9´12Schulverweigerung

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Wie kann der Umgang mit Schulverweigerung gelingen? Was kann der einzelne Lehrer tun und welches schulische Handlungskonzept ist hilfreich – beispielsweise bei der Kooperation mit Jugendhilfe und Eltern?

Schulverweigerung oder Schulabsentismus sind Oberbegriffe für ein vielschichtiges Problem. Ein Problem, das im Alltag meist mit »Schwänzen« bezeichnet wird und den einzelnen Lehrer schnell überfordern kann. Im Zentrum dieses Heftes stehen Erfahrungen und Konzepte für den Umgang mit Jugendlichen, die sich bereits länger der Schule verweigern – und das sind immerhin vier bis sieben Prozent der Schülerschaft. Auch wenn die Schulpflicht juristisch geregelt ist, wird der Umgang mit Schulverweigerung zum pädagogischen Aufgabenbereich gerechnet. Was aber kann der einzelne Lehrer tun und welches schulische Handlungskonzept kann bei Schulversäumnissen hilfreich sein?

In den Beiträgen geht es um Handlungsanregungen im Fall der Verweigerung, aber auch um Überlegungen zur Prävention. Vorgestellt werden

  • Bildungsangebote in Kooperation von Schule und Jugendhilfe,
  • Anregungen zum Umgang mit Schulverweigerung – auch im Gymnasium,
  • Möglichkeiten zur Stärkung von Eltern als Teil eines umfassenden Hilfsangebots,
  • Hilfen bei psychischen Störungen sowie Anregungen zur Rückführung der Betroffenen in die Schule,
  • Ideen für eine Schule, in der die Ursachen und nicht die Symptome bekämpft werden,
  • Handlungshilfen zur Prävention gegen und zur Intervention bei Schulverweigerung.

Die Beiträge zeigen, welche Personen von Schulverweigerung betroffen sind, wie vielfältig die Hintergründe sein können und dass die Hilfen deshalb in der Regel individuell konzipiert werden müssen. Dabei wird auch deutlich, dass ein gutes Zusammenspiel verschiedener Personen und Einrichtungen notwendig ist, wenn die Arbeit mit Jugendlichen gelingen soll, die sich der Schule verweigern.

Johannes Bastian

Ich bleib dann mal weg

Kinder und Jugendliche verweigern die Schule – Eine Einführung

Sabine Geist

Haben wir es nicht alle mal getan – die Schule geschwänzt? Lern- und Schulverweigerung allerdings ist etwas anderes und dennoch recht weit verbreitet. Was aber versteht man unter Schulverweigerung oder Schulabsentismus? Welche Ursachen können wir ausmachen? Gibt es Möglichkeiten der Prävention und was können wir tun, wenn die Schülerinnen und Schüler der Schule über längere Zeit fern bleiben?

Man muss nicht lange suchen, um in Internetforen solche oder ähnliche Einträge wie in der Abbildung links zu finden. Schülerinnen und Schüler zeigen sich frustriert von der Schule, haben »keinen Bock« auf Schule. Eltern lassen sich beraten, geben sich gegenseitig Tipps, wie sie gegen die Schulmüdigkeit ihrer Kinder angehen oder diese wenigstens aushalten können. Der Österreichische Rundfunk bietet Schülerinnen und Schülern in einem Forum auf seiner Seite »Schule schwänzen ist keine Lösung« Hilfen an, und auch Minis­terien geben Broschüren zu diesem breiten Themenkomplex heraus.

Schulmüdigkeit, Schulverweigerung, Schulabsentismus: offensichtlich ein Phänomen, das in der Öffentlichkeit wahrgenommen, thematisiert und problematisiert wird.

Schulmüde, schulverweigernde oder schulabsente Jugendliche sind dabei eine bunte Mischung von Kindern und Jugendlichen. Es sind Jungen wie Mädchen, Kinder aus unterschiedlichen Milieus, mit sorgenden oder sie vernachlässigenden Eltern, und sie kommen aus unterschiedlichen Schulformen. Ähnlich vielfältig stellen sich die Ursachen für Schulmüdigkeit dar und die individuellen Entwicklungsverläufe, doch dazu später.

Was ist gemeint, wenn von Schulverweigerung gesprochen wird?

Weitere Beiträge im Schwerpunkt

Katrin Kantak
Schulverweigerer mit Zukunft
Alternative Bildungsangebote in Kooperation von Schule und Jugendhilfe

Sylvia Schlieper/Roland Kühler
Schulverweigerung – auch im Gymnasium
Das kommt in den besten Familien vor

Uta Rodenkirchen
Ohne Eltern geht es nicht
Stärkung von Eltern als Teil unterstützender Förderangebote

Pia Anna Weber/Verena Welling/Gisela Steins
Schulverweigerung und psychische Störungen
Schulabstinente Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg zurück in die Schule

Ulrich Hartmann/Christof Siepmann
»Keinen verlieren!«
Unser Traum von einer Schule ohne Schulabsentismus

Heinrich Ricking
Was tun gegen Schulschwänzen
Handlungshilfen für Lehrkräfte

Zunächst fällt die enorme begriffliche Vielfalt auf: Da ist von passiver und aktiver Schulverweigerung, von Schulschwänzen, von Schulmeidung, Schulverdrossenheit, Schulversäumnis, von Schulabsentismus, von Schulzurückhaltung, Schulphobie und von Drop-out die Rede. All dies sind Begriffe, die gewählt werden, um Schulpflichtsverletzungen zu benennen, für die sich nach Ricking (2003) in der Fachdiskussion der Begriff Schulabsentismus eingebürgert hat und gewissermaßen als Oberbegriff des hier thematisierten Gesamtphänomens betrachtet werden kann.

»Schulabsentismus liegt […] vor, wenn eine Schülerin beziehungsweise ein Schüler aus einem gesetzlich nicht vorgesehenen Grund der Schule fernbleibt, unabhängig davon, ob er/sie dies mit Wissen oder Einverständnis seiner Eltern tut, und auch unabhängig davon, ob dieses Fernbleiben durch eine Entschuldigung legitimiert wird« (Thimm/Ricking 2004, S. 46).

Als Äußerungsformen schulabsenter Verhaltensweisen finden wir nach Thimm (2000):

  1. Individuelle Schulverdrossenheit
    Schülerinnen und Schüler ziehen sich in die innere Emigration zurück, sind lernunlustig, erfüllen die Erwartungen der Lehrkräfte nicht und reagieren in der Schule auf Anforderung entweder passiv verweigernd mit Rückzug (schlafen, träumen, zu spät kommen usw.) oder aktiv durch Unterrichtsstörungen.
  2. Aktionistische Schulverweigerung
    Die Kinder und Jugendlichen zeigen offenen Widerstand gegenüber den Lehrkräften und ihren Erwartungen, provozieren und setzen sich durch besonders extrovertiertes Verhalten über schulische Regeln hinweg.
  3. Vermeidende Schulverweigerung
    Schülerinnen und Schüler bleiben dem Unterricht oder der Schule fern, je nach Ausprägung gelegentlich für einzelne Stunden, regelmäßig (in bestimmten Fächern, für längere Zeiträume) oder bis zur praktisch unumkehrbaren Schulverweigerung.
  4. Totalausstieg/Schulabbruch
    Davon spricht man, wenn sich die Jugendlichen vollkommen vom Schulbesuch verabschieden.

Natürlich gibt es zwischen diesen Erscheinungsformen vielfältige Übergänge. Da aus allmählichem und zunächst noch unauffälligem Fernbleiben von der Schule sich über die Zeit hinweg ein chronifiziertes Vermeidungsverhalten entwickeln kann, besteht bei jeglicher Form schulabsenten Verhaltens die Gefahr, die Schule ohne Schulabschluss zu verlassen und damit langfristig zu den sogenannten Bildungsverlierern zu gehören.

Schulverweigernde Jugendliche, die sich bereits über längere Zeiträume oder gar vollständig vom Schulbesuch verabschiedet haben, stehen im Zentrum dieses Heftes. Neben Erfahrungsberichten und unterstützenden Handlungsanleitungen finden auch Überlegungen zur Prävention schulabsenten Verhaltens Berücksichtigung. Doch dazu später.

Zahlen und Hintergründe

Studien zu Fragen von schulabsentem Verhalten (vgl. z. B. Schreiber-Kittl/Schröpfer 2002, Ricking 2003, Wagner u. a. 2005) weisen große Unterschiede bezüglich ihres Designs, ihrer Methodik und ihrer inhaltlichen Definitionen und Fragestellungen auf. Dennoch lassen sich Übereinstimmungen – bezogen auf den Umfang von Schulverweigerung – finden:

  • Ungefähr die Hälfte der Schüler(innen) mit schulabsentem Verhalten hat die Schule im Laufe ihrer Schullaufbahn schon ein- oder mehrmals geschwänzt. Für die meisten fängt dies mit Eckstundenschwänzen (erste beziehungsweise letzte Stunde) und/oder mit dem Boykott bestimmter Fächer und/oder Lehrerinnen oder Lehrer an.
  • Schulverweigerung und ihre Vorläufer beginnen zum Teil schon in der Grundschule, aktive Schulverweigerung setzt etwa im Alter von zwölf Jahren ein.
  • Schulverweigerung ist altersabhängig: Je jünger die Schüler(innen)sind, desto geringer ist die Verweigerungsquote. Das Einstiegsalter liegt bei ca. 12 – 13 Jahren, der Höhepunkt zwischen dem 14. und 16. Lebensjahr.
  • Verhaltensformen, die einer der o. g. Formen des Schulabsentismus zuzuordnen sind, finden sich bei mehr als 20 Prozent der Jugendlichen.
  • Zwischen vier und sieben Prozent der Schülerschaft können als Schulverweigerer bezeichnet werden.
  • Je höher das Bildungsniveau der Schule, desto geringer fallen die Fehlzeiten aus. In den Hauptschulen gibt es den größten Anteil an schwänzenden Kindern und Jugendlichen, gefolgt von den Sonderschulen.
  • Je höher die soziale Kontrolle durch Eltern und Lehrkräfte ist, desto weniger oft wird die Schule geschwänzt.
  • Mädchen und Jungen verweigern etwa im gleichen Maße die Schule; bei der Gruppe von Jugendlichen, die sich vollkommen vom Schulbesuch verabschieden, sind Jungen überrepräsentiert.

Insgesamt wird schulabsentes Verhalten als Ergebnis eines längeren privaten und schulischen Entwicklungsprozesses gesehen, der teilweise schon in der Grundschule be­ginnt. Das Vermeidungsverhalten befreit das Kind oder den Jugendlichen von den unangenehmen Gefühlen, die mit Schule verbunden sind und hat damit Entlastungsfunktion. Aus dieser Sicht verhalten sie sich aktuell durchaus funktional, denn es geht ihnen ad hoc oft besser, wenn sie statt in der Schule zu sein mit Gleichaltrigen durch die Stadt ziehen, sich nicht an die Anweisungen der Eltern halten oder auch einer Leistungssituation einfach aus dem Weg gehen.

Wesentliche Ursachen für schulabsentes Verhalten

Schulverweigerung ist immer multifaktoriell begründet: Da sind die Lebensgewohnheiten der Schülerinnen und Schüler und deren Familien, die Schule selbst sowie die Peer Group der Jugendlichen zu nennen.

  • Familiäre Probleme, familiäre Zerrüttung, Abwesenheit von Elternteilen, Krankheiten, Wohnungswechsel, materielle Not, Bildungsdistanz der Eltern, Isolation, fehlende elterliche Unterstützung, problematische Eltern-Kind-Beziehung u. v. a. m. stellen Risikofaktoren auf der Seite der Schülerinnen und Schüler dar, der sie sich ohne Hilfe kaum entziehen können.
  • Da ist aber auch die Institution Schule selbst. Kinder und Jugendliche können Erfahrungen machen, die schulabsentes Verhalten fördern. Starre schulische Rahmenbedingungen erschweren es Kindern und Jugendlichen, in der Schule und in dem dort angebotenen Lernstoff einen Zusammenhang zu ihrer aktuellen eigenen Welt zu sehen und daraus für ihre Zeit nach der Schulpflicht zu profitieren. Der Unterricht, als ein zentraler Faktor schulischen Alltags, trägt wesentlich zum schulischen Wohl- oder Missbefinden bei. So beklagen Schülerinnen und Schüler uninteressante Lerninhalte, wenig »spannend« gestalteten Unterricht oder auch einen geringen Anwendungsbezug bei den Lerninhalten.
  • Die Beziehung zwischen Lehrenden und Lernenden ist eine entscheidende Variable für das Verhalten von Schülerinnen und Schülern. Gestörte, konfliktreiche Lehrer-Schüler-Beziehungen, bei denen sich Lernende nicht ernst genommen und wertgeschätzt fühlen, stellen einen wesentlichen Faktor für schulabsentes Verhalten dar, weil daraus Unbehagen oder Angst entstehen kann. Auch das Klassenklima wird immer wieder als wesentlicher Faktor für die Verweigerung des Schulbesuchs angeführt. Soziale Ausgrenzung, Demütigungen, ­Beschimpfungen, das Verbreiten von Gerüchten und der Ausschluss aus schulischen Gruppenbeziehungen kann für Kinder und Jugendliche Anlass für Verweigerungstendenzen sein. Auch eine negative oder wenig konstruktive Beziehung zwischen Lehrkräften und Eltern stellt einen Risikofaktor für die Ausbildung eines manifesten Verweigerungsverhaltens dar.
  • Wenn Gleichaltrige besser dazu in der Lage sind, zur Selbstwertsteigerung beizutragen, als dies die Schule kann, und Gleichaltrige sich gegenseitig zum Schwänzen animieren, kann Schwänzen statusfördernd in der Peer Group sein. Insofern ist es möglich, dass die Peer Group nicht nur dazu beiträgt, dass Schülerinnen und Schüler im Unterricht fehlen, sie kann das Fehlverhalten darüber hinaus auch noch stabilisieren.

Schulabsentes Verhalten wird nach Thimm (2000) umso wahrscheinli­- cher,

  • je weniger erwachsene Vertrauenspersonen für Jugendliche mit Verweigerungstendenzen zur Verfügung stehen, die schulverweigerndes Verhalten ablehnen;
  • je präsenter und attraktiver Verweigerungs-Peer-Modelle im außerschulischen Raum sind;
  • je mehr Schuldistanz ein bedeutsamer Kern der Cliquenidentität des Jugendlichen ist;
  • je mehr sich innerhalb der Clique eine Opposition gegen die Erwachsenenwelt aufbaut.

Multifaktorielle Ursachen erfordern ein multifaktorielles Präventions- beziehungsweise Interventionskonzept

Gehen wir davon aus, dass unterrichtsvermeidende Verhaltensmuster komplexe Prozessverläufe haben, dann ist ein multifaktorielles, professionsübergreifendes Handeln all derer gefordert, deren Aufgabe es ist, Kindern und Jugendlichen möglichst gute Entwicklungschancen zu geben. Schematisches Agieren scheint daher kontraproduktiv, die Spezifität der »Fälle« verlangt grundsätzlich spezifische Handlungskonzepte. Passt ein Hilfsangebot für das eine Kind, ist es für das andere möglicherweise völlig ungeeignet. Es müssen daher fallspezifische Handlungskonzepte entwickelt werden, die die konkreten Bedingungen vor Ort berücksichtigen. Interventive Konzepte, die erst – und dann zu spät – einsetzen, wenn unterrichtsvermeidendes Verhalten bereits manifest ist, müssen ersetzt werden durch präventive Konzepte.

Prävention und Intervention gegen Schulverweigerung kann keinem Schema folgen, sie ist individuell anzulegen.

Wenn Handlungskonzepte entwickelt werden, präventive wie interventive, müssen zum einen pädagogisch konstruktive Binnenstrukturen in der Schule geschaffen werden. Zum anderen geht es darum, Netzwerke zu Einrichtungen und Personen außerhalb der Schule zu knüpfen, um die begrenzten schulischen Handlungsmöglichkeiten zu erweitern. Außerschulische und innerschulische Angebote müssen somit adäquat mitein­ander verknüpft werden.

Was kann Schule tun?

In der Schule bedeutet eine Auseinandersetzung mit schulverweigerndem Verhalten, Konzepte auf organisatorischer Ebene, auf der Ebene der Leitung, der Lehrkräfte, des Unterrichts, der Elternarbeit und auch außerschulischer Kooperationspartner zu entwickeln und umzusetzen. Notwendig ist beispielsweise, verbindlich festzulegen, wie in der Schule von allen Beteiligten mit schulabsentem Verhalten umgegangen werden soll. Dies sollte in den entsprechenden Gremien abgestimmt, formale Handlungsabläufe (Rückmeldestrukturen) sollten festgeschrieben, Beratungsangebote transparent gemacht, über Sanktions- oder auch Belohnungssysteme gesprochen, möglicherweise sogar die Stundenplangestaltung auf die entsprechende Schülergruppe abgestimmt und (Freizeit-)angebote installiert werden. Auf Klassenebene geht es u. a. um die Entwicklung eines unterstützenden und akzeptierenden Klassenmilieus, um gemeinsame Aktivitäten, gemeinsam entwickelte, klare Regelstrukturen, eine enge Zusammenarbeit mit Eltern, aber auch Prinzipien eines individualisierenden Umgangs mit den Lernenden in Schule und Unterricht. Ricking zeigt in seinem Beitrag auf, wie ein schulisches Handlungskonzept zur Prävention aussehen könnte, welche Handlungsoptionen eine Schule ausschöpfen sollte, bevor sie auf Hilfe von außen zurückgreift oder auch rechtliche Maßnahme ergreift.

Außerschulische und innerschulische Angebote müssen miteinander verknüpft werden.

Der Frage, wer eigentlich von Schulverweigerung betroffen ist, wie vielfältig die Hintergründe von Schulverweigerung sind und wo und wie sich Schule als Institution zum Wohl der Kinder und Jugendlichen entwickeln muss, widmet sich der Beitrag von Schlieper/Kühler; sie greifen dabei auf ihre langjährige Erfahrung im sogenannten »Rather Modell«, einer Initiative von Schulaufsicht, Jugendamt und Schulen, zurück.

Auf einen Zusammenhang zwischen Motivationslosigkeit, Langeweile, mangelnder Teilhabe, Über- oder Unterforderung, Leistungsdruck, fehlender Partizipation und Transparenz und Absentismusraten wird in der Literatur immer wieder hingewiesen. Hartmann und Siepmann entwickeln in ihrem Beitrag einige konzeptionelle Ansätze, wie durch die Gestaltung schulischer Rahmenbedingungen, pädagogischer Binnenstrukturen sowie durch Lern- und Unterrichtskonzepte Schulverweigerung systematisch vorgebeugt werden kann, wie also präventive Arbeit im schulischen Alltag möglich werden kann.

Was kann Kinder- und Jugendhilfe tun?

Schulen können, abgesichert durch das Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG), eine Fülle von Hilfen für Kinder/Jugendliche beantragen. Wenn es gelingt, die Arbeitsansätze der schulischen (Sozial-)Pädagogik und die der außerschulischen Jugendsozialarbeit integrativ zu gestalten und nicht, wie noch so oft, additiv, dann können beide Kooperationspartner dafür sorgen, dass die Förderangebote auch diejenigen erreichen, die ihrer bedürfen.

Noch aber werden Hilfsangebote vorwiegend von freien Trägern und als staatlich finanzierte Projekte angenommen. Sie haben eher einen schulergänzenden Charakter: Individuumsbezogene Sozialarbeit, Eltern- und Konfliktberatung, Freizeitangebote und auch außerschulischer Förderunterricht wird Eltern und Jugendlichen gewährt. Dies erfolgt auch mit der Zielsetzung, die Schülerinnen und Schüler durch individuelle Unterstützungsangebote soweit zu stärken und zu fördern, dass sie in der Regelschule wieder regelmäßig am Unterricht teilnehmen und dort auch einen Abschluss erreichen. Von den Erfahrungen in solchen Projekten handeln die Beiträge von Rodenkirchen und Kantak. Rodenkirchen weist dabei insbesondere auf die große Bedeutung der begleitenden Elternberatung hin. Der Beitrag von Kantak stellt ein Modellprojekt des Landes Brandenburg vor, bei dem einzelne Schulen und Träger der freien Jugendhilfe initiativ werden, um alternative Bildungs- und Betreuungs­angebote für problembelastete, die Schule verweigernde Jugendliche anzubieten.

Die Kinder- und Jugendpsychia­trie wird, angesichts der steigenden Anzahl an Schulphobiker(inne)n, eine immer bedeutsamere Institution beim Thema Schulverweigerung. Jugendliche, die aufgrund klinisch-psychiatrischer Probleme längere Zeit den Schulbesuch verweigert haben, bedürfen, wenn sie im Anschluss an ihre Behandlung in die Schule zurückgeführt werden, einer besonderen Begleitung. Von ersten Erfahrungen aus einem Forschungsprojekt, das ein Rückführungsprogramm in die Regelschule entwickelt hat, berichten Weber/Welling/Steins in ihrem Beitrag. Auf die Bedeutung und Notwendigkeit von Handlungskonzepten, an denen unterschiedliche Professionen und Personengruppen beteiligt sind, wird auch hier verwiesen.

Anmerkung

* Die Zitate stammen aus:
www.superweb.de/hanes44/schei_schule/index.htm
www.planet-liebe.de › … › Liebe, Sex/Zärtlichkeit › Kummerkasten
www.paradisi.de/Freizeit_und…/Schulschwaenzen/Forum/97464.php

Literatur

Ricking, H. (2003): Schulabsentismus als Forschungsstand. Oldenburg
Ricking, H. (2004): Pädagogische Alternativen bei Schulabsentismus. In: Kooperationsstelle Hochschule-Gewerkschaften Carl v. Ossietzky Univ. Oldenburg/GEW-Bezirksverband Weser-Ems (Hg.): Null Bock auf Schule. Schulverweigerung – Handlungsansätze und -möglichkeiten. Oldenburg, S. 10 – 29
Schreiber-Kittl, M./Schröpfer, H. (2002): Abgeschrieben? Ergebnisse einer empirischen Untersuchung über Schulverweigerer. Opladen
Stamm, M. (2007): Schulabsentismus. Eine unterschätze pädagogische Herausforderung. In: Die Deutsche Schule H. 99/2007, 1, S. 50 – 61
Thimm, K./Ricking, H.: (2004): Begriffe und Wirkungsräume. In: B. Herz/K. Puhr/H. Ricking (Hg.): Problem Schulabsentismus – Wege zurück in die Schule. Bad Heilbrunn, S. 45 – 51
Thimm, K. (2000): Schulverdrossenheit und Schulverweigerung. Hintergründe und Lösungsansätze. Göttingen
Wagner, M./Dunkake, I./Weiss, B. (2005): Schulverweigerung. Empirische Analysen zum abweichenden Verhalten von Schülern. In: Zeitschrift für Soziologie 56,3/2004, S. 457 – 487

Dr. Sabine Geist ist stellvertretende Schulleiterin der Laborschule Bielefeld.
Adresse: Arminiusstraße 30 c, 33100 Paderborn
E-Mail: sabine.geist(at)uni-bielefeld.de

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Forschendes Lernen und kreatives Schreiben

Ein lokalhistorisches Projekt

Der Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten versucht alle zwei Jahre Schüler zum Forschen im lokalgeschichtlichen Raum anzuregen. Die jungen Menschen begeben sich in die Archive und erstellen oft auf der Grundlage aufwendiger Recherchen Arbeiten, die bisweilen sogar Forschungslücken schließen. Forschendes Lernen: Das ist seit Jahren ein Erfolgsrezept beim historischen Lernen.

Mit dem hier vorgestellten Projekt »Weihnachten in Uetersen in den 1950er Jahren« wurde der lerntheoretisch überaus sinnvolle Ansatz des Forschenden Lernens um das Element des kreativen Schreibens erweitert. Die Schüler haben bei der Beschäftigung mit der Lokalgeschichte nicht versucht, die Vergangenheit im Sinne einer Tatsachensicherung zu erforschen, sie sollten sich vielmehr in die historische Situation hineinversetzen und die damaligen Wertvorstellungen sowie die Gefühle der Personen nachvollziehen können. Dabei war die Quellenforschung nur die Grundlage für das Schreiben eigener, »fiktiver« Geschichten. Die Schüler hatten die Aufgabe, sich kreativ schreibend mit der Geschichte ihrer Heimatstadt auseinanderzusetzen.

Die Durchführung

Das Projekt war an Acht- bis Dreizehnklässler gerichtet und hatte vier Bausteine, die u. a. in einem eintägigen Workshop umgesetzt wurden. Der erste Baustein umfasste die Nachforschungs- und Inspirationsphase und bot dabei verschiedenste Zugänge zum Thema. Filmaufnahmen gaben einen ersten Einblick in die 1950er Jahre, und vier Zeitzeugen stellten sich den individuellen Fragen der Schüler. Darüber hinaus ermöglichte die Recherche im Archiv der Lokalzeitung nicht nur den Blick auf die Presseberichterstattung zur damaligen Weihnachtszeit, sondern auch auf die einst beworbenen Produkte. Diese konnten die Schüler zum Teil dann sogar selbst betrachten, als sie an einem Tag das örtliche historische Museum besuchten. Zudem haben die jungen Autoren auch gänzlich eigenständig recherchiert, beispielsweise ihre Großeltern befragt. All dies bot ihnen die Möglichkeit, etwas über die Zeit (die 1950er Jahre), den Raum (Uetersen) und die Kultur (das Weihnachtsfest) zu erfahren.

Zugleich hatten sich verschiedenste Schreibanlässe ergeben. Die Schüler wussten dabei den Recherchezugang zu schätzen. Man könne »auf diese Weise am besten die Zeit nachempfinden«, schrieb eine Schülerin. Eine andere hob die Bedeutung der Recherche für die örtlichen Begebenheiten in den 1950er Jahren in Uetersen hervor, wobei ihr vor allem Fotos und Karten im Museum halfen.

In dem Workshop wurde zudem der zweite Baustein des Projektes realisiert: eine Einführung in das kreative Schreiben. Neben der Erarbeitung von Kennzeichen einer Kurzgeschichte ging es um das Cluster-Verfahren beim kreativen Schreiben: Ausgehend von eigenen und vorgegebenen Begriffen zum Thema (hier: 1950er Jahre, Weihnachten, Uetersen) sollten dazu Assoziationen notiert werden. Diese Ideen galt es mithilfe der Rechercheergebnisse anschließend in ein mögliches Konstrukt einer Erzählung münden zu lassen.

Beim dritten Baustein waren die Schüler weitgehend auf sich allein gestellt. Sie verfassten zu ihren Forschungsergebnissen eigene Geschichten. Den Zwischenstand oder auch eine vorläufige Fassung konnten sie den beiden betreuenden Lehrkräften vorlegen, um sich entsprechende Rückmeldung einzuholen. Zu einem festgelegten Termin hatten dann alle ihre Arbeitsergebnisse vorzulegen, die im Rahmen eines schulinternen Schreibwettbewerbs bewertet wurden.

Von den eingereichten Kurzgeschichten waren wir Lehrkäfte sowohl in stilistischer Hinsicht als auch bezüglich der Komposition der Erzählungen äußerst positiv überrascht. Wir realisierten, dass hier Talente schlummern, die wir bei unserem manchmal vielleicht etwas »kopflas­tigen« Unterricht zu selten erkennen. Gerade dem Bedürfnis nach einer selbstverantwortlichen Weltaneignung von Seiten der Schüler galt es, mithilfe des kreativen Schreibens entgegenzukommen – mit dem Resultat, dass Geschichte in Geschichten erlebbar wird.

Der vierte Baustein spielte eine besondere Rolle: die Präsentation ausgewählter Ergebnisse. Acht von den 33 eingereichten Geschichten wurden in einem Buch veröffentlicht. Die Nachfrage war überwältigend: Rund 650 Bücher waren innerhalb von rund fünf Wochen ausverkauft. Zudem bestand die Möglichkeit, die Arbeitsergebnisse in lokalen Kreisen zu präsentieren: Die Schüler lasen ihre Geschichte im Altenheim, bei verschiedenen Weihnachtsfeiern in den Kirchen oder auf dem örtlichen Weihnachtsmarkt vor.

Wirkungen

Zur Gesamtbewertung des Projektes gaben die Schüler überaus positive Rückmeldungen: »Solche Schulprojekte motivieren Schüler und sind vonöten, um sie auf freiwilliger Basis zu motivieren«, schrieb eine Schülerin. Eine andere meinte: »Das Schulprojekt war ausgesprochen toll, da es für Schüler eine Herausforderung darstellte, durch schriftstellerische Eigenleis­tung ein bestimmtes Ziel zu erreichen, sich mit der Heimat und der Historie auseinanderzusetzen und somit seine Allgemeinbildung zu erweitern, seinen kreativen Geist zum Leben zu erwecken und das mit dem Gefühl von Realismus zu koppeln. Ein Projekt dieser Art sollte unbedingt wiederholt werden!!!« Bedeutend war aber nicht nur der Fokus auf die unmittelbaren Lernerfolge der Schüler, sondern auch die Wirkung in die Kleinstadt hinein. Die Rückmeldung eines Pastors zeigt die soziale Dimension des Projektes: »Nach dieser Weihnachtsfeier fehlen mir doch etwas die Worte. Es war wirklich sehr bewegend. Insbesondere die Geschichte von Marie-Christin hat viele der Senioren sehr bewegt, einer ganzen Reihe standen die Tränen in den Augen. Besonders offenbar dadurch, dass sie die Geschichte selbst vorgelesen hat. […] Als die beiden [Schüler] vorgelesen haben, war es so still, wie ich das bislang noch nie erlebt habe. Es sind nach der Feier sehr viel mehr Menschen als sonst gewesen, die mich angesprochen haben. Die meisten mit dem Tenor: ›Ja. So ist es gewesen‹ – und dann hat sich die eigene Geschichte angeschlossen und es sind eine ganze Reihe sehr feiner Gespräche entstanden. So sind die Geschichten Ihrer Schüler(innen) in vielerlei Hinsicht Türenöffner gewesen.«

Dr. Sönke Zankel ist Studienrat am Ludwig-Meyn-­Gymnasium in Uetersen.
Adresse: ­Seminarstraße 10,25436 Uetersen
E-Mail: s.zankel(at)lms-sh.de

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50 Jahre Vogelpark Walsrode

Ein beliebter außerschulischer Lernort feiert in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag. Der Weltvogelpark Walsrode in der Lüneburger Heide zählt zu den zehn artenreichsten Zoos der Welt und ist seit Jahrzehnten eine wichtige Institution auf dem Gebiet des Artenschutzes. Als »Schule unter freiem Himmel« bietet der Park das ganze Jahr zahlreiche Möglichkeiten, den Schülerinnen und Schülern die Vielfalt der Vogelwelt praktisch und interaktiv zu vermitteln. Im »Fliegenden Klassenzimmer« erklären die Biologen des Weltvogelparks beispielsweise, weshalb Vögel fliegen können, warum manche nur laufen und nicht fliegen und weshalb sie unterschiedlich schnell sind.

Zu seinem 50. Jubiläum präsentiert der Weltvogelpark im Bereich erlebbare Wissensvermittlung eine international einzigartige Anlage: Im Kolibrihaus, das eigens für die »Juwelen der Vogelwelt« geschaffen wurde und ein Zuchtzentrum einschließt, erhalten die Kinder die seltene Gelegenheit, das farbenprächtige Gefieder und das einzigartige Flugverhalten aus nächster Nähe zu beobachten. Durch an die verschiedenen Altersklassen angepasste Schulprogramme mit vielfältigem Anschauungsmaterial vermitteln die Biologen des Weltvogelparks spannend und ereignisreich die Welt der Vögel, ihre Evolutionsgeschichte und die Pflanzenwelt. Zu unterschiedlichen Themenbereichen werden Erlebnisführungen angeboten, die sich individuell an den Lehrinhalten der unterschiedlichen Jahrgangsstufen orientieren, von der Grundschule bis zum Gymnasium. Weitere Informationen können unter: http://weltvogelpark.de/deutsch/edutainment/zooschule.html bezogen werden.

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Vorlesen stärkt Lesekompetenz

Wenn Kindern im Vor- und Grundschulalter vorgelesen wird, erzielen sie im PISA-Test höhere Ergebnisse bei der Lesekompetenz als Kinder, in deren Familien nicht gelesen wurde. Die OECD-Studie »Let’s Read Them a Story! The Parent Factor in Education« zeigt, dass dieser Zusammenhang in Deutschland und in Neuseeland besonders stark ausgeprägt ist. In Deutschland lagen die Werte bei 15-jährigen Schülern im Schnitt um 51 Punkte höher, wenn ihre Eltern ihnen in den ersten Schuljahren vorgelesen hatten. Zum Vergleich: 39 Punkte entsprechen ungefähr dem Fortschritt zwischen zwei Schuljahren.

Häufig spiegelt sich der soziale Hintergrund der Familien in den schulischen Leistungen der Kinder. Die positive Wirkung des Vorlesens auf das spätere Lesevermögen ist der Studie zufolge jedoch quer durch alle sozialen Gruppen zu beobachten. Eine ähnlich positive Wirkung kann zudem bei allen Beschäftigungen nachgewiesen werden, die Kinder dazu anregen, Wörter und ihre Bedeutung zu erforschen, z. B. das Singen von Liedern oder das Geschichtenerzählen.

Die Studie wertet Daten aus der PISA-Erhebung 2009 aus. In 14 Ländern waren zusätzlich zu den Schülertests auch Fragebögen an die Eltern der Teilnehmer verteilt worden. Darin wurde unter anderem nach dem Bildungshintergrund der Eltern, nach ihrem Beruf und nach ihrer Einkommensgruppe gefragt. Außerdem wurde erfasst, welche Rolle Bücher in den jeweiligen Haushalten spielten und ob die Eltern das Leseverhalten der Kinder in den ersten Schuljahren aktiv geprägt hatten. Der Report kann unter www.oecd.org/dataoecd/19/30/50298645.pdf bezogen werden.

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Bayern: Mehr Lehrer für Großstadtschulen

Schulen mit vielen Kindern aus Einwandererfamilien erhalten künftig zusätzliche Lehrerstellen, um ihre Integrationsaufgaben besser bewältigen zu können. Die bayrische Landesregierung stellt hierfür 200 Lehrerstellen zur Verfügung. Außerdem soll es zusätzliche Sprachförderkurse geben.

Zur Begründung für diese Förderung führte Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) aus, dass es nach wie vor ein großes Bildungsgefälle bei Kindern aus Migrantenfamilien im Vergleich zur angestammten Bevölkerung gebe. Zusätzliche Mittel sollen daher zielgerichtet verteilt werden. Dazu werde ein Kriterienkatalog entwickelt, auf dessen Grundlage Stellen und Geld für die Integration verteilt würden.

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Experten fordern Nationalen Bildungsrat

Namhafte Experten aus Wissenschaft und Politik haben ein Konzept für die Einrichtung eines Nationalen Bildungsrates vorgelegt. Ein solches Gremium könnte ihrer Auffassung nach vom Bundespräsidenten einberufen werden und zu einer Verbesserung der Zusammenarbeit von Bund, Ländern und Kommunen in Bildungsfragen beitragen. Zu den Unterstützern gehören der Berliner Erziehungswissenschaftler Heinz-Elmar Tenorth, der frühere Generalsekretär der Kultusministerkonferenz Erich Thies, der ehemalige Berliner Bildungssenator Jürgen Zöllner, der Bildungsforscher Jürgen Baumert und der Erziehungswissenschaftler Jürgen Oelkers.

Nach den Vorstellungen der Expertinnen und Experten sollte der Nationale Bildungsrat ähnlich aufgebaut sein wie der Wissenschaftsrat, der seit über 50 Jahren den Bund und die Länder in Fragen der Hochschul- und Forschungspolitik berät. Eine Kammer des Bildungsrates soll mit Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen besetzt werden, die andere mit Politikern und Verwaltungsfachleuten. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) begrüßte die Initiative. Ihrer Auffassung nach ist ein Bildungsrat ein gutes Instrument, um den Föderalismus zu stärken und zugleich zu mehr gesamtstaatlicher Verantwortung in der Bildungspolitik zu kommen.

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FWU-Materialien in Lernplattform eingebunden

Ab sofort stehen die ca. 4 000 Filme, Videosequenzen, Galerien und interaktiven Lerneinheiten der FWU-Mediathek den Nutzern der Lernplattform »itslearning« weltweit über eine Online-App zur Verfügung. Mit dieser Kooperation setzen beide Unternehmen neue Maßstäbe für die Mediendistribution und erleichtern die sichere und einfache Nutzung von Medien im Unterricht.

Die Vorteile der Integration von fertigen Inhalten der FWU-Mediathek  in die Lernplattform stellt Geschäftsführer Christian Grune so dar: »Statt wie bisher in mehreren Webseiten zu arbeiten oder größere Dateien umständlich als Datei herunter zu laden, können Medien über die App direkt in den unterrichtlichen Kontext eingebunden werden«.  

Damit könnten Medien sehr viel flexibler eingesetzt werden und seien dort verfügbar, wo auch andere relevante Lerninformationen abrufbar sind. Sie können als Lernressource eingebunden und der Lernfortschritt dokumentiert werden. Durch die Online-Verfügbarkeit können Lehrerinnen und Lehrer den Unterricht mit Medien von zu Hause aus vorbereiten und Schülerinnen und Schüler die Medien im Unterricht oder zu Hause nutzen.

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Jugendarbeitslosigkeit in der EU steigt

Immer mehr junge Menschen in der EU suchen einen festen Job. Aber durch die Finanzkrise ist ein Ende der besonders in Südeuropa dramatisch gestiegenen Jugendarbeitslosigkeit für die nächsten Jahre kaum in Sicht. Nach Ansicht der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) droht sogar eine »verlorene Generation«. Die langfristigen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen einer solchen Entwicklung könnten verheerend sein. Die immer wieder erfolglose Jobsuche erzeuge bei vielen jungen Menschen ein Gefühl von »sozialer Ausgegrenztheit, Nutzlosigkeit und Nichtstun«, warnte die ILO. Aus diesem Grund müsse eine aktive Beschäftigungspolitik für Jugendliche höchste Priorität haben, fordert die ILO in ihrem jüngsten Bericht zur Situation junger Menschen auf den Arbeitsmärkten (vgl. www.ilo.org/global/publications/).

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Arbeitslosenquote bei den 15- bis 24-Jährigen in der EU und den anderen entwickelten Industrie­ländern zwischen 2008 und 2011 um 26,5 Prozent und damit weltweit am stärksten gestiegen ist. Das entspricht einem Anstieg um 4,7 Prozentpunkte auf 18,1 Prozent. In diesem Jahr wird sie voraussichtlich mit 18 Prozent nur unwesentlich darunter liegen. Besonders dramatisch ist die Situation in Spanien und Griechenland, wo jeweils fast jeder zweite junge Mensch arbeitslos ist.

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Die Lernmotivation von Schülern verstehen

Berliner Studie untersucht Lerntypen bei Schülern

Der Einfluss sozialer Beziehungen auf die Lernmotivation variiert einer Studie von Erziehungswissenschaftlern und Psychologen der Freien Universität Berlin zufolge von Schüler zu Schüler. Dies belegen erste Ergebnisse einer Studie über die Bedeutung sozio-emotionaler Lernfaktoren (SELF) im schulischen Lernprozess. Die Wissenschaftler des SELF-Projekts um Dr. Diana Raufelder kommen zu dem Ergebnis, dass es bei Schülerinnen und Schülern vier verschiedene Lern- und Motivationstypen gibt:

  • vom Klassenumfeld abhängige Lerner,
  • Lehrer-abhängige Lerner,
  • Mitschüler- und Lehrer-abhängige Lerner sowie
  • unabhängige Lerner.

Zu letzterer Gruppe zählen in der aktuellen Studie nahezu ein Drittel der Schüler: Sie passen am wenigsten in das traditionelle Schulsystem und würden von einer autonomeren Lern­umgebung profitieren. Die Typologie der Wissenschaftler soll dabei helfen, das individuelle Potenzial einzelner Schüler zu erkennen und ihnen entsprechende Förderung zu ermöglichen. Bei mehr als einem Drittel der befragten Jugendlichen wird die schulische Motivation sehr stark von Gleichaltrigen im sozialen Umfeld beeinflusst. Die rein lehrer-abhängigen Lerner stellen mit rund zehn Prozent die kleinste Gruppe. Wie andere Studien gezeigt haben, kann dies auch durch die zunehmend unpersönliche Art des Lehrer-Schüler-Verhältnisses in weiterführenden Schulen erklärt werden.

An der Fragebogenerhebung der Wissenschaftler hatten mehr als 1 000 Schülerinnen und Schüler der 8. Klasse an Gemeinschaftsschulen und Gymnasien in Brandenburg teilgenommen. Sie gaben Auskunft zu ihren sozialen Beziehungen in der Schule, ihrer Motivation und ihren Einstellungen zur Schule, ihrer Persönlichkeit und ihrem emotionalen Befinden.

Rund 28 Prozent der befragten Schüler halten sowohl Lehrer als auch die Mitschüler entscheidend für ihre schulische Motivation. Für diesen Lerntypus ist die Qualität der schulischen Beziehungen, das Klassen- und Schulklima, zentral für die Lernmotivation. Sie profitieren von stabilen positiven Beziehungen zu ihren Mitschülern und Lehrern.

Im Gegensatz dazu stehen rund 26 Prozent der befragten Schüler, für die weder die Gleichaltrigen noch die Lehrer eine Rolle für ihre Motivation zu spielen scheinen. Unabhängige Lerner passen der Studie zufolge am wenigsten in das traditionelle Schulsystem, das auf Lernen im Klassenverband und starkem Einbezug des Lehrpersonals basiert. Diese Schüler würden von einer autonomeren Lern­umgebung profitieren: von weniger Vorgaben, weniger Kontakt zu Mitschülern und mehr kreativem Spielraum. Ob individuelle Faktoren wie Selbstwirksamkeit, Selbstwert und Persönlichkeitsmuster für sie bedeutender in Bezug auf ihre Motivation sind, wird in weiteren Analysen untersucht. Weitere Informationen zu der Studie können unter www.self-projekt.de bezogen werden.

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Zuwanderung aus EU-Staaten steigt

Im Jahr 2011 sind so viele Menschen aus dem Ausland nach Deutschland gezogen wie seit 15 Jahren nicht mehr. Insgesamt wurden nach Angaben des Statistischen Bundesamtes netto – also nach Abzug von Auswanderern – rund 279 000 Zuwanderer gezählt. Dabei ist insbesondere die Zahl der Zuwanderer aus den EU-Staaten gestiegen, nämlich um rund 34 Prozent. Besonders stark war der Anstieg der Zuwanderung aus Griechenland und Spanien, die stark unter der Schuldenkrise leiden. Deutlich mehr Menschen als aus diesen beiden Staaten kamen allerdings aus Ländern, die im Jahr 2004 der EU beigetreten sind und seit Mai freien Zugang zum Arbeitsmarkt haben. Die meisten Menschen – insgesamt 163 400 – wanderten aus Polen zu. Zum Vergleich: Aus Griechenland kamen nur rund 24 000 und aus Spanien knapp 21 000 Menschen.

Knapp zwei Drittel der zugewanderten Ausländer fanden in vier Bundesländern eine neue Heimat. Sie ließen sich in NRW nieder (167 000), gefolgt von Bayern, Baden-Württemberg und Hessen.

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Mecklenburg-Vorpommern: Überparteiliche Einigung bei der Inklusion

Die Bemühungen der Schweriner SPD/CDU-Regierung, Kinder mit besonderem Förderbedarf in reguläre Schulklassen zu integrieren, werden von den demokratischen Oppositionsparteien im Landtag unterstützt. Vertreter von SPD, CDU, Linken und Grünen unterzeichneten vor kurzem eine entsprechende Vereinbarung. Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) bezeichnete diesen Konsens als einen der größten bildungspolitischen Erfolge der vergangenen Jahre.

Mecklenburg-Vorpommern hatte über viele Jahre hinweg den größten Anteil an Schülerinnen und Schüler in Förderschulen unter allen Bundesländern. Dies war nach Auffassung vieler Experten eine Ursache dafür, dass im Nordosten Deutschlands viele Schülerinnen und Schüler ohne Schulabschluss blieben. Dies soll sich nach dem Willen von Brodkorb und den Bildungspolitikern der anderen Parteien ändern, indem die Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf schrittweise in die regulären Schulklassen integriert werden.

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Netzwerk »Innovative Bildungsprogramme« gegründet

Zehn deutschlandweit aktive Bildungsinitiativen haben vor kurzem das Netzwerk »Innovative Bildungsprogramme« gegründet, mit dem sie Impulse für eine Weiterentwicklung des staatlichen Schulsystems geben wollen. Dabei geht es ihnen nach eigener Aussage nicht um »technokratischen Reformen«, sondern um einen »grundlegenden Wandel von Schule« erreichen: »Hin zu einer Einrichtung, die Schülerinnen und Schüler ernst nimmt, sie aktiviert, ihre Kompetenzen fördert und sie demokratisch in Alltag und Unterricht einbezieht«. Damit wenden sich die Netzwerkmitglieder gegen eine »fortschreitende gesellschaftlich Spaltung, die sich vor allem durch Chancenungleichheiten in unseren Bildungseinrichtungen manifestiert«.

Neben Netzwerktreffen, die dem Austausch und der Kooperation dienen, will das Netzwerk perspektivisch die Aktivitäten für innovative Schulentwicklung bündeln. Es steht weiteren innovativen Bildungsprogrammen offen.

Initiatoren des Netzwerkes sind Sigrid Meinhold-Henschel (Projektleiterin von »jungbewegt« der Bertelsmann Stiftung), Roman R. Rüdiger (Geschäftsführender Vorstand des buddY E. V. – Forum Neue Lernkultur) und Prof. Dr. Herbert Scheithauer (Vorstand fairplayer e. V. und Freie Universität Berlin).

Weitere Informationen können bezogen werden bei Kathrin Stenzel, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit buddY E. V., Telefon (02 11) 30 32 91 -20, E-Mail: kathrin.stenzel@buddy-ev.de

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Hamburg richtet Jugendberufsagenturen ein

Mit der Einrichtung von Jugendberufsagenturen will Hamburg jungen Menschen beim Übergang von der Schule in den Beruf unterstützen. Die Agenturen sollen für Jugendliche, ihre Eltern sowie die Lehrkräfte die erste Adresse in allen Fragen zur Ausbildung und Arbeit werden, sagte der Geschäftsführer der Hamburger Arbeitsagentur anlässlich der Vorstellung des Konzepts. Die im September zunächst in zwei Bezirken eingerichteten Agenturen steht allen Jugendlichen bis 25 Jahre offen, dient aber vor allem dazu, jene Jugendlichen zu unterstützen, die keinen Abschluss oder nur eine geringe Berufsqualifikation haben. Diese Jugendlichen sollen künftig gezielt angesprochen werden.

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Baden-Württemberg baut Lehrerfortbildung aus

Die rot-grüne Landesregierung in Baden-Württemberg hat die Ausgaben für Lehrerfortbildung im Jahr 2012 deutlich erhöht. Insgesamt stehen für diesen Zweck knapp 10 Millionen Euro zur Verfügung, das sind rund 1,5 Millionen mehr als im Jahr 2011. Nach Ansicht von Kultusminis­terin Ga­briele Warminski-Leitheußer (SPD) können damit alle notwendigen Fortbildungen durchgeführt werden.

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Wachsender Fachkräftemangel in Deutschland

Anfang des Jahres fehlten in den deutschen Unternehmen rund 280 000 Fachkräfte für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT). Demgegen­über waren etwa 72 000 Fachkräfte in diesem Bereich auf Jobsuche. Diese Zahlen nannte das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW). Seit dem Beginn der halbjährlich veröffentlichten Berechnungen im Jahr 2000 sei die Fachkräftelücke noch nie höher gewesen, teilte der Direktor des Ins­tituts Michael Hüther mit. Sie könne seiner Auffassung nach auch nicht mit zugewanderten Fachkräften geschlossen werden, da z. B. die Sprachprobleme zu groß seien. Ein großes Problem bestehe nach wie vor darin, dass sehr viele MINT-Studierende ihr Studium abbrechen würden.

Auf dieses Problem hat auch der Arbeitgeberverband Nordmetall hingewiesen. Er verwies dabei auf eine Studie des Hochschul-Informations-Systems (HIS), die im Frühjahr veröffentlicht worden war. Demnach bricht fast die Hälfte aller Studierenden in den technischen und naturwissenschaftlichen Fächern das Studium ab. Auf der Grundlage des Absolventenjahrgangs 2010 wurden im Bachelorstudium an Universitäten besonders hohe Abbruchquoten in den ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen festgestellt. Nur jeder zweite Studienanfänger aus dem Jahr 2006/07 erreicht hier einen ersten Hochschulabschluss. Nach Auffassung des HIS haben sich bei der Einführung des Bachelorstudiums in den Ingenieurwissenschaften bestimmte Studienprobleme kumuliert. Auch in den Naturwissenschaften, die eine Abbruchquote von 39 Prozent zu verzeichnen haben, dürfte ein solcher Effekt entstanden sein.

An den Fachhochschulen ist die Situation etwas besser: Dort brachen im Bachelorstudium rund 30 Prozent der Studierenden sowohl in den ingenieur- als auch in den naturwissenschaftlichen Studiengängen ihre Hochschulausbildung ab. In der Fächergruppe Rechts- und Wirtschaftswissenschaften und Sozialwesen zum Vergleich waren es dagegen nur sechs Prozent.

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Deutschlands beste Nachwuchswissenschaftler

Die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Prof. Dr. Annette Schavan, hat vor kurzem in Erfurt Deutschlands beste Jungforscherinnen und Jungforscher ausgezeichnet. Den Preis des Bundespräsidenten für eine außergewöhnliche Arbeit gewannen Sebastian Jäger (19) und Bonnie Stanek (18) aus Sachsen-Anhalt (siehe Abb.). Anhand der sogenannten Dielektrophorese gelang es ihnen, Mikroorganismen mittels eines hochfrequenten elektrischen Wechselfeldes nach Größe, Form und Art zu selektieren. Chris­tian Dreier (19) und Fabian Bronner (19) aus Nordrhein-Westfalen wurden mit dem Preis der Bundeskanzlerin für die originellste Arbeit ausgezeichnet. Durch ein neuartiges Verfahren zur optimalen Ausrichtung von Mikrofonen konnten sie einen realistischen räumlichen Höreindruck zu erzeugen, der das Klangerlebnis einer herkömmlichen Stereoanlage deutlich übertrifft.

Den Preis der Bundesministerin für Bildung und Forschung für die beste interdisziplinäre Arbeit erhielten Jan Rapp (19) und Timo Schmetzer (17) aus Baden-Württemberg. Die beiden entwickelten ein softwarebasiertes Echtzeit-Regelungssystem, mit dem sich ein Ball auf einer viereckigen Platte balancieren lässt, ohne dass er herunterfällt. Im Fachgebiet Arbeitswelt siegten die Auszubildenden Urs Fabian Machtolf (18), Stefanie Braun (18) und Artur Bühler (20) aus Baden-Württemberg mit einem selbst kons­truierten Gerät, das die Bewegungen eines Pferderückens wirklichkeitsnah simuliert. Es kann für die Reittherapie etwa von Kindern mit Behinderung eingesetzt werden.

Auch in den einzelnen Fachdisziplinen wurden spannende und innovative Ideen von Schülerinnen und Schülern aus mehreren Bundesländern ausgezeichnet (vgl. www.jugend-forscht.de). Der Preis »Jugend forscht Schule 2012« der Kultusminis­terkonferenz der Länder ging an das Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasium in Frankfurt/Oder für seine vorbildliche Talentförderung im MINT-Bereich.

Deutsche Schüler auch international erfolgreich

Auch international waren junge Forscherinnen und Forscher aus Deutschland erfolgreich: Bei der 63. Intel International Science and Engineering Fair (Intel ISEF) in Pittsburgh, Pennsylvania hat das elfköpfige deutsche Team zehn Preise gewonnen. Die Preisträgerinnen und Preisträger von Jugend forscht präsentierten der internationalen Expertenjury beim weltweit größten Schülerwettbewerb insgesamt neun innovative Forschungsprojekte. Die Jungforscher konnten sich in den USA gegen starke Konkurrenz behaupten. An dem Wettbewerb nahmen mehr als 1 500 junge Wissenschaftler aus über 65 Ländern teil.

Im Fachgebiet Mathematik errangen Fabian Henneke und Danial Sanusi aus Bremen einen mit 3 000 US-Dollar dotierten ersten Preis. Die beiden 19-Jährigen überzeugten die Jury in Pittsburgh mit ihrer mathematischen Untersuchung mehrdimensionaler geometrischer Objekte. Zusätzlich wurden sie mit dem ersten Preis der American Mathematical Society im Wert von 1 000 US-Dollar ausgezeichnet.

Über insgesamt vier Preise konnte sich Carolin Lachner aus Lörrach freuen. Sie präsentierte in den USA ein selbst entwickeltes Analyseverfahren, mit dem sie ein spannendes physikalisches Phänomen analysiert hatte: die sogenannte Wasserbrücke. Diese entsteht, wenn zwischen zwei Gläsern mit Wasser eine Hochspannung angelegt wird. Die 18-Jährige gewann einen zweiten Preis im Fachgebiet Physik und Astronomie im Wert von 1 500 US-Dollar. Ferner erhielt sie einen mit 1 000 US-Dollar dotierten Preis der National Aeronautics and Space Administration (NASA), Aktien der United Technologies Corporation im Wert von 3 000 US-Dollar sowie als Sonderpreis der K. T. Li Foundation die Teilnahme an der Taiwan International Science Fair.

Für ihre spezielle, in die Fensterscheibe integrierte Antenne, die eine optimale drahtlose Kommunikation per Handy oder WLAN auch bei Wärmeschutzverglasung ermöglicht, wurde Linn Bieske (18) aus Ilmenau mit einem zweiten Preis im Fachgebiet Elektro- und Maschinentechnik im Wert von 1 500 US-Dollar ausgezeichnet.

Gabriel Salg (17) aus Weibersbrunn und Nicolas Scheidig (17) aus Oberbessenbach in Bayern waren mit ihrer chemischen Zauberformel zur Beseitigung von Mundgeruch erfolgreich. Die beiden Jungforscher gewannen einen mit 1 500 US-Dollar dotierten zweiten Preis im Fachgebiet Chemie.

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Materialien

Wirkungen des Zentralabiturs

In den deutschsprachigen Ländern ist das Schulwesen gegenwärtig durch einen systematischen Umbau der administrativen Steuerungsmechanismen gekennzeichnet. Ein zentrales Motiv ist die Einführung zentraler Abiturprüfungen. Die von der Züricher Erziehungswissenschaftlerin Katharina Maag Merki herausgegebene mehrjährige Studie »Zentralabitur« untersucht in zwei Bundesländern erstmals die mit dieser Einführung verbundenen Wirkungen auf Schüler, Lehrkräfte, Unterricht und Schule. Sie stellt eine international einmalige und theoretisch fundierte Untersuchung dar, die über die beiden sich beteiligenden Bundesländer hinaus wertvolle Erkenntnisse über die Auswirkungen eines Wechsels im Steuerungssystem auf schulische Prozesse und Ergebnisse gibt. Die 411-seitige Studie ist im Verlag Springer VS erschienen und kann zum Preis von 39,95 Euro bezogen werden (ISBN 978-3-531-17782-39).

Ideen für eine gewinnbringende Elternarbeit

Wie organisiere ich einen gelungenen Elternsprechtag? Wie bereite ich mich optimal auf ein Konfliktgespräch vor? Und wie gehe ich mit hartnäckigen Gerüchten um? – Diese und viele weitere Fragen beantworten Sabine Willmeroth und Anke Hennig in ihrem vor kurzem erschienenen Buch »111 Ideen für eine gewinnbringende Elternarbeit« das Verlag an der Ruhr erschienen ist. Die Autorinnen geben hilfreiche Tipps zu Transparenz, Kommunikation und Umgangston und stellen pfiffige Ideen zur Gestaltung von Elternabenden vor. Auch Vorschläge zur Einbindung von Eltern etwa in Klassenfeste, guter Rat zum Thema Hospitationen sowie Impulse und Hilfen für gelungene Klassenfahrten fehlen nicht. Eine CD-ROM mit veränderbaren Word-Dateien ergänzt schließlich die Ideensammlung: Sie liefert u. a. ein Positionspapier sowie Protokollvorlagen und Einladungen zu Elterngesprächen. Das Buch ist zum Preis von 19,90 Euro im Buchhandel zu beziehen (ISBN 978-3-8346-0906-9).

Demokratie in der Schule

Wer lernt schon kochen, indem er Kochbücher studiert? Und wer wird schon Demokrat durch das Lesen von Literatur darüber? Die neue Ausgabe der Zeitschrift »Humane Schule« zeigt Möglichkeiten einer aktiven Demokratieerziehung in der Schule auf. Im Leitartikel geht Angelika Klaska auf Methoden wie Klassenrat und Service-Learning ein. Weitere Beiträge stellen die Schulversammlung, das Schulparlament und den Schülersprechtag vor; mehrere Schulen geben Auskunft darüber, wie sie demokratische Teilhabe von Anfang an gestalten. Die Schülerperspektive kommt im Interview mit einer Schülersprecherin zum Ausdruck sowie im Bericht über »basis«, eine Reihe von selbst organisierten Schülersymposien in Bayern. Außerdem porträtiert das Heft den Wettbewerb »Demokratisch Handeln« ebenso wie die Deutsche Gesellschaft für Demokratiepädagogik und berichtet vom Engagement einer Bürgerinitiative für »ihre« regionale Gemeinschaftsschule. Kopiervorlagen, Literatur- und Internetverweise, ein Praxistipp zur Demokratie im Lehrerzimmer, Buchbesprechungen sowie Hintergrundartikel und Kommentare runden das Heft ab. Die Zeitschrift »Humane Schule« (38. Jg., Mai 2012) mit dem Themenschwerpunkt »Demokratie in der Schule« kostet 5,– Euro (zzgl. Versand) und kann bestellt werden beim Bundesverband Aktion Humane Schule e. V., Rathausplatz 8, 53859 Niederkassel, E-Mail: ahs@aktion-humane-schule.de, Tel. (0 22 08) 90 96 89, Fax -90 99 43, Internet: www.aktion-humane-schule.de.

Landwirtschaft entdecken

Vor kurzem ist das multimediale Bildungspaket »Landwirtschaft entdecken« erschienen, ein aktuelles und abwechslungsreiches Bildungspaket, das den Fokus auf die multimediale Vermittlung von relevanten Themen der Agrarpolitik und -produktion legt. Zu dem Paket gehört eine DVD mit zehn Filmen, die in sechs Minuten einen kurzen Einstieg in die ganz unterschiedliche Themen zur Landwirtschaft geben, ein Buch mit elf weiterführenden Kapiteln und die Webseite www.land-entdecken.de, die Schüler und Lehrer weitere Informationen anbietet, vor allem aber zum Nachforschen anregt. Das von der Europäischen Union geförderte Bildungspaket orientiert sich an den Lehrplänen und ist jeweils in der Komplexität auf verschiedene Altersklassen ausgelegt. Während die Filmbeiträge jeweils eine kurze, ganz konkrete Geschichte erzählen, stehen dem Lehrer im Buch ausführliche textliche Begleitmaterialien zur Verfügung. Die Internetseite lädt die Schüler mit Rätseln, Spielen und kurzen Videos zum Mitmachen und Recherchieren ein. Weitere Informationen und Bezug unter: Pentalpha Verlag für Kunst und Medien gGmbH, Scheffelstraße 31a, 04277 Leipzig, Tel. (03 41) 30 39 77 02, Fax -2 41 38 50, E-Mail: r.roesener@pentalpha-medien.de.

Kompetenzorientiert unterrichten

Seit der ersten PISA-Studie sind die Lernergebnisse der Schülerinnen und Schüler in den Mittelpunkt der bildungspolitischen Diskussion und der curricularen Vorgaben der Kultusministerien in den Mittelpunkt gerückt. »Kompetenzorientierung« lautet die Vorgabe für die Lehrerinnen und Lehrer. Wie aber unterrichtet man kompetenzorientiert? In dem vor kurzem erschienenen Ratgeber »99 Tipps Kompetenzorientiert unterrichten« von Christa Schröder und Ingo Wirth erhält der Leser eine erste Einführung in das Thema und nützliche Hinweise für die eigene Praxis. Die Autoren kommen ohne langwierige theoretische Erläuterungen aus und bieten direkte, unkomplizierte Lösungsansätze für viele Probleme des pädagogischen Alltags. Die erste Hälfte der Tipps bezieht sich eher auf den Sinn und Zweck von Bildungsstandards und Kompetenzorientierung. Im zweiten Teil stehen Empfehlungen für die Unterrichtspraxis im Vordergrund. Das Buch ist im Cornelsen Verlag erschienen und kann zum Preis von 15,95 Euro im Buchhandel bezogen werden (ISBN 978-3-589-23334-2).

Online-Magazin dasGehirn.info

Du sollst nicht töten. Dieser Satz ist die wohl bekannteste und unumstößlichste Regel des menschlichen Zusammenlebens. Solche Normen aufzustellen und Verstöße dagegen zu ahnden, gehört zu den zentralen Mechanismen jeder Gesellschaft. Und doch fällt es uns bisweilen schwer, uns an die Regeln zu halten. Wir lügen und betrügen, mancher wird gar zum Verbrecher. Warum wir uns manchmal ethisch korrekt verhalten, ein anderes Mal aber nicht, interessiert nicht nur Philosophen oder Rechtswissenschaftler. Auch die Hirnforschung hat sich der Erkundung der Moral verschrieben – und liefert erstaunliche Erkenntnisse, die das bislang gängige Menschenbild verändern. Ein spannendes Sujet, dem sich das Online-Magazin dasGehirn.info in seinem Schwerpunktthema »Moral und Schuld« in zahlreichen Artikeln, Videos und Audio-Beiträgen widmet.

Zentrale Fragen der Forscher: Gibt es im Gehirn einen Sitz der Moral? Und wenn in den beteiligten Hirnarealen Veränderungen entdeckt werden, was sagt das über die Betroffenen aus? In mehreren Artikeln gehen die Autoren von dasGehirn.info der aktuellen Forschung auf den Grund – und fragen nach den möglichen Folgen für die Gesellschaft.

Nicht immer sorgen die Erkenntnisse für Klarheit. So diskutieren Philosophen und Hirnforscher seit Jahrzehnten darüber, ob wir einen freien Willen haben oder nicht; und wie eine Studie aussehen müsste, welche diese Frage eindeutig klären könnte. In dem Feature »Frei oder nicht frei« wird der Disput bei dasGehirn.info näher beleuchtet. Diese Debatte und viele andere Beiträge im Online-Magazin zeigen: Die Neurowissenschaft der Moral verändert die Art, wie wir über Menschsein und menschliches Handeln denken.

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Termine

Fundraising für Schulen

Unter dem Titel »Fundraising Schule – Schule macht Fundraising« veranstaltet die Evangelische Akademie in Bad Boll am 28. und 29. September eine Tagung, die sich sowohl an öffentliche wie auch an private Schulen richtet. Die Organisatoren gehen bei der Planung davon aus, dass die gute Schule von heute und morgen strukturierte Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising braucht, weil sie sich zunehmend im Wettbewerb um Schülernachfrage und zusätzliche Ressourcen für die Verbesserung der Schulqualität befindet. Im Idealfall werden gute Schulen durch aktive Schulfördervereine und Alumni-Netzwerke ideell und materiell unterstützt. Dabei etablierten sich in den vergangenen Jahren zahlreiche Fundraising-Methoden im Schulbereich erfolgreich, beispielsweise Schulfördervereine, Benefizveranstaltungen, Bildungspartnerschaften mit Wirtschaftsunternehmen, Schulsponsoring, zweckgebundene Geldspenden und Sachspenden. Hierfür ist zentrale Voraussetzung, dass alle am Fundraising Beteiligten an einem Strang ziehen.

Fundraising ist nach dem Verständnis der Organisatoren der Aufbau und die Pflege von Kooperationen und Ressourcen, die der Existenzsicherung und Weiterentwicklung einer Schule langfristig dienen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernen bei dieser Tagung, unter den skizzierten Rahmenbedingungen professionelles Fundraising an ihrer Schule aufzubauen und weiterzuentwickeln. Weitere Informationen und Anmeldung unter www.ev-akademie-boll.de/programm/

Inklusion durch integrative Lerntherapie

Inwiefern können Schülerinnen und Schüler von Kooperationsprojekten von Lerntherapie und Schule profitieren? Dieser Frage widmet sich der »Erste Fachtag SchuLe« am 29. September in Paretz bei Berlin, der vom Fachverband für integrative Lerntherapie e. V. (FiL) gemeinsam mit der Helga Breuninger Stiftung veranstaltet wird. Im Rahmen des Fachtages stellen die Akteure von fünf bereits bestehenden Kooperationsprojekten zwischen Schule und Lerntherapie ihre Projekte vor, sprechen über ihre Erfahrungen und diskutieren mit den Teilnehmern über Rahmenbedingungen und Finanzierungsmodelle, Risiken und Gelingensfaktoren. Zu Beginn des Fachtages führt Prof. Dr. phil. Gerd Mannhaupt die Zuhörer von wissenschaftlicher Seite mit einem Vortrag »Schule und Lerntherapie – von der Differenzierung zur individuellen Unterstützung« an das Thema heran. In seinen Forschungsschwerpunkten Schriftspracherwerb, Lernstandsmonitoring und Analyse des frühen Lesen und Schreibens verbindet er die Wissenschaft stets mit der Schulpraxis und betrachtet den Blick über den Tellerrand zu anderen Professionen wie die Lerntherapie sowie den internationalen Vergleich als notwendige Anregung, Unterstützung und Entwicklungspotential. Weitere Informationen können beim Fachverband für integrative Lerntherapie bei Frau Marlies Lipka unter der E-Mail ­gfuehrung@lernfil.de bezogen werden.

Doreen Strauhs/Thomas Unruh

Ich habe als Lehrerin viel über mich selbst gelernt

Reflexionen über einen  Weg in die Schule und aus der Schule heraus

Wie viele Lehrerinnen und Lehrer haben sich schon einmal gefragt, ob es nicht auch einen Weg aus der Schule heraus gibt. Auch wenn Umfragen bestätigen, dass die Mehrheit der Lehrkräfte ihre Entscheidung für den Lehrerberuf nicht bereut, so gibt es doch auch Zweifel – im Studium, im Referendariat, in der Anfangsphase der Berufstätigkeit … Der Beitrag zeigt an einem Beispiel, was Hinweise sein können und wie damit umgegangen werden kann.

Inklusion – Einführung und 1. Folge

Sabine Geist/Jochen Schnack

Inklusion – Herausforderung und Chance

Zur Einführung in die Serie

Ulf Preuss-Lausitz

Inklusion: Modewort oder Hoffnungsträger?

Was ist neu an Inklusion und wie kann sie gelingen?

Das Thema »Inklusion« polarisiert nicht selten. Was die einen oft mit grundsätzlichen Argumenten befürworten, lehnen andere mit Hinweisen auf Überforderung ab. Die Beiträge der Serie versuchen die Fronten aufzuweichen, die Diskussion zu versachlichen und vor allem über Möglichkeiten der Inklusion zu informieren und dabei Fragen der notwendigen Ausstattung und Unterstützung konstruktiv einzubeziehen.

Benjamin Edelstein/Jutta Allmendinger

Wofür brauchen wir eine Nationale Bildungsstrategie?

Gerade Schule spürt die Folgen des Bildungsföderalismus für Leistungsgerechtigkeit, für Vergleichbarkeit und für die Schulstruktur. Was aber sind die tiefer liegenden Auswirkungen der Länderzuständigkeit für Bildung und Schule und was wären die Konsequenzen? Der Beitrag analysiert den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse und fordert mehr Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern.

Olaf Albert

Evaluation und Schulinspektion

Die vorgestellten Bücher beleuchten das aktuelle Spektrum der Diskussion zu Schulinspektion und Evaluation. Dabei geht es sowohl um konkrete Fragen der Praxis von Unterrichtsevaluation als auch um eine Zwischenbilanz von Schulinspektion sowie kritische Anfragen an den Sinn von Evaluation und Schulinspektion. Das Spektrum der Argumente zeigt, dass der Weg zu einer guten Schule immer noch kontrovers diskutiert wird.

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