3´12Praxishilfen Klassenleitung

paed_3_12_titel
empfehlen

Wie kann die Aufgabe der Klassenleitung engagiert angenommen und dennoch Überlastung vermieden werden? Praxishilfen u.a. zur Gestaltung der Beziehungsarbeit, der Lerngemeinschaft, des Klassenraums …

Bei der Arbeit der Klassenlehrerinnen und Klassenlehrer geht es meist um »meine Klasse« beziehungsweise »unsere(n) Klassenlehrer(in)«. Diese »Besitzanzeige« verweist auf eine besondere Beziehung: auf der Lehrerseite persönliche Verantwortung – auf der Schülerseite persönliche Erwartungen. Die Praxis erfahren Lehrkräfte als ein komplexes Aufgabenfeld, über das wenig zu lesen ist.

Dieser Themenschwerpunkt befasst sich deshalb mit dem Erfahrungsfeld Klassenleitung: mit der Struktur des Aufgabenspektrums, der Gestaltung zentraler Bereiche und der Vermeidung von Überlastung. Geklärt werden dabei die folgenden Fragen:

Wie kann ich

  • das Aufgabenspektrum strukturieren und bewältigen?
  • die Beziehungsarbeit bestimmen und gestalten?
  • die Entwicklung einer Lerngemeinschaft befördern?
  • den Einstieg in die Arbeit mit »meiner« Klasse strukturieren?
  • den Klassenraum als Arbeitsraum gestalten?
  • die Eltern als Partner und Unterstützer der Klassenleitung gewinnen?
  • einen Oberstufenkurs als Tutor begleiten?
  • mit Schwierigkeiten in diesem Aufgabenfeld umgehen?

Die Praxishilfen bieten differenzierte Anregungen; sie zeigen aber auch, dass die Arbeit vor allem dann wirkungsvoll ist, wenn es sowohl eine erkennbare Verantwortung auf Seiten der Klassenleitung gibt als auch ein Verständnis von Klassenführung als kooperatives Projekt – der Schüler, der Fachlehrer, der Eltern und der Klassenleitung.

Johannes Bastian

Klassenleitung

Aufgabenfelder und Anforderungen

Johannes Bastian

Weitere Beiträge im Schwerpunkt

Lydia Möbs
Klasse leiten und begleiten
Sieben Tipps – nicht nur für Berufseinsteiger

Arne Gudjons
Beziehungsarbeit als Grundlage der Klassenlehrertätigkeit
Was macht Beziehungsarbeit aus und wie kann ich sie lernen und gestalten?

Marie-Joan Föh
Ideen zur Entwicklung einer Klassengemeinschaft
Von der Klasse zur Lerngemeinschaft

Steffi Becker
Ideen zur Gestaltung der ersten Wochen in meiner Klasse
Verbindlichkeiten schaffen, Verantwortung teilen, demokratische Strukturen einführen

Frank Märtens
Gestaltung des Klassenraums als Lernraum

Vivienne Al Dahouk/Marc Böhmann
Elternarbeit gestalten

Volker Kress
Einen Leistungskurs als Tutor begleiten

Karin Heymann
Wenn Klassenleitung schwierig wird

Die meisten erinnern »ihren« Klassenlehrer und Klassenlehrer(innen) erinnern sich häufig an »ihre« Klassen. Dies deutet auf eine Beziehung hin, die Biographien von Schüler(inne)n und Lehrer(inne)n in besonderer Weise geprägt haben. Erinnert werden Geschichten und Erlebnisse, in denen der Klassenlehrer für die eigene Entwicklung hilfreich – manchmal aber auch behindernd war. Da gibt es Erinnerungen wie: Mein Klassenlehrer hat an mich geglaubt, auch wenn meine Leistungen nicht immer so waren, wie erwartet. Oder: Einmal hat er mich zu sich bestellt und mir sehr deutlich gemacht, dass es so nicht weitergeht. Aber auch: Die Klassenreise in der 13. Klasse zu den »alten Griechen« war prägend für viele Jahre. Mit der Erzählung von Geschichten könnte man die Aufgaben der Klassenleitung in ihrer vollen Komplexität beschreiben. Aber die Kraft der Geschichten haben wir in uns.

Was darüber hinaus vielleicht zur Orientierung beitragen könnte, ist das Sezieren der Arbeit des Klassenlehrers. Wir beginnen diesen Schwerpunkt deshalb mit einer kurzen Skizze der Aufgaben und Anforderungen, ohne sie gleich mit Erfahrungen und Praxishilfen zu verbinden. Die folgenden Beiträge füllen das Aufgabenfeld dann mit vielfältigen Anregungen – und auch mit Geschichten.

Aufgabenfelder der Klassenleitung

Die Struktur der Beiträge dieses Heftes orientiert sich an sechs Aufgabenfeldern der Klassenleitung.

  1. Die Gestaltung der Beziehung zwischen Klassenlehrer(in) und Schüler(inne)n – vermutlich die Basis und auch die Königsdiszi­plin der Klassenlehrertätigkeit.
  2. Die Gestaltung einer Klassengemeinschaft und deren Entwicklung zu einer Lerngemeinschaft.
  3. Die Gestaltung der Übergänge in die Sekundarstufe I sowie die Sekundarstufe II.
  4. Die Gestaltung des Klassenraums als Lernraum einschließlich einer gemeinsamen Entwicklung von Kriterien für Sitzordnung und Raumgestaltung.
  5. Die Gestaltung der Zusammenarbeit mit den Eltern als Partner, Unterstützer und Begleiter der Klassenleitung.
  6. Die Gestaltung der Kooperation mit anderen Kollegen – in diesem Heft thematisiert als Querkategorie in verschiedenen Beiträgen.

Qualität von Klassenleitung

Als zentrale Erkenntnis der wenigen Forschungsarbeiten über das Verhalten von Klassenleitungen stellt Johannes Mayr (2009) fest: »Es gibt kein Idealbild der Klassenführung … – wir haben es vielmehr mit einem breiten Spektrum an Handlungsoptionen zu tun. Erfolgreiche Lehrpersonen generieren aus diesen ein maßgeschneidertes Führungsverhalten das ihren eigenen Kompetenzen und Handlungspräferenzen ebenso entspricht wie der Klassensituation …Sie handeln kongruent mit sich selbst, mit ihren Kommunikationspartnern und mit dem Kontext. Ihr Führungsverhalten ist »stimmig« (ebd., S. 34).

Der Begriff der »Stimmigkeit« als Hauptmerkmal für erfolgreiche Klassenleitung soll ermuntern, ein auf die eigene Person abgestimmtes Verhaltensrepertoire zu entwickeln und gleichzeitig einen Rahmen zu bestimmen, der für die Reflexion der eigenen Praxis geeignet ist. So ist beispielsweise keine der oben genannten Dimensionen des Aufgabenfeldes verzichtbar und gleichzeitig gibt es in den einzelnen Feldern Handlungsmöglichkeiten, die je nach Person und Kontext »stimmig« gestaltet werden sollten.

Damit setzen wir in diesem Heft auf die Intelligenz der Praxis und auf die Möglichkeit der Leserinnen und Leser, diese Erfahrungen so in das eigene Handeln zu integrieren, dass sie »stimmig« sind. Der folgende Blick auf die Kerngedanken der einzelnen Beiträge gibt einen guten Einblick in die Anforderungen in den einzelnen Aufgabenfeldern.

Beziehungen gestalten

Ein typisches Merkmal der Klassenleitung ist eine besondere Beziehung zwischen Klasse und Lehrperson. Ihr pädagogisches Konzept, ihre Formen des Kontakts und ihre Rituale wirken stilbildend. Gerade die Gestaltung der Beziehung wird individuell akzentuiert sein; deshalb sollte sie auch mit den Grundlinien der Schule verbunden sein, um Beliebigkeit zu vermeiden. Verallgemeinerbar für diese erste Dimension scheint, was Arne Gudjons als zwei Schlüssel zur Beziehungsarbeit benennt: Der erste Schlüssel ist eine von Zutrauen geprägte Haltung. Der zweite Schlüssel ist das Prinzip der Partizipation, das beispielsweise in einem Klassenrat oder einem regelmäßigen Feedback lebendig werden kann – aber auch durch die Beteiligung von Eltern und Möglichkeiten der Begegnung beispielsweise auf Reisen.

Wie bedeutsam die Gestaltung dieser Beziehung ist, wird besonders deutlich, wenn ein Lehrer einmal keinen Zugang zu den Kindern und den Eltern seiner Klasse bekommt. Karin Heymann wagt es, eine solche Phase in ihrem Lehrerinnenleben zu beschreiben. Sie zeigt damit, dass sich gerade dieser Teil der Arbeit nicht »erzwingen« lässt.

Lerngemeinschaften gestalten

Geht man davon aus, dass jede Beziehungsarbeit in der Schule vor allem auf eine Ermöglichung des Lernens zielt, dann ist die Arbeit an der Beziehung die Basis zur Entwicklung einer Lerngemeinschaft.

Sie entsteht nicht von selbst, sondern im Prozess der Anbahnung, der Übung, der Weiterentwicklung, der Reflexion und der Würdigung – so Marie-Joan Föh in ihrem Beitrag, in dem sie die Entstehung einer Lerngemeinschaft in diesen fünf Schritten beschreibt. Verallgemeinerbar ist die Verantwortung der Klassenleitung für den systematischen Aufbau einer Lerngemeinschaft und die Entwicklung einer unterstützenden Struktur beispielsweise durch Vereinbarungen für die Arbeit in Tischgruppen und die dafür notwendigen Absprachen im Lehrerteam.

Als goldene Regel gilt, dass die Gestaltung der ersten vier Wochen von besonderer Bedeutung für die Bildung einer Arbeitsgemeinschaft ist. Wie zu Beginn der 5. Klasse Verbindlichkeit geschaffen, Verantwortung geteilt und demokratische Strukturen eingeführt werden, davon berichtet Steffi Becker.

Übergänge gestalten

Klassenlehrer(innen) sind Paten bei der Gestaltung der Übergänge zwischen Schulstufen und Schulformen. Wer den ersten vier Wochen in der Sekundarstufe besondere Aufmerksamkeit schenkt – wie Steffi Becker – oder als Tutor den Beginn der 11. Klasse begleitet – wie Volker Kress –, der übernimmt eine für Klassenleitung typische Verantwortung.

Verallgemeinerbar ist, dass diese Übergänge sensible Phasen in den Bildungsbiographien von Schüler(inne)n sind, bei denen Klassenleitungen beziehungsweise Tutor(inn)en als verlässliche Ansprechpartner von besonderer Bedeutung sind. Wird dies nicht beachtet, kann es Leistungseinbrüche im Übergang zur 5. Klasse oder Orientierungsprobleme bei der Eingewöhnung in die losen Strukturen des Kurssystems der Oberstufe geben. Volker Kress beschreibt, wie er als Tutor die Zusammenarbeit mit seinem Kurs gestaltet hat: mit Unterstützungsstrukturen, Beratungsgesprächen und der Begleitung von Übergängen.

Lernräume gestalten

Auf einsame Entscheidungen zur Sitzordnung und zur Raumgestaltung können sowohl Schüler als auch Lehrer sehr empfindlich reagieren. Denn im Raum als drittem Pädagogen findet das pädagogische Konzept seinen Ausdruck: sollen kooperatives Lernen, eine schnelle Umgestaltung und verschiedene Sozialformen möglich sein – oder soll die Sitzordnung vor allem nach vorne orientiert und möglichst konstant sein?

Verallgemeinerbar ist, dass die Klassenleitung gerade in diesem Feld eine gute Balance zwischen Initiative, Konzept und Beteiligung finden muss. Was eine gute Lernumgebung für erfolgreiches Lernen ist, das muss sowohl von den Schüler(inne)n als auch von den in der Klasse unterrichtenden Lehrkräften mitgetragen werden. Frank Märtens beschreibt, wie er diesen Balanceakt mit Hilfe von Kriterien, Beteiligung und Verantwortungsübernahme durch die Schüler(innen) initiiert und strukturiert hat.

Arbeit mit Eltern gestalten

Gelingt die Arbeit mit Eltern, kann dies für die Klassenleitung entlastend sein. Misslingt sie, kann dies zu schweren Belastungen führen. Wie die Arbeit mit Eltern gelingen kann beschreiben Vivienne al Dahouk und Marc Böhmann; wie es sich auswirken kann, wenn die Verständigung nicht gelingen will, das beschreibt Karin Heymann.

Verallgemeinerbar ist, dass die Arbeit mit den Eltern nicht konfliktfrei sein kann. Sie ist strukturell geprägt von Machtunterschieden, Kompetenzkonflikten, wechselseitigen Ängsten und Unterschieden in der Perspektive. Generell gilt: Der Lehrer hat vor allem das Gemeinsame, die Klasse und die Schule im Blick, die Eltern das eigene Kind. Anforderungen in diesem Feld sind: Interesse am Elternhaus, eine klare Sprache innerhalb eines gut geregelten Vertragsverhältnisses, Fähigkeiten als Gastgeber und tonangebender Moderator, eine gute Mischung aus Professionalität und Authentiziät, Gesprächs- und Beratungsfähigkeit sowie Konfliktfähigkeit. Die Praxis zu diesen Anforderungen beschreiben Dahouk/Böhmann.

Kooperation gestalten

Auch wenn sich die folgenden Beiträge an vorwiegend einzeln agierende Klassenleitungen richten, so haben die bisher skizzierten Anforderungen gezeigt, wie wichtig und meist unumgänglich Absprachen und Kooperation sind. Alles, was eine Klassenleitung initiiert – von der Beziehungsarbeit über die Arbeit mit der Lerngruppe bis hin zur Gestaltung von Raum und Lernumgebung – hat weitreichende Auswirkungen und muss deshalb von Schüler(inne)n und den beteiligten Lehrkräften mitgetragen und manchmal auch mitgestaltet werden. Verallgemeinerbar ist deshalb, dass Partizipation und Kooperation zentrale Anforderungen an die Arbeit als Klassenlehrer sind.

Wer Anregungen zu einem Konzept sucht, das explizit auf Kooperation und gemeinsame Verantwortung im Umgang mit der Klasse setzt, findet diese in PÄDAGOGIK H. 2/2009 unter dem Titel Classroom Management (vgl. auch Eikenbusch 2009).

Einen ersten und gleichzeitig übergreifenden Einstieg in die Intelligenz der Praxis bietet der folgende Beitrag mit sieben Tipps von Lydia Möbs.

Literatur

Eikenbusch, Gerhard (2009): Classroom Management – für Lehrer und für Schüler. In: PÄDAGOGIK H. 2/2009, S. 6 f.
Mayr, Johannes (2008): Forschungen zum Führungshandeln von Lehrkräften. In: Hofmann u. a. (Hg.): Qualitative und quantitative Aspekte. Zu ihrer Komplementarität in der erziehungswissenschaftlichen Forschung. Münster, S. 321 – 341
Mayr, Johannes (2009): Klassen stimmig führen. Ergebnisse der Forschung, Erfahrungen aus der Fortbildung und Anregungen für die Praxis. In: PÄDAGOGIK H. 2/2009, S. 34 – 37

Dr. Johannes Bastian, Jg. 1948, ist Professor für Erziehungswissenschaft an der Universität Hamburg und Redaktionsmitglied von PÄDAGOGIK.
Adresse: Rothenbaumchaussee 11, 20148 Hamburg
E-Mail: bastian(at)uni-hamburg.de

Inhalt Magazin

 

Die Kraft eines Traumes

Ein Junge aus einem südafrikanischen Township schreibt seine Biographie

Mbu Maloni hat ein festes Ziel: »Ich hoffe, dass andere Kids in ähnlich schwierigen Situationen wie in meinem Leben durch mich ermutigt werden: niemals aufzugeben … den Traum, dass es besser werden kann«, sagt er. Von diesem Traum und der Kraft, daran festzuhalten, zeugt seine Lebensgeschichte, die auch in ganz anderen Lebenswelten als denen Südafrikas Beispiel und Mutmacher sein kann und der viele junge Leser zu wünschen sind. Das Leben von Mbus Mutter ist geprägt von Arbeitslosigkeit, wechselnden Liebhabern und Cover Mbu MaloniAlkoholismus. Kein Platz darin für Mbu, der von frühester Kindheit an hin- und hergeschoben wird und lange das Gefühl vermisst, ein wirkliches Zuhause zu besitzen. Zum Glück gibt es seinen Bruder Mavusi, der sich in den ersten Jahren rührend um ihn kümmert. Ansonsten machen Hunger und Armut Mbus Kindheit aus. Mal lebt er bei seiner Mutter in Masiphumelele, einem Township in Kapstadt, mal zur Pflege bei einer launischen Alten in dem Örtchen, in dem er geboren wurde. Egal, wo er ist, es dominiert das Gefühl, nicht willkommen zu sein. Als er schließlich fälschlicherweise der Vergewaltigung eines kleinen Jungen angeklagt wird – mal wieder, weil man ihn loswerden möchte –, hat sein Schicksal einen absoluten Tiefpunkt erreicht. Aber Mbu erzählt immer wieder auch von Freundschaft, Zusammenhalt und Liebe. Im Township trifft er Atie, der sein bester Freund wird. Und Yamkela, der ebenfalls immer für ihn da ist. Nach dem Aufenthalt im Gefängnis und dem darauf folgenden Freispruch, da es keinerlei Beweise gibt, wird Mbu selbstlos aufgefangen – nicht nur von seinen Freunden, sondern auch von den Menschen, die im Kinderheim Hokisa arbeiten, einem Heim vor allem für von Aids betroffene Kinder. Hier geht es Mbu gut. Hier findet er endlich Menschen, die an ihn glauben, und die ihn unterstützen – unter anderem den Mitbegründer des Kinderheims und bekannten Buchautor Lutz van Dijk. An diesen wendete Mbu sich mit seiner Idee, ein Buch zu schreiben, als er einen schweren Verlust hinnehmen muss: Atie wird von einem Siebzehnjährigen erstochen, »einfach so«. Er will ihm ein Denkmal schaffen.

Ein Buch ist harte Arbeit, das macht van Dijk ihm gleich klar. Aber Mbu ist zweifellos ein harter Arbeiter, und nun darf er die deutsche Ausgabe seiner Biografie in den Händen halten. »Ich bin ein Schriftsteller« – als er diesen Satz das erste Mal ausspricht, platzte er fast vor Stolz. Nun möchte er sein Abitur machen und Journalist werden.

Eine Geschichte, die ihr Ziel, Mut zu machen, erreichen kann, wenn sie möglichst viele Leser findet. Eine Geschichte aus dem Leben – erzählt mit der ganzen Schnörkellosigkeit und Härte, die dieses mit sich bringen kann. Hier geht es nicht um schöne Worte, hier geht es um die Realität – die dadurch umso eindringlicher den Leser in ihren Bann schlägt. Lutz van Dijk selbst, der auch Mitglied im Beirat von PÄDAGOGIK ist, hat unter anderem in seinem erfolgreichen Jugendroman »Themba« vom Alltag in Südafrika erzählt, dessen Verfilmung 2010 in den deutschen Kinos lief. Eine Literatur-Kartei hierzu ist im Verlag an der Ruhr erhältlich. »Themba« dreht sich um Aids, Gewalt, aber auch um Träume und Lebensfreude. »Die Schüler sind mit Feuereifer dabei«, berichtete einmal ein Lehrer darüber, der die Geschichte im Deutschunterricht durchgenommen hatte. »Sie öffnen sich vollkommen und merken gar nicht, dass sie eigentlich auch von sich reden.« Den gleichen Effekt wird Mbus Lebensgeschichte haben.

Antje Lehbrink

Literatur

Mbu Maloni (2011): Niemand wird mich töten. Peter Hammer Verlag: Wuppertal. 153 Seiten. ISBN 978-3-779-50356-9, 12,90 Euro
Van Dijk, Lutz (2008): Themba. München
Albrecht-Hermanns Marc/Schönfeld, Daniel (2009): Themba. Literatur-Kartei. Mülheim
Albrecht-Hermanns, Marc/Schönfeld, Daniel (2009): Themba. Lehrerhandreichung zur Literatur-Kartei. Mülheim

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

Nachhilfe im Saarland besonders teuer

Bei einer Analyse von rund 3 600 Nachhilfeangeboten hat die Internet-Plattform nachhilfeportal.de festgestellt, dass der Nachhilfeunterricht im Saarland und Baden-Württemberg am teuersten ist, gefolgt von Baden-Württemberg und Bayern. Eine Stunde Nachhilfe kostet im Saarland im Durchschnitt 18,59 Euro und ist somit rund 63% teurer als in Thüringen, dem günstigsten Bundesland, mit durchschnittlichen 11,43 Euro pro Stunde. Der bundesweite Durchschnitt liegt bei 14,41 Euro.

Im Städtevergleich steht Bonn mit dem teuersten Nachhilfeangebot an erster Stelle, gefolgt von Stuttgart und Düsseldorf. Die günstigste Nachhilfe findet man in Leipzig, Dortmund und Duisburg.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

Attraktive Privatschulen

Rund ein Drittel der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland würden ihr Kind lieber auf eine private als auf eine staatliche Schule schicken. Unter Eltern ist der Zuspruch zu freien Schulen noch höher, er liegt bei 36 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage des Forsa-Instituts, die im Auftrag des Verbands Deutscher Privatschulverbände e. V. (VDP) durchgeführt worden ist. Im Jahr 2009 hatten sich noch 30 Prozent für die Privatschule ausgesprochen.

Die Umfrage zeigt auch, dass freie Schulen von Befragten mit geringem Einkommen fast dieselben Akzeptanzwerte erhalten wie von Befragten mit hohem Einkommen. Ein wesentlicher Grund für diesen Zuspruch dürfte darin liegen, dass nach Meinung von 65 Prozent der Befragten Lehrkräfte und Schulleitungen von privaten Schulen besonders auf die Bedürfnisse von Schülern und Eltern eingehen. Für die staatlichen Schulen liegt dieser Wert nur bei 13 Prozent.

71 Prozent der Bevölkerung sprechen sich für eine verstärkte Förderung des Wettbewerbs unter Schulen um die besten pädagogischen Konzepte aus. In Ostdeutschland wünschen sich sogar 80 Prozent mehr Wettbewerb.

Derzeit besuchen rund acht Prozent aller Schülerinnen und Schüler eine private allgemeinbildende Schule. Der Anteil der Privatschulen an der Gesamtzahl aller allgemeinbildenden Schulen liegt bei rund neun Prozent.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

Immer noch abgehängt

Auch zehn Jahre nach der ersten PISA-Untersuchung hat sich in einer wesentlichen Frage nichts geändert: In keinem anderen hoch entwickelten Land haben Kinder aus ärmeren Verhältnissen so wenig Chancen, erst in der Schulbildung und in der Folge dann wirtschaftlich aufzusteigen wie in Deutschland. Dies zeigt eine vor kurzem veröffentlichte Studie des britischen Sutton Trust, einer Stiftung, die sich für mehr Chancengerechtigkeit in der Bildung einsetzt. Untersucht wurden neben Deutschland auch Australien, England, Finnland, Dänemark, Frankreich, Italien, Kanada, Schweden und die USA. Die Studie basiert auf Daten von rund 100 000 Kindern und Jugendlichen. Am besten schafft es der Studie zufolge Australien, Kindern aus schwierigen Verhältnissen den Aufstieg zu ermöglichen: Mit nur acht Prozent (gegenüber 55 Prozent in Deutschland, 37 Prozent in den USA und 32 Prozent in Großbritannien) ist die soziale Benachteiligung beim Bildungserwerb dort mit Abstand am gerings­ten. Nirgendwo ist die Lücke zwischen den Kindern mit den besten und den schlechtesten Bildungschancen so groß wie in Deutschland (87 Prozent). Nicht viel besser stehen mit 85 Prozent die USA da. In Australien liegt der Abstand lediglich bei 34 Prozent.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

Baden-Württemberg schafft Grundschulempfehlung ab

Die neue baden-württembergische Landesregierung hat die verbindliche Grundschulempfehlung abgeschafft. Im Landtag stimmten die Fraktionen von Grünen und SPD einer entsprechenden Änderung des Schulgesetzes zu. Damit haben jetzt auch im Südwes­ten die Eltern das letzte Wort bei der Entscheidung, auf welche Schulform ihre Kinder im Anschluss an die vierjährige Grundschule wechseln.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

Hessen: Mehr Mädchen als Jungen machen Abitur

In Hessen machen mehr Mädchen als Jungen Abitur. Von 29 100 Schulabgängerinnen im Jahr 2011 hatten 39 Prozent Abitur, 40 Prozent einen Realschulabschluss und 17 Prozent einen Hauptschulabschluss erreicht. Diese Zahlen teilte das Statis­tische Landesamt mit. 2,3 Prozent der Mädchen verließen die Schule ohne einen Abschlusszeugnis in der Tasche. Von den 30 200 männlichen Schulabgängern machten 29 Prozent Abitur, 42 Prozent die Mittlere Reife und 23 Prozent einen Hauptschulabschluss. Mehr als drei Prozent der Jungen schafften keinen Hauptschulabschluss.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

Jeder dritte Ausländer ist überqualifiziert

31 Prozent der im Ausland geborenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland ist für ihre Tätigkeit überqualifiziert. Das geht aus einer Erhebung der Europäischen Statistikbehörde Eurostat für das Jahr 2008 hervor. Als überqualifiziert gilt dabei z. B. jemand, der studiert hat, aber jetzt als Taxifahrer arbeitet. Bei den in Deutschland geborenen Arbeitnehmern gelten nur 20 Prozent als überqualifiziert.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

Rekord bei Pensionierungen

Im Jahr 2010 sind rund 19 600 Lehrkräfte pensioniert worden, das entspricht etwa dem bisherigen Höchststand der Neupensionierungen aus dem Jahr 2007 und liegt etwa sechs Prozent über dem Stand des Jahres 2009. Diese Zahlen teilte das Statis­tische Bundesamt in Wiesbaden vor kurzem mit. Ein Grund für die anhaltend hohe Zahl an Pensionierungen ist die Lehrerschwemme der 60er und 70er Jahre, als die Länder massiv Lehrkräfte eingestellt haben, um die geburtenstarken Jahrgänge schulisch zu versorgen.

Mit durchschnittlich 62,7 Jahren gehen die Lehrerinnen und Lehrer deutlich später in den Ruhestand als Berufssoldaten (53,9 Jahre) oder Polizisten (58,5 Jahre), bei denen die Regelaltersgrenzen allerdings niedriger liegen. Aber auch im Vergleich zu Beamten bei der Eisenbahn oder der Post arbeiten die Lehrkräfte deutlich länger, da in diesen Bereichen im Zusammenhang mit der Privatisierung großzügige Vorruhestandsregelungen eingeführt worden waren. Der Anteil der Lehrkräfte, die wegen einer Krankheit dienstunfähig wurden, sank im Jahr 2010 mit 21 Prozent auf einen Tiefstwert. Das durchschnittliche Alter, in dem ein dienstunfähiger Lehrer pensioniert wird, liegt bei 58,2 Jahren.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

Stadtflucht

Junglehrer verlassen Berlin

Nach der Entscheidung der neuen Koalitionsregierung, die Berliner Lehrkräfte auch künftig nicht zu verbeamten, stellen immer mehr Junglehrer einen Antrag auf sogenannte »Freistellung«. Das bedeutet, dass sie die Stadt verlassen wollen, um in einem anderen Bundesland eine Stelle anzutreten und sich verbeamten zu lassen. Damit würden sie rund 500 Euro netto mehr verdienen als in Berlin, weil sie als Beamte keine Sozialabgaben zahlen müssen.

Laut einer Umfrage der Vereinigung der Oberstufendirektoren wollen 530 der rund 1 400 angestellten Gymnasiallehrer sofort oder in den nächsten Jahren in ein anderes Bundesland wechseln.

Um den finanziellen Nachteil für angestellte Lehrer auszugleichen, hatte der Senat bereits im Jahr 2009 beschlossen, dass neu angestellte Lehrkräfte sofort in die höchste Gehaltsstufe aufsteigen. Ein angestellter Gymnasiallehrer erhält knapp 4 300 Euro brutto, ein verbeamteter Studienrat (A12) bekommt 4 130 Euro brutto.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

Projekt gegen Schulschwänzer

Das Amtsgericht Hannover hat ein neuartiges Projekt gestartet mit dem Ziel, die gestiegene Zahl von Schulschwänzern einzudämmen. Es sieht vor, dass die Jugendrichter den Eltern das Sorgerecht in schulischen Angelegenheiten entziehen können, wenn ihre Kinder mehr als 20 unentschuldigte Fehltage haben und massive Probleme in der Familie vorliegen. Hat der Schulverweigerer zudem schwere psychische Probleme, ist auch ein Entzug des Sorgerechts in Gesundheitsdingen möglich. Der Hannoveraner Jugendrichter Jens Buck nannte als Ziel der Maßnahme, »den Kindern mit 13, 14, wenn die Pubertät zuschlägt, nicht jegliche Bildungschancen fürs Leben zu nehmen«. Schulschwänzern mit massiven familiären Problemen wird nun ein sogenannter Ergänzungspfleger zur Seite gestellt, der die Verantwortung in allen schulischen Dingen übernimmt. Die Jugendrichter in Hannover haben pro Monat mit durchschnittlich etwa 200 Bußgeldverfahren wegen Schulverweigerung zu tun. Die jugendlichen Schulschwänzer haben Buck zufolge ein höheres Risiko, straffällig oder drogensüchtig zu werden, psychisch zu erkranken und später von Hartz IV abhängig zu sein.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

Mehr Ausländer studieren

Aber: Viele von ihnen brechen das Studium ab

Junge Ausländer, die in Deutschland ihr Abitur gemacht haben, haben im Studium mit erheblich größeren Pro­blemen zu kämpfen als ihre Kommilitonen mit deutschem Pass. Ihre Elternhäuser sind oft bildungsfern, daher erhalten sie weniger familiäre Unterstützung. Dies führt häufiger als bei deutschen Studierenden zum Studienabbruch. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie des HIS-Instituts für Hochschulforschung (HIS-HF) im Auftrag des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) zur Lage dieser Studierendengruppe in Deutschland.

Der »Datenreport Bildungsinländer« zeigt, dass im Jahr 2010 rund 63 500 ausländische Studierende, die in Deutschland die Hochschulreife erworben haben und »Bildungsinländer« genannt werden, an deutschen Hochschulen studiert haben. Ihre Zahl ist in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich gewachsen, trotzdem beträgt ihr Anteil an allen Studierenden seit vielen Jahren drei Prozent – denn auch die Gesamtzahl steigt. Viele von ihnen verlassen die Hochschule ohne Abschluss: Bezogen auf die Absolventen 2008 brachen 41 Prozent der Bildungsinländer ihr Studium ab, bei den Deutschen waren es »nur« 24 Prozent. Jedoch ist ein positiver Trend zu verzeichnen: Im Jahr 2005 betrug die Abbrecherquote bei den Bildungsinländern noch 45 Prozent.

Nach Einschätzung der Forscher liegt die entscheidende Hürde für junge Ausländer bei der Integration durch Bildung nach wie vor im Vorfeld der Hochschulen, nämlich im Zugang zu den weiterführenden Schulen. Von allen ausländischen Schulabgängern erwarben 2009 lediglich 13 Prozent die Hochschulreife, bei den deutschen Klassenkameraden waren es dagegen 34 Prozent. Haben Bildungsinländer aber erstmal das Abitur geschafft, wollten 2008 rund 84 Prozent von ihnen auch studieren, bei den Deutschen waren es nur 72 Prozent.

Die Bildungsinländer entscheiden sich mit 38 Prozent überdurchschnittlich häufig für ein Studium an einer Fachhochschule. Von den deutschen Studierenden sind laut Studie nur 32 Prozent an einer Fachhochschule eingeschrieben. Besonders häufig studieren Bildungsinländer dort Informatik und Ingenieurwissenschaften. An den Universitäten sind sie dagegen auch überdurchschnittlich häufig in rechts-, wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fächern immatrikuliert. Mit 2,4 Prozent aller Bildungsinländer studieren nach wie vor nur wenige in den Lehramtsstudiengängen.

Die Studie weist auf ein überraschendes Problem hin: Bei fast 30 Prozent reichen die Sprachkenntnisse nur teilweise oder überhaupt nicht fürs Studium aus. »Nur jeweils zwei Drittel aller Bildungsinländer sind in der Lage, die Seminardiskussion mitzugestalten oder Fachtexte zu verfassen«, heißt es. Daneben macht die Studienfinanzierung einem beträchtlichen Teil der Bildungsinländer zu schaffen. »Keine andere Gruppe von Studierenden muss so häufig während des Studiums durchgehend einer Erwerbstätigkeit nachgehen«, erläuterte der HIS-Forscher Ulrich Heublein. Während der Vorlesungszeit sind 41 Prozent von ihnen laufend erwerbstätig, bei den einheimischen Studenten sind es 37 Prozent. Deutsche Studierende bestreiten ihren Lebensunterhalt zur Hälfte mit finanzieller Unterstützung durch ihre Eltern, bei den Bildungsinländern können das nur 31 Prozent.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

Das Elterngeld wird bei Vätern immer beliebter

Junge Väter nehmen das Elterngeld immer häufiger in Anspruch. Im vergangenen Jahr hat erstmals jeder vierte von ihnen eine Auszeit genommen, um sich um den Nachwuchs zu kümmern. Dem Statistischen Bundesamt zufolge gingen 25,4 Prozent der Väter, deren Kinder im zweiten Quartal 2010 geboren wurden, in Elternzeit und bezogen dabei Elterngeld. Seit der Einführung des Lohnersatzes im Jahr 2007 stieg diese Zahl kontinuierlich an. Besonders hoch war der Männeranteil mit 32,8 Prozent nach wie vor in Sachsen, während in Bremen lediglich 16,9 Prozent der Väter Elterngeld bezogen.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

Lieber Sport als Computerspiel

Viele Erwachsene stöhnen: Kinder sitzen nur noch vor dem Computer, bewegen sich kaum noch und beschäftigen sich mehr mit ihrem Handy als mit den Schulaufgaben. Derartige Vorurteile werden jedoch durch die Ergebnisse des neuen »LBS-Kinderbarometers« relativiert, die vor kurzem veröffentlicht wurden. So nennen 33 Prozent der mehr als 10 000 befragten Kinder in ganz Deutschland Sport an erster Stelle, wenn sie gefragt werden, was ihnen zurzeit den größten Spaß bereitet. Damit liegt die körperliche Betätigung weit vor anderen Tätigkeiten wie Lesen oder Computer spielen. Besonders der Vergleich zum Spielen am Computer beeindruckt: Nur sechs Prozent der mehr als 10 000 befragten Kinder nennen das Spielen mit dem Computer, wenn es darum geht, was ihnen zurzeit den größten Spaß bereitet. Der gleiche Anteil entfällt übrigens auf die Schule. Lesen und Chillen (drei Prozent) landen ebenfalls auf den hinteren Plätzen. »Statistiken, beispielsweise zur täglichen Nutzung des Computers, reichen nicht aus, um tatsächlich Rückschlüsse über das Verhalten der Jugendlichen ziehen zu können«, kommentiert Prof. Wassilios E. Fthenakis, Sprecher des Beirats des LBS-Kinderbarometers, die Ergebnisse. »Zum Wohlbefinden tragen viele Faktoren bei, die Erwachsene oft gar nicht wahrnehmen.«

Wünsche an die Eltern

Die Studie fragt auch danach, was sich die Kinder von ihren Eltern wünschen. An erster Stelle steht demnach mehr gemeinsame Zeit mit ihren Eltern. Allerdings ist auch die Mehrheit der Kinder mit den Arbeitszeiten der Eltern zufrieden. Wenn ein Elternteil weniger Zeit mit Arbeiten verbringen sollte, dann der Vater. 33 Prozent der Kinder wünschen sich dies. Überdies zeigt die Untersuchung, dass vor allem die Familie, gefolgt von der Schule den größten Einfluss auf ein positives Allgemeinbefinden der Kinder hat. Die Arbeitslosigkeit der Eltern hat dagegen keine nachweislichen Auswirkungen auf das allgemeine Wohlbefinden der Kinder. Fokussieren sich Jugendliche auf das Spielen am Computer, so geht dies meist einher mit einem geringeren schulischen Wohlbefinden. Wenn ein Kind oder Jugendlicher keinen Internetzugang hat, führt dies häufig zu einem geringeren Wohlbefinden im Freundeskreis, aber auch in der Schule.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

1 302 Euro pro Kopf für Bildung

Der Staat hat im Jahr 2011 rund 1 302 Euro pro Einwohner für Bildung ausgeben. Das waren 36 Euro mehr als im Jahr zuvor. Insgesamt stecken Bund, Länder und Gemeinden damit 106,2 Milliarden Euro in die Bildung – ein Zuwachs von 2,6 Prozent.

Bund und Länder haben sich darauf verständigt, die öffentlichen und privaten Ausgaben für Bildung, Forschung und Wissenschaft bis 2015 auf zehn Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) zu steigern. 2008 betrug dieser Anteil 8,6 Prozent (214,2 Milliarden Euro). 2009 waren es nach vorläufigen Berechnungen 9,3 Prozent (224,0 Milliarden Euro). Neuere Zahlen gibt es noch nicht. Allein für Kindergärten, Schulen, Hochschulen und die Berufsausbildung wurden in Deutschland 2008 rund 119,1 Milliarden Euro ausgegeben. Das waren 4,8 Prozent des BIP. Damit lag Deutschland deutlich unter dem Durchschnitt der OECD-Staaten von 5,9 Prozent.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

Berlin: Lehrer müssen sich bewerten lassen

Ab sofort ist jeder Lehrer in Berlin dazu aufgerufen, sich alle zwei Jahre durch eine von ihm benannte Schulklasse beurteilen zu lassen. Das Ziel dieser Beurteilung besteht darin, »Erfolge und Verbesserungspotenzial sichtbar zu machen«, so heißt es in einem Informationsbrief der Bildungsbehörde an die Schulen. Die Ergebnisse der online durchgeführten, standardisierten Befragung bekommt nur der Lehrer selbst.

Künftig werden auch die Berichte der Berliner Schulinspektion veröffentlicht. Damit hält die neue Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) an der bereits von ihrem Vorgänger Jürgen Zöllner beschlossenen Maßnahme fest. Allerdings bleiben die Ergebnisse des ersten Durchgangs der Schulinspektion unter Verschluss; die Veröffentlichungspflicht betrifft nur die Ergebnsse der zweiten Inspektionsrunde, die gerade begonnen hat.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

Die neue Mauer

In Deutschland wächst die Kluft zwischen Arm und Reich

Die Einkommensunterschiede zwischen Arm und Reich sind in Deutschland in den vergangenen zwei Jahrzehnten erheblich stärker gewachsen als in den meisten anderen Industrienationen. Zu diesem Ergebnis kommt eine von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) vorgelegte Studie. Die Autoren empfehlen Investitionen in Bildung und Weiterbildung, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken.

Der Studie zufolge verdienten die zehn Prozent der Deutschen mit den höchsten Einkommen 2008 etwa achtmal so viel wie die untersten zehn Prozent. Konkret beliefen sich ihre Nettobezüge auf durchschnittlich 57 300 Euro im Jahr, die der Geringverdiener hingegen nur auf 7 400 Euro (ohne staatliche Hilfsleis­tungen). Anfang der 90er Jahre hatte das Verhältnis noch bei sechs zu eins gelegen.

Verantwortlich hierfür ist vor allem die Entwicklung der Löhne und Gehälter, denn die Lohnschere zwischen den Spitzeneinkommen und den untersten zehn Prozent der Vollzeitarbeitenden hat sich in den vergangenen 15 Jahren um ein Fünftel erweitert. Hinzu kommt ein starker Zuwachs von Teilzeitarbeit und Fristverträgen. Die Zahl der Teilzeitarbeiter stieg in Deutschland seit Mitte der 80er Jahre von knapp drei auf mehr als acht Millionen. Aber auch sozialer Wandel verstärkt die Einkommensunterschiede zwischen armen und reichen Haushalten. Es gibt mehr Alleinerzieher- und Single-Haushalte mit entsprechend niedrigem Einkommen. Auf der anderen Seite fänden sich immer mehr Paare aus der gleichen Einkommensgruppe zusammen. Das Modell »Chefarzt heiratet Krankenschwester« sei auf dem Rückzug.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

Berliner Muslim darf nicht in der Schule beten

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat einem jungen Muslim aus Berlin untersagt, an seiner Schule demonstrativ gen Mekka zu beten. Nach Auffassung des Gerichts muss der Gymnasiast die Einschränkung seiner Glaubensfreiheit hinnehmen, weil durch die öffentlichen Ritualgebete der Schulfrieden gestört werde. Das Gericht betonte allerdings, dass es sich um eine Einzelfallentscheidung handele. Vielmehr habe jeder Schüler das Recht auf Glaubensfreiheit. Mit dem Urteil sei nicht grundsätzlich ausgeschlossen, dass an anderen Schulen öffentlich gebetet werden dürfe. Es komme auf die Umstände an. Das Gericht berücksichtigte damit die besondere Situation am Diesterweg-Gymnasium in Berlin-Wedding. Die Schüler dort gehören fünf Weltreligionen an. Dies hatte in der Vergangenheit zu Konflikten geführt. An der Schule mit Jungen und Mädchen knapp 30 verschiedener Nationalitäten nutzten acht muslimische Schüler die Pause, um auf dem Schulflur gen Mekka zu beten – vor den Augen staunender Mitschüler. Die Schulleitung hatte daraufhin die Gebete untersagt, um den Schulfrieden zu wahren.

Die Richter wiesen darauf hin, dass die Schule sehr genau abwägen müssen, ob es zur Wahrung des Schulfriedens wirklich nötig ist, die Glaubensfreiheit einzuschränken. Zunächst müsse versucht werden, Konflikte durch erzieherische Maßnahmen zu lösen. Auch könne eine Schule durchaus prüfen, ob sie für ein Gebet nicht einen separaten Raum zur Verfügung stellen könne.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

Das »Hotel Mama« ist weiterhin beliebt

Junge Menschen, vor allem Männer bleiben noch immer sehr lange zu Hause wohnen. Im Jahr 2010 wohnten in Deutschland dem Statistischen Bundesamt zufolge rund 64 Prozent der 18- bis 24-Jährigen noch bei ihren Eltern. Töchter werden viel früher flügge als Söhne: 57 Prozent der jungen Frauen lebten bis 24 Jahre noch bei ihren Eltern, bei den jungen Männern waren es 71 Prozent. Dabei gab es in den vergangenen zehn Jahren kaum Veränderungen: Im Jahr 2000 lebten 65 Prozent der jungen Leute bei den Eltern. Allein in einem eigenen Haushalt lebten im vergangenen Jahr 17 Prozent der 18- bis 24-Jährigen. Mit einem Ehe- oder Lebenspartner unter einem Dach wohnten 13 Prozent (18 Prozent der Frauen und acht Prozent der Männer). Sechs Prozent waren entweder alleinerziehend oder teilten sich die Wohnung mit anderen in einer Wohngemeinschaft.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

Immer Ärger mit den Jungs

Wie Geschlecht und soziales Umfeld den Bildungserfolg mitbestimmen

Eine neue Studie der Universität Chicago zeigt, dass Jungen stärker vom Familienleben beeinflusst werden als Mädchen. Überdies neigen sie häufiger zu Verhaltensauffälligkeiten und fallen daher in der Schule häufiger negativ auf als die Mädchen, mit der Folge, dass es viele von ihnen nicht an die Universität schaffen.

Im Rahmen der Studie analysiert Prof. Marianne Bertrand, Wirtschaftsprofessorin an der University of Chicago Booth School of Business, die Bedeutung von sozialen Einflüssen für den geschlechtsspezifischen Unterschied im Bereich der nicht-kognitiven Entwicklung. Sie kann nachweisen, dass Defizite im Verhalten und in der Selbstkontrolle wichtige Einflussfaktoren für zukünftige Bildungsergebnisse darstellen. Im Zentrum der Analyse steht dabei eine repräsentative Stichprobe von 20 000 Jungen und Mädchen, die im Jahr 1988 in den Kindergarten gekommen sind. »Unsere Analyse zeigt, dass bis zur 8. Klasse beinahe jeder vierte Junge und nur jedes zehnte Mädchen mit einer kurzfris­tigen Suspendierung sanktioniert wurden«, erklärt Prof. Bertrand. Die Studienergebnisse bringen hervor, dass sich durch eine Suspendierung vom Unterricht die Wahrscheinlichkeit das Gymnasium abzuschließen, um 17 Prozent, die Wahrscheinlichkeit eine Universität zu besuchen, um 16 Prozent und die Wahrscheinlichkeit einen Hochschulabschluss zu erwerben, um neun Prozent reduziert.

Um die geschlechtsspezifischen Unterschiede hinsichtlich der Schulsuspendierungen zu erklären, untersuchten die Forscher Verhaltensauffälligkeiten von Jungen und Mädchen mit besonderem Fokus auf die Häufigkeit, in der ein Kind laufende Aktivitäten stört, ärgerlich wird, impulsiv handelt oder sich streitet oder prügelt. 

Es wurde sowohl das Verhalten in der Schule als auch zuhause analysiert. Dabei fanden die Forscher jedoch keine Hinweise darauf, dass schulische Einflüsse, wie z. B. störende Mitschüler im Umfeld, signifikante Auswirkungen gehabt hätten. Bei der Untersuchung der häuslichen Umgebung fanden sie jedoch interessantere Erklärungsansätze. Die Studie zeigt insbesondere, dass Jungen, die nicht in einer traditionellen Familie aufwachsen, in ihrer kognitiven Entwicklung Mädchen gegenüber benachteiligt sind. Beispielsweise ist der geschlechtsspezifische Unterschied bei Verhaltensproblemen in der fünften Klasse unter Kindern, die bei alleinerziehenden Müttern aufwachsen, im Vergleich zu Kindern in traditionellen Familien beinahe doppelt so groß.

Außerdem werden auch geschlechtsspezifische Unterschiede in der Bedeutung ausgemacht, die elterliche Investitionen in eine erfolgreiche psychosoziale Entwicklung ihres Kindes haben. Und genau hierin begründet sich, warum es Jungen aus nicht-intakten Familien in der Regel schwerer haben als Mädchen: Oftmals sind es eben die nicht-intakten Familien, in denen die Qualität und die Höhe der elterlichen Investitionen begrenzt sind. Die nicht-kognitive Entwicklung von Jungen aber scheint – anders als bei Mädchen – sehr stark auf eben diese Investitionen zu reagieren.

»Insgesamt deuten unsere Ergebnisse stark darauf hin, dass das Defizit in nicht-kognitiven Fähigkeiten von Jungen nicht nur biologisch bedingt ist, sondern stattdessen sehr stark von den Umwelteinflüssen abhängt, insbesondere von der Familie«, resümiert Prof. Bertrand. Die Studie mit dem Originaltitel »The Trouble with Boys: Social Influences and the Gender Gap in Disruptive Behaviour« von Marianne Bertrand und Jessica Pan wurde vom National Bureau of Economic Research veröffentlicht und kann unter der folgenden Adresse bezogen werden: http://papers.nber.org/papers/w17541.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

Materialien

Materialkompass Verbraucherbildung

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) stellt im Internet einen Materialkompass Verbraucherbildung zur Verfügung. Unter www.materialkompass.de finden Lehrerinnen und Lehrer ein Werkzeug, mit dem die sonst im Netz verstreuten Unterrichtsmaterialien zu Themen der Verbraucherbildung zentral gebündelt werden. Mehr als 180 Materialien zu den Themen Finanzen, Medien, Verbraucherrecht, Ernährung und nachhaltigem Konsum können in wenigen Klicks über eine einfache thematische Suche gefunden werden. Alle Materialien wurden vor der Aufnahme in den Kompass auf ihre fachliche, didaktische und gestalterische Qualität hin von einem Expertenteam aus Lehrerinnen und Lehrern beurteilt.

Montessori-Pädagogik

Die vor kurzem erschienene Einführung »Montessori-Pädagogik« von Michael Klein-Landeck und Tanja Pütz bietet den Leserinnen und Lesern eine zuverlässige Orientierung in Theorie und Praxis dieser besonders in Grundschulen beliebten Unterrichtsmethode. Sie führt anschaulich und pointiert in die theoretischen Grundlagen ein, stellt das Menschenbild Maria Montessoris, ihre lern- und entwicklungspsychologischen Entdeckungen sowie ihre religiösen, philosophischen und ethischen Überzeugungen kenntnisreich dar. Dabei liegt ein Schwerpunkt auf der umfassenden Darstellung der Montessori-Praxis in Krippe, Kita, Grund- und Sekundarschule – mit wertvollen Anregungen für die eigene pädagogische Arbeit. Das Buch ist im Herder Verlag erschienen und kann zum Preis von 19,95 Euro im Buchhandel bezogen werden (ISBN 978-3-451-32430-7).

Kinder und Jugendliche auf Reisen

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz (BAJ) hat ein Dossier zum Thema »Kinder und Jugendliche auf Reisen« veröffentlicht. Darin werden die zentralen rechtlichen Rahmenbedingungen zu diesem Thema aufgeführt. Darüber hinaus werden pädagogische Impulse für Eltern und Reiseveranstalter zur Verankerung dieser Schutzvorgaben in die Vorbereitung und Durchführung der Reise gegeben. Ein Serviceteil mit Literaturhinweisen und Ansprechpartnern rund die vierseitige Publikation ab, die kostenlos über die Homepage der BAJ (www.bag-jugendschutz.de) oder unter der folgenden Adresse bezogen werden kann: Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz, Mühlendamm 3, 10178 Berlin, E-Mail: info@bag-jugendschutz.de.

Souverän im Lehrerberuf

»Man kann einen Menschen nichts lehren, man kann ihm nur helfen, es in sich selbst zu entdecken«: Dieses Motto stellen Ingeborg Leinenbach und Helmut Nock ihrem Buch »Souverän, selbstbewusst und erfolgreich Lehrer sein« voran. Darin zeigen sie, wie insbesondere junge Lehrerinnen und Lehrer mit leichten Übungen mehr Gelassenheit und Zuversicht im Alltag effektiv trainieren können. Sie beginnen mit Checklis­ten zur ausführlichen Selbstdiagnose und helfen danach bei der Formulierung individueller Ziele. Bei der Umsetzung dieser Ziele unterstützen sie dann mit vielfältigen Übungen. Dabei geht es u. a. um Körpersprache, die Fähigkeit, »Nein« zu sagen, sowie um die Technik der konstruktiven Selbstgespräche. Das Buch ist im Verlag an der Ruhr erschienen und kann zum Preis von 17,90 Euro im Buchhandel bezogen werden (ISBN 978-3-8346-0764-5).

Umgang mit Gewalt

Viele Kinder und Jugendliche sind mit der Lösung ihrer Probleme überfordert. Sie haben kein hinreichendes Handlungsrepertoire zur Bewältigung von Konflikten und Krisen. Das sind Bedingungen für Gewalt in Schulen, Jugendeinrichtungen und auf den Straßen und gleichzeitig Herausforderungen für alle, die pädagogisch tätig sind.

Georg Schottmayer, Professor für Erziehungswissenschaft in Hamburg, hat ein Buch vorgelegt, das differenziertes Wissen über Gewalt mit dem Angebot eines umfangreichen Repertoires zur Intervention und Prävention verbindet. Ein Handbuch sowie Praxishilfen für den beruflichen Umgang mit Gewalt in Schule, Jugendarbeit, Familienberatung, Polizeiarbeit und Justiz. Drei Fragen leiten die sozialwissenschaftlich fundierte, immer gut verständliche und mit über 30 Abbildungen angereicherte Darstellung: Was ist Aggression und Gewalt? Wie kommt es dazu? Wie kann Umgang mit Aggression und Gewalt gestaltet werden?

Das Buch hat einen Umfang von 338 Seiten, ist 2011 im Peter Lang Verlag erschienen und kann zum Preis von 29.80 Euro im Buchhandel bezogen werden (ISBN 978-3-631-58214-5).

Bildung und Erziehung vom Kind her denken

Für den Pädagogen Remo H. Largo steckt schulisches Lernen in einer Sackgasse: Fixiert auf Inhalte, wird immer mehr Stoff in immer kürzerer Zeit in die Köpfe der Schüler »hineingestopft«. Die zentrale Frage einer kindgerechten Pädagogik bleibt dabei seiner Meinung nach ungestellt: Wie lernt das einzelne Kind?

Aufbauend auf seinen jahrzehntelangen Forschungen, plädiert Largo in seinem neuen Buch »Lernen geht anders« für einen achtsamen und vertrauensvollen Umgang mit Kindern. Kinder entwickeln sich nicht nach Normvorstellungen, Tabellen und Klassenstufen: Jedes Kind ist einzigartig. Largo fordert eine Erziehung in Elternhaus und Schule, die die Kompetenzen und Fähigkeiten eines jeden Kindes möglichst umfassend ausbildet. Das setzt Zeit, Gelassenheit, Zuversicht und Selbstbewusstsein bei allen voraus, die ein Kind erziehen. Nur eine solche Erziehung macht Kinder wirklich fit für die Anforderungen der Zukunft, weil sie ihre natürliche Lernbereitschaft bewahrt und gelernt haben, selbstbestimmt zu handeln.

Remo H. Largos an den tief greifenden gesellschaftlichen Veränderungen orientierte Erkenntnisse können nicht ohne Folgen für das Bildungssystem bleiben: Die Schule muss sich mit aller Konsequenz am einzelnen Kind orientieren. Und Eltern sollten sich nicht beirren lassen, sondern vehement eine kindgerechte Schule fordern.

Das Buch ist im Verlag Körber Edition erschienen und kann zum Preis von 14,– Euro im Buchhandel bezogen werden (ISBN: 978-3-89684-078-3).

Systematisches Training

Wie Schule dazu beitragen kann, dass Kinder und Jugendliche die eigenen Begabungen entdecken und entwickeln, und Lehrer(innen) in Anbetracht dieser und weiterer Herausforderungen gelassen und gesund bleiben, zeigt das vor kurzem erschienene Buch »STEP – Das Buch für Lehrer/innen« von Don Sr. Dinkmeyer. Hinter dem Akronym versteckt sich ein »Systematisches Training für Eltern und Pädagogen«. Dementsprechend zeigt das Buch auch Wege auf, wie Lehrer eine gute Zusammenarbeit mit den Elternhäusern initiieren können. Es stellt ein integriertes Konzept zur Stärkung der Beziehung zwischen Lehrern und Schülern vor, das sich konsequent am Wohl des Kindes orientiert und zu einer wertschätzenden Haltung ermutigt – den anderen und sich selbst gegenüber. 
Das Buch zielt ab auf die Entwicklung sozialer Kompetenzen von Schülern, einem Verständnis für die Sinnhaftigkeit und die Selbstwirksamkeit ihres Tuns, und für die Beziehungen untereinander, aber auch – mit Blick auf die Lehrer(innen) – auf eine größere Zufriedenheit und mehr Gesundheit im Lehrberuf. Es stellt zahlreiche Übungen vor, um

  • die Kommunikations- und Moderationskompetenz im Umgang mit Schülern, Kollegen und Eltern zu erweitern,
  • die Perspektive auf das Fehlverhalten einzelner Schüler zu verändern,
  • das Selbstwertgefühl, und dadurch die Lernmotivation der Schüler 
zu stärken,
  • eine demokratisch-partizipative Führung in der Klasse umzusetzen,
  • die Bildungs- und Erziehungspartnerschaft mit den Eltern zu intensivieren.
  •  

Das Buch ist im Beltz Verlag erschienen und kann zum Preis von 29,95 Euro im Buchhandel bezogen werden (ISBN 978-3-407-22926-7). Nähere Infos über STEP sind auch unter www.instep-online.de zu finden.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

Termine

Erziehungswissenschaftliche Grenzgänge

In globalisierten, zunehmend auch auf der Produktion, Innovation und Distribution von Wissen basierenden Gesellschaften gewinnen Bildung und Erziehung an öffentlicher Aufmerksamkeit. Damit wachsen die Erwartungen an die professionelle Pädagogik wie auch an die Bildungsbereitschaft des Einzelnen. Die Institutionen des Erziehungs-, Bildungs- und Sozialsystems sind aufgefordert, sich auf unterschiedliche soziale Voraussetzungen, kulturelle Hintergründe und neue biografische Verlaufsmuster auf Seiten der Lernenden einzustellen. Aber auch die individuelle Lebensführung wird immer mehr von Ansprüchen der aktiven Erschließung von Bildungsressourcen und Qualifikationschancen bestimmt. Vor diesem Hintergrund verschieben sich die Grenzen des Pädagogischen in mehrfacher Hinsicht. Zum einen ergeben sich neue, wenn auch ungleich verteilte Spielräume der Bildung für den Einzelnen und neue Handlungsmöglichkeiten für die Pädagogik. Zum anderen nimmt die Bedeutung kontingenter Bedingungen von Bildungsverläufen und entsprechender Steuerungsversuche zu. So verändern sich mit dem Gegenstandsbereich der Erziehungswissenschaft auch die Voraussetzungen und Erwartungen an die Disziplin.

Unter dem Titel »Erziehungswissenschaftliche Grenzgänge« sollen diese Entwicklungen auf dem 23. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE) vom 12. bis zum 14. März in Osnabrück zum Anlass genommen werden, in den verschiedenen Forschungs- und Theoriefeldern der Erziehungswissenschaft nach den hieraus sich ergebenden neuen Perspektiven und Herausforderungen zu fragen. Weitere Informationen zu der Tagung können unter www.dgfe2012.de bezogen werden.

Fachkongress für Trainer in der Erwachsenenbildung

Mit dem Trainerkongress bietet »Wissen ist für immer (Wifi) e. V.« am 22. und 23. März 2012 in Wien erstmals eine neue Plattform für Weiterbildung und Networking für Trainer(innen), die in der Erwachsenenbildung tätig sind. Das WIFI hat in Österreich seit 2010 das neue Lernmodell LENA (lebendig und nachhaltig Lernen) eingeführt, mit dem die Kursteilnehmer(innen) durch Unterstützung der »Lernbegleiter(innen)« (Trainer(innen)) in ihrer Selbstlernkompetenz gestärkt werden sollen. Dieses Modell stellt die Grundlage für den Kongress dar; es geht darum, neue Methoden des Lehrens und Erkenntnisse der Gehirnforschung aufzuzeigen.  Der Kongress spannt den Angebotsbogen von klassischen Kongresselementen wie Keynotes und Workshops bis hin zu innovativen und kreativen Methoden, wie dem Wifi World Café oder der Wissensleine. Workshops mit und über Humor, aber auch zu Fachthemen, kreative Großgruppensettings und Fachaussteller, die in Mikroworkshops Zusatznutzen für die Teilnehmer(innen) bieten, runden das Programm ab. Eines der Highlights ist der interaktive Vortrag zum Thema »Mythen der Gehirnforschung«, wobei mittels Digivote von den Teilnehmern zu bestimmten Fragen abgestimmt wird und diese Ergebnisse in den Vortrag einfließen. Die Podiumsdiskussion mit interessanten Experten geht der spannenden Frage nach: Was ändert sich mit dem Rollenwechsel des Trainers hin zum Lernbegleiter? Die Teilnahmegebühr beträgt 690,– Euro (exkl. MwSt.). Nähere Informationen sind unter www.wifiwien.at/trainerkongress zu erhalten.

Brigitte Kohler/K.-U. Nennstiel

Japanische Mentalität?

Ein Blick auf soziokulturelle Strukturen und schulische Erziehung in Japan

Der Blick auf das Verhalten der Bevölkerung in Japan – insbesondere nach Katastrophen – schwankt zwischen Bewunderung und Skepsis. Nicht selten werden Merkmale einer sogenannten »japanischen Mentalität« zur Erklärung herangezogen. Viel zu selten wird gefragt, welchen Einfluss schulische Sozialisation und Erziehung haben.

Wie lassen sich beispielsweise Höflichkeit und Geduld erklären? Was steht hinter den sogenannten Helden, die sich aufopfern? An die Stelle kultureller Zuschreibungen setzt dieser Beitrag eine Analyse der sozioökonomischen Situation und der schulischen Sozialisation.

Was wissen wir über Lehrerinnen und Lehrer? – 3. Folge

Radoslaw Huth/Horst Weishaupt

Was wissen wir über Bedingungen der Lehrertätigkeit?

Die Serie 2012 informiert über den aktuellen Stand der Diskussion zum Thema: Was wissen wir über Lehrerinnen und Lehrer? Die dritte Folge fragt nach Befunden zu Bedingungen der Lehrerarbeit.

Thematisiert werden das Lehramtsstudium sowie die Belastung und die Besoldung als Bedingungen der Lehrertätigkeit. Zur Ausstattung des Arbeitspatzes Schule als Bedingung von Lehrerarbeit liegen leider keine belastbaren Daten vor. Damit verweisen die Experten des DIPF auf eine erhebliche Forschungslücke zur Frage nach Bedingungen der Lehrerarbeit.

PRO: Stefan Werth | CONTRA: Ulrich Mumm

Klassenlehrer nur Hauptfachlehrer?

Was sind Voraussetzungen für die Besetzung der Klassenlehrerrolle? Sollten möglichst nur Hauptfachlehrer(innen) diese Aufgabe übernehmen oder kann diese auch von Lehrer(inne)n übernommen werden, die sogenannte Nebenfächer unterrichten.

Sticht das Argument der notwendigen Zeit, die nur Hauptfachlehrer(innen) in einer Klasse unterrichten – oder heißt das Argument: die Aufgabe der Klassenleitung sollten alle übernehmen, die bereit und geeignet sind?

Julia Hellmer

Berufsorientierung

Die Allgemeinbildende Schule hat eine wichtige Funktion beim Übergang in die Welt der beruflichen Tätigkeit. Schüler(innen) brauchen sowohl grundlegendes Wissen als auch personale Kompetenzen, wenn sie den Anschluss erfolgreich gestalten wollen.

Die hier vorgestellten Publikationen geben einen Überblick über unterschiedliche Konzepte und gleichzeitig Anregungen für Schulen und Lehrkräfte, die Berufsorientierung als schulisches Handlungsfeld entwickeln und etablieren wollen.

totopZum Seitenanfang