleg(inn)en hinzu, dass ihr Bild des eigenen Berufsprofils und ihr berufliches Selbstverständnis nicht mehr zu dem zu passen scheinen, was plötzlich an neuen Aufgaben von ihnen erwartet wird.

Um welche Anforderungen geht es konkret?

Gesellschaftliche Entwicklungen, pädagogische Einsichten und bildungspolitisches Umdenken haben dazu geführt, dass den Schulen und den in ihr arbeitenden Menschen in den letzten Jahren eine ganze Reihe neuer Aufgaben zugemutet wurde, die zu »neuen Anforderungen« im erläuterten Sinne führen. Geradezu exem­plarisch lassen sich viele von ihnen in den Äußerungen der erfahrenen Kollegin identifizieren, die Karin Heymann ein Jahr nach ihrem Wechsel an eine der neugegründeten nordrhein-westfälischen Sekundarschulen interviewt hat (siehe den Beitrag »Was ist neu für dich …«). Ich liste diese Anforderungen zunächst einfach in der Reihenfolge auf, in der sie im Gespräch thematisiert werden:

  • gestiegene Erwartungen an Verschriftlichung und Dokumentation (Lern- und Förderempfehlungen, Arbeits- und Sozialverhalten)
  • Ganztags- statt Halbtagsschule
  • Umgang mit heterogener zusammengesetzten Klassen
  • Anspruch aller Schülerinnen und Schüler auf individuelle Förderung
  • Inklusion
  • Notwendigkeit zur Veränderung des Unterrichts (Binnendifferenzierung/Kooperatives Lernen …)
  • veränderte Leistungsbewertung
  • Lernberatung
  • kollegiale Kooperation und Teamarbeit
  • intensivere Elternarbeit

Als daraus resultierende Hauptbelastung wird von der befragten Kollegin, die im Grunde all diese neuen Aufgaben bejaht und für sich ernst nimmt, die immense Zeitnot genannt, die außerhalb der Ferien kaum noch Raum für Freizeit lasse. Offensichtlich praktiziert sie genau die »Selbstausbeutung«, die Marianne Demmer in ihrem Beitrag so präzise wie bedrückend beschreibt.

Die oben genannten Faktoren haben jedoch einen sehr unterschiedlichen Stellenwert und sind zudem auf komplexe Weise miteinander verknüpft. Es gibt Anforderungsfelder, die unmittelbar auf bildungspolitische Vorgaben und gesellschaftliche Entwicklungen zurückzuführen sind, und solche, die sich als Folgewirkungen für die Beteiligten daraus ergeben.

Bildungspolitisch und gesellschaftlich induzierte Anforderungsfelder

Ganztagsschulen

Politisch gewollt ist die zunehmende Einrichtung von Ganztagsschulen, entweder durch Umwandlung bestehender Halbtagsschulen oder durch Neugründungen. Dabei handelt es sich um eine für unsere Gesellschaft durchaus naheliegende Reform angesichts der Tatsache, dass bei immer mehr Schülern beide Eltern oder – bei Zuständigkeit nur eines Elternteils – der alleinerziehende Elternteil berufstätig sind. Doch auch aus pädagogischen und sozialen Gründen spricht vieles für Ganztagsschulen. Insbesondere besteht die begründete Hoffnung, dass sie die in Deutschland besonders ausgeprägte Ungleichheit der Bildungschancen mildern können.

Individuelle Förderung

Schon in den von der KMK 2001 als politische Reaktion auf PISA beschlossenen Handlungsfeldern wurde der individuellen Förderung – zunächst vor allem im Blick auf die schwächeren Schüler – eine hohe Priorität zuerkannt. Mittlerweile wird sie in allen Bundesländern den Schulen als pädagogische Leitlinie vorgegeben. Im nordrhein-westfälischen Schulgesetz (§1, (1)) ist sie sogar als Recht verankert: »Jeder junge Mensch hat … ein Recht auf … individuelle Förderung.« Die Unterstützung ihrer Umsetzung im Schulalltag durch die zuständigen Länderministerien erfolgte allerdings eher halbherzig: Gezielte, pädagogisch-didaktisch fundierte und nachhaltige Fortbildungen sind nach wie vor Mangelware (vgl. die Beiträge von Silvia Greiten und Marianne Demmer in diesem Heft). Gelingende individuelle Förderung hängt deshalb in hohem Maße vom Engagement einzelner Schulen (Beitrag von Sylke Reimann-Perez) und Lehrer(innen) ab.

Inklusion

Inklusion wurde erst zu einer Vorgabe für Regelschulen, als die Bundesrepublik Deutschland im Jahre 2009 die UN-Behindertenrechtskonvention unterzeichnet hatte. In der Lehrerschaft wird sie deutlich kontroverser diskutiert als die individuelle Förderung – dabei lässt sich Inklusion im Prinzip als eine erweiterte und besonders konsequent gehandhabte individuelle Förderung im Rahmen »Gemeinsamen Lernens« verstehen (vgl. den Beitrag von Eva-Maria und Thomas Franzkowiak). Wie schon bei der individuellen Förderung erläutert, erweist sich allerdings auch bei der Inklusion die praktische Umsetzung als problematisch und die einzelne Lehrkraft oft überfordernd, nämlich dann, wenn keine Gelegenheit gegeben wurde, sich die dafür erforderlichen besonderen Kompetenzen anzueignen, und wenn die notwendigen Ressourcen und ein unterstützendes Umfeld fehlen.

Heterogener zusammengesetzte Klassen

Als Folge gesellschaftlicher Entwicklungen und politischer Entscheidungen – die zum Teil gar nicht primär bildungspolitisch motiviert waren, sondern als Reaktion auf den demografischen Wandel getroffen wurden – sind schließlich die heterogener zusammengesetzten Klassen im Sekundarbereich anzusehen. Sie ergeben sich erstens durch Schließungen von Hauptschulen bzw. durch Zusammenlegungen von Real- und Hauptschulen, zweitens als Folge der Neugründung von Gesamt- und Gemeinschaftsschulen. Nicht zu vernachlässigen ist – wenn auch nicht politisch intendiert –, dass auch an vielen Gymnasien die Heterogenität deutlich zunimmt: Diese Entwicklung ist eine logische Folge daraus, dass von Schülerjahrgang zu Schülerjahrgang ein immer größerer Anteil der Kinder nach der Grundschule auf das Gymnasium als weiterführende Schule wechselt.

Anforderungen, die sich als Folgewirkungen verstehen lassen

Schon allein die größere Heterogenität in den Klassen zieht fast zwingend die Notwendigkeit nach sich, den Unterricht zu verändern: Der an deutschen Schulen noch immer sehr verbreitete gleichschrittige Unterricht stößt immer häufiger an seine Grenzen, weil es nahezu unmöglich ist, über ihn alle Schülerinnen und Schüler auf eine Weise zu erreichen, die sie erfolgreich lernen lässt. Unter dem Anspruch der individuellen Förderung oder gar der Inklusion verschärft sich dieses Argument noch. Veränderung des Unterrichts ist jedoch nicht allein eine Frage des guten Willens. Die nötige Erweiterung des methodischen Repertoires – z. B. in Richtung binnendifferenzierender Maßnahmen, kooperativen Lernens und stärkerer Individualisierung – ist auf die Aneignung neuer Kompetenzen und Routinen auf Lehrer- wie auf Schülerseite angewiesen, die ihrerseits durch qualifizierte Fortbildungen angestoßen werden müsste (vgl. dazu K. Heymann 2012). Die gibt es zwar, aber gemessen am Bedarf viel zu wenig. Außerdem ist die Veränderung des eigenen Unterrichts kaum zu leisten, solange man als Einzelkämpfer agiert. Als weitere Folge stellt sich deshalb die Notwendigkeit zu einer – möglichst durch die Schulleitung aktiv unterstützten – verstärkten kollegialen Kooperation und Teamarbeit ein, die ihrerseits, sofern sie bislang an der eigenen Schule unüblich war, organisiert und gelernt werden muss (s. die Beiträge von S. Greiten, E.-M. u. T. Franzkowiak und S. Reimann-Perez).

Eine funktionierende kollegiale Kooperation wird überdies in so gut wie allen Erfahrungsberichten des vorliegenden Themenschwerpunkts auch als Bedingung gelingender individueller Förderung und Inklusion genannt – ihr kommt unter den aktuellen Reformzielen also eine Schlüsselstellung zu. Darauf, dass diese Anforderung selbst zu einem zusätzlichen Belastungsfaktor werden kann, gehe ich im nächsten Abschnitt ein.

Aus dem Anspruch, die Schülerinnen und Schüler individuell zu fördern, lassen sich dann auch die bisher noch nicht genannten neuen Anforderungen ableiten: eine individuelle Lernberatung (die die verbindlichen, schriftlich formulierten Förderpläne und Lern- und Förderempfehlungen einbezieht, aber deutlich über sie hinausgeht), eine intensivere Elternarbeit sowie eine veränderte Leistungsbewertung (mit letzterer wird selbstverständlich auch auf die gesteigerte Heterogenität und die Inklusion von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf reagiert). Zusammenhänge, Abhängigkeiten und Wechselwirkungen – zum Teil über die im Text schon näher erläuterten hinaus – verdeutlicht in schematischer Vereinfachung Abb. 1.

Wechselwirkungen und Ambivalenzen

Ob ein Tief über Island unserem Garten heute in einer Woche Regen bescheren wird, lässt sich nicht verlässlich vorhersagen. Ebenso wenig lässt bei isolierter Betrachtung einer (zunächst sinnvollen) schulischen Anforderung vorhersagen, ob sie für mich als einzelne(n) Lehrer(in) auf die Dauer zur Belastung oder gar Überlastung wird – entscheidend ist wie beim Wetter die Gesamtkonstellation der Faktoren und ihre Wechselwirkung.

Ziemlich sicher werden aus neuen Anforderungen Überforderungen,

  • wenn zu viel auf einmal verlangt wird,
  • wenn das Verlangte nicht hinreichend koordiniert und aufeinander abgestimmt ist,
  • wenn für das Verlangte keine hinreichenden Unterstützungsangebote da sind (z. B. fundierte Fortbildung),
  • wenn das Klima im Kollegium schlecht ist,
  • wenn Schulaufsicht und/oder Schulleitung nicht unterstützen und ermutigen, sondern eher gängeln und misstrauen.

Die Veränderung des eigenen Unterrichts ist kaum zu leisten, solange man als Einzelkämpfer agiert.

Am Beispiel kollegialer Kooperation lässt sich zudem gut verdeutlichen, wie ambivalent einzelne Anforderungen sein können. Weitgehende Einigkeit herrscht in der Fachwelt – und auch unter den in diesem Heft versammelten Autor(inn)en – dass sowohl eine maßgebliche Veränderung von Unterricht als auch nachhaltige individuelle Förderung und Inklusion ohne eine intensive kollegiale Kooperation und Teamarbeit kaum gelingen können. Nicht zuletzt wird immer wieder der für den Einzelnen kaum zu bewältigende Zeitaufwand ins Feld geführt, der etwa in einem individualisierenden Unterricht aufgewendet werden müsste, wenn sich jeder Lehrer für sich um die erforderlichen diagnostischen Aktivitäten, um die Erstellung passenden Unterrichts- und Lernmaterials sowie um die curriculare Detailplanung kümmern müsste (vgl. Greiten, Franzkowiak, Heymann/Korstian, Reimann-Perez im vorliegenden Heft). Sinnvolle Arbeitsteilung kann selbstverständlich die einzelne Lehrkraft entlasten. Umgekehrt kostet die Etablierung und Aufrechterhaltung funktionierender Kooperationsstrukturen selbst viel Zeit, vor allem in der Anfangsphase und dann, wenn sie bis dahin ungewohnt war. Gibt es dann auch noch Kolleginnen und Kollegen, die generell Schwierigkeiten mit einer solchen engen Zusammenarbeit haben, die möglicherweise Angst haben, ihren eigenen persönlichen Stil aufgeben zu müssen, die eventuell auch offen oder versteckt miteinander konkurrieren, so kann aus dem erhofften Zeitvorteil ein zusätzlicher Zeitfresser und damit eine zusätzliche Belastung werden.

Mit Anforderungen professionell umgehen

Weder kluge Analysen der »neuen Anforderungen« noch allzu berechtigte Forderungen an die für das Schulwesen verantwortlichen staatlichen Stellen nach mehr Unterstützung und Entlastung nehmen dem einzelnen Lehrer, der einzelnen Lehrerin das Päckchen ab, das er/sie zu tragen hat. Wie lässt sich vermeiden, dass Anforderungen zu Überforderungen ausarten?

Reinhold Miller gibt in dem Beitrag, der den Themenschwerpunkt abschließt, hilfreiche Verhaltenstipps für eine Reihe potenziell belastender Situationen, die für den schulischen Alltag typisch sind. Er konzentriert sich dabei auf den zwischenmenschlichen Bereich und den Umgang mit der eigenen Person. Seine Handlungsempfehlungen beschränken sich deshalb nicht auf den Umgang mit den »neuen« Anforderungen, die im Fokus dieses Hefts stehen.

Die von Politik und Schulaufsicht an die Schulen herangetragenen Ansprüche sind oft widersprüchlich und nicht bruchlos umsetzbar – und schon gar nicht lassen sie sich alle gleichzeitig erfüllen. Auf diese Feststellung lässt sich sehr gut die folgende Empfehlung Millers beziehen: »Entscheidungen verantwortlich treffen im Kontext der beteiligten Personen, der entsprechenden Bedingungen und Umstände«. Zugespitzt folgt daraus: Bei unerfüllbaren Ansprüchen ist es Pflicht und Recht der Schulen und der Lehrer, unter pädagogischen und pragmatischen Gesichtspunkten zu filtern und selbst zu entscheiden, was unbedingt getan werden sollte – nicht zuletzt, um der »Überforderungsfalle« zu entgehen.

Literatur

Bauer, K.-O. (2002): Vom Allroundtalent zum Professional. Was bedeutet Lehrerprofessionalisierung heute? In: PÄDAGOGIK H. 11/2002, S. 18 – 22
Groeben, A. v. d./Kaiser, I. (2012): Werkstatt Individualisierung. Hamburg
Heymann, H. W. (2009): Praxis bildet – aber wie? In: PÄDAGOGIK H. 9/2009, S. 6 – 10
Heymann, H. W. (2010): Belastungen erkennen und ihnen begegnen. In: PÄDAGOGIK H. 10/2010, S. 6 – 9
Heymann, K. (2012): Guten Unterricht entwickeln und praktizieren. In: PÄDAGOGIK H. 12/2012, S. 36 – 39
Klippert, H. (2006): Lehrerentlastung. Weinheim u. Basel
Rothland, M. (2012): Was wissen wir über Belastung und Beanspruchung im Lehrerberuf? In: PÄDAGOGIK H. 4/2012, S. 42 – 45
Schaarschmidt, U./Kieschke, U. (Hg.) (2007): Gerüstet für den Schulalltag. Psychologische Unterstützungsangebote für Lehrerinnen und Lehrer. Weinheim u. Basel
Schulgesetz für das Land Nordrhein-Westfalen (2005): Abrufbar unter http://www.schulministerium.nrw.de/BP/Schulrecht/Gesetze/Schulgesetz.pdf (1.8.13)

Dr. Hans Werner Heymann ist Professor für Erziehungswissenschaft an der Universität Siegen (seit 2012 im Ruhestand) und Redaktionsmitglied von PÄDAGOGIK.
Adresse: Kök 46, 33824 Werther
E-Mail: heymann@paedagogik.uni-siegen.de

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Mehr als nur ein Referat

Präsentieren im Unterricht

Die Schülerpräsentation nimmt seit einigen Jahren eine immer wichtigere Rolle im Unterricht ein. Aber was macht eine gelungene Präsentation eigentlich aus? Wie kann ich meine Schüler gut auf die Herausforderung Präsentation vorbereiten und nach welchen Kriterien sollte die Bewertung erfolgen? Welche besonderen Anforderungen stellen sich bei Vorträgen im naturwissenschaftlichen Unterricht? Antworten auf diese Fragen bekamen 32 Lehrer, die in diesem Frühjahr im Hamburger Landesinstitut an einem neu geschaffenen Angebot der Klaus Tschira Stiftung teilnahmen. »Jugend präsentiert« heißt das Projekt und zielt auf die Stärkung der Präsentationskompetenzen von Schülern.

Bisher fehlt es an klaren Vorgaben

Ein gut gehaltener, flüssiger Vortrag, dem es jedoch an inhaltlicher Substanz mangelt, ist nicht viel wert. Eine inhaltlich fehlerfrei vorbereitete Präsentation kann nicht überzeugen, wenn die Medien falsch gewählt sind oder am Adressaten vorbei präsentiert wird. Das sind Situationen, die Lehrkräfte bei Präsentationen ihrer Schüler wiederholt erleben. Vier Trainer des Projektes vom Seminar für Allgemeine Rhetorik der Uni Tübingen sind angereist, um das zweieinhalbtägige Seminar zu gestalten. Die zu Beginn des Seminars gesammelten Erwartungen der Teilnehmer zeichnen ein klares Bild: Es mangelt an einheitlichen Vorgaben für Schüler zur Präsentationsvorbereitung, weshalb häufig der rote Faden fehlt und dadurch der Lerneffekt für die Mitschüler leidet. »Diese Probleme de­cken sich mit unseren Erfahrungen, die wir bereits in anderen Trainings sammeln konnten – jeder hat eine eigene Vorstellung davon, wie eine Präsentation auszusehen hat, doch schul- und fächerübergreifend fehlt es an Konzepten« erklärt Carmen Lipphardt vom Trainerteam. Sie war mit ihren Kollegen für die inhaltliche Erarbeitung des umfangreichen Lehrerhandbuchs zuständig, das sich in fünf Module gliedert. »Die einzelnen Module decken alle Bereiche ab, die bei der Erstellung einer Präsentation relevant sind. Dabei finden die Lehrer in dem Handbuch nicht nur Hintergrundwissen, sondern vor allem Übungen und didaktische Hinweise«, so Lipphardt. Alle Module erschöpfend zu behandeln ist im Rahmen der Fortbildung nicht möglich. Thomas Susanka, ebenfalls Trainer, erläutert: »Wir haben für den Anfang drei Module ausgewählt, die die Funktionsweise unserer Materialien gut veranschaulichen. Dabei halten wir die Rhetorische Situationsanalyse als Grundlage für alle weiteren Schritte bei der Planung einer Präsentation für besonders wichtig. Außerdem haben wir festgestellt, dass der Medieneinsatz und die Performanz für die Teilnehmer von besonderem Interesse sind.«

Mögliche Bewertungskriterien

Als Einstieg diskutieren die Teilnehmer mögliche Bewertungskriterien. Als Leitplanken raten die Trainer, das Darstellungsvermögen, die Adressatenorientierung sowie die Sachkenntnis bei der Bewertung zu berücksichtigen. Wichtig sei, die Kriterien mit den Schülern gemeinsam zu erarbeiten und bei diesem zentralen Thema Transparenz zu schaffen. Der von »Jugend präsentiert« angebotene Bewertungsbogen greift diese Kriterien auf und stößt auf Zustimmung bei den Teilnehmern. Wie interessiere ich meine jüngeren Geschwister, einen Priester oder zum Beispiel einen Kletterer am besten für Kakerlaken und Geckos, die als Vorbild für die Konstruktion von Robotern herangezogen werden? Diese Aufgabe bearbeiten die Teilnehmer als Teil des Themas Rhetorische Situationsanalyse. Dieses Modul ist das erste der fünf im Multiplikatorenhandbuch von »Jugend präsentiert«. Dabei wird die soziale Kompetenz der Schüler gefordert und gefördert, denn es geht darum, sich in eine Situation und vor allem in die Zuhörer hineinzuversetzen.

Nach der Theorie folgt die Praxis: Dass Medien in einer Präsentation auch mehr sein können als Powerpoint-Folien ist zwar keine Überraschung, dennoch fehlt häufig die Zeit, etwas anderes auszuprobieren: Das Seminar eröffnet diese Möglichkeit, denn die Teilnehmer wählen zwischen dem Dreh eines Erklärvideos oder dem Erstellen einer Folienpräsentation mit dem Präsentationsprogramm Prezi. Insbesondere bei der Erklärvideo-Gruppe kommt es zu einem Aha-Effekt: »Viele Teilnehmer sind überrascht, mit welch einfachen Mitteln sich wirkungsvolle Erklärvideos umsetzen lassen. Mit geringem technischen Aufwand entstehen sehr anschauliche Videos«, fasst Lipphardt die Stimmung zusammen. Der Einsatz wird am Nachmittag belohnt, wenn alle Teilnehmer das 500-seitige Multiplikatorenhandbuch und den Trainingsfahrplan von Jugend präsentiert ausgehändigt bekommen. »Es ist eine sehr umfangreiche Handreichung, die Multiplikatoren bei der Durchführung von schulinternen Lehrerfortbildungen unterstützt. Die vorbereiteten Übungen eignen sich auch, um direkt im Unterricht ausprobiert zu werden«, erläutert Susanka. Als Einstieg in die Arbeit mit den Materialien werden Minicurricula erarbeitet.

Multimedia-Karaoke

Der dritte Seminartag widmet sich dem Thema Performanz mit der Übung »Multimedia-Karaoke«. Es wird präsentiert, was die unbekannten Folien zeigen. Nicht nur Phantasie, sondern auch Spontaneität ist gefragt – hier setzt die Übung an, denn in der Videoanalyse beurteilen die anderen Teilnehmer, wie der Präsentierende sich unabhängig vom Inhalt der Präsentation vor dem Publikum gibt. Die eigentliche Aufführung der Präsentation ist eng verknüpft mit der Feedbackkultur einer Klasse. Die Schulung von fairem und konstruktivem Feedback wird durch Grundregeln unterstützt.

Welches Fazit ziehen die Teilnehmer nach drei Tagen? Bente Christiansen, Wettbewerbskoordinatorin am Gymnasium Bondenwald in Hamburg, gibt Antworten:

  1. Warum ist das Thema Präsentation relevant für Sie beziehungsweise Ihre Schüler?
    Ich unterrichte »Präsentieren« im Seminar unseres naturwissenschaftlichen Oberstufenprofils, in dem wir ein halbes Jahr lang das Präsentieren üben. Außerdem gibt es die Präsentationsprüfung im Abitur und hier in Hamburg wird pro Schuljahr eine Klausur durch eine Präsentation ersetzt.
  2. Was nehmen Sie von dem Multiplikatorentraining für sich und Ihre Schüler mit?
    Dass Jugend präsentiert in kleinen Häppchen lehr- und lernbar ist. Dass es gutes Material und Hilfestellungen gibt, die auch einsetzbar sind! Und die Idee des Wettbewerbscharakters – es kommt einfach gut an bei den Schülerinnen und Schülern, dass so etwas auch spielerisch erlernbar ist.
  3. Haben Sie schon konkrete Ideen zur Umsetzung in Ihrem Unterricht?
    Ich werde eine schulinterne Fortbildung zum Thema »Jugend präsentiert« an meiner Schule anbieten. Dem didaktischen Koordinator und der Schulleiterin werde ich das Material für Vertretungsstunden anbieten – das ist ein Minimalansatz, der schon von alleine gut läuft. Wir sind gerade dabei, an unserer Schule das schulinterne Curriculum zu verschriftlichen, um so einen verbindlichen Charakter zu schaffen. Als Wettbewerbskoordinatorin setze ich mich dafür ein, dass darin auch Wettbewerbe wie Jugend präsentiert fest verankert werden.

Weitere Informationen zum Projekt finden sich unter www.jugend-prae­sentiert.info.
Friederike Gräßer

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Mehr Wiederholer in Baden-Württemberg

Nachdem Baden-Württemberg im vergangenen Jahr die verbindlichen Grundschulempfehlungen abgeschafft hat, sind mehr Schülerinnen und Schüler sitzengeblieben als früher. In diesem Jahr haben rund 1 300 (3,9 Prozent) der 34 000 Realschüler nicht den Übergang in die sechste Klasse geschafft. Das ist im Vergleich zu 2011/12 eine Verfünffachung des Anteils von damals 0,7 Prozent. Von den 38 000 Fünftklässlern im Gymnasium müssen rund 500 (1,3 Prozent) die Klasse wiederholen. Damit hat sich der Anteil gegenüber einem Jahr zuvor mehr als verdoppelt.

Im vergangenen Schuljahr hatten erstmals auch Schüler mit Real- und Haupt-/Werkrealschulempfehlung die Möglichkeit, nach der vierten Klasse direkt auf das Gymnasium zu wechseln. Dies führte dazu, dass elf Prozent der Gymnasiasten in der fünften Klasse eine Realschulempfehlung hatten sowie knapp ein Prozent eine Werkreal- oder Hauptschul-Empfehlung. Außerdem war knapp einem Viertel der Fünftklässler an Realschulen von ihren Grundschullehrern der Besuch einer Werkrealschule empfohlen worden.

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Mehr Promotionen bei Fachhochschul-Studenten

Immer mehr Absolventinnen und Absolventen von Fachhochschulen erwerben zusätzlich zu ihrem Diplom auch noch einen Doktortitel. Im Zeitraum von 2009 bis 2011 ist die Zahl der Promotionen gegenüber dem Zeitraum von 2006 bis 2008 um fast 50 Prozent gestiegen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Umfrage der Hochschulrektorenkonferenz (HRK). Die meisten Doktortitel werden in den Ingenieurwissenschaften verliehen, gefolgt von den Naturwissenschaften. Der Präsident der HRK Horst Hippler sieht in diesem Trend auch ein Anzeichen für die wachsende Durchlässigkeit des Hochschulsystems.

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Modernisierte Ausbildungsgänge

Mit dem neuen Ausbildungsjahr hat die Kultusministerkonferenz (KMK) zwölf Ausbildungsgänge modernisiert und zwei neue Berufe in der dualen Ausbildung eingeführt. Dazu gehören Ausbildungsgänge im Kraftfahrzeug- und im Klempnergewerbe sowie im Weinbau. Nach Auskunft der KMK sind die neu geordneten Ausbildungsberufe dem Qualifikationsbedarf der Wirtschaft, dem technologischen Fortschritt sowie internationalen und europäischen Vorgaben angepasst worden. So werden sich die Auszubildenden im Klempnerberuf künftig auch mit Erneuerbaren Energien, der Architektur, der Fertigungs-, Montage- und Abdichtungstechniken sowie mit einer kundenorientierten Kommunikation beschäftigen müssen.

Es sind auch zwei neue Berufe geschaffen worden: Die zweijährige Ausbildung zur Fachkraft für Metalltechnik löst elf zweijährige Berufe ab, die noch aus der Zeit vor Gründung der Bundesrepublik stammten. Neu ist auch die dreijährige Berufsausbildung zum Stanz- und Umformmechaniker. Weitere Informationen sind unter http://datenreport.bibb.de/html/4709.htm zu finden.

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Global und lokal denken und handeln

Unter diesem Motto findet im laufenden Schuljahr der Schulwettbewerb des Bundespräsidenten zur Entwicklungspolitik statt. Damit sollen Kinder und Jugendliche für globale Zusammenhänge sensibilisiert werden und begreifen, welche Auswirkungen unser Denken und Handeln auf andere Teile der Welt hat. Anhand des Themas können Kompetenzen des Lernbereichs »Globale Entwicklung« in den Bereichen »Erkennen«, »Bewerten« und »Handeln« erworben werden. In diesem Schuljahr stehen insbesondere folgende Kompetenzen im Vordergrund:

  • Erkennen von Vielfalt
  • Analyse des globalen Wandels
  • Reflexion eigener und fremder Denk- und Handlungsmuster (Perspektivenwechsel und Empathie)
  • Solidarität und Mitverantwortung
  • Partizipation und Mitgestaltung

Die Schülerinnen und Schüler können und sollen direkt vor der eigenen Haustür Möglichkeiten zur verantwortlichen Mitwirkung im globalen Entwicklungsprozess entdecken: Sie können ihr alltägliches Handeln reflektieren und entsprechend der gewonnenen Erkenntnisse so nachhaltig wie möglich gestalten – sei es beim Einkauf, auf dem Weg zur Schule, im Klassenraum oder in der Freizeit. Insgesamt gibt es Preise im Wert von über 50 000 Euro zu gewinnen. Einsendeschluss ist der 15. März 2014. Alle weiteren Informationen zu dem Wettbewerb sind auf der Website www.eineweltfueralle.de zu finden.

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Nicht mehr ohne

Viele Menschen in Deutschland können sich ein Leben ohne ihr Smartphone nicht mehr vorstellen. Dies zeigen die Ergebnisse einer vor kurzem erschienenen Studie des Informations- und Medienunternehmens Nielsen und der Ergo-Direktversicherung. Nachdem sich diese smarten Helfer in rasanter Geschwindigkeit verbreitet haben (etwa zwei Drittel aller Handynutzer besitzen mittlerweile ein Smartphone), werden sie für immer mehr Aufgaben verwendet und sind für viele aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. So sind das Einkaufen per Smartphone, das Instant Messaging sowie Onlinespiele deutlich auf dem Vormarsch.

Das Nutzungsverhalten der Deutschen ist bemerkenswert: 39 Prozent nehmen ihr Smartphone regelmäßig mit auf die Toilette. Diese Quote liegt in Amerika sogar bei 75 Prozent. Außerdem leidet der Studie zufolge fast die Hälfte der 18- bis 25-jährigen am sogenannten Phantomklingeln. Sie glauben, das Vibrieren ihres Smartphones an ihrem Oberschenkel zu verspüren oder einen Klingelton zu hören. Ein Drittel der Nutzer ist im Durchschnitt 14 bis 21 Stunden zu erreichen.

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Lärmbelastung führt oft zur Unzufriedenheit

Hallende, laute Klassenzimmer sind für Lehrerinnen und Lehrer ein besonderer Stressfaktor. Wer in solchen Räumen arbeiten muss, sei deutlich unzufriedener im Vergleich zu Kollegen an schallärmeren Schulen. Dies zeigt eine dänische Studie, über die die Zeitschrift »Psychologie heute« (Weinheim/August) in einer jüngeren Ausgabe berichtet. Der Studie zufolge haben Faktoren wie die Klassengröße oder das soziale Umfeld der Schule demgegenüber keinen Einfluss auf die Arbeitszufriedenheit.

In einer Befragung haben die dänischen Psychologen herausgefunden, dass viele Lehrer über den hohen Lärmpegel an ihrer Schule klagen. Dieser hängt jedoch wesentlich von der Raumakustik ab, denn in hallenden Räumen werden die normalen Schulgeräusche wie Stühlerücken oder Stimmen mehr verstärkt als in schallgedämmten Räumen. Die Forscher hatten für ihre Studie zehn dänische Schulgebäude für ihre Studie ausgewählt: solche mit niedrigem, mittlerem und hohem Nachhall. Die rund 300 Lehrerinnen und Lehrer an diesen Schulen sollten in einem Fragebogen unter anderem einschätzen, wie stark der Lärm an ihrem Arbeitsplatz ist und wie zufrieden sie im Beruf sind. Das Ergebnis war eindeutig: Die Arbeitszufriedenheit hängt bei vielen unmittelbar mit der Lärmbelastung zusammen. Lehrer, die an Schulen mit einer belastenden Raumakustik arbeiteten, waren im Vergleich deutlich unzufriedener und hatten sechsmal häufiger über einen Jobwechsel nachgedacht als Kollegen in Gebäuden mit niedrigem Hall. Die Raumakustik kann jedoch mit einfachen Mitteln deutlich verbessert werden. Schon Gardinen, Teppichen, Wandvorhänge oder Kissen tragen zu einer deutlichen Verbesserung bei. Die Originalstudie ist im Fachjournal »Environment and Behavior« veröffentlicht. (Fachartikelnummer DOI: 10.1177/0013916511429700).

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Auszeichnung für Internetseite »Mein Unterricht«

Die Lehr- und Lernplattform www.meinUnterricht.de ist mit dem  Comenius Award ausgezeichnet worden. Mit dem Preis werden Bildungsmedien ausgezeichnet, die mit innovativen und pädagogisch, didaktisch inhaltlich und gestalterisch besonders wertvollen und hochwertigen Medien den Bildungsbereich verändert. Er wurde in diesem Jahr zum 18. Mal verliehen.

Die Berliner Online-Plattform www.meinUnterricht.de unterstützt Lehrer und Referendare bei der Unterrichtsvorbereitung. Sie bietet ihnen die Möglichkeit, ihren Unterricht komplett online vorzubereiten. Dafür steht ihnen eine umfangreiche Bibliothek mit tausenden Unterrichtsmaterialien der renommierten Fachverlage wie Auer, AOL, Ernst Klett Sprachen, Friedrich, Persen/Bergedorfer, PONS und Raabe zur Verfügung, die zum Teil erstmals in digitaler Form angeboten werden. Überdies können Lehrende ihre eigenen Unterrichtsmaterialien hochladen und verwalten. In Kürze erhält die Plattform auch einen Editor, mit dem die Pädagogen selbst Lerninhalte gestalten und zusammenstellen können.

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Auf in die große, weite Welt

Die Webseite www.weltwaerts.de bietet Informationen und Erfahrungsberichte für Freiwillige, Rückkehrer und Rückkehrerinnen sowie Entsendeorganisationen des entwicklungspolitischen Freiwilligendienstes »Weltwärts«. Auf der Einsatzplatzbörse können sich Interessierte über die mehr als 6 000 Einsatzmöglichkeiten weltweit informieren. Aus den Einsatzländern berichten Freiwillige, wie spannend der Freiwilligendienst sein kann und welche Erfahrungen sie nach Hause mitbringen. Außerdem soll das entwicklungspolitische Engagement der Rückkehrer und Rückkehrerinnen gestärkt werden. Ein besonderes Angebot ist die Engagement-Landkarte. Sie zeigt, bei welchen Gruppen und Organisationen ehemalige Freiwillige in Deutschland entwicklungspolitisch aktiv werden können. Der entwicklungspolitische Freiwilligendienst Weltwärts entsendet jährlich rund 3 500 Freiwillige im Alter von 18 bis 28 Jahren in Entwicklungsländer.

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Berlin: Bessere Deutschkenntnisse bei Erstklässlern

In Berlin haben vor allem Grundschüler aus einfachen Verhältnissen und aus Familien mit Migrationshintergrund Probleme mit Übergewicht und mangelnden Deutschkenntnissen. Allerdings ist die Entwicklung nach Auskunft von Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) in den letzten Jahren grundsätzlich positiv. Im Rahmen der Einschulungsuntersuchung waren rund 28 200 Berliner Kinder untersucht worden.

Den Ergebnissen zufolge hatten nur etwa zwei Drittel der Kinder mit ausländischen Wurzeln gute oder sehr gute Deutschkenntnisse. Im Jahr 2005 lag diese Quote allerdings nur bei etwa 50 Prozent. Etwa zehn Prozent der Mädchen und Jungen waren übergewichtig oder fettleibig. Dies ist nur ein geringer Unterschied zum Jahr 2005, in dem dies bei zwölf Prozent festgestellt worden war. Die Untersuchung zeigt überdies, dass Kinder aus Familien mit geringem Bildungsgrad etwa doppelt so häufig betroffen sind wie Kinder aus der Mittel- und Oberschicht. Dies gilt auch für Kinder aus ausländischen Familien im Gegensatz zu Kindern deutscher Herkunft.

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Neue Website zur Friedensbildung an Schulen

Die neue Website www.friedensbildung-schule.de stellt vielfältige Unterstützungsangebote für friedenspädagogische Vorhaben im Unterricht kostenfrei zur Verfügung. Lehrerinnen und Lehrer sowie andere Interessierte finden dort Materialien zur politischen Bildung junger Menschen, können Kontakt zu Referentinnen und Referenten aufnehmen und auf eine umfassende Dokumentation der aktuellen Diskussion um Friedensbildung in der Schule zugreifen. Außerdem sind auf der Website Unterrichtsmaterialien zu finden, geordnet in einer Datenbank nach Klassenstufe, Thema und Fach. Diese Materialien wurden von Fachleuten nach Kriterien fachlicher, didaktischer und friedenspädagogischer Art gesichtet und sortiert. Weiterhin gibt es Videos, Kampagnen, Ausstellungen oder Planspiele, mit denen sich der Unterricht ergänzen lässt. Mit diesen fortlaufend erweiterten Materialien kann zu den Themen Konflikte, Krieg und Frieden konstruktiv-kritisch gearbeitet werden. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf den Möglichkeiten der zivilen Konfliktbearbeitung.

Ein besonderer Service für Lehrende ist das Format »Aktuelle Stunde«: Zu einem gegenwärtig friedenspolitisch relevantem Thema kann eine Stundenplanung inklusive Materialliste heruntergeladen werden. Darüber hinaus gibt es auf der Website Informationen zur Friedenspädagogik, Literaturtipps, Hinweise für Eltern und Schülerinnen sowie einen Weiterbildungs- und Veranstaltungskalender. Dort kann zudem ein Newsletter zu aktuellen Entwicklungen im Bereich der Friedensbildung bestellt werden.

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Hamburg: Ganztag für alle

Seit Beginn des Schuljahres bieten fast alle Hamburger Grundschulen eine ganztägige Betreuung an. Damit ist nach Auskunft von Schulsenator Ties Rabe (SPD) gelungen, die Anzahl der Ganztagsschulen innerhalb von zweieinhalb Jahren auf 200 zu vervierfachen. Die drei noch fehlenden Schulen würden spätestens im übernächsten Jahr nachziehen.

Für die Eltern ist die Anmeldung zu der Betreuung in der Zeit von 13.00 bis 16.00 Uhr an der Mehrzahl der Schulen freiwillig. Aber es gibt zahlreiche auch gebundene Ganztagsschulen, an denen alle Kinder bis 16 Uhr betreut werden. Nach Auskunft von Rabe ist das Interesse deutlich höher als erwartet, erklärte Rabe. Es hätten sich fast zwei Drittel aller Grundschulkinder für die kostenlosen Ganztagsangebote angemeldet.

Die Schulen bieten den Kindern am Nachmittag Hausaufgabenhilfe, Sport und Kulturkurse an. In den Randzeiten – morgens vor der Schule oder nach 16 Uhr – ist die Betreuung kostenpflichtig. Dieses Angebot wird aber bislang nur wenig genutzt. Im Gegenzug laufen die bislang parallel arbeitenden Angebote der Horte aus.

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Bahn: Schulnoten sind nicht mehr so wichtig

Die Deutsche Bahn testet Interessenten für ihre Ausbildungsplätze künftig unabhängig von den Schulnoten. Mit einem Online-Test will die Firma Stärken und Fähigkeiten der Bewerberinnen und Bewerber herausfinden. Nach Auffassung von Personalvorstand Ulrich Weber sind nicht Bestnoten, sondern soziale und kognitive Kompetenzen entscheidend für einen erfolgreichen Berufsweg. »Pflichtbewusstsein oder technisches Verständnis zählen manchmal mehr als die Eins oder die Vier minus in Mathe«, so Weber.

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Schülerwettbewerb für Mathematik, Naturwissenschaften und Technik

»Energie neu denken! Bewegt etwas für Eure Zukunft!« lautet die Aufgabe bei der diesjährigen Ausschreibung des Schülerwettbewerbs der Siemens Stiftung. Bis zum 15. November 2013 haben Schülerinnen und Schüler aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und von Deutschen Auslandsschulen in Europa Zeit, sich mit ihren Ideen und Visionen für den Wettbewerb anzumelden. Auf die Gewinner und ihre Betreuungslehrkräfte warten Preisgelder im Gesamtwert von rund 100 000,– Euro. Zusätzlich werden die erfolgreichen Teilnehmer zu Uni-Tagen eingeladen und können an einem Tutorium teilnehmen, um ihnen den Start ins Studium zu erleichtern. Durch Einbindung der Jugendlichen in das Alumni-Programm der Siemens Stiftung werden eine rege Vernetzung und gemeinsame Aktivitäten der ehemaligen Teilnehmer ermöglicht.

Der Wettbewerb richtet sich an Schülerinnen und Schüler der oberen Jahrgangsstufen in Deutschland (ab Klasse 10), Österreich (Oberstufe ab Klasse 6), der Schweiz (Sekundarstufe II) und an Deutschen Auslandsschulen in Europa (ab Klasse 10). Die Jugendlichen sollen sich eine konkrete Forschungsfrage stellen und diese fundiert beantworten. Einsendeschluss für die Arbeiten ist am 15. Januar 2014. Alle weiteren Informationen sind unter www.siemens-stiftung.org/schuelerwettbewerb zu finden.

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Über das Ziel hinaus

Ein 65-jähriger Lehrer darf länger arbeiten

Ein hessischer Lehrer darf über seinen 65. Geburtstag hinaus arbeiten. Nach einer Entscheidung des Verwaltungsgerichts in Frankfurt muss ihn das Land weiter beschäftigten, weil niemand wegen seines Lebensalters diskriminiert werden dürfe. Laut Gesetz gehen Beamte im Alter von 65 Jahren in den Ruhestand. Dies ist nach Auffassung des Gerichts grundsätzlich auch rechtens, wenn damit bestimmte übergeordnete Ziele wie etwa eine ausgewogene Altersstruktur erreicht werden sollen. In dem konkreten Fall habe das Land Hessen als Arbeitgeber dies aber nicht bewiesen. »Es liegt auch nicht auf der Hand, dass für jede Berufsgruppe eine allgemeine Altersgrenze die einzige Möglichkeit ist, dem Ziel einer Arbeitsteilung zwischen den Generationen gerecht zu werden«, so das Verwaltungsgericht. Im dem konkreten Fall hatte ein 65-jähriger Studienrat beantragt, ein Schuljahr länger arbeiten zu dürfen. Das Kultusministerium hatte das abgelehnt. Der Beschluss des Verwaltungsgerichts ist noch nicht rechtskräftig, da das Ministerium eine Beschwerde beim Verwaltungsgerichtshof eingelegt hat (Az: 9 L 2184/13.F).

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Zahl der BAföG-Empfänger steigt leicht

Knapp eine Million Schüler und Studierende haben im Jahr 2012 eine Ausbildungsunterstützung nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz, kurz BAföG, erhalten. Damit ist die Zahl gegenüber 2011 um 17 000 Menschen beziehungsweise 1,7 Prozent gestiegen. Diese Zahlen teilte das Statistische Bundesamt vor kurzem mit.

Demnach wurden 308 000 Schülerinnen und Schüler (3,4 Prozent weniger) und 671 000 Studierende (4,3 Prozent mehr) gefördert. Im Durchschnitt erhielten Schüler monatlich 401 Euro (16 Euro mehr) und geförderte Studierende 448 Euro (4 Euro weniger). Bund und Länder gaben dafür im vergangenen Jahr knapp 3,3 Milliarden Euro aus. Das waren 98 Millionen Euro oder 3,1 Prozent mehr als im Vorjahr.

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Schul-Wesen – Die Schulseele

Schule lebt – mal gut, mal schlecht – von Typen, Originalen, Eigenbrötlern, Querdenkern, Idealisten, Helden, Sonderlingen, Käuzen, Enthusiasten … Einige besondere Exemplare präsentiert Christoph Wohlmann in seiner Sammlung »Schul-Wesen«.

Morgens um fünf steht sie auf, braucht Zeit für das Frühstück, macht sich mit der S-Bahn auf den Weg. Um Punkt 7 ist sie im Sekretariat. Seit 29 Jahren dann immer die gleichen Handgriffe: Tasche unter den Schreibtisch, Schreibtischlampe an, Kaffeemaschine. Dann der Blick auf den Tag. Noch bevor der Chef kommt, hat sie die Gefahrenstellen ausgemacht, Engpässe erkannt, unscheinbare Lösungen entwickelt. Zwanzig Minuten später das erste Lächeln. Da hört sie P. die Treppe hochkommen, von der Flurseite kommt der Hausmeister. Sie gießt Kaffee für sie ein. Dann beginnt der Tag.

Zu Festtagen und am Schuljahresende nennt ihr Chef sie immer die Seele der Schule. Das ist ihr unangenehm, aber sie widerspricht ihm nicht. Das würde sie nie tun. Sie bleibt freundlich regungslos, als hätte sie die als Lob verbrämte Zumutung nicht gehört. Wenn überhaupt, dann ist sie eine Unruh, die das Schullaufwerk in Gang hält, die die Schwingungen spürt. Dass sie über ein halbes Tausend Schüler mit Namen kennt, das macht sie stolz. Dass sie schon den sechsten Chef aushält, macht sie zuversichtlich. Jeder Chef hat am Ende immer gesagt, er hätte nicht gewusst, wie er das alles ohne sie hätte schaffen können.

Solche Sätze geben ihr einen Augenblick der Zufriedenheit und jagen ihr sofort Besorgnis ein, ob sie auch alles richtig geordnet und vorbereitet hat. Lieber arbeitet sie alles dreimal durch, als vielleicht einen Fehler zu begehen.

Sie hat immer geglaubt, dass sie nicht an sich denkt. Dass sie nur für die Schule da ist, sich aufopfert, sich ausnützen lässt. Aber sie ist sich in letzter Zeit nicht mehr sicher, ertappt sich dabei, wie sie gern mal ein Lob hören möchte, wie sie auf Bemerkungen anderer lauscht und etwas davon aufzufangen versucht.

Um 16 Uhr sitzt sie in der S-Bahn, fährt zu Garten und Mann. Sie schaut aus dem Fenster. Die Hände liegen auf dem Schoß. So sitzt sie nie in der Schule. Es wäre ihr unangenehm, wenn einer aus der Schule sie so sehen würde – ab von aller Welt.

Am liebsten wäre ihr, sie wäre gar nicht da, nur für sich. Sollen sie doch glauben, dass sie die Seele der Schule ist.

Zu Hause hat sie ein altes schwarzes Friedrich-Wilhelm-Schulheft. Gern würde sie dort aufschreiben, was sie alles erlebt hat, was sie denkt. Einige Male hat sie es versucht, in Stenographie, die kann sie noch von früher, als die Chefs die Briefe noch diktierten. Sie hat alles durchgestrichen, unleserlich gemacht. Vielleicht hätte es ja doch jemand lesen können.

Kontakt: christoph.wohlmann(at)yahoo.de

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Materialien

Professioneller Projektunterricht

In ihrem vor kurzem erschienenen Buch »Projekt: Unterricht. Projektunterricht und Professionalisierung in Lehrerbildung und Schulpraxis« zeigen die Autoren Christine Schumacher, Felix Rengstorf und Christina Thomas Umsetzungsmöglichkeiten und Perspektiven für Projektunterricht innerhalb der aktuellen Lehrerbildung. Teil I stellt die Unterrichtsform Projektunterricht sowie deren aktuellen Stand in der bildungspolitischen Diskussion und der empirischen Bildungsforschung dar. Ein historischer Blick auf die Praxisentwicklung vertieft das Verständnis für die heutige Situation. Teil II bietet einen aktuellen Einblick in vorliegende Professionalisierungskonzepte von Projektunterricht in verschiedenen Institutionen. Es werden innovative Ansätze aus Universität, Referendariat, Fort- und Weiterbildung vorgestellt. Teil III beschäftigt sich perspektivisch mit aktuellen Entwicklungen, offenen Fragen und Zukunftskonzepten des Projektunterrichts in der Lehreraus- und -fortbildung. Das Buch ist im Verlag Vandenhoeck und Ruprecht erschienen und kann zum Preis von 24,99 Euro im Buchhandel bezogen werden (ISBN: 978-3-525-70151-5).

Partizipation in der offenen Ganztagsschule

Der Partizipationsgedanke gehört von jeher zu den zentralen Themen pädagogischer Arbeit. Von einer ausgeprägten Partizipationskultur in der Ganztagsschule kann allerdings kaum gesprochen werden. Vor diesem Hintergrund werden in dem vor kurzem erschienenen Buch »Partizipation in der offenen Ganztagsschule« von Ahmet Derecik, Nils Kaufmann und Nils Neuber die Modelle der demokratischen und pädagogischen Partizipation aufeinander bezogen und auf die besonderen Bedingungen von Bewegungs-, Spiel- und Sportangeboten in Ganztagsgrundschulen bezogen. In einer qualitativen Untersuchung konnten die Autoren spezifische Rahmenbedingungen und konkrete ›Orte‹ der Partizipationsförderung identifizieren. Die Ergebnisse beschreiben ein breites, situationsbezogenes Spektrum der Partizipationsförderung zwischen Fremd-, Mit- und Selbstbestimmung. Das Buch ist im Springer VS Verlag erschienen und kann zum Preis von 29,99 Euro im Buchhandel bezogen werden (ISBN 978-3-531-19693-0).

Burnout vorbeugen

Dass gerade der fordernde Lehrerberuf viele Pädagogen »ausgebrannt« zurücklässt, ist längst kein Geheimnis mehr: Seit Langem ist bekannt, dass Lehrer in Bezug auf depressive Erkrankungen und Burnout zu einer Hochrisikogruppe gehören. Mit dem vor kurzem erschienenen Buch »Burnout-Falle Lehrerberuf? – Infos, Tests und Strategien zum Vorbeugen, Erkennen, Bewältigen« ist beim Verlag an der Ruhr ein Praxishandbuch erschienen, das den lehrberufsspezifischen Besonderheiten Rechnung trägt. Es wurde von Experten aus der therapeutischen Praxis konzipiert (Micaela Peter, Ulrike Peter) und lässt sich präventiv oder therapiebegleitend einsetzen. Das Buch lädt zu einer intensiven und praxis­orientierten Beschäftigung mit sich selbst, den persönlichen Stressfaktoren und mitverursachenden Umständen ein. Anleitungen zur Selbstreflexion helfen, die Selbstwahrnehmung zu schulen und mehr Achtsamkeit zu entwickeln sowie typische Denkmuster zu erkennen und kritisch zu hinterfragen. Durch gezielte Übungen, Bewältigungsmethoden und Lösungsstrategien kann sich der Leser das Handwerkszeug aneignen, um die individuellen Belastungsfaktoren abzubauen, die sozialen und persönlichen Kompetenzen zu fördern und noch besser einzusetzen sowie die eigenen Ressourcen zu mobilisieren und gleichzeitig zu schonen. So verringern sich – ganz im Sinne der Prävention – letztlich auch die Risikofaktoren für die Entstehung eines Burnouts, während Gesundheit, Zufriedenheit und Leistungsfähigkeit gefördert werden.

Vom fundierten Hintergrundwissen rund um das Thema Burnout über die individuelle Diagnostik anhand von Fragebögen und Checklisten bis hin zur konkreten Problemlösung durch Übungen. Das Buch ist zum Preis von 17,95 Euro im Buchhandel zu beziehen (ISBN 978-3-8346-2325-6).

Ganztag ohne Hausaufgaben!?

Seit einiger Zeit steigt die Nachfrage nach geeigneten Modellen, um die Hausaufgabenzeiten an Ganztagsschulen bedürfnisorientierter zu gestalten. Die von Dr. Elke Kaufmann (Universität Hildesheim) erarbeitete Broschüre »Ganztag ohne Hausaufgaben!? Forschungergebnisse zur Gestaltung von Übungs- und Lernzeiten« soll sowohl Eltern als auch professionelle Fachkräfte im Ganztag zum Thema Hausaufgaben an Ganztagsschulen informieren. Vorgestellt werden die wesentlichen Arbeitsergebnisse aus zwei Forschungsprojekten des Deutschen Jugendinstituts München. Sie bieten eine nützliche Orientierungshilfe für die Gestaltung eines ganztägigen Angebots. Die Broschüre kann unter http://www.ganztagsschulen.org/de/4523.php als PDF bezogen werden.

111 Gründe, Lehrer zu sein

Das neu erschienene Buch »111 Gründe, Lehrer zu sein« ist eine ganz persönliche Liebeserklärung eines ehemaligen Hauptschullehrers an seinen Beruf. Witzig und hintersinnig stallt Dietrich von Horn die Besonderheiten des Lehrerberufs heraus. Es geht dabei um wunderliche, aber auch liebenswerte Eigenheiten, um die überraschenden Parallelen zwischen einer Unterrichtsstunde und einem Rolling-Stones-Konzert, um pädagogische Unterfangen in und außerhalb der Schule und nicht zuletzt, warum Lehrer gar nicht anders können, als immer alles besser zu wissen. Das Buch ist im Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf erschienen und kann zum Preis von 9,95 Euro im Buchhandel bezogen werden (ISBN 978-3-86265-310-2).

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Termine

Schulleiterkongress 2014

Der Wolters Kluwer Verlag und der Bundesverband Bildung und Erziehung (VBE) veranstalten vom 13. bis 15. Februar 2014 zum dritten Mal gemeinsam den Deutschen Schulleiterkongress (DSLK) in Düsseldorf. Schulleiterinnen, Schulleiter und schulische Führungskräfte werden wieder die Möglichkeit haben, sich mit Vertretern aus dem Bildungsbereich, der Wirtschaft und der Politik auszutauschen und sich in aktuellen Themen fortzubilden. Schwerpunkt des größten Kongresses für den Bildungsbereich im deutschsprachigen Raum sind die Herausforderungen an ein modernes Bildungswesen und Schulmanagement. In über 70 Vorträgen, Praxisforen, Workshops und erstmals persönlichen Gesprächen mit den nationalen und internationalen Fachreferenten in Kleinstgruppen – sogenannten Round Tables – erhalten die Teilnehmer in folgenden Themenbereichen praxisnahe Fachinformationen und Strategien für den beruflichen Alltag:

  • Erfolgreiches Lernen in heterogenen Lerngruppen 
  • Schule der Zukunft
  • Unterrichts- und Schulentwicklung – Hauptgeschäft Schulleitung
  • Führung und Führungspersönlichkeit
  • Fachliche Fortbildung und persönliches Netzwerken

Weitere Informationen und Anmeldung unter www.deutscher-schulleiterkongress.de. Telefonische Anmeldungen und Fragen werden unter der Telefonnummer 0 92 61/9 69 42 22 entgegengenommen.

Fortbildungen für pädagogische Führungskräfte

Die Deutsche Akademie für Pädagogische Führungskräfte (DAPF) der Technischen Universität Dortmund hat ihr neues Fortbildungsprogramm für den Zeitraum Herbst/Winter 2013/2014 zusammengestellt, darunter attraktive Themen wie »Zeit- und Selbstmanagement für Schulleitungen«, »Das Eignungsfeststellungsverfahren erfolgreich bestehen« sowie »Teamentwicklung« und »Inklusion als Führungsaufgabe«. Die Themen richten sich an (stellvertretende) Schulleiterinnen und Schulleiter, Schulleitungsmitglieder sowie Lehrerinnen und Lehrer mit Interesse an Leitungsaufgaben. Das aktuelle Fortbildungsprogramm mit Hinweisen zu den Inhalten sowie zur Organisation und Anmeldung ist zum Download unter www.dapf.tu-dortmund.de zu finden. In den nächsten Monaten finden u. a. folgende Veranstaltungen statt:

  • 21.11.2013: Sicherung der Unterrichtsqualität durch Unterrichtsdiagnostik mit EMU: Führungsaufgabe der Schulleitung. Dozentin: Dr. Tuyet Helmke. Teilnahmeentgelt: 145,– Euro
  • 5. 2.2014: Unterrichtsentwicklung durch pädagogische Führungskräfte. Dozent: Prof. Dr. Hans-Günter Rolff. Teilnahmeentgelt: 145,– Euro

Ausgrenzung überwinden durch Kunst und Kultur

»Ausgrenzung hat viele Gesichter – Wege zur Überwindung« ist der Titel einer interdisziplinären Fachtagung, die die Akademie Remscheid am 8. und 9. November 2013 ausrichtet. Es geht um die Mechanismen der Ausgrenzung von Menschen, die »irgendwie anders« sind – vor allem aber um die Frage, wie solche Ausgrenzungstendenzen durch Kunst und Kultur überwunden werden können. Die Akademie Remscheid konnte zahlreiche Referentinnen und Referenten gewinnen, die beispielhaft aufzeigen, wie die Ausgrenzung von z. B. Menschen mit Behinderung, Menschen mit psychischer Erkrankung, sozial benachteiligten und delinquenten Jugendlichen, Rechtsradikalen oder Menschen aus sogenannten bildungsfernen Milieus überwunden werden kann. Die Tagung ist so konzipiert, dass es nicht bei Inputs bleibt. Vielmehr sollen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer – zusammen mit einem interdisziplinären Dozententeam der Akademie Remscheid – in handlungsorientierten Workshops die Möglichkeiten des Transfers in ihre berufliche Praxis ausloten.

Weitere Informationen und Anmeldung unter http://akademieremscheid.de/.

Weiterbildung am Figurentheater-Kolleg

Das Figurentheater-Kolleg Bochum führt auch in diesem Winter wieder viele Kurse durch in den Bereichen Figurenbau und -spiel, Figurentheater in Pädagogik und Therapie, Theaterpädagogik, Zirkuspädagogik, Stimme, Schauspiel, Clown, Kabarett und Comedy, Märchenerzählen, Malen/Zeichnen, Radierung, Kreatives Schreiben, Zaubern, Schneidern. Vom 7. bis 11.07.2014 findet ein zweiwöchiger Orientierungskurs Figurentheater statt. Alle Details sind im Internet unter www.figurentheater-kolleg.de zu finden.

vernetzt. öffentlich. aktiv.

Unter diesem Titel veranstaltet das JFF – Institut für Medienpädagogik am 29. November in München eine interdisziplinäre Tagung zu mobile Medien in der Lebenswelt von Jugendlichen. Sie geht der Frage nach, welche Herausforderungen und Chancen die Möglichkeiten mobiler Vernetzung für Jugendliche bergen. Dabei geht es nicht allein um mobile Geräte, sondern auch um die Frage, welche weiterreichenden Veränderungen Mobilität von Medien(handeln) als Sozialisationsbedingung für Jugendliche mit sich bringt. Ergänzt wird die Tagung durch das anschließende Handyclip-Festival »Ohrenblick Mal« mit festlicher Preisverleihung in der Villa Stuck. Alle weiteren Informationen gibt es unter www.jff.de.

Sönke Zankel/Doris Schmidt

»Ich traue mir jetzt vor allem schulisch viel mehr zu.«

Schüler erarbeiten ein Lexikon über ihre Stadt

Ein Nachschlagewerk für die eigene Stadt (oder den eigenen Stadtteil) erstellen – das ist zum einen eine starke Herausforderung und zum anderen an vielen Orten machbar. Wie kann eine solche Idee als fächerübergreifendes Projekt unter Beteiligung von vier Fächern in vier Monaten realisiert werden? Das Ergebnis ist im Buchhandel zu sehen. Die Bilanz der Schülerinnen und Schüler regt an zur Übertragung auf die eigene Situation.

Umgang mit Vergleichsarbeiten – 3. Folge

Timo Leuders

Mathematische Leistungen verstehen und fördern

Vergleichsarbeiten und Lernstands­erhebungen als Ausgangspunkt für die Weiterentwicklung der fachlichen Unterrichtsdiagnostik

Die dritte Folge der Serie zum Umgang mit Vergleichsarbeiten sieht Grenzen in der direkten Nutzung der Ergebnisse für das Fach Mathematik. Der Beitrag zeigt, was getan werden kann, um Fähigkeiten und Defizite der Einzelnen im Anschluss an zentrale Erhebungen genauer zu verstehen. Vorgestellt werden Ergänzungen durch begleitende diagnostische Aufgaben, die Informationen über die Lösungsprozesse der einzelnen Schüler geben.

Bonuszahlungen für Lehrkräfte?

Gibt es wirkungsvolle Instrumente, die zu mehr Leistung anregen und diese auch angemessen honorieren? Oder gibt es bessere Wege, den Wert der Lehrerarbeit anzuerkennen und gleichzeitig die Qualität der schulischen Bildung zu heben? Könnte das neue Modell der Besoldung von Hochschullehrern Pate stehen für Bonuszahlungen an einzelne? Oder sollte mehr Geld nicht besser in mehr Zeit für Kooperation und Entwicklung investiziert werden?

Moritz Sowada

»Neue Steuerung« von Schulen

Vom Staat zum Markt?

Der Begriff »Neue Steuerung von Schulen« bezeichnet die Übernahme privatwirtschaftlich inspirierter Steuerungsverfahren in den öffentlichen Dienst. Die Publikationen zeigen: Über diese Frage sollte in Deutschland weiter geforscht und kontrovers diskutiert werden. Vorgestellt werden auch Publikationen aus den USA, England und Finnland, in denen die Erfahrungen mit diesem Modell evaluiert und sehr kritisch diskutiert werden.

Die Rezensionen werden wie immer ergänzt durch die Empfehlungen aktueller Bücher durch Jörg Schlömerkemper.

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