6´13Gesundheit und gute Schule

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Das Heft zeigt: Wer über gute Schule nachdenkt, der denkt implizit auch über eine gesunde Schule nach. Ein Ansatzpunkte ist: Das gesundheitsgefährdende Potential der eigenen Schule analysieren und Konsequenzen ziehen.

Gesundheit ist ein Megathema – auch für Schule? Angesichts der gesundheitlichen Situation der Schüler(innen), der Belastungen der Lehrkräfte und der Erkenntnisse über krankmachende Strukturen von Schule scheint es auf der Hand zu liegen, über das Verhältnis von Gesundheit und Schule nachzudenken. Aber was sind die Konsequenzen?

Solange Gesundheitsförderung als zusätzliche Aufgabe der Schule verstanden wurde, hatte sie keine Chance. Deutlich wird der direkte Bezug zwischen Gesundheit und Lernen, wenn man drei zentrale Merkmale für psychische Gesundheit heranzieht: Ich blicke durch; ich kann’s packen; es lohnt sich. Wären diese Merkmale Maximen von Lernen und Arbeiten in der Schule, dann wäre schulisches Lernen gesünder. In diesem Heft werden deshalb Konzepte und Erfahrungen vorgestellt, die machbare Wege zu einer guten gesunden Schule zeigen. Dafür beschreiben die Autor(inn)en Erfahrungen mit der Annäherung an eine gute gesunde Schule zu den folgenden Aspekten:

  • Welche Haltung und welche Praxis wirken gesundheitsfördernd?
  • Wie erreicht man Eltern mit Ideen zu einer gesunden Lebensführung?
  • Wie kann der Weg zu einer gesunden guten Schule konkret gestaltet werden?
  • Wie kann ein Kollegium die eigene Arbeitssituation analysieren und bewerten?
  • Wo sind Möglichkeiten und Grenzen für eine gesunde gute berufliche Schule?
  • Was sind Potentiale von Gesundheitsmanagement und Schulentwicklung?

Die Erfahrungsberichte zeigen, dass Gesundheit ein produktiver und entlastender Bezugspunkt sein kann, wenn Lehrerinnen und Lehrer gemeinsam über gute Schule nachdenken.

Johannes Bastian

Vortext

Mit Gesundheit gute Schule entwickeln

Zum Verhältnis von Gesundheit, Bildung und Schule

Peter Paulus

Gesundheit ist ein Megatrend – nicht nur, weil der Zeitgeist Gesundheit propagiert, sondern auch, weil psychische Erkrankungen seit einigen Jahren deutlich zunehmen. Dies gilt auch für die Schule. Schon lange wird darüber nachgedacht, wie sich eine gesunde Schule gestalten lässt. Klar ist: Gesundheit muss ein Bezugspunkt für alle wichtigen Prozesse in der Schule werden, damit Schüler und Lehrer gesund bleiben.

Gesundheit ist wichtig: Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts – das sagte schon Schopenhauer. Fitness ist der Maßstab für Gesundheit, vor allem mentale Fitness. Sie ist ein wichtiger Teil der Lebensqualität: Gesundheit ist und macht schön. Gesundheit fühlt sich gut an und ist zudem ein expandierender Markt.

Gesundheit ist Mittel zum Zweck: Gesundheit ist mehr als Gesundheit. Wir wollen nicht nur gesund sein, sondern Gesundheit ist Voraussetzung dafür, dass wir so leben, lieben und arbeiten können, wie wir es wollen. Deshalb ist Gesundheit zu allererst auch ein Menschenrecht, denn ohne sie ist eben alles nichts. Gesundheit ist personale und organisationale Gesundheit: Die Gesundheit der Beschäftigten ist wichtig, damit die Organisation ihre Ziele erreichen kann. Gesundheitlich beeinträchtigte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind weniger leistungsfähig, fehlen häufiger krankheitsbedingt und werden bei chronischen Verläufen auch eher frühpensioniert. Aber auch die Organisation in ihren Strukturen (Aufstiegschancen und Perspektiven) und Prozessen (Wertschätzungs- und Anerkennungskulturen) kann mehr oder weniger gesund sein und auf die Beschäftigten mehr oder weniger gesundheitsfördernd wirken.

Was hat dies alles mit der Schule zu tun? Die Antwort ist einfach: Sehr viel. Schule und die an ihr Beteiligten sind Teil dieser immer mehr gesellschaftliche Bereiche durchdringenden »Gesundheitsgesellschaft« (Kickbusch 2006). Gesundheit ist nämlich nicht mehr nur Ergebnis persönlicher, ökonomischer, politischer Bedingungen oder auch von Bildung und Erziehung, sondern wird selbst zur treibenden Kraft persönlicher, beruflicher, organisationaler und ganz allgemein der gesellschaftlichen Entwicklung. Das hat Konsequenzen für die Relation von Gesundheit, Bildung und Schule. Davon handelt dieser Beitrag. Doch zunächst:

Gesundheitsfördernde Schule als Leitkonzept

Alle Bundesländer sehen vor, dass Schülerinnen und Schüler ein angemessenes Verständnis und einen verantwortungsvollen Umgang mit ihrer Gesundheit erwerben sollen. Dies hat die Kultusministerkonferenz im Jahr 1992 in dem Bericht »Zur Situation der Gesundheitserziehung in der Schule« festgeschrieben und in der fast 20 Jahre später veröffentlichten »Empfehlung zur Gesundheitsförderung und Prävention in der Schule« bestätigt.

Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts – das sagte schon Schopenhauer.

In der Nachfolge der wenig erfolgreichen klassischen schulischen Gesundheitserziehung und -bildung ist den Schulen seit den 1990er Jahren das Konzept der »Gesundheitsfördernden Schulen« empfohlen worden. Angesichts der gesundheitlichen Situation der nachwachsenden Generation, angesichts der gesundheitlichen Belastungen und Beanspruchungen der Lehrkräfte wie auch angesichts der Erkenntnisse über krankmachende organisationale Strukturen und Prozesse der Schule schien dieser Ansatz am besten geeignet zu sein, in einem umfassenden Sinn schulische Gesundheit zu befördern. Allein im Blick auf die psychische Gesundheit der N= 608 Schüler und N= 35 Lehrkräfte einer »durchschnittlichen« Sekundarschule ergibt sich das in Abb. 1 dargestellte Bild.

Im Konzept der Gesundheitsfördernden Schule sollte die Schule umfassend mit allen ihr zur Verfügung stehenden Möglichkeiten auf der Ebene des Unterrichts, des Schulethos, des Managements und der Kooperation mit inner- und außerschulischen Partnern Gesundheit der Schülerinnen und Schüler, aber auch der Lehrkräfte fördern. Gesundheit wird hier nicht mehr nur allein als physische Gesundheit verstanden, sondern umfassender als Kompositum physischer, psychischer, sozialer, ökologischer und spiritueller Wohlbefindensaspekte, wobei »spirituell« hier sinnhaft erlebtes Wohlbefinden meint.

Die gute gesunde Schule als Leitkonzept

Zu Beginn der 2000er Jahre hat die schulische Gesundheitsförderung eine Wende erfahren, die einem Paradigmawechsel gleichkommt. Gesundheit wird heute als Treiber verstanden, der die Qualität der Schule nach vorne bringt. Gesundheit ist ein Erfolgsfaktor der Schule (Paulus 2010, Hundeloh 2012).

Dieser Wandel war notwendig geworden, weil die Gesundheitsfördernde Schule sich nicht als Konzept in der Fläche hat durchsetzen können. Die Gründe hierfür sind, dass Gesundheit und ihre Förderung keine pädagogisch zentralen Anliegen der Schule sind. Es sind Interessen des Gesundheitssektors. Sie hat andere Themen, die im Vordergrund stehen und von Modernisierungsprozessen der Schule determiniert werden. Lehrkräfte empfinden es zudem oftmals als eine zusätzliche Bürde, zu deren Bewältigung sie sich nicht ausreichend vorbereitet fühlen.

Erst durch die Verbindung mit diesen zentral bedeutsamen Anliegen von Schule ist der schulischen Gesundheitsförderung eine neue Per­spektive eröffnet worden. Sie hat in dem Konzept der guten gesunden Schule ihren Ausdruck gefunden: »Die gute, gesunde Schule ist eine Schule, die sich in ihrer Entwicklung klar den Qualitätsdimensionen der guten Schule verpflichtet hat und die bei der Verwirklichung ihres sich daraus ergebenden Erziehungs- und Bildungsauftrages gezielt Gesundheitsinterventionen einsetzt. Ziel ist die nachhaltig wirksame Steigerung der Erziehungs- und Bildungsqualität der Schule« (Paulus 2003a). Wie kann nun mit Gesundheit gute Schule entwickelt werden? Ein Beispiel aus dem Bereich der psychischen Gesundheit soll diesen Zugang veranschaulichen. Es ist erwiesen, dass es vor allem drei Merkmale sind, die gute Voraussetzungen dafür bieten, dass eine Person psychisch gesund bleibt. Aaron Antonovsky hat sie zusammenfassend als Kohärenzgefühl bezeichnet (Antonovsky 1997) und sie folgendermaßen charakterisiert:

  1. Das Gefühl von Verstehbarkeit – beschreibt die Fähigkeit einer Person, durch kognitive Verarbeitungsprozesse Informationen so zu interpretieren, dass sie ihr geordnet, strukturiert und schlüssig erscheinen (»Ich blick durch«).
  2. Das Gefühl von Handhabbarkeit – beschreibt die Gewissheit einer Person, dass Probleme und Herausforderungen generell bewältigt werden können (»Ich kann´s packen«).
  3. Das Gefühl der Sinnhaftigkeit – es beschreibt das Ausmaß, in dem eine Person ihr Leben als sinnvoll erlebt und es ihr lohnenswert erscheint, Energie in Probleme und Herausforderungen zu investieren (»Es lohnt sich«).

Wenn es also diese Faktoren sind, die psychisches Gesundsein begünstigen, dann könnte doch Schule mit ihnen gestaltet werden. Über den Zusammenhang von Kohärenzgefühl, psychischer Gesundheit und Lernen beziehungsweise Leistungsfähigkeit würde dann mit psychischer Gesundheit gute Schule entwickelt. Harazd (2012) hat für das Führungshandeln der Schulleitung gezeigt, wie eine Operationalisierung des Kohärenzgefühls aussehen könnte (siehe Abb. 2).

Gesunde Schule entwickeln

Heute wird Gesundheit als Treiber verstanden, der die Qualität der Schule nach vorne bringt.

Hier zeigt sich das veränderte Vorgehen im neuen Paradigma: Es kommt nichts Neues auf die Schule zu. Führungshandeln ist tägliche Praxis der Schulleitung. Mit Gesundheit kann es verändert werden und damit wichtige Beiträge zur Entwicklung einer guten gesunden Schule leisten. In gleicher Weise kann eine Schule jetzt für alle Qualitätsdimensionen ihres Qualitätskonzepts vorgehen. Sie kann Dimensionen und Kriterien »durchras­tern« und überlegen, wie die Strukturen und Prozesse mit Gesundheit so gestaltet werden können, dass sie das Kernanliegen von Schule, eine gute Schule zu sein, und das Kernanliegen der Lehrkräfte, gute Lehrerinnen und Lehrer zu sein, befördern. In der Qualitätsdimension »Lernen & Lehren« kann die Schule sich dann fragen, wie Lernen gesund gestaltet wird, in dem z. B. das Konzept des Kohärenzgefühls im Unterricht umgesetzt wird (Paulus 2003b).

Eine Checkliste für eine gesunde Schule gibt es im Downloadbereich: www.redaktion-paedagogik.de/downloads. Mit den Indikatoren dieser Checkliste kann jede Schule schnell prüfen, ob sie wichtige Gesundheitsinterventionen in ihrem schulischen Alltag schon umsetzt. Wenn nicht, können die Elemente der Checkliste Anregung sein, wie der dort beschriebene Aspekt unter den gegebenen Umständen der eigenen Schule nutzbar gemacht werden kann (siehe auch: www.bzga/schuleundgesundheit/gutegesundeSchule.de für eine umfangreichere Indikatorenliste).

Mit diesem Zugang verändert sich die schulische Gesundheitsförderung. Es stehen nicht mehr Programme im Vordergrund, die in der Schule umgesetzt werden, sozusagen von außen »eingepflanzt«, sondern es ist die alltägliche Arbeit in der Schule, die durch eine »Gesundheitsbrille« betrachtet wird.

Wer gute Schule machen will, kommt also an Gesundheit und ihrer Förderung, insbesondere der Förderung der psychischen Gesundheit, nicht vorbei. Die hier zugrunde liegenden Zusammenhänge von Bildung und Gesundheit bei den Schülerinnen und Schülern sind inzwischen empirisch belegt (zum Überblick: Dadaczynski 2012). Für Lehrkräfte gilt ähnliches. Badura (2008) fasst die Ergebnisse der arbeits- und organisationswissenschaftlichen Forschung in einem einfachen Modell zusammen, das er auch auf Lehrkräfte überträgt (s. Abb. 3).

Dort ist ersichtlich, dass Gesundheit vermittelt zwischen Bedingungen der Organisation Schule (z. B. gesunde Führung), dem Arbeitsplatz (z. B. Lärm in der Klasse) und den Personmerkmalen (z. B. Kohärenzgefühl) einerseits und dem Arbeitsverhalten andererseits: Ohne gesunde Lehrkräfte keine gute schulische Arbeit.

Auf dem Weg der guten gesunden Schule

Auf diesem Weg befinden sich Schulen. Dies zeigen auch die Erfahrungsberichte in diesem Heft. Durch verschiedene Modellprogramme angeregt, entwickeln, erproben und verstetigen diese und viele anderen Schulen diesen Weg. Beispiele solcher überwiegend bundesweiten Programme sind:

Die nächsten Schritte

Für die schulische Gesundheitsförderung wird die psychische Gesundheit immer mehr an Bedeutung gewinnen. Die aktuellen Themen wie Inklusion, Schulabsentismus und frühzeitiger Schulabbruch sind ohne die Berücksichtigung von Aspekten der psychischen Gesundheit nicht zu bearbeiten. Sozial-emotionales Lernen integriert in schulisches Lehren und Lernen wird entscheidende Impulse geben können. Der weitere Ausbau der Ganztagsschulen wird hierfür neue Möglichkeiten eröffnen. Erste Praxisbeispiele liegen hierzu vor (Bestvater et al. 2012).

Literatur

Antonovsky, A. (1997): Salutogenese: Zur Entmystifizierung der Gesundheit. Tübingen
Badura, B. (2008): Auf dem Weg zu guten, gesunden Schulen. Was Schule von Unternehmen lernen können. In: G. Brägger/N. Posse/G. Israel (Hg.): Bildung und Gesundheit. Argumente für eine gute und gesunde Schule. Bern, S. 7 – 170
Bestvater, C./Paulus, P./Witteriede, H. (2012): Auf zur guten gesunden Ganztagsschule. Eine Handreichung aus dem Projekt »Mit psychischer Gesund­heit Ganztags­schule entwickeln«. Bonn
Dadaczynski, K. (2012): Stand der Forschung zum Zusammenhang von Gesundheit und Bildung. Überblick und Implikationen für die schulische Gesundheitsförderung. In: Zeitschrift für Gesundheitspsychologie, 20/2012, S. 141 – 153
Harazd, B. (2012): Auf dem Weg zur gesunden Schule. In: Pädagogische Führung 12(2)/2012, S. 58 – 60
Hundeloh, H. (2012): Gute gesunde Schule – mit Gesundheit gute Schule entwickeln. In DAK-Gesundheit & Unfallkasse NRW (Hg.): Handbuch Lehrergesundheit. Impulse für die Entwicklung guter gesunder Schulen. Köln, S. 25 – 40
Kickbusch, I. (2006): Die Gesundheitsgesellschaft. Megatrends der Gesundheit und deren Konsequenzen für Politik und Gesellschaft. Gamburg
Paulus, P. (2003a): Schulische Gesundheitsförderung – vom Kopf auf die Füße gestellt. Von der Gesundheitsfördernden Schule zur »guten gesunden Schule«. In: K. Aregger/U. Lattmann (Hg.): Gesundheitsfördernde Schule – eine Utopie? Konzepte, Praxisbeispiele, Perspektiven. Luzern, S. 93 – 114
Paulus, P. (2003b): Psychologieunterricht und psychische Gesundheit. Psychologie-Unterricht 36/2003, S. 10 – 20
Paulus, P. (Hg.) (2010): Bildungsförderung durch Gesundheit. Bestandsaufnahme und Perspektiven für eine gute gesunde Schule. Weinheim
Paulus, P./Michaelsen-Gärtner, B. (2009): Referenzrahmen schulischer Gesundheitsförderung. URL: www.bzga/schuleundgesundheit/gutegesundeschule/de
Ravens-Sieberer, U./Bettge, S./Erhart, M. (2003): Lebensqualität von Kindern und Jugendlichen – Ergebnisse aus der Pilotphase des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys. Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz 46 (5)/2003, S. 340 – 345
Ravens-Sieberer, U./Wille, N./Bettge, S./Erhard, M. (2007): Psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Ergebnisse aus der BELLA-Studie im Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KIGGS). Bundesgesundheitsblatt 50/2007, S. 871 – 878
Richter, M./Bowles, D./Melzer, W./Hurrelmann, K. (2007): Bullying, psychosoziale Gesundheit und Risikoverhalten im Jugendalter. Gesundheitswesen 69/2007, S. 475 – 482
Robert Koch-Institut (2008): Lebensphasenspezifische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Ergebnisse des Nationalen Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KiGGS). Berlin
Schaarschmidt, U. (Hg.) (2005): Halbtagsjobber? Psychische Gesundheit im Lehrerberuf. Analyse eines veränderungsbedürftigen Zustandes. Weinheim, 2. Aufl.
Schlack, R./Hölling, H. (2007): Gewalterfahrungen von Kindern und Jugendlichen im subjektiven Selbstbericht. Erste Ergebnisse aus dem Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS). Bundesgesundheitsblatt 50/2007, S. 819 – 826

Dr. Peter Paulus ist Professor am Institut für Psychologie & Zentrum für Angewandte Gesundheitswissenschaften (ZAG) der Leuphana Universität Lüneburg.
Adresse: Scharnhorststr. 1, 21335 Lüneburg
E-Mail: paulus(at)leuphana.de

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Stimmt die Stimme, stimmt die Stimmung

Lehrerstimme und Lehrergesundheit

»Die 9b am Freitag gibt meiner Stimme regelmäßig den Rest.« – »Kurz vor den Ferien erkenne ich meine eigene Stimme nicht wieder« – »… und am Abend, wenn ich mich am Telefon melde, werde ich oft mit meinem Mann verwechselt«. Wird im Lehrerzimmer das Thema Stimme und Stimmgesundheit angesprochen, kann man oft solche Äußerungen hören. Den meisten Lehrerinnen und Lehrern ist bewusst, dass durch mehrere Stunden Unterricht die Stimme stark beansprucht wird und die Stimmqualität darunter merkbar leiden kann. Leider entscheiden sich aber nur sehr wenige dafür zu handeln und etwas dagegen zu unternehmen. Häufig wird dieses Problem einfach als zum Beruf dazugehörend hingenommen und eine stimmliche Erholung auf das Wochenende oder auf die Ferienzeit verschoben.

Chronische Stimmstörungen sind häufig

Dieses Verhalten führt oftmals zu schwerwiegenden chronischen Stimm­störungen. Zahlreiche Studien haben nachgewiesen, dass mehr als die Hälfte der Lehrpersonen in ihrer bisherigen Berufslaufzeit unter einem ernstzunehmenden Stimmproblem gelitten haben. Gerade eine anhaltende Heiserkeit, häufiges Räuspern und schnelle Ermüdung der Stimme oder sogar ihr »Wegbrechen« sind Warnsignale einer Überbelastung. In einer Studie unserer Arbeitsgruppe am Freiburger Institut für Musikermedizin wurde die Veränderung der Stimmqualität nach einer Stimmbelastung untersucht (Echternach/Richter/Traser/Nusseck 2013). Studierende der Pädagogischen Hochschule Freiburg wurden gebeten, zehn Minuten einen Text sehr laut (>80dB) vorzutragen. Zuvor und im Anschluss an diese Aufgabe, sowie 20, 40 und 60 Minuten danach wurde ihre Stimmqualität gemessen. Es zeigte sich, dass diese sich direkt nach der Belastung erheblich verringerte und nach einer kurzen Pause wieder erholte. Jedoch fiel sie 60 Minuten nach dem Vortrag wieder erneut stark ab.

Die Ergebnisse zeigten auch, dass die Stimme einen längeren Zeitraum benötigt, um sich von einer derartigen Belastung zu erholen. Das gleichzeitig erhobene subjektive Empfinden der eigenen Stimmqualität widersprach diesem Befund allerdings. Von den Probanden wurde die Stimme direkt nach der Belastung als am meisten beansprucht erlebt und danach eine zunehmende Stimmerholung empfunden. Nach 60 Minuten fanden die Probanden ihre Stimme wieder so gut wie vor der Belastung. Zu diesem Zeitpunkt war die objektiv messbare Stimmqualität allerdings am niedrigsten. Diese Abweichungen in der Selbsteinschätzung unterstreichen, dass Informationen über den richtigen Umgang mit der Stimme sehr wichtig sind. Denn viele stimmliche Probleme lassen sich durch Behandlungsmaßnahmen und Schulungen der Stimme vermeiden. Obwohl die Möglichkeiten zur Vorbeugung und Gesunderhaltung so vielfältig und häufig einfach sind, kommt die Förderung der stimmlichen Ausbildung bei Lehrkräften im Studium sowie im Beruf immer noch viel zu kurz. Es besteht daher dringender Handlungsbedarf.

Das Freiburger Institut für Musikermedizin (FIM) am Universitätsklinikum und der Hochschule für Musik Freiburg setzt seit einigen Jahren einen Schwerpunkt in der Behandlung und Betreuung der Lehrerstimme. In der Sprechstunde findet eine fachärztliche Untersuchung und individuelle Beratung statt, die besonders auch die unterschiedlichen pädagogischen und psychologischen Anforderungen im Lehrerberuf mitberücksichtigt. Denn Stimmprobleme stehen in enger Wechselwirkung mit dem psychischen Befinden und können sich positiv oder negativ gegenseitig verstärken. Gerade im Lehrerberuf hängen Ausdrucksmöglichkeit und Einsatz einer gesunden Stimme eng mit der Lehrerpersönlichkeit zusammen und greifen gleichzeitig stark in pädagogische Bereiche ein. Im Schulalltag ist die Modulationsfähigkeit der Stimme wesentlich daran beteiligt, ob Empathie, Diszi­plinierung und Konfliktentschärfung gelingen können.

Professionelles Stimmtraining

Am FIM wird derzeit das vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport und vom Ministerium für Wissenschaft und Kunst des Landes Baden-Württemberg für fünf Jahre geförderte Forschungsprojekt »Stimmliche und mentale Gesundheit für Lehrkräfte in Baden-Württemberg« durchgeführt. In einem Schwerpunktbereich wird an über 300 Referendaren der Einfluss eines Stimmbildungsprogramms im Referendariat auf die stimmliche und psychische Konstitution evaluiert. Ziel dieses Projekts ist die Entwicklung eines tragfähigen Konzepts zur Vorbeugung von Stimmstörungen während der Lehrerausbildung sowie im Beruf.

Das im Referendariat durchgeführte Stimmprogramm umfasst praxisorientierten Unterricht durch ausgebildete Atem-, Sprech- und Stimmlehrerinnen in der Anfangsphase und eine Wiederholungseinheit nach der Hälfte des Referendariats sowie einen individuellen Unterrichtsbesuch mit anschließendem Beratungsgespräch. Unsere Erfahrungen zeigen, dass die Teilnehmenden dieses Programm begeistert aufnehmen und sich nun im Umgang mit der Stimme und der Persönlichkeit im Schulalltag erheblich gestärkt fühlen.

In einem weiteren Studienabschnitt des Forschungsprojekts sollen Lehrkräfte in der Berufstätigkeit mit unterschiedlichen Berufsjahren und Studierende bei ihrem ersten Praxiskontakt bezüglich der Stimmerfahrungen untersucht werden. Hierbei geht es um die Information über den zeitlichen Verlauf der stimmlichen und psychischen Belastungen im Laufe der Ausbildung und in der Berufszeit.

Wichtig für die Lehrerbildung

Gerade in der Lehrerbildung sollte der enge Zusammenhang zwischen Stimme, Lehrerpersönlichkeit und Pädagogik besonders in den Mittelpunkt gerückt werden, um die Stimme nicht nur als Kommunikationsmedium, sondern vor allem auch als Ausdrucksorgan zu verstehen.

Der präventive Umgang mit der eigenen Stimme sowie die aktive Kräftigung und Vorbereitung der Stimme auf die beruflichen Anforderungen sollten deshalb zur professionellen Ausbildung von Lehrkräften generell dazugehören. Das Freiburger Institut für Musikermedizin versteht sich sowohl im Bereich der professionellen Stimmausbildung für Lehrkräfte im Sinne der Prävention als auch in der Behandlung von Stimmstörungen als Ansprechpartner zum Thema Lehrerstimme und Lehrergesundheit.

Dr. rer.nat. Manfred Nusseck, Prof. Dr. med. Claudia Spahn, PD Dr. med. Matthias Echternach und Prof. Dr. med. Bernhard Richter sind Mitarbeiter am Freiburger Institut für Musikermedizin, Hochschule für Musik und Universitätsklinikum Freiburg. Breisacherstraße 60, 70106 Freiburg
E-Mail: manfred.nusseck(at)uniklinik-freiburg.de
Internet: www.mh-freiburg.de/fim

Literatur

Echternach, M./Richter, B./Traser, L./Nusseck, M. (2013): Veränderung der stimmlichen Leistungsfähigkeit durch verschiedene Stimmbelastungstests. In: Laryngorhinootologie 92/2013; S. 34 – 40

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Fast Vollbeschäftigung bei Akademikern

Seit Mitte des vergangenen Jahrzehnts haben sich die Jobchancen von Akademikern weiter verbessert. Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt, dass bei Universitätsabsolventen im Jahr 2011 mit einer Arbeitslosenquote von 2,2 Prozent nahezu Vollbeschäftigung geherrscht hat. Fünf Jahre zuvor waren noch 3,6 Prozent aller Universitätsabsolventen arbeitslos gewesen, im Jahr 1997 seien es sogar 4,5 Prozent gewesen, berichteten die Arbeitsmarktforscher. Ähnlich gut seien die Arbeitsmarktchancen für Fachhochschulabsolventen: Hatte in dieser Gruppe die Arbeitslosenquote im Jahr 2006 noch bei 3,3 Prozent gelegen, sei sie bis zum Jahr 2011 auf 2,5 Prozent gesunken.

Allerdings zeigt die Studie auch, dass keineswegs alle Akademiker eine zu ihrer Ausbildung adäquate Stelle finden. Im Jahr 2009 sei fast jeder dritte Hochschulabsolvent atypisch beschäftigt gewesen. Auch würden Akademiker häufiger als etwa Beschäftigte mit einer klassischen Berufsausbildung nur befristet eingestellt. Im Laufe ihres Berufslebens erhielten aber die meisten Akademiker einen festen Job.

Vergleichsweise gering ist auch das Arbeitslosigkeitsrisiko für Männer und Frauen mit abgeschlossener Lehre oder einem Berufsfachschulabschluss. Waren von ihnen im Jahr 2006 noch 8,5 Prozent arbeitslos gemeldet, so seien es fünf Jahre später nur noch 5,1 Prozent gewesen, berichten die Arbeitsmarktforscher. Dagegen unterliegen Männer und Frauen ohne berufliche Ausbildung mit einer Quote 19,6 Prozent einem fast viermal so hohen Risiko, arbeitslos zu werden, wie Beschäftigte mit einer Lehre oder einem Fachschulabschluss. Für diese Gruppe gebe es immer weniger geeignete Jobs. Dementsprechend ist die Zahl der gering qualifizierten Beschäftigten von 2006 bis 2010 von 5,7 auf 5,1 Millionen gesunken.

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Hartz-IV-Empfänger erhalten Chance auf Berufsausbildung

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) will jüngeren Hartz-IV-Empfängern einen verspäteten Berufsabschluss ermöglichen. In den kommenden vier Jahren sollen mindestens 100 000 junge Männer und Frauen im Alter von 25 bis 34 Jahren die Chance auf einen Berufsabschluss erhalten. Die Kampage steht unter dem Motto »AusBILDUNG wird was – Spätstarter gesucht«. Bei der Suche nach geeigneten Ausbildungsstätten sollen die Jobcenter den Umstand nutzen, dass viele Unternehmen derzeit Probleme hätten, freie Lehrstellen zu besetzen. Die zusätzlich ausgebildeten jungen Menschen können später dazu beitragen, den wachsenden Fachkräftemangel zu lindern. Sie selbst würden damit ihre Jobchancen verbessern.

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Sachsen: Mehr Standorte für Lehre mit Abitur

In Sachsen bieten mittlerweile vier Städte die Möglichkeit, eine Ausbildung zusätzlich mit dem Abitur abzuschließen. Nachdem die duale Berufsausbildung mit Abitur vor zwei Jahren zunächst in Dresden und Leipzig gestartet war, ist sie nun auch in Bautzen und Chemnitz möglich. Die duale Ausbildung dauert vier Jahre. In dieser Zeit können die Lehrlinge einen Berufsabschluss und das Abitur erlangen. Lehrlinge müssen dabei 38 Stunden pro Woche die Schulbank drücken. Die berufliche Ausbildung erhalten sie in Blöcken von jeweils drei bis sechs Wochen in den Schulferien. Am Ende der Ausbildung legen die jungen Fachkräfte die Facharbeiterprüfung und die Abiturprüfung ab.

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Jüngere Lehrer schonen sich häufiger

Etwa zehn Prozent der Lehrer empfinden sich als psychisch erschöpft. Sie leiden meist unter einem Mangel an Tätigkeitsspielraum, Aufgabenvielfalt, Entwicklungsmöglichkeiten und Partizipationschancen; ein unerfreuliches soziales Klima und wenig Anerkennung verschärfen die Situation meist zusätzlich. Zu diesen Ergebnissen kommt Dr. Miriam Nido von der Universität Zürich in einer neuen empirischen Studie.

Tendenziell sind die erschöpften ebenso wie die überengagierten Lehrer in einem höheren Dienst- und Lebensalter. Nido hat in ihre Untersuchung ca. 750 Lehrkräfte einbezogen und in vier Gruppen eingeteilt: Erschöpfung (ca. 10 Prozent), Überengagement (ca. 20 Prozent), Schonung (ca. 20 Prozent), Unauffällige (ca. 50 Prozent). Die Kolleginnen und Kollegen, die eine Schonhaltung einnehmen, sind die jüngsten – im Dienst- wie im Lebensalter; Frauen sind in dieser Gruppe über- und bei den erschöpften Lehrern unterrepräsentiert.

Lehrerkollegien mit hohen Anteilen an Schonhaltung und unauffälligem Verhalten üben auch gegenüber Reformanforderungen größte Zurückhaltung. Bei überengagierten und bei den erschöpften Pädagogen beobachtet Miriam Nido ein reichhaltiges Repertoire an Reformbemühungen.

Die Psychologin sieht große Chancen für Schulleitungen, Erschöpfungsrisiken für Lehrer zu reduzieren. Ihrer Auffassung nach hat das Vorgesetztenverhalten einen bedeutenden Einfluss auf die Partizipationsmöglichkeiten, das soziale Klima, die Anerkennung und die kollektive Selbstwirksamkeit – also auf die psychosoziale Befindlichkeit der Kollegen. Den betroffenen Lehrern selbst macht Nido bewusst: »Eine angemessene Distanzierungsfähigkeit und Erholung wie auch die Stärkung der individuellen Selbstwirksamkeit sind zentral in der Verminderung burnoutrelevanter Merkmale.« Ihre Studie »Das Engagement von Lehrpersonen – gesund und arbeitsfreudig oder ausgebrannt und reformmüde?« ist im Pabst Verlag erschienen (ISBN 978-3-89967-835-2).

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Kosten der Kinder- und Jugendhilfe steigen deutlich

Die Ausgaben für die Kinder- und Jugendhilfe haben sich in den vergangenen 20 Jahren fast verdoppelt. Während sie im Jahr 1992 noch bei rund 15 Milliarden Euro gelegen hatten, sind für diesen Zweck im Jahr 2010 bereits fast 29 Milliarden Euro ausgegeben worden. Diese Zahlen sind dem 14. Kinder- und Jugendbericht zu entnehmen. Dem Bericht zufolge werden heute deutlich häufiger als früher die sogenannten Hilfen zur Erziehung finanziert. Trotz einer rückläufigen Zahl von Kindern und Jugendlichen stieg die Zahl der Fälle seit den frühen 90er Jahren von 490 000 auf etwa 780 000. Zu diesen Erziehungshilfen gehören beispielsweise Hausbesuche vom Jugendamt, um Verwahrlosung zu verhindern.

Die Ursache für diesen Anstieg sehen die Forscher zum einen in tragischen Todesfällen wie beim zweijährigen Kevin aus Bremen im Jahr 2006, die in den Jugendämtern zu einer Verhaltensänderung geführt hätten. Das starke Wachstum der sozialpädagogischen Erziehungshilfen spiegle aber auch die Zunahme fragiler Familienverhältnisse und prekärer Lebenslagen wider. Die Autoren der Studie – mehrere vom Familienministerium berufene Sachverständige – warnen vor dem Hintergrund dieser Entwicklung vor einer finanziellen Überforderung der Kommunen. Besonders in jenen Regionen, in denen Kinder- und Jugendhilfe sehr notwendig wäre, sei sie wegen der Finanznot der betroffenen Kommunen oft schwer zu finanzieren.

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Bildungsausgaben gestiegen

Bund, Länder und Gemeinden haben im vergangenen Jahr rund 110,3 Milliarden Euro für Bildung ausgegeben. Das waren etwa 4,7 Milliarden Euro mehr als im Jahr zuvor. Diese Zahlen teilte das Statistische Bundesamt vor kurzem mit.

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Fragen und Forschen

Ein neues Webportal zum forschenden Lernen

Formeln auswendig lernen, Wissen konsumieren und still sitzen? Das weckt keinen Forschergeist. Forschendes Lernen sieht anders aus: eigene Fragen stellen, um die Ecke denken und selbst nach Lösungswegen suchen. So eignen sich Kinder selbstständig Wissen an – und behalten es auch. Diesen Ansatz des forschenden Lernens hat die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) in zahlreichen Programmen erprobt. Ihre Erfahrungen, Ergebnisse und Materialien hat die Stiftung auf der neuen Web­site www.forschendes-lernen.net gebündelt.

Was versteht man unter forschendem Lernen? Wie läuft ein Forschungsprozess ab? Und wie baut man eine Lernwerkstatt auf, in der Kinder und Jugendliche spannenden Phänomenen aus ihrem Alltag auf den Grund gehen können? Die DKJS bietet auf ihrer neuen Website zahlreiche Informationen, Tipps und Praxisbeispiele. Vor allem Pädagoginnen und Pädagogen aus Kitas und Schulen sollen damit angeregt werden, forschendes Lernen selbst auszuprobieren.

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Die Perspektive der Eltern

Eine neue Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung zeigt: Das Thema Bildung ist in den Familien angekommen. Die bildungspolitische Diskussion, ob zu PISA, OECD oder auch die bundesweite Bildungsdiskussion, schlägt sich in dem Wunsch der Eltern nach einem möglichst hohen Schulabschluss für ihre Kinder nieder. Die Konsequenz dieser Entwicklung ist, dass Schule und Schulleis­tungen in vielen Familien zu einem dominanten Thema geworden sind. Mehr noch: Das Familienleben wird aus Sicht der Eltern durch den gestiegenen Leistungsdruck nachhaltig geprägt, und viele Eltern fühlen sich für den Schulerfolg ihrer Kinder verantwortlich. Die Studie zeigt auch, dass das Gymnasium trotz großer Kritik für Eltern der sozialen Ober- und Mittelschicht die angestrebte Schulart bleibt. Dies gilt für Eltern anderer Milieus nicht. Für viele von ihnen ist G8 und der damit verbundene Leis­tungsdruck ein Grund, auf andere Schulformen auszuweichen, um dem Kind und der ganzen Familie Druck zu nehmen. Für diese Eltern ist das Gymnasium ein Symbol für überzogene Leistungsanforderungen. Weiterhin und verstärkt steht allerdings die Hauptschule aus Sicht der Eltern für Scheitern und sozialen Abstieg.

Die Kritik am Gymnasium bleibt allerdings bestehen: Es wird von vielen Eltern nur als »Lernstoffvermittlungsagentur« und als »Assessment-Center« wahrgenommen. Angesichts zunehmender Leistungsanforderungen im G8-Gymnasium besteht bei vielen Eltern eine große Verunsicherung darüber, ob sie ihren Kindern überhaupt noch Werte wie »Leistung«, »Anstrengung« und »Ehrgeiz« vermitteln sollen. Sie sehen die Gefahr, eine eindimensionale Leis­tungsideologie zu bedienen, die ihren Kindern als Person schaden könnte. Aus Sicht der Eltern kollidiert ihr Erziehungsanspruch, ihren Kindern eine unbeschwerte Kindheit und Jugend zu ermöglichen, mit den Anforderungen der Schule, vor allem des Gymnasiums.

Die Studie zeigt, dass sich das Verhältnis der Eltern zur Schule in den letzten Jahren grundlegend verändert hat. Die Mehrheit der Eltern möchte die ganzheitlich ausgerichtete Entfaltung der Potenziale ihrer Kinder fördern und strebt eine Stärkung der Persönlichkeit an. Aus Sicht der Eltern vermittelt das Schulsystem isoliertes Wissen und setzt zu sehr auf intellektuell-kognitive Fähigkeiten. Der von ihnen angestrebte hohe Erziehungswert der Selbstentfaltung gerät in Konflikt mit den Leistungsanforderungen der Schule – vor allem des Gymnasiums. Die Studie ist im Internet unter www.kas.de/wf/de/71.12083#6 zu finden.

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Das Klassenzimmer gesundheits- und lernfördernd gestalten

Die Unfallkasse Nordrhein-Westfalen (UK NRW) hat in ihrem Internetportal www.sichere-schule.de ein Musterbeispiel für ein gesundheits- und lernförderndes Klassenzimmer veröffentlicht. Das Klassenzimmer ist Teil der virtuellen Schule, die die UK NRW in ihrem Internetportal anbietet. Der Auftritt richtet sich an Lehrkräfte, aber auch an Bauplaner und Architekten. Sie können hier Empfehlungen zur Gestaltung von Beleuchtung, Akustik, Belüftung und Möblierung finden.

Die Gestaltung von Unterrichtsräumen kann dazu beitragen, die Motivation und Gesundheit von Schülern und Lehrern zu fördern. So ist beispielsweise die Akustik bei der Planung und Veränderung von Unterrichtsräumen ein wichtiger Punkt. Ist es in den Klassen leiser, dann haben sowohl Schülerinnen und Schüler als auch die Lehrkräfte weniger Stress und die Lernleistungen können verbessert werden. Eine gute und ausreichende Belüftung hilft gegen Müdigkeit und sorgt für ein gutes Raumklima. Eine flexible Möblierung wiederum ermöglicht wechselnde Lernsituationen und unterstützt somit unterschiedliche Unterrichtskonzepte.

In dem Internetportal finden Interessierte ausführliche Informationen zu diesen Themen in der virtuellen Schule, die sie Raum für Raum betreten können. Mit Klicks auf einzelne Bauteile oder Gegenstände erhalten sie eine Fülle von Informationen zu den baulichen und gesundheitsförderlichen Standards von modernen Lern- und Unterrichtsräumen sowie zu zahlreichen Fachräumen und den Außenflächen von Schulen.

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Hochbegabte lernen besser unter sich

Eine neue Studie der Universitäten Würzburg, Trier und Erlangen-Nürnberg kommt zu dem Ergebnis, dass Hochbegabte oftmals unter ihren Leistungsvermögen bleiben, wenn sie in normalen Klassen unterrichtet werden. Im Rahmen der Studie waren rund 1 000 Gymnasiasten von der fünften bis zur siebten Klasse in Bayern und Baden-Württemberg befragt worden. 324 dieser Kinder wurden in speziellen Klassen für Hochbegabte unterrichtet. Die Forscher verglichen ihre Leistungen mit anderen hochbegabten Schülerinnen und Schüler, die in normalen Klassen unterrichtet wurden. Dabei zeigte sich, dass die Schülerinnen und Schüler in den Hochbegabtenklassen in allen Fächern deutlich besser abschnitten. Dabei gab es keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern – Mädchen und Jungen erreichten also in den Hochbegabtenklassen gleich gute Leistungen. Ein Grund für das bessere Abschneiden könnte nach Auffassung der Forscher sein, dass Schülerinnen und Schüler in Hochbegabtenklassen homogenerer in ihrer Leistung seien. Möglicherweise könnten die Lehrkräfte sie dadurch anspruchsvoller fördern. Allerdings ist im Rahmen der Studie nicht untersucht worden, welche Anstrengungen die Gymnasien ohne Hochbegabtenklassen unternommen haben, um einen differenzierten und anregungsreichen Unterricht zu organisieren.

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Anregungsarmes Milieu

Seit dem Jahr 2000 werden die bayerischen Kinder schon nach der Grundschule auf drei Schulformen verteilt: Hauptschule, Realschule oder Gymnasium. Zuvor hatten Haupt- und Realschüler länger gemeinsam gelernt, nämlich bis zum Ende der sechsten Klassen. Schulforscher haben die Folgen dieser Reform untersucht, und sie zeigen: Die Schülerinnen und Schüler schnitten nach der Reform schlechter ab, und zwar sowohl an der Realschule als auch an der Hauptschule.

Um die Schülerleistungen vor und nach der Reform zu vergleichen, hat Marc Piopiunik vom Ifo-Institut die Ergebnisse der Pisa-E-Tests aus den Jahren 2000, 2003 und 2006 mitein­ander verglichen. Sie sind für jede allgemeinbildende Schulart und jedes Bundesland repräsentativ. Da Bayern seine Reform damals stufenweise eingeführt hat, haben in jedem Test immer auch Schüler mitgeschrieben, die noch im alten System gelernt haben.

Der Vergleich zeigt, dass die Leistungen der Haupt- und der Realschüler durchschnittlich um zehn Pisa-Punkte sanken. Das entspricht in etwa dem, was Schüler durchschnittlich in einem halben Schuljahr lernen. In Mathe war der Effekt mit sechs Punkten am geringsten, gefolgt von den Naturwissenschaften mit 9,7 Punkten. Die Leseleistung sank besonders stark, und zwar im Durchschnitt um 15,6 Punkte.

Zugleich streuen die Ergebnisse nach der Reform stärker. Dies deutet Piopiunik zufolge darauf hin, dass insbesondere Schülerinnen und Schüler aus bildungsfernen Schichten schlechter abgeschnitten haben. Eine Ursache dafür liegt vermutlich darin, dass sie nicht mehr wie früher von den stärkeren Schülerinnen und Schülern profitieren konnten und dass es insgesamt weniger Anreize gibt, sich anzustrengen. Schließlich ist die Entscheidung bereits gefallen, ob sie auf die Haupt- oder die Realschule wechseln.

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Reine Jungenschule als Ersatzschule zulässig

Es ist in Deutschland zulässig, ein reines Jungengymnasium als Ersatzschule zu errichten. Dabei muss einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zufolge sichergestellt werden, dass in solchen Schulen die Gleichberechtigung von Mann und Frau als Wert vermittelt wird. Mit ihrer Entscheidung machten die obersten deutschen Verwaltungsrichter den Weg frei für die umstrittene Gründung eines Jungengymnasiums in Potsdam, das der konservativen katholischen Laienorganisation Opus Dei nahesteht. (Az: BVerwG 6 C 6.12)

Die Stadt und das Land Brandenburg hatten das Vorhaben abgelehnt, scheiterten aber in letzter Instanz an den Richtern des Bundesverwaltungsgerichts. Opus Dei (Werk Gottes) ist nicht zuletzt deshalb umstritten, weil die Organisation auf Bußpraktiken setzt, die bewusst Schmerzen bereiten, oder auch auf das Prinzip unbedingten Gehorsams.

Das Potsdamer Bildungsministerium hatte unter anderem argumentiert, Gleichberechtigung müsse gelebt werden und könne Jungen nicht an der Tafel beigebracht werden. Die Richter entschieden dagegen, dass es der »monoedukativen« Schule freigestellt sei, mit welcher Methode sie ihren Schülern die Gleichberechtigung nahebringt.

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Viele Schulleitungsstellen unbesetzt

In Deutschland ist es für viele Grundschulen schwer, einen Schulleiter zu finden. Allein in Nordrhein-Westfalen hat etwa jede achte Schule zurzeit keinen Rektor, mehr als die Hälfte der knapp über 700 leeren Chefsessel gibt es an Grundschulen. Nach Auffassung des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) wird sich dieses Problem noch verschärfen, da in den nächsten Jahren viele der jetzigen Schulleiter in den nächsten Jahren in den Ruhestand gingen.

In NRW waren Anfang des Jahres fast 1 100 Stellen unbesetzt. Die Aufgaben der Schulleitung sind nach Auffassung des VBE für viele Kolleginnen und Kollegen unattraktiv, da ein Schulleiter brutto nur 400 bis 500 Euro mehr als ein normaler Kollege verdiene, jedoch viel mehr zu tun habe. Die Rektoren seien für die Qualität des Unterrichts zuständig, für das Personalmanagement, Kooperationen, die Kommunikation nach außen und innerhalb des Hauses, sie planten und organisierten.

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Zahl der Kinder bei alleinerziehenden Eltern wächst

In Deutschland wachsen immer mehr Kinder bei nur einem Elternteil auf. Waren es 1996 noch 1,9 Millionen Kinder unter 18, die bei Alleinerziehenden lebten, wurden 2011 etwa 2,2 Millionen Kinder gezählt, und dies, obwohl im selben Zeitraum die Gesamtzahl der Kinder und Jugendlichen gesunken ist. In den ostdeutschen Bundesländern lebt etwa jedes vierte Kind in Ein-Eltern-Familien, im Westen fast jedes sechste. Diese Zahlen teilte das Bundesamt für Bevölkerungsforschung vor kurzem mit.

Nach Wahrnehmung der Wissenschaftlerin Evelyn Grünheid sind die alleinerziehenden Lebensformen zwischen Ost und West nach wie vor unterschiedlich. In Westdeutschland herrsche immer noch ein traditionelleres Familienbild vor, in dem die Ehe mit Kindern eine wichtige Rolle spiele. In Ostdeutschland hingegen seien alternative Lebensformen mit Elternschaft weit verbreitet. Aus diesem Grund seien die meisten Alleinerziehenden im Westen Geschiedene, im Osten Ledige.

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KMK ermöglicht Mobilität von Lehrern

Vom kommenden Jahr an wollen die Bundesländer alle in Deutschland erworbenen Lehrerexamen unterein­ander anerkennen. Auf diese Weise wollen die Kultusminister die berufliche Mobilität der Pädagogen in der gesamten Bundesrepublik ermöglichen. Auch für angehende Junglehrer wird es künftig leichter, nach erfolgreichem Hochschulabschluss den Vorbereitungsdienst in einem anderen Bundesland anzutreten.

Um die gegenseitige Anerkennung der Abschlüsse war in der KMK lange gerungen worden. Vor allem Bayern, wo das Lehrer-Studium noch immer mit einem Staatsexamen und nicht mit einem Master-Hochschulabschluss endet, hatte bis zuletzt Sonderregelungen eingefordert. So werde das Land weiter darauf bestehen, dass Grundschullehrer auf jeden Fall die Fächer Deutsch und Mathematik unterrichten können müssen. Weitere Unterschiede: In Bayern dauert der Vorbereitungsdienst 24 Monate, in den anderen Bundesländern sind dagegen inzwischen zwölf bis 18 Monate die Regel. Der KMK-Beschluss sieht nun vor, dass die Länder die unterschiedlichen Ausbildungszeiten künftig wechselseitig anerkennen.

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Fit lernt gut

Sportliche und motorisch geschickte Kinder und Jugendliche haben durchschnittlich bessere Noten als übergewichtige und unsportliche. Zu diesem Ergebnis kommt eine finnische Studie. Die Forscher werteten dafür die Daten von mehr als 8 000 Schülerinnen und Schülern aus, befragten deren Eltern zu den motorischen Fähigkeiten ihrer Kinder und verglichen diese Daten mit den Schulnoten. Die Studie zeigt auch, dass achtjährige Jungen motorisch weniger fit sind als gleichaltrige Mädchen, und sie haben auch schlechtere Noten.

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Schul-Wesen – Direx von altem Schrot und Korn

Schule lebt – mal gut, mal schlecht – von Typen, Originalen, Eigenbrötlern, Querdenkern, Idealisten, Helden, Sonderlingen, Käuzen, Enthusiasten … Einige besondere Exemplare präsentiert Christoph Wohlmann in seiner Sammlung »Schul-Wesen«.

Jeden Morgen kommt Oberstudiendirektor K. Punkt halb acht, grüßt die beiden Sekretärinnen, legt die Lokalzeitung auf seinen Schreibtisch und macht seinen ersten Gang: Flur vor dem Sekretariat, Vertretungsplanmacher (Immer die Frage: Wer krank?), Abzeichnen der Vertretungsliste, dann beim Stellvertreter vorbei, dann ins Lehrerzimmer. Jeden Kollegen begrüßt er mit Handschlag. Kurze Gespräche: Wetter, Sport, Nachrichten. Zwei Minuten vor Beginn der ersten Stunde schaut er auf die Uhr und wendet sich im Lehrerzimmer um. Wer sich dann nicht in seine Klasse aufmacht, den spricht er direkt an. Einmal in der Woche macht er danach noch eine Kontrollrunde und schaut, ob alle pünktlich da sind. M., der Französischlehrer, stürmt im Mantel in seine Klasse, gerade noch rechtzeitig.

Zurück im Sekretariat. Frage, was anliegt, geht dann in sein Zimmer, zieht die Tür hinter sich zu. Die erste Stunde nimmt er sich Zeit für seine Zeitung. Viertel nach acht bringt die Sekretärin den Kaffee. In der zweiten Stunde Konzentration: Posteingang, kurze Briefe, Mails. Er hat sich ein eigenes System für die Wiedervorlage angelegt, eine Mahnliste, und fragt nach, ob die vereinbarten oder angeordneten Dinge abgearbeitet sind.

Große Pause, großer Auftritt. Er hat seinen Platz am großen Tisch mitten im Lehrerzimmer. Natürlich vor Kopf. Zweite Tasse Kaffee. Wieder sorgt er am Ende dafür, dass alle rechtzeitig in den Unterricht gehen. Die dritte und vierte Stunde meistens Gespräche. Er hängt am Telefon, ruft die Stationen ab. Immer einen von der Bezirksregierung oder der Stadtverwaltung – unter irgendeinem Vorwand: zeigen, dass man da ist, mal hören, wie die Stimmung ist, was es Neues gibt. Seine Aufmerksamkeit steigt (er macht sich Notizen), wenn er hört, wie man mehr Stellen bekommen kann, wie man in die Zeitung kommt.

Er ist das Gesicht der Schule. Der Antreiber, der Versorger. Natürlich werden sie bei »Jugend forscht« wieder mitmachen, auch die Streitschlichtung, Evaluation, Schulkultur, Schulsport. Zurückhaltung bei Kommissionen, Lehrplänen. Das lässt er nur absolut vertrauenswürdige Leute machen. Zweite große Pause, dann eine Stunde eigener Unterricht. Er nimmt das Buch aus dem Fach und geht. Er unterrichtet die 5. Immer die 5. Da schafft er das Fundament und hat kaum Korrekturaufwand. Um eins ist er zu Hause. Das war sein Versprechen an seine Frau, als er sich um den Posten beworben hat. Um zwei geht er dann noch einmal zurück in die Schule. Ihm geht die Arbeit leicht von der Hand. Einmal pro Woche trifft er sich mit dem Lehrerratsvorsitzenden, seinen Kumpel aus der Skat-Runde. Freitagsmittags zu Rotary. Wenn’s ihm gut geht, geht’s auch der Schule gut. So einfach ist. So ein hartes Stück Arbeit.

Kontakt:christoph.wohlmann(at)yahoo.de

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Materialien

Widersprüchliches zur Welternährung

Die vor kurzem erschienene Broschüre »Widersprüchliches zur Welternährung« aus dem Welthaus Bielefeld bietet Schülerinnen und Schülern der Sek. II und Erwachsenen eine Fülle von Materialien an, mit denen sie bestimmte Aspekte der Welternährung in ihrer Widersprüchlichkeit erkennen und ihre Bedeutung reflektieren können. Das Material lädt die Lernenden ein, bestimmte Gewissheiten zu überdenken: Ist es wirklich richtig, dass die Weltgetreideernte nur gerechter verteilt werden muss, damit alle Menschen satt werden? Stimmt es, dass niedrige Nahrungsmittelpreise die Lösung für das Hungerproblem sind? Solche und andere Fragen werden durch die kontrovers aufbereiteten Arbeitsmaterialien aufbereitet und gut diskutierbar. Arbeitsaufgaben helfen bei der Erschließung der Themenfelder. Die Broschüre umfasst zehn Schaubilder mit jeweils einer Textseite und 15 Arbeitsblätter. Sie ist zum Preis von 5,– Euro unter der folgenden Adresse zu beziehen: www.welthaus.de/publikationen-shop.

Plädoyer für eine gewöhnliche Institution

Die Erwartungen an die Institution Schule seitens der Gesellschaft und der Politik sind höchst kontrovers. Das Bildungssystem steht unter einem enormen Reformdruck, immer neue Tests und Studien sollen seine Leistungen überprüfen. In seinem neuen Buch »Für die Schule lernen wir – Plädoyer für eine gewöhnliche Institution« setzt sich der Bildungsexperte und Philosoph Roland Reichenbach kritisch mit der Bildungspolitik unserer Zeit auseinander und thematisiert die Sinnkrise des schulischen Lernens. Er wendet sich gegen sachfremde oder von Einzelinteressen geleitete Vereinnahmungen der Schule und verteidigt sie als einen Ort der Selbstbildung, der junge Menschen gesellschaftsfähig machen soll. Schule ist seiner Auffassung nach nicht Mittel zum Zweck, sondern konstitutiver Bestandteil des Lebens. Das engagierte Plädoyer ist im Friedrich Verlag erschienen und kann zum Preis von 16,95 Euro im Buchhandel bezogen werden (ISBN 978-3-7800-4968-1).

Spiele für die Sprachförderung

Ob »Gefühle-Domino«, »Verbformen-Puzzle« oder »Einzahl-Mehrzahl-Spiel«: In ihrem neuen Buch »80 schnelle Spiele für die DaZ- und Sprachförderung« bietet Nina Wilkening eine Fülle von leicht umsetzbaren Spielen an, die für Deutsch-als-Zweitsprache-Lerner und die allgemeine Sprachförderung gleichermaßen gut geeignet sind. Die Lehrkraft kann sofort mit dem jeweiligen fertigen Spiele-Vorschlag starten – oder das Angebot für ihre Klassensituation anpassen, denn auf der beiliegenden CD-ROM finden sich für viele Spiele Blanko-Vorlagen und Wörterlisten. Das Wortmaterial, das gerade behandelt werden soll, kann so passgenau in die Vorlagen eingefügt werden. Das Buch enthält Spiele für alle Gruppengrößen von der ganzen Klasse über die Fördergruppe bis hin zur Einzel- oder Partnerarbeit. Das 130-seitige Buch ist im Verlag an der Ruhr erschienen und kann zum Preis von 19,95 EUR im Buchhandel bezogen werden (ISBN 978-3-8346-2310-2).

Hörbuch für Lehrende: Sicher und schlagfertig (re)agieren

Mit seinem Hörbuch »Sprache wirkt!« gibt der Gymnasiallehrer, Sprachwissenschaftler und Rhetoriktrainer Thomas Burger Lehrenden wichtige Werkzeuge in die Hand, um im Berufsalltag souverän und schlagfertig zu (re)agieren. Anhand von kurzweiligen Übungen und praktischen Beispielen kann der Hörer sieben Schlüsseltechniken für Schlagfertigkeit erlernen. Das Grundprinzip der Schlagfertigkeit von Burger lautet:

  • Niemanden beleidigen
  • Ruhig und damit souverän bleiben
  • Klartext sprechen und Unterschwelliges vermeiden
  • Situationen entspannen und Lösungen finden

Hinzu kommen wertvolle Tipps und Tricks zum Thema Körpersprache. Die CD »Sprache wirkt!« kann zum Preis von 20,– Euro über die Homepage www.burgerseminare.de bestellt werden.

Unterrichtsmaterial zu bewusstem Essen

Die Umweltschutzorganisation »Green­peace« bietet seit kurzem Unterrichtsmaterial an, das die Art der Herstellung und den Umgang mit Lebensmitteln beleuchtet. Damit möchte Greenpeace den Blick der Schülerinnen und Schüler auf die Hintergründe und Zusammenhänge der Nahrungsproduktion lenken. Das für Schüler aller Schularten ab Klasse 5 entwickelte, kostenlose Material »Iss gut jetzt!«  knüpft an die Lebenswelt der Jugendlichen an und bietet ihnen eigene Handlungsmöglichkeiten. Es besteht aus Unterrichtseinheiten mit Schülerarbeitsblättern zur Art der Herstellung von Lebensmitteln und unserem Umgang mit deren Rohstoffen. Es soll Fünft- bis Achtklässler für Fragen rund um Produktion und Konsum sensibilisieren. Ausgewählte Tipps zu Literatur, Links und Filmen runden das Material ab. Weitere Infos und Bezug unter www.greenpeace.de/bildungsmaterial.

Unterrichtsmaterial zur Biodiversität

An der Freien Universität Berlin ist in Kooperation mit der Französischen Botschaft und der französischen Bildungsinitiative »La main à la pâte« (Die Hand im Teig) ein deutschsprachiges Internetangebot mit Bildungsmaterialien zum Thema Biodiversität erarbeitet worden. Das Angebot »Biodiversität macht Schule!« richtet sich an Viert- bis Sechstklässler. Behandelt werden unter anderem die Themen Nachhaltigkeit, Artenvielfalt, Vielfalt der Ökosysteme, natürliche Selektion, Klassifizierung von Lebewesen, Nahrungsketten, die Biodiversität in unserem Alltag (insbesondere in der Nahrung), Einfluss des Menschen auf die Biodiversität. Lehrende finden auf der Webseite von »Sonnentaler« unter www.sonnentaler.net/biodiversitaet Anregungen sowie eine Reihe von Bildtafeln und Arbeitsblättern, um dieses Thema in der Schule zu behandeln. Das Material kann kostenlos genutzt werden.

Lernwirksam unterrichten

In ihrem vor kurzem erschienenen Buch »Lernwirksam unterrichten« verbinden der Lehrer Michael Felten und die Lernforscherin Elsbeth Stern Erfahrungswissen mit dem aktuellen Stand der Wissenschaft. Das Bild, das im Wechselspiel der beiden Autoren entsteht, ist so überaschend wie viel versprechend: Es geht demnach nicht darum, Schule komplett »neu zu denken«, sondern es reicht aus, eine Vielzahl wichtiger Details zu verbessern.

Wie lernen Kinder – und wie lernen sie mit Freude? Welche Rolle spielen dabei die Lehrer? Wann sollte welche Methode eingesetzt werden, etwa das selbständige Lernen der Schüler? Was tun bei vollen Klassen und Störungen? Wie können Lehrer auf die Unterschiede der Schüler eingehen? Und wie können und sollten sie selbst weiterlernen? Diese und viele andere Fragen betrachten Michael Felten und Elsbeth Stern im Dialog: Der Praktiker berichtet von den Klippen und Erfolgen des Schulalltags, die Wissenschaftlerin kommentiert und erweitert das Bild mit Befunden der Lernforschung. Das lesenwerte Buch ist im Verlag Cornelsen Scriptor erschienen und kann zum Preis von 19,95 Euro im Buchhandel bezogen werden (ISBN 978-3-589-23292-5)..

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Termine

Forum »Lehren & Lernen«

Auf dem Bildungskongress BeltzForum »Lehren & Lernen«, der vom 15. bis 17. November 2013 in Wolfsburg stattfindet, können sich Lehrkräfte aller Schularten und Bildungsschaffende aus der freien Wirtschaft weiterbilden, sich intensiv mit neuen Erkenntnissen der Lernförderung befassen und ihre Umsetzung in Unterricht und Beruf trainieren. Über 70 Vorträge, Workshops und Diskussionsrunden befassen sich mit den Schwerpunkten Unterrichtsentwicklung im inklusiven Schulsystem, Motivation und kooperative Lernarrangements, Classroom- und Disziplin­management, dem Themenkreis Internet, Soziale Netzwerke und Schule sowie mit Aspekten der Lehrer­gesundheit und Resilienz. Mehr als 50 namhafte Referenten konnten für den Kongress gewonnen werden. Den Eröffnungsvortrag hält Prof. Hartmut Rosa zum Thema »Schule als Resonanzraum. Lehren und Lernen als Resonanzbeziehung«. Der Kongress wird dieses Jahr erstmalig gemeinsam mit dem Bildungsbüro der Stadt Wolfsburg veranstaltet und von der Wolfsburg AG unterstützt. Weitere Informationen unter www.beltzforum.de.

Systemische Lösungen in der Schule

Unter diesem Motto findet am 21. September 2013 in Heidelberg die Jahrestagung des Kölner Instituts für systemische Lösungen in der Schule (ISIS) statt. Das ISIS-Institut bildet seit 20 Jahren Lehrerinnen und Lehrer in systemischer Pädagogik, Beratung und Schulentwicklung aus. Die Referentinnen und Referenten der Tagung haben die systemische Orientierung vielfältig und kreativ in ihren Schulen umgesetzt. Fachvorträge und spannende Workshop-Themen ermöglichen es den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zu erfahren, wie sich bestimmte Sichtweisen und Haltungen in der Lehrer-Schüler-Eltern-Kommunikation auswirken, welche Methoden sich einsetzen lassen, wie dies alles den Alltagsstress reduziert und Lehren und Lernen erleichtert. Ziel ist es, dass sie sofort umsetzbare Ideen und Strategien aus den Workshops mitnehmen können und Gelegenheit zum Austausch mit Kolleginnen und Kollegen haben. Weitere Informationen sind unter http://www.isis-institut-koeln.de/tagung-2013.html zu finden.

Kinder in Brennpunkten

Kindergärten in sozial benachteiligten Stadtteilen stehen im Mittelpunkt des Symposiums »Kinder in Brennpunkten: Erziehen heißt fördern«, das am 1. und 2. Juli in der Zeche Zollverein in Essen stattfinden wird. In Fachvorträgen geht es um Themen wie Kinderarmut, Sprachförderung in Kindergärten und ein Modellprojekt in Brennpunktkindergärten im Ruhrgebiet, welches das Sozialunternehmen »Papilio« zusammen mit der Landesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrtspflege NRW seit 2010 durchführt. Prof. Dr. Herbert Scheithauer von der Freien Universität Berlin wird auf dem Symposium erstmals Studienergebnisse aus diesem Modellprojekt präsentieren. Der Hintergrund des Modellprojekts ist auch das Anliegen des Symposiums: Was muss man tun, um Kindern, die in ein ungünstiges Umfeld hineingeboren werden, bestmögliche Chancen im Leben zu eröffnen? Nähere Informationen auf www.papilio.de/symposium.

Partizipation von Jugendlichen

Das Nürnberger Forum der Kinder- und Jugendarbeit findet in diesem Jahr vom 25. bis zum 27. September unter dem Motto »Partizipation von Jugendlichen« statt. Im Mittelpunkt stehen Fragen wie

  • Wie ist das Verhältnis von Jugend und Politik?
  • Welche Partizipationsbedarfe gibt es?
  • Welche Zugänge dafür sind möglich?
  • Welche Formate stehen dafür zur Verfügung?

Die Themenspanne reicht von »Partizipation in der Schule« über »Partizipation im Übergang von der Schule in den Beruf« bis zu einem Gesamtüberblick über Partizipationsmodelle. Gesucht werden auch Ansatzpunkte für eine eigenständige Jugendpolitik. In bewährter Weise wird das Forum eine Mischung aus aktuellen Fachvorträgen und spannenden Workshops bieten, die einen berufsfeldübergreifenden Dialog ermöglichen. Tagungsort ist die Georg-Simon-Ohm-Hochschule. Das ausführliche Programm erscheint Ende Mai und ist unter www.forum-jugendarbeit.nuernberg.de zu beziehen.

Reinhard Kahl

Autorität – Oder: Was es heißt, erwachsen zu sein

Pädagogische Meditationen mit Hannah Arendt – Teil 2

Hannah Arendt begegnen zur Zeit sowohl Lehrer(innen) als auch Schüler(innen) in dem Film von Margarethe von Trotta. Vielleicht haben die pädagogischen Meditationen im letzten Heft dazu angeregt, das Denken von Arendt gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern fortzusetzen. Die pädagogischen Meditationen folgen im zweiten Teil den Gedanken von Arendt zur »Krise der Erziehung«. Hier denkt sie über Pädagogik als Generationenverhältnis nach. Ihre Konsequenz: Erwachsene sollen für die Welt, wie sie ist, den Kindern gegenüber einstehen, auch dann, wenn sie mit ihr nicht einverstanden sind.

Was wissen wir über Jugend? – 6. Folge

Michaela Goecke/Boris Orth

Jugend und Drogen

Die sechste Folge der Serie zum Thema »Jugend« fragt nach dem Verhältnis von Jugend und Drogen. Der Beitrag diskutiert vor dem Hintergrund aktueller Forschungsergebnisse u. a.: Welche Tendenzen im Drogenkonsum gibt es in den letzten zehn Jahren? Welche Haltung haben Jugendliche heute zu leicht zugänglichen Drogen? Wie hat sich das Trinkverhalten verändert und was wissen wir insbesondere über das Rauschtrinken? Und quer dazu:Was sind aktuelle Aufgaben von Suchtprävention?

Schülerfeedback verbindlich für alle?

Das Spannungsfeld zwischen Verbindlichkeit und individuellem Spielraum führt immer wieder zu Kontroversen im Kollegium. Gerade bei der Einführung neuer Unterrichtsmethoden, aber auch von Feedback als Instrument der Unterrichtsentwicklung wird kontrovers diskutiert: Was kann und soll verpflichtend gemacht werden und was bleibt frei? Eine Diskussion, die deshalb nicht leicht zu führen ist, weil die Entscheidungen in einem Spannungsfeld zu treffen sind, das kein schlichtes »Entweder – Oder« zulässt.

Silvia Greiten

Lernschwierigkeiten verstehen und berücksichtigen

Ein angemessener Umgang mit Lernschwierigkeiten braucht Kenntnisse, die in der Regel nicht zum Wissen von Lehrerinnen und Lehrern der allgemeinbildenden Schulen gehören. Angesichts der Entwicklungen, in denen der Umgang mit Heterogenität und Anforderungen an inklusiven Unterricht gefordert sind, werden Fähigkeiten zum Umgang mit Lern- und Verhaltensstörungen immer bedeutsamer. Gleichzeitig regen die vorgestellten Bücher dazu an, die Gestaltung der Lernprozesse in kleinen Schritten zu verändern und so auf Schwierigkeiten beim Lernen kons­truktiv zu reagieren.

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