12'11Präsentieren lernen

Titel PÄDAGOGIK Heft 12/2011
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Präsentationen sind anspruchsvolle Abschlüsse von Lernprozessen. Die Beiträge geben u.a. Hinweise zum Erlernen von Präsentationskompetenz, zum Einsatz von Whiteboards und zur Vorbereitung von Präsentationsprüfungen.

»Wir wollen Euch vorstellen, was wir erarbeitet haben!« So oder so ähnlich hört man es, wenn Einzelne oder Teilgruppen eigenständig eine Fragestellung bearbeitet haben und der gesamten Lerngruppe vorstellen wollen, was sie gelernt haben.

Seit vielen Jahren kennen wir Präsentationen als verbindliche und oft überraschende Abschlüsse von Projektarbeiten. Dabei werden Erfahrungen so aufbereitet, dass das eigene Verstehen erkennbar wird und die Ergebnisse für andere verständlich werden.

Seit das eigenverantwortliche Arbeiten die Grenzen der Projektarbeit überschritten hat, sind Präsentationen auch ein verbindlicher Teil anderer Unterrichtsformen – von der Grundschule bis zur Präsentationsprüfung im Abitur.

Wie die dazu notwendigen Kompetenzen erlernt werden können, das zeigen die Erfahrungsberichte anhand der folgenden Fragen:

  • Wie kann das Mitteilungsbedürfnis von Grundschüler(inne)n im Sinne von Präsentation weiterentwickelt werden?
  • Was müssen die Zuhörer(innen) können, wenn sie von Präsentationen lernen wollen?
  • Wie kann der Dreischritt aus Recherche, Analyse und Aufbereitung gelernt werden?
  • Wie können interaktive Whiteboards für Präsentationen genutzt werden?
  • Wie können Präsentationsprüfungen im Abitur gemeinsam vorbereitet werden?
  • Was kann die Kunst des Debattierens zur Präsentationskompetenz beitragen?

Präsentationskompetenz versteht sich nicht als isolierte Methodenkompetenz. Präsentationen sind vielmehr ein inhaltlich und methodisch anspruchsvoller Abschluss eines komplexen, möglichst eigenständig gestalteten Lernprozesses. Deshalb sollte Präsentieren gelernt werden; denn sonst hält die Freude an der Vorstellung des Erarbeiteten auf beiden Seiten nicht lange an.

Nach der Einnahme von Kamagra fühlte ich Gefühle und Sicherheit, die ich seit langer Zeit nicht mehr hatte. Es ist wunderbar. Ich kann nur ein Teufelszeug sagen, ich fühle mich endlich wieder wie ein Mann und liebe den Sex und der Preis der Pillen ist auch in Ordnung.
Johannes Bastian

Die Präsentation als komplexe Leistung

Oder: Was man lernt, wenn man präsentieren lernt

Jochen Schnack

»Wir sehen jetzt eine Präsentation«: Das klingt angesagt und modern, nicht so verstaubt wie »Referat« oder »Vortrag«. Und tatsächlich gibt es Unterschiede; das Format der Präsentation ist anspruchsvoller als andere Formate. Warum verlangen immer mehr Schulen Präsentationen von ihren Schülern? Und was lernt man, wenn man präsentieren lernt? Werden die Inhalte austauschbar und beliebig, wenn Präsentationskompetenz im Mittelpunkt steht?

Weitere Beiträge im Schwerpunkt

Elisabeth Bernard
Präsentieren – (schon) in der Grundschule
Hinweise und methodische Hilfen

Ludger Brüning
Schülervorträge als Ausgangspunkt mündlicher Kompetenzentwicklung
Fachvorträge als Längs- und Querschnittaufgabe von Schule

Matthias Hesse/Angelika Schlimmer
Schritt für Schritt zur selbstständigen Präsentationsleistung
Präsentationskompetenz mit Hilfe eines fachbezogenen Curriculums entwickeln

Thomas Iser/Joachim Trucks
Präsentieren mit interaktiven Whiteboards
Wie Lehrer und Schüler von der neuen Technik profitieren

Cornelia Spengler
Die Präsentationsprüfung im Abitur
Ein neues Prüfungsformat wird vorbereitet

Ansgar Kemmann
Streitfragen präsentieren
Debattieren lernen nach den Regeln von Jugend debattiert

An einem Hamburger Gymnasium im Juni 2011: Die mündlichen Abiturprüfungen stehen an. Der 18-jährige Max hat eine 15-minütige Präsentation zu den Unterschieden zwischen den Verfassungen der Bundesrepublik und der DDR vorbereitet. Souverän steht er vor den drei Lehrern, die seine Leistung beurteilen sollen. Er hatte drei Wochen Zeit für die Vorbereitung und hat sie gut genutzt. Seine Folien sind übersichtlich und informativ gestaltet, sein frei gehaltener Vortrag ist spannend und faktenreich. Im anschließenden Gespräch zeigt er, dass er diese Fakten nicht nur gelernt, sondern auch verstanden hat; mit großer Gelassenheit kann er auch Fragen beantworten, die weit über sein eigentliches Thema hinausreichen.

Die Form der »Präsentationsprüfung« ist neu für die Hamburger Schülerinnen und Schüler; und ebenso neu ist sie für die Lehrerinnen und Lehrer. Nicht alle tun sich leicht damit, die Unsicherheit ist groß: Wie kann verhindert werden, dass die Schülerinnen und Schüler lediglich Inhalte und Bilder zusammenkopieren, ohne sie verstanden zu haben? Nach welchen Kriterien soll der Medieneinsatz bewertet werden? Und kann man eigentlich sicher sein, dass es sich um eine eigene Leistung handelt, wenn die Schüler drei Wochen Zeit für die Vorbereitung haben?

Nicht nur in Hamburg spielt die mediengestützte Präsentation eine immer wichtigere Rolle im Unterricht und in den Abschlussprüfungen, auch in anderen Bundesländern gewinnt die Präsentation als fester Bestandteil des Unterrichts an Bedeutung. So hat das Land Berlin die Präsentationsprüfung im Rahmen der Prüfungen für den Mittleren Schulabschluss und als fünfte Prüfungskomponente im Abitur eingeführt, und auch in Baden-Württemberg können Schülerinnen und Schüler im mündlichen Abitur Präsentationsprüfungen ablegen. Was ist die Ursache für diesen Trend?

Ursachen für den Trend

Um diese Frage zu beantworten, muss man sich zunächst vor Augen führen, dass sich unsere Sehgewohnheiten durch die technische Entwicklung bei der Hardware wie bei der Software deutlich verändert haben und weiter verändern werden. Die mittlerweile entstandene Dominanz der audiovisuellen Medien und vor allem die alltägliche, mobile Verfügbarkeit des Internets haben dazu geführt, dass wir die audiovisuelle Präsentation beispielsweise im Beruf oder auch bei Familienfeiern, das spannende Dokudrama im Fernsehen, den Film bei »Youtube« oder die kleine bebilderte Unterrichtslektion z. B. bei sofatutor.com mittlerweile als normal, ja gewissermaßen als Standard empfinden.

Wir sind es gewohnt, dass uns Informationen nicht einfach vorgelesen, sondern in einer inszenierten Form mit Unterstützung von Bildern und anderen Medien präsentiert werden. Zugleich verfügt heute praktisch jeder über eine nahezu intuitiv bedienbare Präsentationssoftware wie »PowerPoint«, »Keynote« oder »Prezi« und kann selbst ohne großen Aufwand eindrucksvolle, multimediale Präsentationen erstellen. Auch in den Schulen sind sowohl die Hardware als auch die Software inzwischen normalerweise verfügbar; in fast allen Bundesländern werden zurzeit große Anstrengungen unternommen, um möglichst viele Schulen mit interaktiven Whiteboards auszurüsten, mit denen völlig neue Formen der audiovisuellen Präsentation möglich sind (vgl. dazu auch PÄDAGOGIK 7 – 8/2010 sowie den Beitrag von Iser/Trucks in diesem Heft). Dies bleibt nicht ohne Folgen für die Erwartungen, die an die Schülerinnen und Schüler, aber auch an die Lehrerinnen und Lehrer gerichtet werden. Die Schülerinnen und Schüler erwarten von den Lehrkräften, dass sie den von außen gesetzten Standard selbst auch zumindest ansatzweise erfüllen. Das bedeutet, dass sie bei der Gestaltung des Unterrichts und insbesondere von Lehrervorträgen audiovisuelle Medien einsetzen sollten und die dafür erforderlichen technischen, aber auch ästhetischen Kompetenzen erwerben müssen. Und von den Schülerinnen und Schüler als künftigen Schulabsolventen wird von den »Abnehmern«, also insbesondere von den Ausbildungsbetrieben und den Hochschulen, erwartet, dass sie in diesem Bereich über fundierte Kompetenzen verfügen. Dementsprechend finden sich auch in den meisten Bildungsplänen entsprechende Vorgaben.

Neben der technischen Entwicklung gibt es eine zweite Ursache für den oben beschriebenen Trend in Richtung Präsentation und Präsentationsprüfung: die in der Unterrichtsdidaktik verstärkt angestrebte Individualisierung des Unterrichts und die Betonung des

Heute verfügt praktisch jeder über eine nahezu intuitiv bedienbare Präsentationssoftware.

selbständigen Lernens der Schülerinnen und Schüler. In einem stark individualisierten Unterricht mit einem hohen Anteil an selbständig organisierten Lernprozessen müssen Wege gefunden werden, die Arbeitsergebnisse der Schülerinnen und Schüler nicht nur zu kontrollieren, sondern auch für die gesamte Lerngruppe zugänglich zu machen. Hier bietet sich die Präsentation als eine konzentrierte und didaktisierte Form für die Vermittlung von Arbeitsergebnissen an. Daher erhalten die Schülerinnen und Schüler in einem individualisierten Unterricht häufig den Auftrag, am Ende einer Phase des selbständigen Arbeitens ihre Ergebnisse den Mitschülerinnen und -schülern zu präsentieren.

Präsentationskompetenz

Dieser Auftrag ist allerdings anspruchsvoller, als es vielleicht zunächst den Anschein hat, denn für die Erarbeitung einer für die Zuhörer informativen und anregenden Präsentation benötigen die Schülerinnen und Schüler eine Vielzahl von Kompetenzen. Dies wird deutlich, wenn man die Besonderheiten der Präsentation z. B. im Vergleich zu Vortrag oder Referat betrachtet:

  1. Gegenstand der Präsentation ist – siehe oben – meist die Vorstellung der Ergebnisse eines selbständigen Lernprozesses, der manchmal – wie in der Prüfung – allein, zumeist jedoch in der Gruppe absolviert wurde.
  2. Eine Präsentation erfordert in größerem Umfang als das klassische, oft abgelesene »Referat« den Einsatz rhetorischer Mittel, also das freie Sprechen mit angemessener Gestik und Mimik.
  3. Eine Präsentation findet mediengestützt statt; das Repertoire reicht von Handzettel über Tageslichtfolien und Plakate bis hin zum Computereinsatz.

Diese Aufzählung zeigt: Die Präsentation vereint unterschiedliche Anforderungen, mit denen die Schülerinnen und Schüler heute in der Schule, aber auch zu Hause und in der Berufswelt verstärkt konfrontiert werden: selbständiges Lernen und Arbeiten, den Umgang mit audiovisuellen Medien, die adressatengerechte Inszenierung von Inhalten und das freie Sprechen. Es wird deutlich, dass es sich bei der Präsentation um eine komplexe Leistung handelt. Dies gilt umso mehr, wenn man die Vorbereitung, also die selbständige Erarbeitung, Gliederung und mediale Aufbereitung des Gegenstandes der Präsentation, in die Betrachtung einbezieht. Dann müssen die Schülerinnen und Schüler mindestens über folgende Teilkompetenzen verfügen, um eine Präsentation erfolgreich zu gestalten:

  • Entwicklung einer erkenntnisleitenden Frage: Je selbständiger eine Präsentation vorbereitet wird und je offener die Themenstellung ist, desto mehr muss der Schüler beziehungsweise die Schülerin in der Lage sein, eine erkenntnisleitende Frage als eine Art »Roter Faden« für die Präsentation zu entwickeln. Die erkenntnisleitende Frage ist das Rückgrat für die weitere Arbeit, sie gibt die Richtung für die Recherche und die Gliederung der Präsentation vor. Die Entwicklung einer tragfähigen und zu bewältigenden erkenntnisleitenden Fragestellung ist erfahrungsgemäß eine hohe Anforderung an die Schülerinnen und Schüler; diese Kompetenz sollte daher frühzeitig angebahnt und eingeübt werden. Zugleich wirkt die Erarbeitung einer tragfähigen erkenntnisleitenden Frage der Tendenz entgegen, bei der Erarbeitung von Präsentationen den Inhalt lediglich als austauschbares Mittel zum Erwerb von Methodenkompetenz zu betrachten (vgl. Gruschka 2008).
  • Recherche: Je genauer die erkenntnisleitende Frage formuliert ist und je größer die Vorkenntnisse sind, desto zielgerichteter kann die inhaltliche Recherche vorgenommen werden. Aus diesem Grund ist es wichtig, den Arbeitsprozess des Recherchierens schon früh und in kleinen Schritten einzuüben. Dies muss nicht unbedingt in Zusammenhang mit einer späteren Präsentation, sondern kann auch im Rahmen von anderen Unterrichtsvorhaben stattfinden. Wichtig ist, dass die Schülerinnen und Schüler zunehmend Sicherheit im Umgang mit den möglichen Informationsquellen gewinnen und vor allem auch in der Lage sind, die Relevanz von Informationen für ihr Thema zu beurteilen. Eine besondere Herausforderung ist in diesem Zusammenhang der Umgang mit dem Internet und seinem Überfluss an Informationen. Zum einen »ertrinken« die Schülerinnen und Schüler oft in einer Fülle von Informationen, deren Relevanz sie nicht einschätzen können, zum anderen sind sie nicht in der Lage, die Güte der jeweiligen Informationsquelle zu beurteilen.
  • Gliederung und Gewichtung: Die Gewichtung und Gliederung der Informationen ist ein Prozess, der eigentlich mit der Recherche einhergeht und hier lediglich aus analytischen Gründen gesondert erläutert wird. Bei der Erarbeitung einer Präsentation sollten die Schülerinnen und Schüler schon recht frühzeitig, unmittelbar im Anschluss an die Festlegung der erkenntnisleitenden Fragestellung einen ersten, rudimentären Gliederungsentwurf für die spätere Präsentation erarbeiten, der bei der Recherche als Kriterium für die Beurteilung von Informationen dienen kann. Dieser Entwurf wird dann normalerweise im Laufe der Recherche überarbeitet und weiterentwickelt.
  • Angemessener Medieneinsatz: Über den angemessenen Einsatz der verschiedenen Medien können die Schülerinnen und Schüler nur entscheiden, wenn sie diese Medien technisch beherrschen und ihre Vor- und Nachteile kennen. Leider hat es sich vor allem in den höheren Klassenstufen eine Computer-Monokultur eingebürgert; andere Medien wie Plakate, Thesenpapier, Audiofiles oder gar interaktive Formen wie Rollenspiele werden von den Schülerinnen und Schüler kaum noch verwendet. Zu einer umfassenden Präsentationskompetenz gehört jedoch ein vielfältiger Medieneinsatz dazu; die Schülerinnen und Schüler – wie übrigens auch ihre Lehrerinnen und Lehrer – sollten die verschiedenen Medien kennen und beherrschen, und sie sollten in der Lage sein, durch den gezielten Einsatz der Medien, aber auch der rhetorischen Mittel (s. u.) einen Spannungsbogen für die Präsentation zu entwickeln, der die Zuhörer anspricht und dafür sorgt, dass sie sich für die angebotenen Informationen interessieren.
  • Rhetorik: Das wichtigste Medium bei der Präsentation ist der eigene Körper, sind die sprachliche Gestaltung, die Körpersprache sowie der Kontakt zu den Zuhörerinnen und Zuhörern. Dieser zentrale Bestandteil steht zumeist im Mittelpunkt der zahlreichen Bücher und Ratgeber, die zu dem Thema »Präsentation« erschienen sind; in ihnen geht es um Artikulation und Sprechtempo, um Satzbau und Wortwahl, um freies Sprechen und die Stimmmodulation sowie um Gestik und Blickkontakt. All dies ist wichtig und kann mit einer großen Zahl von Übungen Schritt für Schritt entwickelt und trainiert werden.

Das schulinterne Curriculum »Präsentation«

Die Auflistung der erforderlichen Teilkompetenzen zeigt, dass es sich bei Erstellung einer Präsentation um eine komplexe Leistung handelt, die über einen längeren Zeitraum hinweg Schritt für Schritt aufgebaut werden muss. Die meisten dieser Teilkompetenzen müssen nicht zwingend im Zusammenhang mit einer Präsentation vermittelt werden; sie können und sollten auch unabhängig davon Bestandteil des Unterrichts sein. So zeigt der Erfahrungsbericht von Elisabeth Bernard in diesem Schwerpunkt, wie das freie Sprechen sowie Elemente der Rhetorik schon in der Grundschule spielerisch eingeübt werden können.

Auch die meisten anderen Erfahrungsberichte legen den Schwerpunkt auf eine langfristig angelegte, systematische Entwicklung der Präsentationskompetenz. Dies kann nur gelingen, wenn die Präsentation

Ein Portfolio unterstützt die Entwicklung von Standards für die Durchführung und Bewertung von Präsentationen.

zu einem Bestandteil eines schulinternen Curriculums und als solcher methodisch abgesichert wird. Am deutlichsten wird dieser Ansatz in dem Bericht von Ludger Brüning, der beschreibt, dass an der Gesamtschule Haspe ab der 5. Klasse im Rahmen eines spiralförmigen Curriculums sechs Teilkompetenzen von den Schülerinnen und Schülern immer wieder übend weiterentwickelt und dann in Vortragsprojekten in den Jahrgangsstufen 8 und 11 konsequent zusammengeführt werden.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt das Kollegium am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Bünde, der von Matthias Hesse und Angelika Schlimmer in ihrem Beitrag dargestellt wird. Auch an dieser Schule werden die Teilkompetenzen bestimmten Jahrgängen als fächerübergreifende Schwerpunkte zugewiesen; die eigentliche Präsentation als komplexe Leistung wird den Schülerinnen und Schüler erst in den höheren Jahrgangsstufen abverlangt, wenn sie über die erforderlichen Teilkompetenzen bereits verfügen. Beide Erfahrungsberichte betonen darüber hinaus, dass es gerade bei der Präsentation überaus sinnvoll ist, die Schülerinnen und Schüler in die Bewertung der gezeigten Leistungen einzubeziehen, weil sich dadurch ihre Aufmerksamkeit als Zuhörer steigern lässt und sie überdies über eine kriteriengeleitete Bewertung der Leistung ihrer Mitschülerinnen und -schüler ihre eigene Präsentationskompetenz ausbauen können.

Das Präsentationsportfolio

Wenn die Präsentation in dieser Weise als Querschnittsaufgabe aller Fächer verstanden wird, kann es sinnvoll sein, dass die Schülerinnen und Schüler ein Präsentationsportfolio anlegen. Darin eingehen könnten z. B.

  • Entwürfe für Präsentationen,
  • gehaltene Präsentationen einschließlich der verwendeten Medien,
  • Bewertungen einschließlich möglicher Verbesserungsvorschläge,
  • Video- oder Audio-Aufnahmen von Präsentationen.

Durch die Arbeit mit einem lernbegleitenden Portfolio kann gerade bei einer fächer- und jahrgangsübergreifenden Kompetenz wie dem Präsentieren sichergestellt werden, dass die jeweiligen Erfahrungen des Schülers aufgenommen und weiterentwickelt werden, wenn er in unterschiedlichen Fächern präsentiert. Zugleich unterstützt ein solches Portfolio die Entwicklung von Standards für die Durchführung und Bewertung von Präsentationen innerhalb eines Kollegiums.

Zusätzlich zu der langfristig und systematisch eingeübten Präsentationskompetenz geht dieser Themenschwerpunkt auf besondere Situationen ein, die sich im Schulalltag stellen und für die Einübung des Präsentierens genutzt werden können.

So beschreibt Cornelia Spengler in ihrem Erfahrungsbericht, wie sich das Kollegium eines Hamburger Gymnasiums auf die seit 2011 obligatorische Präsentationsprüfung im Abitur vorbereitet hat und wie es die Schülerinnen und Schüler an diese Anforderung herangeführt hat. Dabei wird einmal mehr deutlich, welch großen Einfluss die Vorgabe eines Prüfungsformats auf die Gestaltung des Unterrichts hat.

Thomas Iser und Joachim Trucks stellen das interaktive Whiteboard in den Mittelpunkt ihres Beitrags. Diese neue Technologie, die inzwischen in immer mehr Klassenräumen anzutreffen ist (vgl. auch PÄDAGOGIK 7 – 8/2010), eröffnet neuartige mediale Möglichkeiten für die Präsentation, die auch interaktive Elemente umfassen. Die beiden Autoren gehen ausführlich auf die Möglichkeiten und Grenzen dieser neuen Technik ein. Der Themenschwerpunkt wird abgerundet durch einen Erfahrungsbericht aus dem Zusammenhang des Wettbewerbs Jugend debattiert. Ansgar Kemmann beschreibt, welche spezifischen Kompetenzen beim Debattieren von Streitfragen erforderlich sind und wie sie erworben werden können. Dabei wird deutlich, wie nützlich diese Kompetenzen für die Gestaltung einer zuhörerorientierten Präsentation sein können.

Bestanden

Für den Prüfungsausschuss war es später keine Frage: Max hat eine sehr gute Leistung abgeliefert – er hat seine Prüfung mit Bravour bestanden. Sein »Meisterstück« ist eine spannende, informative und anschauliche Präsentation. Sie ist das Ergebnis eines jahrelangen Lernprozesses, bei dem Max viel mehr gelernt hat als »nur« die Unterschiede zwischen zwei Staatsverfassungen aufzählen zu können.

Literatur

Böhringer, J./Bühler, P./Schlaich, P. (2008): Präsentieren in Schule, Studium und Beruf. Berlin
Brüning, L. (2009): Methodentraining: Vortragen – Präsentieren – Referieren: Praktische Unterrichtsmaterialien für die Sekundarstufe. Mit Kopiervorlagen. Donauwörth, 2. Aufl.
Budniak, J./Oberreuter, S. (2009): Schüler/innen lernen präsentieren. Klasse 5 – 13. Buxtehude, 6. Aufl.
Budniak, J./Oberreuter, S. (2010): Präsentieren leicht gelernt. Buxtehude
Endres, W. (2008): Methoden-Magazin: Rhetorik und Präsentation in der Sekundarstufe I: Mit Unterrichtsideen, Kopiervorlagen und Videotraining (auf DVD). Weinheim und Basel
Endres, W. (2008): Methoden-Magazin: Rhetorik und Präsentation in der Sekundarstufe II: Mit Unterrichts­ideen, Kopiervorlagen und Videotraining (auf DVD). Weinheim und Basel
Gruschka, A. (2008): Präsentieren als neue Unterrichtsform: Die pädagogische Eigenlogik einer Methode. Leverkusen
Reuther, O. (2011): Geile Show! Präsentieren lernen für Schule, Studium und den Rest des Lebens. Heidelberg

Dr. Jochen Schnack, Jg. 1965, ist Leiter der Unterabteilung für Unterrichtsentwicklung im Hamburger Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung und Mitglied der Redaktion von PÄDAGOGIK.
Adresse: Dohrnweg 5, 22767 Hamburg
E-Mail: jochen.schnack(at)gmx.info

Inhalt Magazin

 

Achtsamkeit in Schule und Pädagogik

Über die Renaissance eines alten Begriffs

Burn Out bei Lehrkräften, überforderte Schüler, Vergleichsarbeiten, zentrale Prüfungen, Verkürzung der Schulzeit bei zunehmender Stofffülle: ein paar Schlagwörter und jeder weiß, was gemeint ist. Wenn Lehrkräfte Angst vor Schülerbewertungen haben, wenn Eltern ihren Kindern Kopfschmerztabletten mitgeben und Schule vielerorts keine Freude am Lernen mehr bieten kann, dann sind Stressmanagement und Gesundheitsförderung kein Luxus mehr, sondern Notwendigkeit.

Unter der Prämisse, dass wir unsere Kinder zu mündigen Bürgern und nicht nur zu reinen Wissensmaschinen heranziehen wollen, gewinnt ein alter Begriff in der aktuellen pädagogischen Diskussion neue Relevanz: die Achtsamkeit.

Definition »Achtsamkeit«

»Nun liebe Kinder, gebt schön acht …«: Umgangssprachlich ist Achtsamkeit eine Selbstverständlichkeit. Beim Autofahren, Kochen oder in der Schule besagt sie so etwas wie »aufmerksam sein«, »konzentriert« und »das Zurechtfinden im Moment«. Unter Unachtsamkeit verstehen Lehrer den vergessenen Turnbeutel, das umgeworfene Tuschwasserglas oder die vor dem Mitschüler zugeknallte Tür. Ursprünglich aus dem asiatischen Raum stammend, meint Achtsamkeit aber darüber hinausgehend eine Haltung der nicht bewertenden Aufmerksamkeit gegenüber sich selbst und der Umwelt. In der Schule umfasst Achtsamkeit insbesondere die Beziehungsgestaltung zwischen Lehrer – Schüler – Mitschüler. Konkret heißt das: Zeit und Raum für Stille, Selbstwahrnehmung und -beobachtung, Sinnesschulung zur Entspannung, Konzentration und Persönlichkeitsstärkung.

Zentrale Rolle spielt hier der ganzheitliche Ansatz: Achtsamkeit bezieht bewusst Körper und Gefühle mit ein. Der Körper ist nicht nur Träger des Kopfes. Schüler und Lehrer sind weit mehr als ihre kognitive Leistung. Achtsamkeit ist keinesfalls nur auf eine Methode im Sinne von Achtsamkeitsübung reduzierbar, sondern verändert die Haltung der Beteiligten nachhaltig.

Praxis Schule

Aber was heißt das konkret? Glaubwürdig vermitteln kann nur der Achtsamkeit im hier gemeinten Sinne, der selbst Erfahrungen gesammelt hat. Der Lehrer, der bemerkt, wie sich sein Schritt auf dem Weg zur ungeliebten Klasse plötzlich verändert und sein Hals eng wird beim Anblick eines besonders aggressiven Schülers. Allein im nicht bewertenden Wahrnehmen verändert sich die Situation. Sie entspannt sich. Aber das will geübt sein. Die Kinder sitzen mit geradem Rücken und geschlossenen Augen ruhig auf ihren Stühlen. Sie sollen sich eine Zitrone vorstellen und sie bemerken, wie ihnen der Speichel im Mund zusammenläuft.

So beschreibt Vera Kaltwasser in ihrem Ratgeber für die pädagogische Praxis »Achtsamkeit in der Schule« eine einführende Übung. Seit 2004 sammelt die Lehrerin Erfahrungen in der praktischen Umsetzung. Was in den USA vielerorts anerkannte Praxis ist, stößt in Deutschland auf Widerstand bei Lehrern, Eltern und Behörden. Es fehlt an Klarheit, dass es sich um weltanschaulich neutrale Übungen jenseits von Religion oder Therapie handelt. Lehrkräfte und Eltern müssten erst selbst Erfahrungen sammeln, um zu wissen, was Achtsamkeit sein könnte. Behutsam vorbereitet, motivierend und mit flexiblen kleinen Elementen setzt Vera Kaltwasser Achtsamkeitsübungen im Unterricht ein. Übungen im Sitzen oder Stehen wie Bauchatmen, Phantasiereisen, Aufweck­übungen oder Spiele mit dem Energieball. Über die Figuren Miesi und Schlurfi vermittelt Kaltwasser den Zusammenhang von Körperhaltung und (Un-)Wohlbefinden. Sie schafft Stille-Inseln in Zeiten der Zerstreuungsindustrie und Informationsflut. Es wird nachvollziehbar, dass Kinder durchaus in der Lage sind, den »Autopiloten« (unbewusste automatische Reaktionsmuster) wahrzunehmen und sich von ihm zu distanzieren. Negativerfahrungen bei der ersten Mathearbeit, verdrängte Erinnerungen an vernichtende Elternblicke und Bauchschmerzen wirken tief abgespeichert lange weiter. Ein bewusstes Wahrnehmen innerer Prozesse, Körpersymptome und Gedanken kann die Befreiung von jahrelangen Blockaden unterstützen.

Auch Dr. Josef Keuffer, Direktor des Instituts für Lehrerbildung und Schulentwicklung in Hamburg, ist von der Notwendigkeit einer Achtsamkeitspraxis in der Schule überzeugt. So bietet das Institut ein freiwilliges Lehrertraining in einem bewertungsfreien Raum innerhalb der zweiten Ausbildungsphase an. »Der thematisierte Umgang mit Emotionen in der Lehrerausbildung ist vielfach noch neu und nicht ganz einfach«, so Keuffer.

Achtsamkeit in der Erziehungswissenschaft

Achtsamkeit kam in der pädagogischen Diskussion der letzten zehn Jahre nicht vor. Die Wissenschaft tat sich schwer: In welches Terrain sollte Achtsamkeit gehören? Ängste gegenüber der Reformpädagogik, die die Trennung von Schüler und Lehrer aufzuheben schien, verstärkten das Misstrauen. Andererseits liegen im Rahmen der Philosophie, Psychologie und Neurowissenschaften schon zahlreiche fundierte Untersuchungen und Publikationen vor, deren Resultate die Erziehungswissenschaft befruchten könnten. Besonders erwähnenswert ist hier MBSR (Mindful Based Stress Reduktion), zu Deutsch »achtsamkeits-basierte Stressreduktion« von Jon Kabat Zinn, die bei Burn Out von Managern, aber auch Lehrern zunehmend erfolgreich angewandt wird. An der Universität Bielefeld und im Gefolge zurzeit am Oberstufenkolleg des Landes Nordrhein Westfalen laufen, – initiiert durch Keuffer und unter der aktuellen Leitung von Jürgen Elsholz –, Forschungen zum Thema »Achtsamkeit in der Pädagogik«. Die Ergebnisse sind bis dato als positiv einzustufen. Zunehmende Wachheit, ein besseres Körperbewusstsein und ein angenehmes Gefühl sind die wesentlichen Rückmeldungen aus Selbstbefragungsbögen von Studenten. Vereinzelt gab es Widerstand gegen die ungewohnte Nähe zur Lehrkraft. Die Studie »Achtsamkeit und Stressmanagement«, die von der Universität München zu Vera Kaltwassers Konzept durchgeführt wurde, wird Ende des Jahres mit den Daten veröffentlicht werden.

Diskussion

Zu Ende gedacht implementiert Achtsamkeit kritische Anfragen an Schule: Menschenbild, Thema Bewertung, Bildungsbegriff, sowie die Rolle des Lehrers stehen hier zur Diskussion. »Wie viel Körper braucht die Bildung?«, »Ausbildung und Bildung?«, die »Rolle von Gefühlen«, ein »wertungsfreier Raum in einem System von Bewertungen?« sind einige zentrale Fragen. Achtsamkeitsübungen stehen in Gefahr, als Methode der Leistungsoptimierung missbraucht zu werden. Die Persönlichkeit des Lehrers steht mehr denn je im Fokus der Aufmerksamkeit. Der Lehrer ist die Lehre, zumindest in Bezug auf die Vermittelbarkeit von Achtsamkeit. Nur wer selbst Erfahrungen gesammelt hat, kann etwas davon vorleben und weitergeben. Und das kann nur freiwillig geschehen. Dann kommt es allerdings allen Beteiligten zugute: dem Lehrer, der keine Angst mehr vor Schülern haben muss, den Schülern, die wacher und mitfühlender mit sich und den anderen umgehen und dem System, das Bildung und Ausbildung betreiben kann und so wieder zum wichtigen Baustein innerhalb einer überlasteten Gesellschaft werden könnte. »Ich bin jetzt mit mir selbst befreundet« ist das Fazit einer, von Kaltwasser zitierten, Schülerin. Oder mit Karl Valentin: »Heute besuche ich mich. Hoffentlich bin ich zuhause!«

Literatur

Altner, Nils (2009): Achtsam mit Kindern leben. München
Kaltwasser, Vera (2008): Achtsamkeit in der Schule. Weinheim
Kaltwasser, Vera (2010): Persönlichkeit und Präsenz. Achtsamkeit im Lehrerberuf. Weinheim 2010
Internationaler Achtsamkeitskongress, Hamburg (2011): Zusammenfassungen unter:
http://blog.achtsamkeitskongress.de/

Weiterbildung

Das Weiterbildungsangebot »Achtsame acht Wochen« bei Vera Kaltwasser ist unter www.vera-kaltwasser.de zu finden.

Stefanie Breme-Breilmann ist Germanistin, Mutter zweier Söhne, ehemalige Schulelternbeiratsvorsitzende und freie Journalistin. Profil über Xing einsehbar

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Wirtschaft fordert mehr Horte an Grundschulen

Einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) zufolge ist die Nachmittagsbetreuung von Grundschulkindern in vielen Gebieten unzureichend und decke nicht den tatsächlichen Bedarf. Der DIHK hatte nach eigenen Angaben rund 5 000 Schulen befragt. Das Ergebnis zeigt, dass sich die Eltern selbst in Schulen, die eine Betreuung anbieten, häufig noch zusätzliche Angebote wünschen.

Derzeit bietet der Umfrage zufolge jede siebte Grundschule keine Nachmittagsbetreuung an. Nur sechs Prozent der Horte betreuten die Kinder auch noch nach 17 Uhr; jede fünfte Schule machte dagegen vor oder um 15 Uhr zu. Dabei gebe es einen deutlichen Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschland: Fast alle ostdeutsche Schulen haben eine Nachmittagsbetreuung, in Westdeutschland gebe es dagegen »weiße Flecken«. In Hamburg wird die ganztägige Betreuung in den kommenden drei Jahren auf alle Grundschulen ausgeweitet.

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Mobilität der Studierenden unverändert

Rund ein Viertel der Studierenden an deutschen Universitäten hat einen Teil des Studiums im Ausland absolviert. Zu diesem Ergebnis kommt die Mobilitätsstudie des Hochschul-Informations-Systems (HIS) für 2011 hervor. Damit ist die Mobilität der Studierenden praktisch unverändert; im Jahr 2009 hatte sie zwar bei 26 Prozent gelegen, im Jahr 2007 jedoch nur bei 23 Prozent.

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Medienkompetenz: Südkorea vorn

Südkoreanische Schülerinnen und Schüler können digitale Texte deutlich besser lesen und online geschickter navigieren als ihre Altersgenossen aus dem Rest der Welt. Dies zeigt eine Zusatzerhebung zur OECD-PISA-Studie »Students on line« hervor. Sie zeigt, dass auch die Schülerinnen und Schüler in Neuseeland und Australien gut platziert sind.

Schlusslichter sind indes Chile, Österreich und Polen. Für Deutschland wurden keine Zahlen erhoben. Die Studie zeigt auch, dass die digitale Kompetenz nicht vom Zugang zum Computer abhängt: So nutzen in Österreich 98,2 Prozent der Schülerinnen und Schüler zu Hause und 84,1 Prozent in der Schule einen Computer. In Südkorea sind es nur 87,5 beziehungsweise 62,7 Prozent.

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Schlanker

Zahl der übergewichtigen Kinder an den deutschen Schulen sinkt

Seit einigen Jahren sinkt die Zahl der übergewichtigen Kinder an den deutschen Schulen. Dies zeigt eine Studie von Ärzten der Universitätskinderklinik Ulm, die vor kurzem im Fachblatt »European Journal of Pediatrics« veröffentlicht worden ist. Die Wissenschaftler haben die Größen- und Gewichtsdaten von mehr als 600 000 Schulanfängern aus allen 16 Bundesländern aus dem Jahr 2008 ausgewertet. Das Ergebnis: Im Vergleich zum Jahr 2004 ist der Anteil der Übergewichtigen um bis zu drei Prozent zurückgegangen. Dies gilt für alle Bundesländer mit Ausnahme von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, in denen ein minimaler Anstieg festzustellen war.

Im Vergleich der Bundesländer verzeichnen Brandenburg und Sachsen mit 8,5 beziehungsweise 8,4 Prozent den geringsten Anteil an übergewichtigen Schülerinnen und Schüler, gefolgt von Bayern mit 8,6 Prozent. Den höchsten Anteil haben Bremen und Thüringen mit jeweils 11,9 Prozent.

Übergewicht und Fettleibigkeit bergen verschiedene Gefahren für die Gesundheit: So steigen die Risiken für Bluthochdruck, Diabetes und orthopädische Leiden. Zugleich haben übergewichtige Kinder häufiger psychische Probleme und leiden öfter an Depressionen. Die Klassifizierung des Körpergewichts geht auf die Weltgesundheitsorganisation WHO zurück. Sie unterscheidet vier Gewichtskategorien: Untergewicht besteht bei einem Body Mass Index (BMI) von unter 18,5. Ein BMI zwischen 18,5 und 24,9 gilt als Normal- oder Idealgewicht. Liegt der BMI über 25, so wird von Übergewicht gesprochen, bei über 30 von Fettleibigkeit. Der BMI errechnet sich, indem das Gewicht durch das Quadrat der Körpergröße (in Metern) geteilt wird.

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Laptops für alle Schüler

Alle Schülerinnen und Schüler sollen mit Laptops ausgestattet werden. Dies fordert die Enquetekommission »Internet und Digitale Gesellschaft« des Deutschen Bundestages, die vor kurzem den Zwischenbericht der ProjektgruppeMedienkompetenz verabschiedet hat. Sie verlangt außerdem, dass medienpädagogische Inhalte in den Lehrplänen aller Schularten verankert werden.

In ihrem Zwischenbericht identifiziert die Projektgruppe acht medienpädagogische Kernkompetenzen, die ihrer Auffassung nach im Unterricht aller Schularten vermittelt werden sollten:

  • Technische Fertigkeiten, die zum Selbstlernen befähigen, z. B. der Umgang mit Hard- und Software, ein Grundverständnis vom Aufbau des Internets,
  • kritisches Hinterfragen von Inhalten, z. B. Quellen und Absichten von Sendern einschätzen können,
  • kompetenter Umgang mit der Informationsflut, z. B. sinnvolle Nutzung der Meinungsvielfalt im Internet,
  • Risikobewusstsein, z. B. Kenntnis von Gefahren beim Datenschutz, Betrug, Missbrauch,
  • Kreativität bei der Schaffung von Inhalten und ein verantwortlicher Umgang mit ihnen,
  • Grundlagenkenntnisse, insbesondere das Beherrschen der Kulturtechniken Lesen und Schreiben,
  • Informationskompetenz, also die Fähigkeit, Informationen zu bewerten und zu nutzen,
  • Befähigung zum Erstellen eigener Inhalte, z. B. auf Webseiten und in Blogs.

Um diese Kompetenzen erlernen oder vermitteln zu können, müssen nach Ansicht der Kommission die politischen Rahmenbedingungen deutlich verbessert werden. Neben dauerhaften Investitionen in die Infrastruktur sein ein innovationsfreundliches Klima im Bildungssystem notwendig, das die Initiative einzelner Akteure und damit pädagogische und didaktische Neuerungen fördert, heißt es in dem Zwischenbericht zur Medienkompetenz. In ihren Handlungsempfehlungen an die Politik empfiehlt die Kommission die Ausstattung aller Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufen I und II mit mobilen Computern. Die Laptops sollten nicht in separaten Räumen stehen oder dem Klassenverbund gehören, sondern den Schülerinnen und Schülern unterrichts­übergreifend und rund um die Uhr zur Verfügung stehen.

Lehrerinnen und Lehrer werden in dem Zwischenbericht dazu aufgefordert, ihr bisheriges Bild von der Lehre aufzugeben. »Ihre neue Rolle ist die eines Navigators und Katalysators. Gerade Jugendliche sind als Experten anzuerkennen und für so genanntes peer-to-peer-teaching zu gewinnen«, heißt es in dem Bericht.

Die geringe Berücksichtigung der Medienbildung in der Lehramtsausbildung benennt die Kommission als grundlegendes Problem. »Angehende Lehrerinnen und Lehrer lernen kaum den pädagogisch sinnvollen Einsatz von interaktiven Medien sowie die Vermittlung von Medienkompetenz«. Gleiches gelte auch für Erzieher(innen), Sozialarbeiter(innen) und die Lehrenden an den Hochschulen.

Der Zwischenbericht kann unter www.bundestag.de/internetenquete/dokumentation/2010/Medienkompetenz/index.jsp bezogen werden.

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»Opus Dei« gründet Knabenschule in Potsdam

Der katholische Laienorden »Opus Dei« (»Werk Gottes«) darf in Potsdam sein erstes Knabengymnasium im Deutschland gründen. Vor kurzem hat das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg entschieden, dass die vom Brandenburger Bildungsministerium ausgesprochene Ablehnung der Schulgründung rechtswidrig ist. Während das Bildungsministerium diese Entscheidung bedauerte, äußerte sich der Leiter der Berliner Dependance von »Opus Dei«, Horst Hennert, »zufrieden« über die Entscheidung. Damit sei die »Wahlfreiheit der Eltern« gewahrt. Bis zur Eröffnung der Schule werde es noch eine gewisse Zeit dauern, weil erst ein Gebäude, Lehrer und Interessenten gesucht werden müssten.

Der »Opus Dei«-nahe Förderverein betreibt im nordrhein-westfälischen Jülich bereits seit 40 Jahren eine Mädchenschule. Hennert betonte, dass sich die Potsdamer Knabenschule an die organisatorischen und inhaltlichen Vorgaben des Landes Brandenburg halten werde. Für den Religionsunterricht und die »seelsorgerische Betreuung« der Jungen werde ein Priester von »Opus Dei« zuständig sein.

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Wettbewerb »FrancoMusiques« geht in die fünfte Runde

Die französische Botschaft, die Musik­agentur bureauexport und der Cornelsen Verlag veranstalten in diesem Schuljahr zum fünften Mal den Schülerwettbewerb FrancoMusiques. In den vergangenen Jahren beteiligten sich mehr als 5 500 Jugendliche; sie komponierten, arrangierten und sangen eigene Chansons.

In dem Wettbewerb werden Jugendliche dazu aufgerufen, ein eigenes Lied in französischer Sprache zu komponieren, zu schreiben und zu singen. Teilnehmen können alle Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufen I und II sowie berufsbildenden Schulen in Deutschland. Möglich sind Gemeinschaftsprojekte in der Klasse oder Einzelbeiträge. Eine französisch-deutsche Jury bewertet und prämiert die Einsendungen. Inspiration liefert die Musik-CD »FrancoMusiques 2011/12«, die kostenfrei unter www.cornelsen.de/francomusiques bestellt werden kann. Auf die drei Gewinnerteams warten Geldpreise im Wert von insgesamt 2 000 Euro für die Klassenkasse. Einsendeschluss für die Beiträge ist der 31. Januar 2012. Die Sieger werden zur festlichen Preisverleihung im Frühjahr 2012 eingeladen.

Zum fünfjährigen Jubiläum konnten renommierte Reiseveranstalter gewonnen werden: Den Preisträgern von FrancoMusiques winken Frankreich-Reisen und die Teilnahme am Musikworkshop rock´n´fle im Wert von 10 000 Euro, die von Atout France (Französische Zentrale für Tourismus), dem Deutsch-Französischen Jugendwerk und dem französischen Verein VMSF Vacances musicales sans frontières gestiftet werden. Bei den einwöchigen Ferienaufenthalten stehen Musik und Kultur im Vordergrund: die Gewinner treffen auf junge Franzosen, um gemeinsam musikalisch und künstlerisch aktiv zu werden.

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Finanzpolitik kinderleicht

Bundesfinanzministerium erklärt Finanzpolitik für junge Leute im Web

Das Bundesministerium der Finanzen in Berlin (BMF) bietet seit kurzem auf der Website www.finanzforscher.de in jugendgerechter Weise Informationen zur Finanzpolitik, ein Lexikon, Quizfragen und das Online-Spiel »Pecunia Island« an. Es handelt sich um das erste auf die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen zugeschnittenes Online-Angebot zur Klärung komplexer finanz-, haushalts- und steuerpolitischer Fragen. Die neue Website will Kindern und Jugendlichen ihre Berührungsängste angesichts schwieriger Themen wie Staatsschulden, Haushaltskonsolidierung oder Fragen zum Euro nehmen. Die Annäherung erfolgt über eine persönliche Ansprache und eine spielerische Auseinandersetzung.

Auf www.finanzforscher.de finden Webuser ab ca. zwölf Jahren praxisrelevante Informationen zum Einstieg in die Welt der Finanzen. Die Website startet mit sechs Themenrubriken: Europa, Geld im Web, Haushalt, Ministerium, Steuern und Zoll. Es gibt erklärende Hintergrundtexte und ein umfassendes Lexikon, in dem die Leserinnen und Leser aktuelle politische Themen und Begriffe von Altersvorsorge bis Zoll nachschlagen können. In Text und Bild können sie zudem erfahren, wie ein Tag im Leben des Bundesfinanzministers aussieht. Nach jedem gelesenen Text lädt ein Quiz zum Selbsttest ein und ein »Blitzmerker« fasst die wichtigsten Punkte zusammen. Damit wird deutlich, wie viel Finanzpolitik in unserem Alltag steckt.

Auf der Website finden die Nutzer auch das Spiel »Pecunia Island«, das für die Dauer einer Legislaturperiode das Zusammenspiel von Einnahmen und Ausgaben in einem Haushalt simuliert. Die Spielerinnen und Spieler können ihren eigenen Charakter anlegen und ins Rennen schicken. Gespielt wird mit eigener Währung und jeder Menge Verantwortung. Bürgerinnen und Bürger, die nicht gerne Steuern zahlen, können einem dabei ebenso begegnen wie hohe Schulden – ganz wie im Leben eines echten Bundesfinanzministers.

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Wettbewerb »Schule macht Zukunft«

Im Rahmen des 16. Schülerwettbewerbs der Zeitschrift »Focus« sind Lehrer und Schüler der 8. bis 13. Klasse aufgerufen, Visionen und Konzepte für eine vernetzte Zukunft zu entwickeln. In Zusammenarbeit mit einem Partner aus Gesellschaft, Wirtschaft, Forschung oder Kultur können Schülerinnen und Schüler die berufliche Praxis hautnah erleben. Dabei sollen grundlegende Kompetenzen für das Berufsleben wie Teamfähigkeit, Organisationstalent und der Umgang mit Medien geschult werden. Für die Projektarbeit stehen folgende Themen zur Auswahl:

  • Information und Kommunikation
  • Technik und Wirtschaft
  • Naturwissenschaft und Forschung
  • Medien und Sprache
  • Ernährung und Nachhaltigkeit
  • Umwelt und Leben

Als Preise winken eine Reise in die Metropolregion Mumbai (Indien) sowie zahlreiche Besuche bei renommierten Innovations- und Technologiezentren in Deutschland. Interessierte Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler können sich bis zum 31. Januar 2012 unter der Adresse www.focus.de/schuelerwettbewerb anmelden.

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Migranten hoffen auf Aufstieg durch Bildung

Viele Zuwandererfamilien in Deutschland wünschen sich eine bessere Bildung für ihre Kinder und sind teilweise auch bereit, mehr dafür zu bezahlen. Dies zeigt eine vor kurzem erschienene Umfrage der Bertelsmann-Stiftung. Demzufolge befürworten 71 Prozent der russisch- und 76 Prozent der türkischsprachigen Befragten eine bessere Ausstattung von Schulen in benachteiligten Stadtgebieten. Unter den deutschsprachigen Befragten fällt dieser Wunsch geringer aus, der Wert liegt bei 66 Prozent. Überraschend ist, dass 73 Prozent der deutschprachigen, 82 Prozent der Befragten mit türkischem und 67 Prozent der Bürgerinnen und Bürger mit russischem Migrationshintergrund bereit sind, für ein besseres Bildungssystem mehr Steuern zu bezahlen.

Die Umfrage zeigt auch, dass die Befragten der Hauptschule skeptisch gegenüberstehen: Sie gilt vielen Zuwanderern als nicht ausreichend, um in der Gesellschaft voranzukommen. 63 Prozent der Einwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion und 76 Prozent der türkischen Migranten vertreten diese Auffassung.

Auch in der vorschulischen Bildung liegen die Zustimmungswerte bei den Befragten mit Migrationshintergrund über dem Durchschnitt, wenn es um die Verbindlichkeit des Kitabesuchs geht.

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Viele Bürger können nicht lesen und schreiben

In Deutschland gibt es immer noch viele Menschen, die nicht richtig lesen und schreiben können. Eine vor kurzem veröffentlichte Studie der Bundesregierung gibt die Zahl sogenannten funktionalen Analphabeten im Alter zwischen 18 und 64 Jahren mit 7,5 Millionen an. 4,4 von ihnen haben Deutsch als Erstsprache gelernt. Die Studie ist von der Universität Hamburg durchgeführt worden; sie kann unter http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2011/03/2011-03-02analphabetisierung.html bezogen werden.

Die UNESCO geht weltweit von etwa 793 Millionen Analphabeten aus. Ihren Angaben zufolge lebt etwa die Hälfte von ihnen in den vier bevölkerungsreichsten Staaten der Erde, das sind China, Indien, Bangladesh und Pakistan.

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NRW plant Online-Test für Studienbewerber

Die deutschen Hochschulen haben seit vielen Jahren hohe Abbrecherzahlen zu verzeichnen: Mindestens ein Fünftel der Studierenden bricht das Studium ab, und in den Natur- und den Geisteswissenschaften liegen die Quoten zum Teil noch deutlich höher. Hier will Nordrhein-Westfalen jetzt gegensteuern: Um jungen Leuten die Studienwahl zu erleichtern, soll im größten Bundesland bis zum Jahr 2013 ein einheitlicher Online-Selbsttest eingeführt werden. Damit sollen die Studienbewerber herausfinden können, wo ihre Stärken und Schwächen liegen und welches Fach für sie geeignet ist. Für die Entwicklung des Tests hat das Wissenschaftsministerium rund 1,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Derzeit bieten bereits die Universitäten in Bonn und in Aachen solche Tests an. Ein Sprecher des Wissenschaftsministerium erklärte bei der Vorstellung der Planungen, dass der Test von möglichst vielen Hochschulen genutzt werden soll, aber für die Bewerber nicht verbindlich sein wird. Die Hochschulen sollen die Ergebnisse des Tests einsehen dürfen, allerdings ohne die Nutzerdaten zu kennen. Auf diese Weise können sie ein differenziertes Angebot zur Nachschulung und für Brückenangebote entwickeln.

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Studie: Jeder zehnte Schüler mobbt via Internet

Mit der universellen Verfügungbarkeit des mobilen Internets steigen auch die Fallzahlen beim sogenannten »Cybermobbing«. Virtuell und anonym fallen Kinder und Jugendliche dabei im Internet gezielt übereinander her – oft mit fatalen Folgen (vgl. auch PÄDAGOGIK 1/2011). Eine repräsentative Studie der Techniker Krankenkasse (TK) zeigt: Mehr als jeder dritte Jugendliche war schon einmal Opfer des Mobbings via Internet. Und jeder Zehnte ist nach eigener Aussage selbst schon einmal Täter gewesen. Die wirkliche Zahl der Täter dürfte deutlich höher liegen.

Der Tatort ist das Kinderzimmer: 99 Prozent der Befragten gaben an, zu Hause auf das Internet zuzugreifen, und neun von zehn Schülern nutzen dabei auch soziale Netzwerke (66 Prozent täglich). Tatort Nummer zwei ist die Schule selbst (59 Prozent), an Platz drei steht das gemeinsame Surfen bei Freunden (54 Prozent). Hinzu kommt, dass jeder Vierte auch mobil auf das Internet zugreift.

Die Befragung ergab: Jeder Fünfte hält es für wahrscheinlich, selbst einmal zum Täter zu werden. Besonders deutlich zeigt sich dies bei denjenigen, die das Internet täglich mehr als drei Stunden nutzen. Ihre Bereitschaft, selbst zum Mobber zu werden, ist deutlich höher als die des Durchschnitts.

Im Rahmen der Studie wurde auch nach den Mitteln der virtuellen Attacken gesucht. An erster Stelle stehen dabei Drohungen und Beleidigungen (18 Prozent), gefolgt von übler Nachrede (13 Prozent) bis zu Identitätsmissbrauch (acht Prozent) und unberechtigter Weitergabe privater Mails oder Fotos (drei Prozent).   Die Befragung zeigt auch, dass Täter weitestgehend ungehindert auf das World Wide Web zugreifen: Nur bei 17 Prozent der Befragten sind Seiten gesperrt, und nur bei rund jedem Zweiten nehmen Eltern Einfluss auf die Dauer (58 Prozent) oder die Inhalte (41 Prozent) der Internet-Nutzung.

Die Attacken aus dem Internet bleiben nicht ohne Folgen: 66 Prozent der Befragten gaben an, wütend zu sein, jeder Dritte fühlte sich sehr verletzt (35 Prozent), jeder Fünfte verzweifelt oder hilflos. Auf diese Weise bleiben auch körperliche Beschwerden nicht aus. 18 Prozent gaben an, Schlafstörungen zu haben, auch Kopf- und Bauchschmerzen führen Schüler auf die Internet-Attacken zurück (jeweils sechs Prozent).

Für die repräsentative Umfrage hat das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der TK im Frühjahr 2011 bundesweit rund 1 000 in Privathaushalten lebende deutschsprachige Schülerinnen und Schüler im Alter von 14 bis 20 Jahren zu ihrem Internet-Nutzungsverhalten und Cybermobbing befragt.  

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Materialien

Bewegungspaket »Fit zum Lernen«

Rund zwei Drittel der Kinder in Norddeutschland (Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein) bewegen sich außerhalb der Schulzeit weniger als eine Stunde pro Tag, jedes dritte Kind bewegt sich sogar nicht mehr als 30 Minuten täglich. 20 Prozent der Kinder leiden ferner darunter, dass sie sich auch in der Schule zu wenig bewegen. Das sind die alarmierenden Ergebnisse einer repräsentativen Forsa-Elternumfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK).

Im Bewegungspaket der TK »Fit zum Lernen« finden Lehrerinnen und Lehrer Anregungen für einen bewegten Unterricht. Mit den erprobten Übungs- und Spielvorschlägen kann spielerisch Aufmerksamkeit geschaffen und die Klasse aktiviert werden. Fachinhalte werden kindgerecht vermittelt, so dass die Schüler mit Leib und Seele dabei sind. Das Unterrichtspaket wurde in Zusammenarbeit mit der Sportwissenschaftlerin Professor Renate Zimmer von der Universität Osnabrück entwickelt und kann von Lehrkräften kostenfrei bei der TK unter www.tk.de, Stichwort »Fit zum Lernen« angefordert werden.

Kinder denken mit dem Herzen

Wie geht kindgerechtes Lernen, und was weiß die Hirnforschung darüber? Auch wenn Lehrer und Eltern vieles intuitiv richtig machen und manches aus der Lerntheorie bekannt ist, herrschen in der Schule oft Lernbedingungen, die in neurowissenschaftlicher Hinsicht nicht sinnvoll sind. Kinder lernen nämlich nur dann nachhaltig, wenn etwas sie emotional berührt – das belegen die neuesten Erkenntnisse, die die Gehirnforscherin Margret Arnold in ihrem Buch »Kinder denken mit dem Herzen«vorstellt. Erst wenn Lernen ein tiefes Erleben ist, lernen Kinder am besten. Also immer dann, wenn sie selbst aktiv Verantwortung übernehmen, echte Entscheidungen treffen, sich durchsetzen, mit anderen zusammenleben, Beziehungen gestalten, eigenständige Ideen entwickeln, logisch weiterdenken können und ihr Leben selbstständig führen wollen. Wie das Lernen für solche tiefen und lebenslang prägenden Erfahrungen Impulse setzen kann, zeigt die Autorin in ihrem Buch. Es bringt den Stand der neurowissenschaftlichen Forschung zum Thema »kindgerechtes Lernen« auf den Punkt und zeigt konkrete Anwendungsfelder und Umsetzungsmöglichkeiten auf: Die Autorin gibt Eltern und Lehrern zwölf Prinzipien an die Hand und liefert viele Beispiele, wie die Erkenntnisse der Hirnforschung ganz praktisch und umfassend im Familienalltag und Unterricht umgesetzt werden können. Das Buch ist im Beltz Verlag erschienen und kann zum Preis von 17,95 Euro im Buchhandel bezogen werden (ISBN 978-3-40785-924-2).

Internet-Führerschein für Kinder

Auch wenn das Internet bereits für viele Grundschulkinder alltäglich geworden ist: Der richtige Umgang mit dem Medium, den vielen Informationen sowie möglichen Stolpersteinen und Gefahren will gelernt sein! Mit den vor kurzem im Verlag an der Ruhr erschienenen Unterrichtsmaterialien »Der Internet-Führerschein für Kinder« lernen die Kinder das Internet von Grund auf kennen: Wie ist eine Internetseite aufgebaut? Wie erkennt man vertrauenswürdige Seiten? Was hat ein »Menü« im Internet verloren? Was macht eine gute Suchmaschine für Kinder aus? Welche Chats sind für Kinder geeignet? Wo lauern Gefahren? Am Beispiel unterschiedlicher Kinder-Suchmaschinen erarbeiten die Surfanfänger z. B. eigene Recherchetechniken und trennen treffende von unpassenden Suchergebnissen. Schritt für Schritt lernen die Kinder so die Vielfalt und gleichzeitig die Risiken des Netzes kennen und können sich auf dieser Grundlage sicherer durch die Informationsfluten bewegen. Die Unterrichtsmaterialien sind in Kooperation mit der Kindersuchmaschine fragFINN e. V. entstanden und können zum Preis von 19,90 Euro im Buchhandel bezogen werden (ISBN 978-3-8346-0781-2).

Ein kritischer Beitrag zur Kindersuchmaschine fragFINN.de von Karla Etschenberg ist in PÄDAGOGIK H. 10/2011, S. 36 ff. erschienen.

Computerspiele: Altersfreigabe und Jugendschutz

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz (BAJ) hat das im Jahr 2009 veröffentlichte Dossier »Computerspiele: Altersfreigabe und Jugendschutz« überarbeitet und aktualisiert. Im Dossier wird der aktuelle Stand der gesetzlichen Regelungen in Bezug auf die Altersfreigaben von (Online)Computerspielen dargestellt. Ausführlich werden die Prüfpraxis der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) sowie die Prüfkriterien in Bezug auf Computerspiele erläutert. Darüber hinaus werden pädagogische Empfehlungen für Eltern zu Kauf und Umgang mit Computerspielen gegeben. Ein Serviceteil mit Literaturhinweisen, einem Glossar und Ansprechpartner runden die Publikation ab. Die Neuauflage des Dossiers kann kostenlos über die Homepage der BAJ (www.bag.jugendschutz.de) oder über die Adresse: Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz (BAJ), Mühlendamm 3, 10178 Berlin, E-Mail: material(at)bag-jugendschutz.de bestellt werden.

Ansprüche an eine humane Schulgestaltung

Unter diesem Titel ist vor kurzem ein Buch von Wilfried Baur erschienen, das von Lehrenden eine Anwaltschaft für die Lernenden fordert, damit diese sich individuell entfalten können und in positiver Lernatmosphäre zu Selbstbewusstsein und Selbstdenken finden. Hierin stimmt es überein mit den Erkenntnissen der Hirnforschung, denen zufolge die Leistung der Lernenden mit ihrem Selbstbewusstsein wächst. Daher sollte Baur zufolge der Unterricht den Schülerinnen und Schülern ermöglichen, sich interessegeleitet und ohne lehrerzentrierte Einengung Lerngegenstände zu erarbeiten. Erforderlich sei daher eine Öffnung des Unterrichts. Sie verlange Verkehrsformen, die Schülerinteressen in den Mittelpunkt rücken. Damit liefert der Autor eine umfassende theoretische Begründung für einen offenen, schülerzentrierten Unterricht. Das Buch ist im Paulo Freire Verlag erschienen und kann zum Preis von 23,90 Euro im Buchhandel bezogen werden (ISBN 978-3-386585-223-6).

Mit dem Ball durchs Leben

Der Verein »Kickfair e. V.« und das Institut für Friedenspädagogik verknüpfen seit einigen Jahren die Themen Straßenfußball und Globales Lernen. Dabei wird ausgehend vom Fußball als einem globalen Phänomen ein Bildungskonzept entwickelt, für das didaktische Materialien und Lern­arrangements entwickelt werden. In diesem Kontext ist auch das Medienpaket »Mit dem Ball durchs Leben. Globales Lernen anhand von Frauenporträts aus der ganzen Welt« entstanden. Es erzählt die Geschichte von 13 Mädchen und Frauen aus zehn verschiedenen Ländern und Kulturen und ihre Leidenschaft für (Straßen-)Fußball. Das Medienpaket umfasst folgende Materialien:

  • eine Posterausstellung der 13 Mädchen und jungen Frauen (10,00 Euro)
  • eine 96-seitige Broschüre inkl. DVD mit Unterrichtsideen (13,– Euro)

Der Komplettpreis beträgt 20,– Euro. Auf www.fussballverbindet-diewelt.org können Hintergrundinformationen zu den Biographien heruntergeladen werden. Das Medienpaket kann unter folgender Adresse bezogen werden: Kickfair e. V., Senefelderstraße 19, 73760 Ostfildern, E-Mail: ress(at)kickfair.org, Internet: www.kickfair.org.

Training für die Stimme

Viel sprechen, laut sprechen, deutlich sprechen, mit Ausdruck sprechen – das sind nur einige Anforderungen, die an die Stimme von Lehrern gestellt werden. Hinzu kommen Faktoren wie Stress, trockene Luft und ein nicht selten hoher Lärmpegel. Die Lehrerstimme ist daher ständig hohen Belastungen ausgesetzt. Das vor kurzem erschienene Buch »So stimmt es mit der Stimme« von Rebecca Thömmes erklärt, wie man auch mit wenig Aufwand eigenständig etwas für sich und seine Stimme tun kann. Die Autorin zeigt Entspannungstechniken, gibt Tipps für die richtige Haltung und eine optimale Atmung ausnutzen und schlägt Übungen vor, um die Stimme effektiv und möglichst schonend einzusetzen. Das Buch ist im Verlag an der Ruhr erschienen und kann zum Preis von 15,90 Euro im Buchhandel bezogen werden (ISBN 978-3-8346-0763-8).

Sieben Minuten nach Mitternacht

Es ist sieben Minuten nach Mitternacht. Wie jede Nacht erwartet Conor bange den Alptraum, der ihn quält, seit seine Mutter unheilbar an Krebs erkrankt ist. Doch diese Nacht klopft etwas an sein Fenster und ruft seinen Namen: ein Wesen, das uralt ist und wild und weise – und das wie niemand sonst Conors Seele und seine geheimsten Ängste kennt. Von da an besucht das Wesen Conor jede Nacht. Durch die Geschichten, welche es dem Jungen erzählt, hilft das Wesen dem Jungen dabei, sich seinen Emotionen zu stellen – und seine Mutter loszulassen. Der zutiefst bewegende Roman »Sieben Minuten nach Mitternacht« von Patrick Ness nach einer Idee der im Jahr 2007 an Krebs gestorbenen Siobhan Dowd ist für die Hörbuchfassung von Maria Furtwängler gelesen worden, eindringlich und mit großer Glaubwürdigkeit. Ein Hörbuchereignis für Jugendliche wie für Erwachsene. Das Hörbuch ist im Hörverlag erschienen und kann zum Preis von 19,99 Euro im Fachhandel bezogen werden (ISBN 978-3-86717-783-2).

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Termine

Deutscher Schulleiterkongress 2012

Der zu Wolters Kluwer Deutschland gehörende Carl Link Verlag und der Verband Bildung und Erziehung (VBE) veranstalten am 16. und 17. März 2012 in Düsseldorf den ersten Deutschen Schulleiterkongress. Als Redner treten unter anderem der Neurobiologe Professor Gerald Hüther, der Bildungsforscher Professor Manfred Prenzel sowie der ehemalige Schweizer Fußballschiedsrichter Urs Meier auf. Das Motto des Kongresses lautet »Schulen gehen in Führung«. Im Mittelpunkt der Praxisforen und Vorträge stehen sechs Themenfelder: Strategien für Personalführung, Qualitätssicherung, den Einsatz neuer Medien und die Akquise von Sponsoren und Spendern sollen genauso praxisnah diskutiert werden wie die Themen Kommunikation und Kooperation sowie effizientes Schulmanagement. Ergänzt wird der Kongress um drei Preworkshops, die bereits am 15. März 2012 stattfinden werden, sowie eine Abendveranstaltung, bei der unter anderem der Gedächtnistrainer Oliver Geisselhart auftreten wird. Außerdem wird Bundespräsident Christian Wulff eine Rede halten. Interessierte Schulleiter können sich unter www.deutscher-schulleiterkongress.de für den Kongress anmelden.

Frank Lipowsky/Daniela Rzejak/Gisela Dorst

Lehrerfortbildung und Unterrichtsentwicklung

Oder: Wie können Wirkungen des eigenen Handelns erfahrbar gemacht werden?

Nicht nur Fortbildner sollten wissen, was wirksame Fortbildung ist. Auch für Lehrerinnen und Lehrer ist es wichtig zu wissen, was sie von Fortbildung erwarten können. Deshalb bilanziert der Beitrag den Forschungsstand zum Thema Lehrerfortbildung, skizziert die Möglichkeiten zur Entwicklung des fachdidaktischen und diagnostischen Wissens und zeigt, wie der Fokus auf das Lernen der Schüler gelegt werden kann. Außerdem wird an einem Beispiel verdeutlicht, wie die Wirksamkeit von Fortbildung erfahren und geprüft werden kann.

Werkstatt Individualisierung – 12. Folge

Annemarie von der Groeben/Ingrid Kaiser

Entwicklungsziel Individualisierung

Die zwölfte und letzte Folge der Serie »Werkstatt Individualisierung« widmet sich noch einmal zusammenfassend dem Entwicklungsziel Individualisierung und seiner Umsetzung in ein tragfähiges Konzept. An Beispielen wird gezeigt, wie Schulen die Zeitvorgaben flexibler gestalten und Individualisierung im Schulcurriculum verankern, wie hilfreiche Ordnungen durch Teamarbeit und Lehrerarbeitszeit geschaffen werden und wie die Eltern mitgenommen werden. Die Serie erscheint im Frühjahr 2012 in erweiterter Form als Buch.

PRO: Heike Rest
CONTRA: Babette Danckwerts

Gütesiegel für Schulen?

Gütesiegel für Schulen oder die Verleihung von Preisen sind inzwischen eine verbreitete Praxis – aber ist das auch ein sinnvoller Beitrag zur Schulentwicklung? Beabsichtigt ist eine Würdigung für gute Arbeit und das Sichtbarmachen von »Leuchttürmen«.

Umstritten ist, ob dies überhaupt Wirkungen hat und wenn ja, ob diese Wirkungen konstruktive Prozesse auslösen oder nicht vielmehr Skepsis, Argwohn und Neid provozieren, die den inhaltlichen Dialog erschweren. Eine ungewöhnliche und spannende Kontroverse.

Rainer Merkel

Kompetenzorientiert unterrichten

Kompetenzorientierung ist ein verbreitetes Signalwort – für die einen ist es bildungspolitisch motiviert, für die anderen ein neues Konzept mit Reformpotential. Und wie so oft war dieser Diskurs zu Beginn kaum abgestimmt mit den Interessen und Bedürfnissen von Lehrerinnen und Lehrern. Dies ist inzwischen anders. Die neueren Publikationen verbinden die Konzeptdiskussion mit praxistauglichen Vorschlägen. Damit wird immer besser nachvollziehbar, was kompetenzorientiert unterrichten bedeutet und wie das Potential genutzt werden kann.

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